Abkühlung mit Folgen?

  • Nach einem kleinen Snack und nicht überhitzt ist der Sprung in das kalte Wasser ungefährlich.
    foto: apa/boris rössler

    Nach einem kleinen Snack und nicht überhitzt ist der Sprung in das kalte Wasser ungefährlich.

Eis ist bekömmlich, kalte Getränke sind es nicht - Wie der Körper auf kühlendes Nass reagiert

Erst Eis- dann Arschbombe - Eine gefährliche Kombination?

Kommt darauf an. Deshalb wird eine alte Baderegel heute auch etwas weniger streng formuliert. Die Empfehlung von früher - nach dem Essen eine halbe beziehungsweise Stunde mit dem Schwimmen zu warten, führte nämlich zu einer Reihe von Missinterpretationen. Ein voller Bauch führt im Wasser weder zu Magenkrämpfen noch zur Ausbildung von Magengeschwüren und genauso wenig zieht er die Betroffenen wie ein Sack Mehl in die Tiefe. 

Nach dem Motto: Ein voller Bauch studiert nicht gern, sinkt ganz einfach die Leistungsfähigkeit nach jeder deftigen Mahlzeit. Der Verdauungstrakt ist schwer beschäftigt und zieht dafür einen Großteil des Blutes heran. Der restliche Organismus und das Gehirn sind in dieser Zeit hämodynamisch etwas unterversorgt. Die Muskulatur neigt aufgrund des Sauerstoffmangels eher zu Krämpfen und der Mensch fühlt sich insgesamt etwas müde und träge. 

Kein Langstreckenläufer käme auf die Idee nach dem Verzehr einer Schweinshaxe einen Marathon zu absolvieren. Genauso wenig Sinn macht es nach einer üppigen Mahlzeit 30 Bahnen zu schwimmen. Gegen ein bisschen Herumplantschen mit vollem Magen spricht aber absolut nichts. 

Auch ein leerer Magen ist für sportliche Hochleistungen ungeeignet. Manch einer reagiert darauf mit Unterzuckerung, was in tiefen Gewässern lebensgefährlich sein kann. Das berühmte Mittelmaß löst aber alle Probleme, sprich eine kleine Banane im Vorfeld genügt. Die Baderegel von heute lautet daher: Bade nie mit ganz vollem oder ganz leerem Magen. Oder aber: Wenn du viel gegessen hast, warte einige Zeit bevor du wieder ins Wasser gehst. 

Raus aus den nassen Badesachen?

Die mahnenden Worte aus Kindheitstagen haben ihre Berechtigung, denn nasse Badebekleidung fördert Infekte in doppelter Hinsicht. Das feuchtwarme Klima bietet Keimen einen idealen Lebensraum. Und: Trocknet nasser Stoff auf der Haut, dann entsteht Verdunstungskälte. Das kleine Becken kühlt ab und die Immunabwehr in dieser Region reduziert sich. Mikroorganismen dringen leichter ein und verursachen so schmerzhafte Harnwegsinfekte. Frauen sind anatomisch begünstigt. Ihre Harnröhre ist wesentlich kürzer als die beim männlichen Geschlecht. 

Ist kaltes Eis schlecht für den Magen?

Nein. Im Gegensatz zu kalten Getränken verbleibt Speiseeis länger im Mund und erwärmt sich hier bereits von minus fünf Grad auf 20 bis 22 Grad Celsius. Angekommen im Magen, hat das Eis beinahe Körpertemperatur. Getränke unter fünf Grad Celsius und über 45 Grad Celsius verweilen im Magen übrigens länger, da sie langsamer resorbiert werden. Für die empfindliche Magenschleimhaut sind besonders kalte oder heiße Durstlöscher daher wenig bekömmlich. Ihr Genuss kann eine akute Gastritis auslösen. Die optimale Trinktemperatur liegt bei zehn bis 15 Grad Celsius. 

In der Sonne braten und dann ab ins eiskalte Wasser?

Auf keinen Fall. Kaltes Wasser entzieht dem Organismus rasch Wärme. Es kann zu Muskelkrämpfen und Kreislaufproblemen kommen. Im schlimmsten Fall erleidet der Badende ein akutes Atem- und Kreislaufversagen, den sogenannten Immersionsschock. Vor dem Sprung ins kalte Nass also immer zur Abkühlung duschen, damit sich der Organismus an den Temperaturwechsel langsam gewöhnt. 

Lauwarmer Tee ist der beste Durstlöscher

Stimmt. Auch wenn man dazu neigt bei hohen Außentemperaturen eiskalte Getränke zu konsumieren, für Abkühlung sorgen diese nicht. Der Magen muss die kalte Flüssigkeit erwärmen, um die Körpertemperatur aufrecht zu erhalten. Das kostet Energie und dadurch kommt man erst recht ins Schwitzen. 

Im Sommer hat man weniger Appetit 

Das ist richtig und leicht erklärt. Bei Kälte steigt der Energiebedarf. Der menschliche Organismus holt sich diese aus der Nahrung, um die Körpertemperatur konstant zu halten. Bei hohen Temperaturen sinkt der Energiebedarf und mit ihm der Appetit. Warme Speisen und große Mahlzeiten werden in der Regel instinktiv vermieden. Das übliche Hungergefühl kommt meist erst gegen Abend, wenn die Hitze etwas nachlässt. Wer den Sommerurlaub also für eine Diät nützen möchte, sollte seine Mahlzeiten nicht in klimatisierten Räumen zu sich nehmen, ansonsten geht die natürliche Appetithemmung durch die Hitze verloren. (derStandard.at, 7.7.2011)

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