Studentenjobs

"Ich bin jung und brauche das Geld"

18. Juli 2011, 13:54
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    Der Student überschlägt sich, um das Auslandssemester zu finanzieren.

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    "Es zahlt sich aus", meint Matia.

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    Jens: Student an den Turntables

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    "Ein Tag wäre super, wenn er 48 Stunden hätte".

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    "Es gibt Milieus, die du höchstens vom Vorbeigehen kennst".

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    Vier Mal pro Woche chauffierte Stefan die Mädchen von Kunde zu Kunde.

Typische Studentenjobs gibt es viele - Manche sind so außergewöhnlich, dass die eigenen Eltern davon nichts wissen dürfen

"Ein Tag wäre super, wenn er 48 Stunden hätte." Jens, 22, studiert und arbeitet nebenbei. Obwohl es in seinem Fall eher heißen sollte: er arbeitet und studiert nebenbei. Seit September ist Jens Student für Veranstaltungstechnik an der New Design University in St. Pölten. "Leider ist es eine Privatuni und kostet dementsprechend viel." 400 Euro im Monat. Die finanziert er sich selbst.

Schlafen als eigentliches Ziel

Vier Tage die Woche sorgt er als Servicetechniker in verschiedenen Clubs für Licht und Musik. Dienstags gibt er Segelkurse. Ab und zu ist er als Rettungsfahrer für das Rote Kreuz unterwegs. "Nebenbei hab ich noch eine Veranstaltungsfirma, die gerade im Entstehen ist. Da vermiete ich Equipment, das ich mir seit Jahren zusammengespart habe." Langsam bekommt er erste Aufträge: Schulbälle und manchmal auch größere Events. "Da verdient man sich auch ein bisschen was dazu." Und dazwischen heißt es für den 22-Jährigen lernen - falls es sich überhaupt ausgeht. Und schlafen. "Das ist eigentlich mein wirkliches Ziel." Studieren wird so immer mehr zur Nebensache. "Ich schau halt, dass ich irgendwie durchs Studium komm", grinst er.

Jens ist kein Einzelfall. Laut Studien-Sozialerhebung 2009 vernachlässigen Studenten ab einem Mehraufwand von 11 Stunden pro Woche ihr Studium. Oft reichen Nebenjobs aber nicht aus, um alle Ausgaben eines Studenten zu decken. Zwei Drittel wollen sich auch "mehr leisten" können. Doch Extraausgaben kosten.

Einblick in eine andere Welt

"Ich bin jung und brauche das Geld", nach dieser Devise begab sich Stefan (Name von der Redaktion geändert) auf Jobsuche. Während andere bei Studentenpartys bestandene Prüfungen feierten, chauffierte der damals 23-jährige Psychologie-Student Escortdamen von Kunde zu Kunde. Vier Mal pro Woche, von 7 Uhr abends bis 6 Uhr in der Früh. Für Stefan eine Möglichkeit, seinen Fachhorizont zu erweitern und mehr Geld zu verdienen als bei einem gewöhnlichen Nebenjob. In einer Nacht waren das immerhin knapp 200 Euro. "In meinem Studium hab ich viel über kulturelle Subgruppen gelernt. Ich wollte diese Chance nutzen, Einblick in eine Welt zu bekommen, zu der man sonst keinen Zugang hat. Es gibt Milieus, die du höchstens vom Vorbeigehen kennst. Ich war dann irgendwie Teil dieser Welt."

Flughafentaxi als Alibi

Die Idee stammte von einem Freund. "Darüber habe ich am Anfang nur gelacht". Die Situation, im Auto auf die Mädchen zu warten, beschreibt er heute als "heftig" und "befremdlich". "Mit der Zeit stumpfst du aber ab. Und irgendwann wurde es halt normal, wie es vielleicht auch für die Mädchen normal ist..." Nach einem halben Jahr hatte Stefan dann genug. "Mein Studium und mein Leben haben schon darunter gelitten." Auch die Tatsache, dass weder seine Eltern noch seine damalige Freundin von seinen nächtlichen Fahrten wussten, war belastend. Ihnen erzählte er, dass er Fahrer für Flughafentaxis sei. "Sie hätten das nicht so toll gefunden". Eines steht für Stefan fest: Das ist kein Beruf, in dem er später arbeiten möchte.

Nur 45 Prozent der Studenten arbeiten in einem Beruf, der einen inhaltlichen Bezug zum Studium hat. Die Mehrheit arbeitet, um sich das Studium und den Lebensunterhalt zu finanzieren, weniger aus Interesse und Freude am Beruf. Eine Pattsituation. Ohne Geld kein Studium. Ohne Arbeit kein Geld. Mit Arbeit möglicherweise kein Studium mehr.

