Macht braucht Kontrolle

Leser-Kommentar | 21. Juni 2011, 12:55

Gerade die Vorgänge rund um den sog. Tierschützerprozess und die Diskussion um den § 278 sind symptomatisch für das Grundübel in der österreichischen Justiz: mangelnde Transparenz und Kontrolle

Macht braucht Kontrolle - und nicht Vertrauen, wie uns die Politiker in Sonntagsreden blumig verkünden. Macht ist dazu da, ausgeübt zu werden. Und weil Macht immer in Händen von Menschen liegt, Menschen aber prinzipiell verführbar und korrumpierbar sind - und sei es nur für den guten Zweck -, so gehört Macht kontrolliert. Vier-, Sechs-, Acht- und Mehraugenprinzip, in der Wirtschaft, in der Qualitätskontrolle, in der Wissenschaft eine Selbstverständlichkeit. In Politik, Staat und Verwaltung auch? Schön wär's.

Wie der Staat organisiert ist, steht in der Bundesverfassung, doch dort steht viel. Viel totes Recht. Die Realverfassung sieht anders aus in Österreich. Zum Beispiel das freie Mandat. Das steht in der Verfassung, wird in der politischen Praxis jedoch ausgehöhlt, ja verhöhnt. Der Clubzwang ist das erste Gebot des Abgeordneten. Wer sich dem nicht bedingungslos unterwirft, ist draußen. Aus dem Club, aus der Partei, aus dem Parlament. Oder die Gewaltenteilung. Die in der Verfassung angelegt ist, in der Praxis jedoch auf vielfältige Art umgangen und ausgehöhlt wird. Etwa bei der Weisungsgebundenheit der Staatsanwälte, aber nicht nur dort. Durch diese kann ein Justizminister verhindern, dass in einem bestimmten Fall Anklage erhoben wird oder laufende Verfahren abwürgen. Eine unerträgliche Vorstellung. Ein eklatanter Bruch des Prinzips der Gewaltenteilung. In Österreich gelebte Realität. Dabei bedarf es nicht einmal schriftlicher Weisungen, wie im Gesetz verlangt. Ein Anruf oder ein Rendezvous im Cafe genügt. Die Justizminister beteuern treuherzig, es gäbe eh keine Weisungen. Braucht's gar nicht, weil bei uns in Österreich wird so was "unter der Tuchent" oder "amikal" geregelt.

Rechtsstaat als Vertrauenssache?

Womit wir bei der Justiz wären. In Österreich beschwören Politiker den Rechtsstaat. Fast in jeder Sonn- und Feiertagsrede. Im Skandal um die Verrückung der Ortstafeln in Bleiburg durch den jetzigen Landeshauptmann Dörfler war die erste Reaktion der Justizministerin Bandion-Ortner: "...der Ruf der österreichischen Justiz sei ausgezeichnet, den lasse sie sich nicht kaputt machen ... das Vertrauen in die Justiz sei nicht erschüttert..." (Wr. Zeitung vom 20.09.2009). Aussagen, die gleich mehrfach zum Nachdenken und zum Widerspruch anregen.

Da wäre einmal das Amtsgeheimnis, das in der Praxis weniger dem Schutz vor Veröffentlichung privater, persönlicher Details aus Akten dient, als vielmehr den Ämtern und Behörden als Vorwand zur Verfolgung von mutigen Bürgern und Beamten, die (Behörden-)Skandale aufdecken wollen. Da wäre das viel zitierte Vertrauen der Bürger in den Rechtsstaat, das so oft beschworen und noch viel öfter durch die Praxis unterhöhlt und missbraucht wird. Um dieses Vertrauen der Bürger buhlen die Parteien vor jeder Wahl. Und sie enttäuschen es regelmäßig. Und da wäre die Formulierung, "sie (die Justizministerin) lasse SICH den guten Ruf der Justiz nicht kaputt machen...", so als ob dieser gute Ruf, dieses Vertrauen in ihrem Besitz, in ihrer Verfügungsgewalt, in ihrem Belieben läge! Das ist für mich der eigentliche Skandal dieser Aussage. Die im Klartext so lautet: Ich befinde, dass die Bürger Vertrauen in den Rechtsstaat haben und zu haben haben. Und ich lasse nicht zu, dass dieses durch Veröffentlichung von geheimen Akten zerstört wird. Punkt.

