Wiener Neustadt

Lehrer werden mit Funkalarm ausgestattet

Katrin Burgstaller, 21. Juni 2011, 14:09
  • Artikelbild
    foto: fischer/standard

    Mobile Funkalarmgeräte sollen Lehrern und Schülern in Wiener Neustadt Sicherheit bieten.

  • Artikelbild
    foto: oevp nö

    VP-Vizebürgermeister Christan Stocker will Wiener Neustadts Schulen sicherer machen.

Vizebürgermeister Stocker über Prävention, Berlin-Neukölln und neue Sicherheitsmaßnahmen an Wiener Neustadts Schulen

Wiener Neustadt will die Sicherheit an den Schulen verbessern und die Lehrer mit Alarmsender ausstatten. derStandard.at sprach mit Christian Stocker, Vizebürgermeister und Stadtrat für Schulen und Kindergärten, über die Sicherheit an Schulen, notwendige Präventivmaßnahmen und Belastungen in der Gesellschaft.

***

derStandard.at: Herr Vizebürgermeister, in Wiener Neustadt sollen über die Ferien an 20 Schulen Alarmknöpfe installiert werden. Warum ist das notwendig?

Stocker: In Wirklichkeit wird das ein Funksender sein, der einen akustischen Alarm auslöst. Es ist nicht so, dass wir eine schlechte Sicherheitslage an den Schulen hätten, vielmehr ist das eine vorbeugende Maßnahme. Aufgrund bestimmter Vorfälle in der Vergangenheit und den daraus resultierenden Gesprächen mit den Direktoren hat sich herausgestellt, dass eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme befürwortet wird. Man weiß ja nicht, was noch kommt.

derStandard.at: An welche Schulen kommen diese Alarmsender?

Stocker: In den Pflichtschulen und in den drei höheren Lehranstalten. Wir starten zuerst eine Pilotphase an einer Schule und schauen, ob sich das in der Praxis bewährt. Alle jene, die dieses zusätzliche Sicherheitstool haben wollen, können dann ihr Interesse anmelden. Wenn es budgetär möglich ist, werden wir es unterstützen. Derzeit holen wir Angebote ein. Ich gehe allerdings davon aus, dass die Kosten überschaubar sind.

derStandard.at: Wird pro Klassenraum ein Funksender installiert oder bekommen die Lehrer einen mobilen Sender?

Stocker: Geplant ist, dass die Lehrer den Alarmsender bekommen. Wenn sie sehen, dass etwas zu eskalieren droht, sollen sie von überall die Möglichkeit haben, den Alarm auszulösen.

derStandard.at: Und dann hört man einen lauten Ton?

Stocker: Ja, das ist vorerst einmal ein akustisches Signal. Wir schauen uns einmal an, welche Erfahrungen wir damit machen.

derStandard.at: Sie sagten, es gab Vorfälle aufgrund derer Sie sich entschieden haben, das Projekt zu starten. Welche Vorfälle waren das?

Stocker: Es kommen immer wieder schulfremde Personen in die Schulen. Manchmal ist es nicht so einfach diese wieder hinaus zu bringen. Zuletzt stand ein Halbwüchsiger in der Direktion einer Volksschule und sagte, er will wissen, wo ein bestimmter Schüler ist. Mit diesem hätte er ein Hühnchen zu rupfen und würde ihn gemeinsam mit seinen Freunden verprügeln.

derStandard.at: Welche Sicherheitsmaßnahmen sind an den Schulen jetzt schon vorhanden?

Stocker: Es gibt schulinterne Dienstanweisungen wie zu verfahren ist, wenn ein Krisenfall auftritt. Das ist nicht mein Thema. Ich bin als Schulstadtrat für Gebäude und die Ausstattung zuständig. Es gab viele Überlegungen, wie man die Sicherheit erhöhen kann. Wir sind dann zum Schluss gekommen, dass der Alarm das Einfachste und Effektivste ist.

derStandard.at: Unterstützt der Bürgermeister dieses Projekt?

Stocker: Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendwer gegen diese Sicherheitsmaßnahme ist.

derStandard.at: In einem Artikel steht, die Direktoren müssten auch von aufgebrachten Eltern geschützt werden?

Stocker: Das kommt nicht von mir. Wir haben keine eskalierenden Situationen, schon gar nicht zwischen Eltern und Lehrern. Schule ist aber ein emotionsgeladenes Thema und als Fangleine sollte man solche Sicherheitsmaßnahmen treffen. Es ist nicht so zu verstehen, dass wir den Alarm dringend brauchen, damit wir den Schulbetrieb aufrecht halten können.

derStandard.at: So ein heißes Pflaster wie Berlin-Neukölln ist Wiener Neustadt also noch nicht?

Stocker: Nein, das ist eine Präventivmaßnahme. Darauf lege ich Wert.

derStandard.at: Glauben Sie, dass die Stimmung an den Schulen immer geladener wird? Treffen Sie deshalb solche Vorkehrungen?