Air Freeze in der Innenstadt

Szenenwechsel. Ein frühsommerlicher Vormittag auf der Kärnterstraße. Die Menschenmasse fließt zäh zwischen Stephansdom und Oper. Die Cafés sind voll, Luftbefeuchter verteilen einen feinen Wassernebel, der vom Wind sofort davongetragen wird. Zwischen zwei Geschäften hat sich eine Menschentraube gebildet. In der Mitte - vier Burschen in bunten Hip-Hop Outfits. Laute Musik dröhnt aus den Boxen eines Getthoblasters. Matia zeigt gerade einen Air Freeze (Handstand auf einem Arm). Einige Augenblicke verweilt er in dieser Position, dann stößt er sich kräftig vom Boden ab und landet auf seinen Füßen. Ein paar Passanten klatschen verhalten.

Daheim studieren, in Wien arbeiten

Die vier Jungs sind aus Bratislava und kommen jeden Sommer für zwei Monate nach Wien. Daheim studieren sie, hier machen sie mit ihren Showeinlagen Geld. In Wien mieten sie sich ein Apartment und verbringen fast jeden Tag auf der Straße. Warum Wien? "Wegen den Touristen", erklärt Matia grinsend in gebrochenem Englisch. Der 24-Jährige studiert Management und möchte sich mit dem verdienten Geld sein Auslandsemester in Spanien finanzieren.

"Sieben Jahre haben wir trainiert. Es hat als Spaß angefangen, heute ist es unsere Leidenschaft. Wir wollen den Leuten zeigen, was wir können." Eine Frau wirft ein paar Münzen in den Hut, der vor ihnen am Boden liegt. Wie viel sie hier verdienen, möchte Matia nicht verraten. "Es zahlt sich jedenfalls aus", lacht er. Die ersten Takte des nächsten Songs rufen ihn zurück auf die Tanzfläche. Für den nächsten Air Freeze gibt es viel Applaus. Und wieder ein paar Münzen mehr in den Hut.

Ob rettungsfahrender Lichttechniker, Escort-chauffierender Psychologe oder slowakischer Breakdancer. Alltäglich sind diese Jobs nicht. Doch eins haben Jens, Stefan und Matia jedoch mit fast allen Studenten gemeinsam: Sie sind jung und brauchen das Geld. (Helene Gahr, Paulina Parvanov, Marcella Ruiz Cruz, derStandard.at, 18.7.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 63
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Fiedrichs
 
00
oh mein gott :-)

Also Escortservice ist schon heftig...

Silvio Lackner
00
28.7.2011, 08:57
Manche Kollegen verdingten sich mit mehr oder weniger Erfolg als Pornosynchronisatoren:

http://www.youtube.com/watch?v=b0aoquU_bN0

Dr Don Tango
00
21.7.2011, 09:53

die meisten butt-plug-tester sind auch studenten!

Michael Colinas
10
21.7.2011, 00:52
Bei 200 EUR/Nacht, 4x pro Woche...

sind das 800 pro Woche, 3.200 pro Monat - da fragt man sich schon, wozu man noch studiert ...

Karl Radek
08
19.7.2011, 14:35

was soll bitte verwerflich daran sein, als chauffeur für escortdamen zu arbeiten? besagter student hätte ruhig offener damit umgehen können!

Got Your Noes!
01
19.7.2011, 17:54

najo, meine großmutter hat schon ein problem damit gehabt dass meine erste eigene wohnung in derselben straße wie ein stripclub gelegen war...

Karl Radek
00
20.7.2011, 09:58

also ich habe bisher alle meine wohnungen danach ausgesucht, dass sich die oma bei einem etwaigen besuch nicht vor einem stripclub in derselben gasse fürchten muss - sie haben das nicht getan, sie rabenenkel!! ;-)

sonne-licht
 
34
19.7.2011, 11:42
gogotänzerinnen

da bei uns ja alle lokale um vier uhr führ schließen gönne ich mir gerne zum absacken noch ein getränk in einer sogenannten gogobar.

da lernte ich schon eine managerin von einer eventagentur als "leichtbekleidete" dame kennen und eine studentin aus ungarn, die mir erzählte dort müssen sie mit 200 euro pro monat auskommen, natürlich ist da ein-zwei monate im sommer tanzen ein lukratives überlebensangebot!

das sind schöne gebildete unaufdringliche frauen, solche siehst als österreicherin sonst nur ganz selten in österreich.

bin sowieso fürs amerikanische barwesen um auch mittag solch schönes sehen zu können. dort ist es normal bei uns sind alle noch so prüde ausser im versteckten!

florus flagrantius
00
19.7.2011, 14:39
prüde im vergleich - österreich - usa

sehe ich wohl etwas vermessen an.-
wenn auch wir noch vieles an aufklärung benötigen würden.

cipf
 
11
19.7.2011, 11:09

Die wirkliche Schweinerei wird hier in dem Artikel aber nicht beschrieben.
Dass es nämlich viele gibt, die sich mit ungeheuerem Aufwand durch die Uni kämpfen. Nur um dann keinen guten Job zu kriegen und dann wieder bei solchen Jobs landen.

Balkonbepflanzer
04
19.7.2011, 09:45
Viele arbeiten halt als Kellner.

Oder später als Tutor auf der Uni. Ist halt nicht so reisserisch wie Fahrer für Prostituierte oder Breakdancer am Stefansplatz.