Wie steht es aber um das Vertrauen in die Justiz? Zunächst ist Vertrauen keine politische Kategorie. Auch wenn die Vokabel eine der häufigsten im politischen Monolog der Politiker mit den Bürgern ist. Ich sage absichtlich Monolog, weil der gewünschte Dialog nur in einer Richtung abläuft: Vom Politiker herab zu den Wählern. Und ich sage bewusst Wähler. Weil der Bürger von der Politik nur als Wähler wahr und ernst genommen wird. Der Bürger ist ihr suspekt. Er ist grundsätzlich parteilos und besitzt Rechte. Beides ist der Politik unheimlich. Sie bevorzugen daher den Wähler. Er entscheidet sich für eine Partei und er hat nur ein Recht: das Wahlrecht. Alle vier, künftig alle fünf Jahre einmal. Das ist überschaubar und beherrschbar.

So wie Vertrauen keine politische Kategorie darstellt, so ist es in einem Rechtsstaat grundsätzlich fehl am Platz. Ich kann auf Gott vertrauen, auf meine Fähigkeiten und darauf, dass ich meinen Job nicht verliere oder auf das Gute im Menschen. Aber Vertrauen ist immer ein Vorschuss an gutem Willen, ein freiwillig gewährtes Wohlwollen, dass die Dinge schon so seien oder sich entwickeln würden, wie es sich mir darstellt oder ich es erhoffe. Dieses Vertrauen hat keinen Einfluss auf die Realität. Es wird durch die Realität im Einzelfall entweder bestätigt oder enttäuscht. Im zweiten Fall muss ich erkennen, dass ich mich getäuscht habe! Oder getäuscht wurde. Und darauf soll sich ein Rechtsstaat gründen? Eine merkwürdige Zumutung, die uns da abverlangt wird.

Wer kontrolliert den Staat?

In der Politik geht es um Macht. Nur um Macht, um Macht allein und um nichts als Macht. Das ist gut so. Denn nur Politiker mit Machtbefugnis können etwas weiter bringen. Doch diese Macht muss durch Kontrolle beschnitten, gelenkt und begrenzt werden. Und muss sich dieser Kontrolle zu jeder Zeit, beliebig oft und ohne Einschränkung, stellen. Und da beginnt das Problem. Die Verfassungen aller modernen Republiken und Demokratien enthalten Kontrollprinzipien, die viel zitierten Checks and Balances der amerikanischen Verfassung etwa oder die Teilung der Gewalten auf unabhängige Organe oder die parlamentarische Kontrolle der Regierung durch die Opposition. Die Gewaltenteilung wird aber in der täglichen politischen Praxis wiederholt gebrochen, unterlaufen und ausgehöhlt. Da hilft auch das größte Vertrauen nix.

Vertrauen in den Staat? Vertrauen in die Gewalten? Vertrauen in Ämter und Behörden? Schön und gut. Wenn das Vertrauen tagtäglich erworben, geprüft und verifiziert wird. Ich darf vertrauen, dass der Staat, der sich meines Steuergeldes bedient, gemäß der Verfassung funktioniert. Aber ich muss jederzeit die Möglichkeit haben, zu prüfen, ob dieses Vertrauen auch zu Recht besteht und nicht ausgenützt und missbraucht wird! Und: Machtmissbrauch muss geahndet werden, Vertrauensmissbrauch muss bestraft werden! So wie jeder Diebstahl und Betrug. Davon sind wir in Österreich Lichtjahre entfernt.

