Studentenleben

Vom Wohnzimmertutorium zum Hörsaalkollaps

13. Juli 2011, 10:44
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    Erst Studieren, dann Publizieren

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    Studentin Lena im Hörsaal

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    Herbert Lackner im Profil

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    Lena: "Mir fällt das Studium leicht."

Vor 40 Jahren studierte Herbert Lackner, "Profil"-Chefredakteur - Lena Schäfer ist gerade im zweiten Semester - Eine Suche nach Parallelen im Studentenalltag

"Heute lernen alle nur noch für die Prüfungen. Damals hat man um das Wissen untereinander gewetteifert", sagt Herbert Lackner, Chefredakteur vom Wochenmagazin "Profil", "die Studenten verwechseln das Studieren zu sehr mit Schule." Herbert Lackner studierte Anfang der siebziger Jahre Publizistik und Politikwissenschaft an der Universität Wien. Später unterrichtete er selbst drei Jahre Politikwissenschaft an der Uni Innsbruck.

Während seiner Gastprofessur war er oft mit vollen Hörsälen konfrontiert, in denen viele Studenten nur stur ihre Blöcke mit dem füllten, was er ihnen erzählte. "Und vor der Prüfung lesen sich viele die Mitschrift dann wieder durch, aber das ist zu wenig. Das soll Denkanstöße geben, und dann sollte man selber weiterdenken und arbeiten. Was da vermittelt wird, ist ja gut und schön, aber das ist nur ein Teil von dem, was man sich als Student aneignen soll."

Auch die Zielorientierung hat sich heutzutage verändert. Es ist schwerer geworden, gute Jobs zu finden. Nur noch selten wird Karriere gemacht ohne einen akademischen Titel. "Man muss schnell fertig werden, schnell einen guten Job kriegen, schnell gut verdienen. Das war zu meiner Zeit nicht überall so prioritär. Nichtsdestotrotz gab es natürlich auch viele die genauso gedacht haben wie heute", merkt Lackner an. An den Studienbedingungen hat sich jedoch auch einiges geändert.

Überfüllte Hörsäle vs. Seminar in der Wohnung

Studenten, die auf den Stufen sitzen müssen, weil der Hörsaal heillos überfüllt ist. Eine Situation, die Lena Schäfer (Name geändert, Anm.), 20-jährige Publizistikstudentin, nur zu gut kennt. "Bei manchen Vorlesungen ist der Hörsaal schon zum Bersten voll." Im Studium komme sie dennoch mit allem "mehr oder weniger" zurecht, obwohl sie versteht, dass es vielen nicht so leicht fällt wie ihr. Deshalb war sie auch bei den Demonstrationen der "Unibrennt"-Bewegung dabei.

Bei Publizistik-Lehrveranstaltungen, sagt Lena, müsse man aktiv sein, um etwas zurückzubekommen. "Wenn du engagiert bist, ist der Lektor engagiert." Ein solcher Lektor ist für sie Wolfgang Duchkowitsch. Seine Vorlesungen schmückt er mit persönlichen Geschichten, die den Lehrinhalt auflockern. "Er trägt mitreißend, sympathisch und verständlich vor. Wie man sich das wünscht", schwärmt Lena.

Herbert Lackner kann sich an einen Professor erinnern, der Seminare zu Hause abgehalten hat. "Zu fünft, sechst waren wir in der Wohnung von Peter Gerlich." Einen Seminarplatz zu bekommen, das war für ihn kein Problem. Zu Herbert Lackners Zeit gab es keinen Platzmangel im Publizistikstudium. "Ich habe noch fast alle Leute meines Jahrgangs gekannt."

Das liebe Geld

Damals wie heute braucht der Student Geld zum Leben. Lena verdient ihren Unterhalt bei einem Radio, wo sie 20 Stunden die Woche arbeitet. Sie betreut dort die Facebookseite. Zu ihrem Gehalt bekommt sie außerdem noch Familienbeihilfe.

Herbert Lackner finanzierte sein Studium, indem er im Sommer arbeitete. "Ich habe von Ende Juni bis Mitte Oktober gearbeitet, ab dem ersten Studienjahr", erzählt er. In Kanada und den USA hatte er Jobs in denen er so viel Geld verdiente, dass er davon locker das ganze Studienjahr leben konnte. "In Kanada habe ich auf einer Tabakfarm gearbeitet und in den USA drei, vier Jahre als Kellner."

