Lehrer werden mit Funkalarm ausgestattet

21. Juni 2011, 14:09
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Vizebürgermeister Stocker über Prävention, Berlin-Neukölln und neue Sicherheitsmaßnahmen an Wiener Neustadts Schulen

Wiener Neustadt will die Sicherheit an den Schulen verbessern und die Lehrer mit Alarmsender ausstatten. derStandard.at sprach mit Christian Stocker, Vizebürgermeister und Stadtrat für Schulen und Kindergärten, über die Sicherheit an Schulen, notwendige Präventivmaßnahmen und Belastungen in der Gesellschaft.

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derStandard.at: Herr Vizebürgermeister, in Wiener Neustadt sollen über die Ferien an 20 Schulen Alarmknöpfe installiert werden. Warum ist das notwendig?

Stocker: In Wirklichkeit wird das ein Funksender sein, der einen akustischen Alarm auslöst. Es ist nicht so, dass wir eine schlechte Sicherheitslage an den Schulen hätten, vielmehr ist das eine vorbeugende Maßnahme. Aufgrund bestimmter Vorfälle in der Vergangenheit und den daraus resultierenden Gesprächen mit den Direktoren hat sich herausgestellt, dass eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme befürwortet wird. Man weiß ja nicht, was noch kommt.

derStandard.at: An welche Schulen kommen diese Alarmsender?

Stocker: In den Pflichtschulen und in den drei höheren Lehranstalten. Wir starten zuerst eine Pilotphase an einer Schule und schauen, ob sich das in der Praxis bewährt. Alle jene, die dieses zusätzliche Sicherheitstool haben wollen, können dann ihr Interesse anmelden. Wenn es budgetär möglich ist, werden wir es unterstützen. Derzeit holen wir Angebote ein. Ich gehe allerdings davon aus, dass die Kosten überschaubar sind.

derStandard.at: Wird pro Klassenraum ein Funksender installiert oder bekommen die Lehrer einen mobilen Sender?

Stocker: Geplant ist, dass die Lehrer den Alarmsender bekommen. Wenn sie sehen, dass etwas zu eskalieren droht, sollen sie von überall die Möglichkeit haben, den Alarm auszulösen.

derStandard.at: Und dann hört man einen lauten Ton?

Stocker: Ja, das ist vorerst einmal ein akustisches Signal. Wir schauen uns einmal an, welche Erfahrungen wir damit machen.

derStandard.at: Sie sagten, es gab Vorfälle aufgrund derer Sie sich entschieden haben, das Projekt zu starten. Welche Vorfälle waren das?

Stocker: Es kommen immer wieder schulfremde Personen in die Schulen. Manchmal ist es nicht so einfach diese wieder hinaus zu bringen. Zuletzt stand ein Halbwüchsiger in der Direktion einer Volksschule und sagte, er will wissen, wo ein bestimmter Schüler ist. Mit diesem hätte er ein Hühnchen zu rupfen und würde ihn gemeinsam mit seinen Freunden verprügeln.

derStandard.at: Welche Sicherheitsmaßnahmen sind an den Schulen jetzt schon vorhanden?

Stocker: Es gibt schulinterne Dienstanweisungen wie zu verfahren ist, wenn ein Krisenfall auftritt. Das ist nicht mein Thema. Ich bin als Schulstadtrat für Gebäude und die Ausstattung zuständig. Es gab viele Überlegungen, wie man die Sicherheit erhöhen kann. Wir sind dann zum Schluss gekommen, dass der Alarm das Einfachste und Effektivste ist.

derStandard.at: Unterstützt der Bürgermeister dieses Projekt?

Stocker: Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendwer gegen diese Sicherheitsmaßnahme ist.

derStandard.at: In einem Artikel steht, die Direktoren müssten auch von aufgebrachten Eltern geschützt werden?

Stocker: Das kommt nicht von mir. Wir haben keine eskalierenden Situationen, schon gar nicht zwischen Eltern und Lehrern. Schule ist aber ein emotionsgeladenes Thema und als Fangleine sollte man solche Sicherheitsmaßnahmen treffen. Es ist nicht so zu verstehen, dass wir den Alarm dringend brauchen, damit wir den Schulbetrieb aufrecht halten können.

derStandard.at: So ein heißes Pflaster wie Berlin-Neukölln ist Wiener Neustadt also noch nicht?

Stocker: Nein, das ist eine Präventivmaßnahme. Darauf lege ich Wert.

derStandard.at: Glauben Sie, dass die Stimmung an den Schulen immer geladener wird? Treffen Sie deshalb solche Vorkehrungen?

Stocker: Das ist an den Schulen nicht anders als in der Gesellschaft. Aufgrund der vielfachen Belastung der Menschen ist ihre Toleranzschwelle manchmal schneller erreicht. Das ist auch in den Schulen nicht anders.

derStandard.at:  Sie sind Verteidiger für Strafsachen. Bemerken Sie die steigenden Aggressionen auch in ihrem Berufsalltag?

Stocker: Wir haben nicht umsonst bei der Justiz, etwa in den Gerichtsgebäuden diverse Sicherheitsmaßnahmen eingebaut. Wenn man auf ein Problem aufmerksam wird, muss man ja nicht erst dann darauf reagieren, wenn es topaktuell oder am überkochen ist. (Katrin Burgstaller, derStandard.at, 21. Juni 2011)

CHRISTIAN STOCKER ist ÖVP-Vizebürgermeister in Wiener Neustadt und Verteidiger in Strafsachen.

  • Mobile Funkalarmgeräte sollen Lehrern und Schülern in Wiener Neustadt Sicherheit bieten.
    foto: fischer/standard

    Mobile Funkalarmgeräte sollen Lehrern und Schülern in Wiener Neustadt Sicherheit bieten.

  • VP-Vizebürgermeister Christan Stocker will Wiener Neustadts Schulen sicherer machen.
    foto: oevp nö

    VP-Vizebürgermeister Christan Stocker will Wiener Neustadts Schulen sicherer machen.

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