Beim leisesten Zweifel müssen alle nötigen Mittel zur Verfügung stehen, die Rechtskonformität in Legislative, Justiz und Verwaltung auf die Probe zu stellen. Alles im Rechtswesen muss überprüfbar, transparent, beeinspruchbar und nachvollziehbar sein. Geheimnistuerei ist hier genauso wenig am Platz wie Beliebigkeit und Willkür.

Recht ist wandelbar. Und das ist gut so. So wenig wie es ein absolutes, ewiges Gesetz gibt, so wenig darf dieses Gesetz naiv und unhinterfragt, unbegründet hingenommen werden. Jedes Gesetz muss sich tagtäglich bewähren und aufs Neue seine Existenzberechtigung unter Beweis stellen. Weder das Recht noch die Gesetze sind objektiv gut oder schlecht. Sie müssen brauchbar sein und den grundlegendsten Rechtsnormen wie sie zum Beispiel in der Erklärung der Menschenrechte niedergelegt sind, genügen. Ein Staat, der sich Rechtsstaat nennt, muss diese Standards als Mindeststandards übernehmen und garantieren! Und Verstöße dagegen müssen Konsequenzen haben. Auch und besonders in Politik, Justiz und öffentlicher Verwaltung. Leider ist Österreich, was die Bekämpfung der Korruption, den Missbrauch von Macht, Stellung und Einfluss angeht, auf der Stufe eines Entwicklungslands. Korruption gilt noch immer als Kavaliersdelikt. Das Amtsgeheimnis dient nur zur Vertuschung von Amtsmissbrauch und die Aufdeckung von Skandalen im Umfeld von Politik und Hoheitsverwaltung bleibt in der Regel ohne Folgen für die Verantwortlichen.

Unabhängiger Rechtsstaatsanwalt

Als erster Schritt könnte die Schaffung einer unabhängigen Rechtsstaatsanwaltschaft Linderung verschaffen. Diese hätte die Kompetenz, alle Vorgänge in der Justiz auf Rechtsstaatlichkeit zu prüfen und im Falle von Verstößen ihrerseits Ermittlungen gegen die betroffene Behörde bzw. einzelne Beamte wegen z. B. Amtsmissbrauchs aufzunehmen und Anklage zu erheben. Natürlich müsste die Rechtsstaatsanwaltschaft ungehindert Akteneinsicht erlangen und alle Beteiligten müssten auskunftspflichtig sein, ohne sich auf Amtsgeheimnisse oder ähnliches berufen zu können. Natürlich müsste die Rechtsstaatsanwaltschaft außerhalb des Justizapparates stehen und ihrerseits laufend überprüft werden. Das könnte durch eine eigene Abteilung des Rechnungshofs geschehen, oder eine sachkundige Institution aus Anwälten, Bürgerrechtlern und pensionierten Richtern. Und natürlich dürfte die Rechtsstaatsanwaltschaft nur der Verfassung und den Bürgern verpflichtet sein und müsste jedem direkten Einfluss der Politik und der Regierung entzogen sein!

Dann wären Justizskandale à la Kaprun oder völlig aus dem Ruder laufende Verfahren wie der Wr. Neustädter Tierschützerprozess hoffentlich endgültig Vergangenheit! Klingt Utopisch? Ja, ich weiß, aber einen Rest Optimismus braucht der Österreicher, um an der Gegenwart nicht zu verzweifeln. (Leser-Kommentar, Johannes Reichhart, derStandard.at, 21.6.2011)

Autor

Johannes Reichhart, geboren 1954.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 50
1 2
Don't think and drive
10
25.6.2011, 18:41
Kontrolliert die Kontrollore und die wieder kontrolliert,

und die Oberkontrollore erst recht, die haben ja die größte Macht, aber wer kontrolliert dann die Oberkontrollor-Kontrollore ? Vielleicht der Minister ? Hoppla, das hatten wir doch schon... Kontrollzwang ist eine Krankheit. Btw: Was gibt es transparenteres als ein für jedermann und jedefrau öffentliches (!) Gerichtsverfahren ? Kein Verwaltungsverfahren kann da mithalten, keine Ministerratssitzung, keine Heereslagebesprechung. Kein Vielaugenprinzip ? Wie ? Der Instanzenzug ist genau das. Schrecklich, wenn ein Staatsanwalt etwas Verdächtiges NICHT anklagt ? Geh bitte, ist zwar nicht unbedingt gut, aber nur umgekehrt wäre es wirklich schlimm (totalitär).