Die Debatte um die Studiengebühren und dass diese den freien Universitätszugang behindern würden, findet Lackner "lächerlich". "Wenn es ein Student nicht schafft, in einem halben Jahr 400 Euro aufzutreiben, wie will er später sein Leben führen?"

Bildungsbarrieren?

In Studiengebühren von rund 370 Euro sieht Herbert Lackner also nicht den Kern der Hochschulmisere. Viel eher liegt seiner Ansicht nach das Problem darin, dass Kinder aus niedrigeren sozialen Schichten nicht ausreichend darin unterstützt werden, den Zugang zu höherer Bildung zu finden. "Die Studiengebühren sind nicht die Bildungsbarriere, die Bildungsbarriere liegt zu Hause!", so Lackner.

Wenn Kinder von ihren Eltern nicht die entsprechende Förderung bekommen, dann müssten Schulen und andere Institutionen dafür sorgen, dass Schüler zum Lesen erzogen werden und ihnen die verschiedenen Bildungsmöglichkeiten vor Augen geführt werden. Lackner ist der Meinung, dass Österreich trotz der bereits hohen Zahl von Studierenden noch deutlich mehr Akademiker braucht. Im Zuge dessen wäre auch eine größere soziale Durchmischung an den Universitäten wünschenswert, die der "Profil"-Chefredakteur noch nicht sieht: "Das wird seit 30, 40 Jahren versucht, aber es gelingt bis heute nicht."

"Ich war nie in einer Disko!"

Wer studiert, arbeitet, und lernt, der darf auch feiern: Freizeit und Nachtleben spielten abseits des akademischen Lernalltags schon immer eine große Rolle im Studentenleben. Viele Hochschüler der sechziger und siebziger Jahre verbrachten ihre Abende anders als die heutige Generation. "Ich war nie in einer Disko", sagt Herbert Lackner. Natürlich könne er nicht für alle seiner Zeit sprechen, aber zu seiner Zeit "gab es einfach weniger als heute". Die Szene damals war "kleiner und wesentlich überschaubarer". Havelka, Cafe Dobner und Co. waren in seinem Umfeld beliebte Treffpunkte. Dort wurde vor allem viel politisch diskutiert.

Im Cafe Havelka sieht man die 20-jähirge Lena am Wochenende wohl eher nicht: Pratersauna, FLUC und die Ottakringerbrauerei sind die absoluten Lieblingslocations der Publizistikstudentin. Aber auch das reiche Konzertangebot der Wiener Event-Szene nutzt sie ausgiebig: "Bonaparte (Berliner Rockband, Anm.) waren jetzt da, die sind super. Die singen dieses 'Anti-Anti' - das repräsentiert mich super!"

Den Naschmarkt weiß die gebürtige Grazerin auch  zu schätzen: "Da kann man super sitzen und tratschen". Auch Herbert Lackners früheres Lieblingslokal, das Cafe Dobner, war übrigens am Naschmarkt. Man sieht, in mancherlei Hinsicht leben die Studenten von damals und heute also doch nicht so weit voneinander entfernt. (Alexander Hofer, Paul Haider, Matthias Fuchs, Ferdinand Ferroli/derStandard.at, 13.7.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 52
1 2
jopra
 
00
20 Stunden

Facebookseite updaten...aha

Eric |7| Cantona
00

Je öfter ich sie sehe, desto ekliger finde ich sie...die Festivalbänder...

ziegenhals
 
00
18.7.2011, 16:50

zu meiner studienzeit vor 15-20 jahren haben wirs auch gemacht wie der herr lackner: mitgeschrieben, daß die finger krachten, zur prüfung auswendig gelernt, oder die faulen, wie ich, von der mitschrift abgeschrieben.
wirklich was gelernt für die uni hab ich in diversen links-alternativen studentischen gruppierungen. ich fands interessante zu wissen wie die uni im hintergrund funktioniert als wie 1,5h fad in einem hörsaal sitzen.

Annamaria Herz
01
19.7.2011, 04:26
Sie hätten in den Vorlesungen...

ja nicht nur fad dasitzen und die mitschriften nicht nur abschreiben müssen, dann würde Ihre Grammatik jetzt auch vielleicht posting-würdiger ausfallen!!!

Noxventa
05
18.7.2011, 13:27
Da fällt mir der Witz ein:

Was sagt ein arbeitsloser Publizistik-Student zu einem arbeitenden Publizistik-Student? A Käsekrainer bitte.

*scnr*

Senyor Toninel
01
18.7.2011, 12:20
Ich hätt auch gern mehr MitstudentInnen,

die mit mir zum Diskutiern und Bier trinken ins Alt Wien gehn anstatt mich in die Pratersauna zerrn zu wolln.