Stocker: Das ist an den Schulen nicht anders als in der Gesellschaft. Aufgrund der vielfachen Belastung der Menschen ist ihre Toleranzschwelle manchmal schneller erreicht. Das ist auch in den Schulen nicht anders.

derStandard.at:  Sie sind Verteidiger für Strafsachen. Bemerken Sie die steigenden Aggressionen auch in ihrem Berufsalltag?

Stocker: Wir haben nicht umsonst bei der Justiz, etwa in den Gerichtsgebäuden diverse Sicherheitsmaßnahmen eingebaut. Wenn man auf ein Problem aufmerksam wird, muss man ja nicht erst dann darauf reagieren, wenn es topaktuell oder am überkochen ist. (Katrin Burgstaller, derStandard.at, 21. Juni 2011)

CHRISTIAN STOCKER ist ÖVP-Vizebürgermeister in Wiener Neustadt und Verteidiger in Strafsachen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 204
1 2 3 4 5
Elisa B
00
23.6.2011, 20:43
passt ja gut

passt ja hervorragend zum Durchtragen mit 3 Fünfern und 8 Vierern bis zur Matura!

Recht ist Auslegungssache
00
22.6.2011, 12:29
Das wird immer verrückter...

Das beste wäre, wir würden aggressive Menschen einfach abschaffen...

Remus Harbank
01
22.6.2011, 11:46
oh

ich finde wir sollten alle (landes)politiker mit funksignal und lauter clownhupe ausstatten die es uns ermöglicht schnellst das weite zu suchen wenn sie in der nähe sind

Hurrrrzn!
11
22.6.2011, 11:40
Wetten, die Schüler haben bald Jammer? (Funkstörer)

Heavyweather
00
29.7.2011, 01:35

Die Schüler haben ganz andere Probleme...
Wozu überhaupt einen Jammer? Wenn einer so deppert ist und in der Schule einen anderen einposcht wird der kaum an einen Jammer denken.

Feindschicht
24
22.6.2011, 11:38
schöne neue welt

weit haben wir es gebracht ! weiters kommt noch das man nicht mehr sitzenbleiben kann, und das bedinungslose grundeinkommen , damit der dodel von morgen auch nicht mehr arbeiten gehen muss !

Maria Lacina
01
22.6.2011, 11:14
so..

.. ein Blödsinn! Um unser Steuergeld?

LEFTHAND
10
22.6.2011, 12:40
Warum nicht, alles bla bla hier.

patrese ricardo
34
22.6.2011, 11:00
ein Packerl Rohrstaberl wäre billiger gewesen

damit gibt's ein paar Schläge auf den Unruhestifter und a Ruah is!

Aber die moderne Gesellschaft will ja keine autoritäre Erziehung sehen.

Den Lehrern heutzutage sind die Hände gebunden, wie sollen die sich dann durchsetzen? Mit Lächeln und gut Zureden gewinnt man heute nichts mehr, im Gegenteil, da wird man noch ausgelacht usw....

hackler
00
22.6.2011, 12:52

wenn das bei dir schon nichts genützt hat, wieso soll das anderen helfen?

sonne-licht
 
34
22.6.2011, 11:15
wörter verwenden die nicht provozieren

also wennst kindern mit respekt entgegentrittst, wirst auch respekt ernten!

jede art von gewalt auch psychische (verbale) hinterläßt spuren, welche sich irgendwann irgendwo an unschuldigen entlädt!

es liegt einfach nur an den umgangsformen sich ausdrücken zu können und auch sich einzugestehen falsch gehandelt zu haben und sich zu entschuldigen!

die kultur des redens und des geistes hat sich verändert!

viele erwachsene stehen noch bei den reformen vor der jahrtausendwende und wollen einfach nicht dazulernen

altprediger und blokierer des geistes gibts leider auch in vielen höheren studienrichtungen, wo wirtschaftlichkeit vor geistlichkeit gesetzt wird!

dazu kommt noch die orientierungslosigkeit durch scheidungen!

Tethys
00
22.6.2011, 12:52
dazu kommt noch die orientierungslosigkeit durch scheidungen!

Genau, in den Familien, in denen Mama am Herd steht, ist alles viel besser, viel mehr Respekt.

Mal im Ernst: "Respekt" ist nett - aber im vorliegenden Fall wohl nicht das richtige Mittel.

Der Glaube an Europa
14
22.6.2011, 11:13
autoritär...

...sicher nicht! Ich kenn genügend Leute, mich eingeschlossen, die heute andauernd in Psychotherapie u.ä. sind, genau wegen der tollen autoritären Erziehung in früheren Zeiten.