Agnostiker1
02
23.6.2011, 18:20
Dass es um Österreichs Rechtsstaatlichkeit nicht gut bestellt ist,.....

...das hat sich zwischenzeitlich "whole over the world" herumgesprochen. Das belegt auch die die Untersuchung des "World Justice Project" für 2011, demnach liegt Österreich auf Platz 9, im Gegensatz zu Deutschlad auf Platz 3.

tapsel
 
11
23.6.2011, 16:50
Wow!

Das ist die beste Zusammenfassung der Probleme des österreichischen Staates die ich kenne. Lieber Standard, gebt dem Mann einen Job!!

Starke Worte ändern aber nur etwas, wenn aktive Bürger was draus machen. Aktiv sind aber viel zuwenige von uns und ich kann mich da leider selbst nicht ausnehmen.

Moi meme
20
25.6.2011, 18:44
Tut mir leid

aber das ist Biertischgerede, selbstverliebt (das pseudophilosophische Vertrauensgelaber) und in der Sache frei von Fachwissen und unreflektiert.

J. Reichhart
00
25.6.2011, 22:02
Das Vertrauensgelaber stammt von der Politik

und den Repräsentanten der Gewalten, auch der Justiz!

Nicht von mir!

Das steht im Kommentar. Leseschwäche?

ackademius
50
23.6.2011, 16:09

Die Politik der ÖVP erlaubt eine seriöse Entwicklung in der Justiz! Mit Dr. Bandion-Ortner als neue Wächterin im Korruptionsbereich ist dem Verbrechen endgültig der Kampf angesagt - die roten Sümpfe müssen trocken gelegt werden!

J. Reichhart
00
24.6.2011, 18:30
Mach' dir nix draus,

'Juristen' verstehen keinen Spaß! ;-) - und sind in der Regel ironiefrei!

wissen ist handeln
02
23.6.2011, 10:05
Zensur einfachster Kommentare

wie zB spiegel D. gute nacht.

vds dient am Ende wohl nur den mächtigen Konzernen noch mächtiger zu werden. Und alle halten die Hand auf.

Menschenrechte, gegeseitiger Respekt und Achtung im Netz - das sollte unser Ziel sein - sind wird es doch real im Begriff immer mehr zu verlieren. Könnte ein Weg sein dem entgegen zu wirken.

viele Grüsse aus Bayern

---zensiert----

Wolfgang Lederbauer1
03
22.6.2011, 23:17
Schön wär's.

Wieder eine kompetente kritische Analyse der Situation.

Welche Konsequenzen sind absehbar? Garantiert keine.

Es wird weiter diskutiert, kalmiert, schöngeredet und vernebelt werden.

Wir glauben, dass manchen der bestehenden Fehlentwicklungen durch eine " Anwaltschaft für Menschenrechte " mit der nötigen Konsequenz und Härte entgegentreten werden sollte.

Dabei könnte es in bestimmten Fällen um "Amtshaftung" bzw "Mißbrauch der Amtsgewalt" gehen.

Über dieses Modell wird derzeit intensiv nachgedacht. Möglicherweise wird es bald realisiert werden.

SFH-1926 Anwaltschaft für Menschenrechte - Österreich
Statuten vom 01.06.2010 / Begleitschreiben / Verteilernachweis / Reaktionen ...

http://so-for-humanity.com2000.at

J. Reichhart
03
23.6.2011, 15:26
Konsequenzen kann so ein Kommentar keine

bewirken. Höchstens ein bissl zum Nachdenken anregen. Ihre Aktivitäten sind ja praktische Schritte in Richtung mehr Rechtsstaat.