Adolf Ogi
00
18.7.2011, 10:23
selbstständiges Denken

entwickeln wäre sehr wichtig, vor allem wenn man sich eine Vorlesung vom Lackner gibt.

Guybrush Threepwood
04
18.7.2011, 09:32
Re: "...die Studenten verwechseln das Studieren zu sehr mit Schule..."

Die Studenten?!?!

Ich würde eher sagen, die Politiker verwechseln die Uni immer mehr mit einer Schule!

macstar
142
17.7.2011, 13:42
zum letzten bild

wenn man sich anzieht, als gehe man auf den strassenstrich, dann sollte man auch dorthin und nicht auf die uni. danke.

Got Your Noes!
00

...straßenstrich...? frauen können halt keine farben tragen.

Noxventa
00
18.7.2011, 13:25
Warens schon mal in einer Uni?

Dagegen ist die Lena eh noch züchtig angezogen.

The Good Wall
00
18.7.2011, 12:27
Geh bitte, das bissal Oberschenkel reizt Sie schon?

Na servas, gehen' S ja nie zum Gürtel oder beim Prater vorbei, da würde Sie sehen, wie sich die Damen manchmal anziehen die tragen dann keine Halstücher (oder nur).

Btw: Wie oberflächlich.

Cynicism
23
17.7.2011, 00:09
"(...)Publizistikstudentin(...)"

Quelle surprise!

stoffel100
05
15.7.2011, 17:22

oh pratersauna... mit ihr hab ich sicher shcon geschmust :)

Captain_Beefheart
00
22.7.2011, 02:18

nicht nur du :)

Grantscherben
03
15.7.2011, 11:00
Scheinestreberin

Der Grund für die Wahl des Studiums war sicher: "Ich will irgendwas mit Medien machen."

Round'n'round it goes
45
16.7.2011, 18:24

Mal ehrlich, ist das so schlimm?
Mediziner: "Ich will was mit Menschen machen."
Jusler: "Ich will was wo ich viel verdien machen."

Die Vorstellungen von 90 % der Studienanfänger sind ziemlich naiv. Das ist nicht Studienrichtungsbedingt.

King of Cowards
00
17.7.2011, 10:50

"Jusler" tut weh!

europa.eu
00
18.7.2011, 20:12

Ja, und das mit dem vielen Geld funktioniert mit anderen Studien auch besser... : )

Jussumen
00
18.7.2011, 00:07
ein tritt in die eier

Noxventa
00
18.7.2011, 13:26

Justizler? :D

gawi
 
24
15.7.2011, 13:03
Ich prophezeie

dir 30 rote Stricherl, so bald die Kollegen aufgewacht sind bzw. ihre Taxischicht beendet haben!

Round'n'round it goes
02
16.7.2011, 18:27

Bist du schon mal mit einem Publizistik-Absolventen im Taxi mitgefahren? Woher kommt dieses Klischee? Kennt hier auch nur IRGENDJEMAND einen Publizisten-Taxler? (Ich frage das jedes Mal, wenn ich das hier lese... bisher hat mir noch nie jemand vernünftig darauf antworten können)
Bin ebenfalls Absolventin, musste nie Taxi fahren (außer am Rücksitz) und kenne auch niemanden, der das tut. Im Gegensatz zu anderen Studienrichtungen sind alle meine Publizistik-Bekanntschaften im Medienbereich tätig. Und der ist zB besser bezahlt als das durchschnittliche Juristen-Einstiegsgehalt.

Nevim
00
18.7.2011, 02:47

Andererseits, fragen Sie normalerweise ihre Taxifahrer, ob und was sie studiert haben? ;)

Na, aber Sie haben schon Recht. Ich kenne viele, die Jus oder so was nicht aus Interesse studiert haben, sondern weil sie gedacht haben, dass man damit sicher einen Job bekommt und viel Geld verdient. Die waren dann fürs Studium total unmotiviert und haben ewig gebraucht - in der Zeit hätten sie auch grad was studieren können, was ihnen Spaß macht und ein paar Jahre nach einem guten Job suchen können ...

120 Jahre Karl Schranz
00
17.7.2011, 14:08
"Und der ist zB besser bezahlt als das durchschnittliche Juristen-Einstiegsgehalt."

schwachsinn.

abgesehen davon ist das problem im medienbereich v.a. dass es extrem wenig fixanstellungen gibt. das ist in der juristerei etwas völlig anderes.

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