Wittgenstein-Preis 2011

Höchste Auszeichnung für zwei Wiener Biologen

21. Juni 2011, 12:46
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    Der Wittgensteinpreisträger 2011 Gerhard Herndl widmet sich den Mikroorganismen in der Tiefsee. Im Vorjahr wurde der Meeresbiologe bereits mit dem ERC-Advanced Grant ausgezeichnet.

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    foto: apa/helmut fohringer

    Der Biologe und stellvertretende wissenschaftliche Direktor des Institut für Molekulare Pathologie (IMP) Jan-Michael Peters in seinem Labor. Peters widmet sich vor allem der Zellteilung, in Zukunft will er dabei helfen die Frage zu klären, wie die Erbinformation in den Chromosomen verpackt ist.

Meeresbiologe Gerhard Herndl widmet sich Mikroorganismen der Tiefsee - Molekularbiologe Jan-Michael Peters ist Spezialist für Zellteilung

Wien - Der Wittgenstein-Preis geht heuer an die beiden Biologen Gerhard Herndl vom Department für Meeresbiologie der Universität Wien und Jan-Michael Peters vom Institut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien. Das gaben Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und der Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, Christoph Kratky, am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien bekannt. Mit einer Dotierung von 1,5 Millionen Euro ist die als "Austro-Nobelpreis" gehandelte  Auszeichnung der höchste wissenschaftliche Förderungspreis des Landes. Gleichzeitig wurden acht Nachwuchsforscher mit den mit jeweils bis zu 1,2 Mio. Euro dotierten START-Preisen ausgezeichnet.

Gerhard Herndl (55) ist seit 2008 Professor für Meeresbiologie und Leiter des gleichnamigen Departments an der Uni Wien. Jan-Michael Peters (48) ist Senior Scientist am IMP und dessen stellvertretender wissenschaftlicher Direktor. Der Wittgenstein-Preis steht ausschließlich für Forschungsarbeiten, insbesondere die Anstellung junger Wissenschafter zur Verfügung.

Marine Mikroorganismen...

Spezialgebiet Herndls sind die marinen Mikroorganismen und deren Rolle in den Ozeanen. Hier hat er essenzielle Beiträge zu einem besseren Verständnis etwa der Stoffwechselvorgänge der Tiefsee-Mikroorganismen und deren Rolle in den Stoffkreisläufen der Weltmeere geleistet. Beispielsweise hat er die Entstehung des Phänomens "Marine Snow" in der Oberen Adria geklärt, das im Zusammenhang mit Algenblüten auftritt.

Das Preisgeld erlaube "einen gewissen Freiraum und ohne Geldmangel Forschung zu betreiben", sagte Herndl. Einerseits will er die Mittel für die kostspieligen Schiffseinsätze verwenden, andererseits für molekularbiologische Analysen der in den vergangenen Jahren gesammelten Proben. Eine spezielle Forschungsfrage hat Herndl auch: So wie pflanzliches Plankton in Oberflächengewässern Licht als Energiequelle verwendet, um organisches Material herzustellen, gelingt dies auch Mikroorganismen in der völligen Dunkelheit der Tiefsee. Als Energiequelle dazu nutzen sie statt Sonnenlicht etwa Ammonium, "aber das reicht bei weitem nicht aus, um das, was wir an organischer Kohlenstoffbildung messen, zu erklären", so Herndl, der sich auf die Suche nach den anderen Energiequellen machen will.

... und Zellteilung

Peters hat sich die vergangenen Jahre vor allem mit den Vorgängen bei der Zellteilung beschäftigt, speziell der Frage, wie die Tochterzellen eine idente Kopie der Chromosomen erhalten. Wenn dies nicht der Fall ist, können Krankheiten wie Krebs und Behinderungen entstehen. Seine Arbeiten haben wesentlich zum Verständnis der molekularen Mechanismen beigetragen, die dabei eine Rolle spielen. Insbesondere hat Peters und sein Team die Funktion von Proteinkomplexen aufgeklärt, die bei diesen Vorgängen eine zentrale Rolle spielen.

Bei diesen Arbeiten hätten sich "für uns neue Themen erschlossen, die vielleicht noch interessanter sind", sagte Peters. Einige Proteine, die eine wichtige Rolle bei der Zellteilung haben, hätten auch eine wichtige Funktion bei der strukturellen Organisation des Genoms. "Wir sind momentan in der erstaunlichen Situation, dass wir das menschliche Genom vollständig entschlüsselt und auch einiges Wissen über die Funktion einzelner Gene haben, aber wie diese Information in den 46 Chromosomen verpackt ist, ist noch erstaunlich wenig verstanden", so Peters.