Die Crux ist, dass die meisten glauben, wir hätten einen Rechtsstaat. Das wird ihnen eineredet, bis sie's glauben. Aber wie das so ist mit dem Glauben: der Mißbrauch lauert hinter jedem Gebot/Gesetz. Was fehlt ist eine Art Rechts-TÜV!

Dieser müsste aber AUSSERHALB und völlig unabhängig von der Justiz und Regierung arbeiten. Jedes Handy ist heute besser geprüft als ein Gesetz oder Urteil. Unsere Justiz würde nie die ISO9000 Zertifizierung kriegen, die heute fast jeder Handwerker besitzt!

Ist das nicht eine Schande?

Valentina Stein
01
24.6.2011, 10:00
>sind ja praktische Schritte in Richtung mehr Rechtsstaat.

Von etwas, das es nicht gibt, kann es auch kein "mehr" geben.

Btw: Ich vergass zu erwähnen, dass Ihr Vorschlag nach einer Justizkontrolle durch AnwältInnen einem Öl giessen ins Feuer gleich käme.

mizzi9
00
23.6.2011, 10:19
Konsequenzen

doch doch da gibts Konsequenzen, da hat der Autor völlig Recht, bei den Wahlen! Macht braucht Kontrolle, in Österreich hat der Bürger nur die Macht bei den Wahlen, leider! Wobei ich mich frag, woher haben manche Parteien das viele Geld für die PR?

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
03
22.6.2011, 23:01
Alleine -

der akute bedarf an einer art rechtsstaatsanwaltschaft zeigt den bedenklichen zustand des staatsapparats auf...!

Freund der Sanktionen
07
22.6.2011, 19:40
Ein sehr guter Artikel.

Schade nur, dass der Verfasser so recht hat...

Horusauge
04
22.6.2011, 19:06
Das Weisungsrecht des Justiministeriums,

welches ja im Akt protokolliert werden muß, funktioniert im Falle des Falles (und der soll oft vorkommen) folgendermaßen:

Der Staatsanwalt schickt zB. einen Vorhabensbericht an das Ministerium, und wenn der nicht genehm ist, kommt er mit dem Vermerk "Bericht nicht zur Kenntnis genommen" zurück und der StaAw muß ihn erneut verfassen - diesmal jedoch mit anderem Inhalt; und so gibt es auch keinen Aktenvermerk.

So läuft der Rechtsstaat im Sudan, Pardon - Österreich.

;-)
20
22.6.2011, 13:27

Wenn die richtigen Leute regieren muss man diese nicht kontrollieren.

Michael B
02
22.6.2011, 18:08
Aha. WER sind diese "richtigen Leute" ?

Lupus67
03
22.6.2011, 11:31
da muß man aber wirklich lachen.

der staat (oder das was der normalbürger darunter versteht) besteht nur mehr auf dem papier, die gestze gelten nur mehr für die untere hälte der bewohner.

die anderen haben sich schon längst innerhalb des staates und der gesetzlichen ordnung ihr paralleles universum erschaffen. alleine schon durch die beschränkung des zugangs zur rechssicherheit über die anwaltskosten und ihre seilschaften, die regierung, wirtschaft und kapital durchziehen wie ein pilzgeflecht.

der ruf nach zusätzlichen "über alles wachenden" behörde kommt da der einsetzung einer diktatur gleich, die zur völligen ausetzung der grundrechte für die mehrheit der bevölkerung führen würde.

Valentina Stein
01
22.6.2011, 20:52
>die beschränkung des zugangs zur rechssicherheit

Ohne belehrend wirken zu wollen:
"Rechtssicherheit", die es in A NICHT gibt, bedeutet vom Terminus her etwas Anderes, nämlich, dass gleich gelagerte Fälle auch gleich entschieden werden.
Was Du meinst ist das Grundrecht auf "Rechtsschutz" und dieser wird, wie Du völlig richtig schreibst, zusehens unleistbar (allein für 1 Kopie € 1.- zu verlangen ist schon kriminell) UND was Du für die höchsten Gerichts- und AnwältInnenkosten in Europa bekommst ist ein Glücksspiel.
Ein Staat, der Rechte nicht mit Durchsetzbarkeit versieht hat seine Legitimation verloren.