Zum Lächeln und gut zureden geb ich Dir recht, das kann's auch nicht sein, klare Grenzen und noch klarere Konsequenzen (aber bitte ohne Gewalt) wären wünschenswert.

clangi
01
23.6.2011, 21:03
fraglich ist wohl auch...

wie viele auch eine therapie brauchen, weil sie von den mitschülern schikaniert, gemobbt, geschlagen... werden und die lehrer nicht viel dagegen tun können, ausser halt gut zureden (hilft sicher bei den überoriginellen!)

sonne-licht
 
00
22.6.2011, 10:54
zusatz

was jedoch die körperlichen übergriffe dieses lehrer und späteren direktors nicht entschuldigen soll!

meiner meinung werden viel zu viele eigene probleme an den kindern ausgelassen und
- bevors in einer gemeinschaft beredet oder diskutiert werden
- werden sie verschwiegen und unter den tisch gekehrt bevors geklärt werden

dadurch werden kinder und erwachsene immer mehr undurchschaubar wos stehen, wennst sie auf ihre probleme ansprichst und vieles geht verloren wie gersprächsbereitschaft oder auch ventil der entladung beim sport z.b.

sonne-licht
 
11
22.6.2011, 10:51
was ist wirklich los an den schulen

vor ein paar jahren hat der direktor einer schule beim elternabend nicht teilgenommen, weil ein erst klassler der shs (sporthauptschule) jungen mädchen pornos am handy gezeigt hat!

er war so entrüstet/überfordert darüber, dass er am abend am elternklassentreffen einer dritten klasse, wo der bub meiner exfreundin ging, nicht teilnehmen konnte!

ich fragte mich lange, ob des mit seiner vergangenheit zusammenhängt, wo er als lehrer an vorlauten buben und mädchen zwickerlbusserl verteilte! auch andere sanktionen waren gang und gäbe wie eine watsche bei einer skiwoche!

wenn wir vor jahrzehnten, solche vorfälle schon so hochgespielt hätten, hätten wir heute schon zustände wie in amerika! vielleicht waren wir nur nicht so empfindlich?

G.R.M.
02
22.6.2011, 10:40

Naja, hoffentlich kommen nicht die Schüler auf dumme Ideen und besorgen sich so einen Sender ... so ein Alarm ist während eines Testes bzw. Schularbeit sicher brauchbar :-)

cba
01
22.6.2011, 09:52

unter dem titel 'vorbeugende massnahme' wäre es also auch angebracht, die konten aktueller, abgetretener und zukünftiger politiker offenzulegen ?

HookMind
01
22.6.2011, 09:38
vorbeugende Maßnahme

Auch so ein 'Freibrief'...
Unter dem Deckmantel der Prevention kann man heute sehr vieles machen ...

Ruediger Ploetz
01
22.6.2011, 12:41

bitte bitte...es heißt prÄvention. nicht böse gemeint ;-)

Sam Deer
 
00
23.6.2011, 06:11

Pssst, der redet Denglish! *ggg*

Korr Upt
00
22.6.2011, 11:27

ja, z.B. die Vorratsdatenspeicherung!

Mr. T himself
05
22.6.2011, 09:36

"Zuletzt stand ein Halbwüchsiger in der Direktion einer Volksschule und sagte, er will wissen, wo ein bestimmter Schüler ist. Mit diesem hätte er ein Hühnchen zu rupfen und würde ihn gemeinsam mit seinen Freunden verprügeln."

*drückt-alarmsignal*
wiiuuuiiiiuuuuiiiiuuuiiiuuuiiiii
weitere lehrer kommen hinzu
halbwüchsiger will immer noch schüler verprügeln
*alle-drücken-alarmsignal*
WIIIIUUUUIIIIUUUUIIIIUUUU
problem solved.

p.worx
03
22.6.2011, 10:40
schon seltsam

Ich würde mir erwarten, der Herr Direktor gibt seiner Sekretärin einen kleinen Wink "bitte rufen sie die Polizei".
Würde man einem Direktor nicht soviel Kompetenz zutrauen, ist er nicht darum Direktor ?
(Um kompetent mit Problemen im Verwaltungsbereich umzugehen).
Bald wird wohl Sturzhelm und Schutzweste zur Standardausrüstung der Lehrer zählen ..

Wieder ein typischer Fall der Angstmache und Politiker-Profilierungs-Neurose ?
Nicht eher eine Entmündigung der Lehrer ?
Ich hoffe nur nicht irgendwelche "Spaßvögel" bemächtigen sich der Knöpfe oder "hacken" sie vielleicht sogar .. :=)
(Was natürlich unweigerlich zum Schülerterrorismus führen würde ..)

angel batista
02
22.6.2011, 11:26
raten sie mal..

in welcher zeitung der genannte direktor steht, wenn er tatsächlich die polizei ruft. headline: "unfähiger direktor alarmiert überflüssigerweise die polizei".

er darf ihn also körperlich nicht angreifen, sonst skandal.

er wird die polizei nicht holen, sonst spott und hohn.

er darf die eskalation nicht zulassen, sonst schwerste vorwürfe.

cooler job, oder?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 204
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.