Otto W.
00
20.7.2011, 13:40
und ?

wenn man nach dem Studium keinen guten Job bekommt, dann fällt das unter Eigenverantwortung. Freie Studienwahl beininhaltet keine Job-Garantie.

Balkonbepflanzer
01
20.7.2011, 15:29

Es geht hier um Jobs während des Studiums, nicht nachher.

Laughing Magician
00
19.7.2011, 12:43

ich hab' beispielsweise für die problemstoffsammlung wien und als übersetzer für seminarunterlagen gearbeitet.

Hornpostel aka Sixtus Jetzein
02
19.7.2011, 13:54
Was ja irgendwie zusammengehört.

AntonUndAntonia
01
19.7.2011, 11:17

Als Tutor bekommt man für 4SWS (ca. 7-10 Stunden/Woche) grad mal 244 Euro/Monat. Zumindest an der Hauptuni. Und: So viele Tutoren gibts auch nicht, dass sich ganze Heerscharen von Studis damit ihr Studium finanzieren könnten.

ab ins exil
 
01
20.7.2011, 13:25

ich bekomm für mein tutorium auf der TU 84€ im Monat (2 SWS, aufwändig) und für das auf der Hauptuni 124€/Monat (2SWS, sehr aufwändig) - nur von dem Geld könnt ich nicht auskommen. klar macht es sich im lebenslauf besser als der andere 16-Stunden-Job, aber von einem gutaussehenden lebenslauf kann man halt leider keine miete zahlen :(

martial
00
19.7.2011, 14:42

4-stündige Tutorien kenn ich aus meiner Zeit eigentlich nur als Ausnahme, kann sich seit damals aber geändert haben (oder ist abhängig vom Institut). Norm waren 2 Semesterwochenstunden, waren aber meistens auch mit relativ geringem Aufwand verbunden.

Balkonbepflanzer
00
19.7.2011, 19:30

Habe auch weniger in Erinnerung, hab geblockte Übungen und Prüfungsaufsichten gemacht, und dafür waren die paar Hunderter im Semester leicht verdientes Geld. Dass ich auch im Sommer noch 2 Monate gearbeitet hab, ist natürlich eine andere Sache.

Archi
02
19.7.2011, 11:04
durch tutorien finanzierst aber auch kein studium,

das ist bestenfalls ein kleines taschengeld, soweit ich informiert bin...

Bernhard B-)
01
18.7.2011, 23:29

Natürlich ist es dem weniger bedarften Journalisten ein Mittel ein Thema an Extremen aufzuhängen.
Die Student-Jobs haben mich weniger spektakulär in den Tourismus, das Gastgewerbe, die Kunst, die Kinematographie und das Veranstaltungswesen geführt. Beruflich bin ich ganz woanders gelandet, als meine Studien es als inhaltliches Ziel hatten. Finanziell haben die Nebenjobs eher weniger gebracht, das Gross der Studenten-Jobs sind wohl sogenannte MC-Jobs, aber eben notwendig wenn man auf eigenen Beinen stand bzw. steht. Die Studien wurden verzögert; Die unflexiblen Universitäten, die gar nicht auf diese veränderte Lebens-Welt eingehen, tun ihr Übriges um den Weg zu erschweren. Wenn man diesen Weg aber zu Ende gegangen ist, ... ja dann ;-)))

AntonUndAntonia
00
19.7.2011, 11:18

Ich weiß nicht ob du den Artikel verstanden hast, aber es ging hier ausdrücklich um außergewöhnliche Studentenjobs. Warum sollte man über sowas nicht schreiben dürfen?

Bernhard B-)
00
19.7.2011, 17:42

Natürlich habe ich den Artikel verstanden, und Sie?
Man darf über alles schreiben, genauso wie man Kritik üben darf. Boulevarblätter hängen gerne Ihre Stories an Extremen auf. Lesen sie mal eine dieser U-Bahnzeitungen. Die Realität wird dadurch nur allzusehr verzerrt und der Leser ist schnell mit ein Bild voller Vorurteile und Stereotypen konfrontiert die er kritisch verarbeiten sollte, möchte er Manipulation vermeiden.
Das Thema war "Studentenjobs" und jetzt gibt es unterschiedliche Strategien darüber zu schreiben. Ich bevorzuge eine Form die einem qualitativen und realitätsnahen Journalismus fröhnt.

Got Your Noes!
00
19.7.2011, 17:59

sie sehen auch nicht wo der artikel erscheint. meines wissens war er nicht in der print. mit der wird auch am ehesten die masse erreicht. dort wäre so ein artikel nicht erscheinen, hier online kann man in billig mit dem aufmacher über ungewöhnliche jobs zu berichten reinstellen. es gab übrigens in diesem jahr mehr als einen artikel über konventionelle studentenjobs, auch hier online, deshalb wird man auch einmal über die ausnahme berichten dürfen.

es sei bemerkt
01
18.7.2011, 21:29

mir fällt an dem artikel vor allem auf, dass er eine eiserne regel bestätigt. kommen in einem artikel auf derstandard prostituierte auch nur irgendwie vor, dann kann man sicher sein, dass es mindestens 1-2 sexualisierende fotos dazu gibt.

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