Wolfgang Lederbauer1
02
22.6.2011, 23:32
Ein Staat, der Rechte nicht mit Durchsetzbarkeit versieht hat seine Legitimation verloren....

Teil 2:

Was wäre zu tun?

Ein ungewöhnlicher und unangenehmer Schritt:

Eine Staatshaftungsklage beim VfGH wegen " legislativen Unrechts "

Wir bemerken nach Jahren eine bestimmte Bewegung...

Vgl.

SFH-4076 Klage Dr. Perterer vom 12.04.2011 gemäß Art. 137 B-VG
... fehlt eine bundesgesetzliche Durchführungsregelung zu einem Staatsvertrag, so ist dieser unmittelbar anwendbar (VfGH Präsident Dr. Gerhard Holzinger im Standard vom 12.02.2010) ..

http://so-for-humanity.com2000.at

Wolfgang Lederbauer1
02
22.6.2011, 23:31
Ein Staat, der Rechte nicht mit Durchsetzbarkeit versieht hat seine Legitimation verloren....

Richtig. Aber wen stört das schon?

Die Probleme sind vielfältig:

- Die Masse der Bevölkerung ist über das Problem der Durchsetzbarkeit von Menschenrechten ( insbesondere vom Recht auf ein faires Verfahren ) nicht informiert.

- Die Verwaltung ( Exekutive ) negiert dieses unglaubliche Problem seit Jahren.

- Die Rechtsprechung ( Judikative ) negiert dieses unglaubliche Problem seit Jahren.

- Die Gesetzgebung ( Legislative ) negiert dieses unglaubliche Problem seit Jahren.

.

http://so-for-humanity.com2000.at

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
01
22.6.2011, 23:04

Haben wir unrechtssicherheit o. rechtsunsicherheit...?

Lupus67
02
22.6.2011, 10:57

wer kann sich in österreich noch recht leisten?
außer ein paar großkonzernen, medien und banken, die ganze abteilungen von rechtsanwälten beschäftigen?

allen anderen wird eine "rechtssicherheit" vorgegaukelt, die spätestens nach der ersten kontakaufnahme zu einem vertreter dieses "berufes" die harte realität der käuflichkeit des rechts trifft.

selbst die, welche der durchsetzung des rechts schwächere dienen sollten (arbeiterkammer, konsumentenschutz) wimmeln die leute nur ab, mit dem hinweis sich einen rechtsanwalt zu nehmen.....haha.

ähnliche zustände wie am balkan, dort weiß man wenigstens, dass man sein recht nur persönlich in die hand nehmen kann, und mit entsprechend rustikalen mitteln durchsetzen kann. hier werden eher die ganoven

Q.E.D.
01
22.6.2011, 09:38
der befund ist richtig,

die schlussfolgerung vermag ich nicht zu teilen. eine neue wunderwuzzibehörde würde daran nix ändern. wichtiger wäre die aufstockung der korruptions-sta und mehr verpflichtungen zu transparenz, dann wird der platz unter der tuchent kleiner.

J. Reichhart
01
23.6.2011, 15:30
hier wird keine Wunderwuzzibehörde propagiert,

sondern schlicht und einfach das Kontrollprinzip, das in der Qualitätssicherung state-of-the-art ist.

Unsere Justiz würde nie ein ISO9000-Pickerl kriegen. Wie ich oben schon sagte, jeder Massenkonsumartikel ist heute besser geprüft und qualitativ höherwertig als jedes Urteil oder Gesetz. Wenn ich Autos jedes Jahr zum TÜV schicken kann, wieso geht das bei Gesetzen/Verfahren/Urteilen nicht?

Es fehlt am Willen, nicht an den Möglichkeiten.

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