Die DNA ist ja nicht irgendwie in den Zellkern gestopft, sondern in hoch komplizierter Weise in den Chromosomen angeordnet. Aus guten Gründen, denn diese Struktur hat wesentlichen Einfluss darauf, welche Gene aktiv und damit verwendet werden können oder nicht. Vor allem der bei der Zellteilung wichtige Proteinkomplex "Cohesin" hat auch eine wichtige Rolle dabei, wie die DNA verpackt ist. Und das soll ein neuer, mit dem Wittgensteinpreis finanzierter Forschungsschwerpunkt Peters werden.

Acht neue Nachwuchsforscher im START-Programm

Neben dem Wittgenstein-Preis wurden aus 56 Bewerbungen acht Nachwuchsforscher in das START-Programm aufgenommen. Mit der höchstdotierten und anerkanntesten Förderung für Nachwuchsforscher sollen die ausgezeichneten Wissenschafter in den nächsten sechs Jahren finanziell weitgehend abgesichert ihre Forschung planen und eine eigene Arbeitsgruppe auf- bzw. ausbauen können.

Den START-Preis 2011 erhalten: Peter Balazs, Institut für Schallforschung der Akademie der Wissenschaften (ÖAW); Agata Ciabattoni, Institut für Computersprachen, Technische Universität (TU) Wien; Sebastian Diehl, Institut für Theoretische Physik, Universität Innsbruck; Alwin Köhler, Department für Medizinische Biochemie, Medizinische Universität Wien; Thomas Müller, Institut für Photonik, TU Wien; Peter Rabl, Institut für Quantenoptik und Quanteninformation, ÖAW; Michael Sixt, Institute of Science and Technology Austria (IST Austria); Philip Walther, Institut für Quantenoptik und Quanteninformation, Universität Wien. (red/APA)

=> Zur Person: Gerhard Herndl und Jan-Michael Peters

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chris151
02
21.6.2011, 15:55

Herzliche Gratulation,

Cool, vom Prof. Herndl hab ich schon einige Vorlesungen gemacht.

Er ist einer der wenigen, die auch komplizierte Themen verständlich erklären können, sodass man sie versteht.
Für alle,die mehr über unser Meer erfahren möchten.
Ist nur zu empfehlen.

Irre Gut
13
21.6.2011, 14:46
Kann man den Damen und Herren Gruppenleitern des IMP/IMBA nicht gleich bei Ihrer Einstellung den Wittgenstein Preis geben...?

Mal sehen, wer fehlt noch: Penninger? Clausen?

Natuerlich ist absolut nichts an der Arbeit von Peters auszusetzen, aber irgendwie wirds mit der Dichte an Preistraegern aus dem Institut schon a bisserl komisch...

hurdy gurdy
32
21.6.2011, 19:49
so what?

IMP/IMBA stellt hochkarätige Leute ein, bietet ihnen ein gutes Umfeld, gut ausgestattete Labors, gescheites Budget und es gibt Leute die sich darüber wundern das was rauskommt?

Im normalen akademischen Umfeld an einem Österreichischen Uniinstitut gibt es sicher auch hochkarätige Leute, die können sich nicht vernünftig etablieren weil die anderen Kleinigkeiten fehlen.

Daran ist natürlich das IMP/IMBA schuld. Der Neid ist schon ein Hund.

Irre Gut
00
22.6.2011, 14:27
Exzellente Forschungsinstitute sind sicher eine feine Sache, solange sie nicht auf Kosten vieler anderer Einrichtungen gefuehrt werden...

... In meinem Inst wird seit Jahrzehnten sehr nahe am Patienten, in enger Partnerschaft mit der Industrie geforscht. Wir haben unzaehlige neue Therapieansaetze etabliert, gute Publikationen und Patente geschrieben usw. Trotzdem konnten wir seit Jahren keine neuen Gruppenleiter einstellen! Postdocs und PhD Studenten wurden massenhaft abgebaut. Gleichzeitig kann des IMBA 4 neue Forschungsgruppen etablieren?

Neid? Ja verdammt noch eins! Es herrscht eine unglaubliche Asymmetrie in der Forschungsfoerderung in diesem Land. Bei uns koennen Studenten kaum bezahlt werden, geschweige denn eine eigene Presseabteilung wie im IMBA unterhalten werden. Ich fuer meinen Teil wuerde lieber mehr Geld an den Unis und klinischen Instituten sehen!

Herr Plumm
00
24.6.2011, 21:15
regen sie sich doch nicht so auf...

...hättens halt auch mit schüssel fussball gespielt :-)

Irre Gut
00
24.6.2011, 21:24
:-)

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