iPad-Version des "Kurier" wird ab 4. Juli kostenpflichtig
Wien - Die digitale Revolution stellt vor allem die herkömmlichen Medien vor immer größere Herausforderungen. Sinkenden Leserzahlen stehen steigende Userzahlen gegenüber - wenn auch allzu oft nicht an klassischen Newsportalen, sondern in Social Media und Co. Beim Digital Media Day des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) am Montagnachmittag zeigten sich die Branchenvertreter aber kämpferisch, wie etwa "Kurier"-Online-Chef Ronald Schwärzler, der die zunehmende Monopolisierung durch Apple und Co. kritisierte und noch Hoffnungen für den Markt hat.
Schwärzler: Smartphones "das persönlichste Medium"
Die Medienhäuser hätten die erste Phase der Mobilisierung von Inhalten versäumt und stünden im Zeitalter der Smartphones vor einer neuen Chance, sagte Schwärzler. Diese seien "das persönlichste Medium" von allen und in jeder Hosen- oder Damentasche vorhanden. Generell mangle es nicht an erfolgreichen Online-Modellen für Medien, so der "Kurier"-Online-Chef. Ein Beispiel für ein sehr gut funktionierendes Konzept sei etwa die schwedische "Aftonbladet", die pro Woche 5,7 Millionen Unique User generiere - "Kurier.at" komme demgegenüber auf nur 1,2 Millionen Unique User pro Monat, so Schwärzler, der entsprechend noch Entwicklungsmöglichkeiten nach oben ortet.
Vieldiskutiert am Digital Media Day war auch die Frage des Paid Content. Wichtig für die Zahler sei es, den Rechnungsadressaten auch zu erkennen, so Schwärzler dazu: "Der Kunde muss wissen, dass der 'Kurier' einen Service zur Verfügung stellt und verrechnet, und nicht etwa die Telekom."
Kritik übte er am Monopol von Apple, das erst kürzlich einen eigenen Onlinekiosk präsentiert hatte. Ab 4. Juli werde der "Kurier" am iPad etwas kosten, verrechnet dürfe dies aber nicht direkt über die App werden, so Schwärzler. Stattdessen müsse sich der Kunde auf der Website für den Service registrieren.
Siebert: "Trauen Sie sich, Geld zu verlangen"
In der Verlagsgruppe News verdient man derzeit bereits ein wenig Geld mit dem iPad, so die Tablet-Verantwortliche des Konzerns, Nana Siebert. Mit 36.000 Downloads der "News"-App, die von Beginn an kostenpflichtig war, gehe es aber vor allem um Knowhow-Bildung, sagte sie. Gratis solle der Inhalt jedenfalls nicht auf dem Tablet abgegeben werden, rät sie: "Trauen Sie sich, Geld zu verlangen." Der nächste Schritt im Verlag steht am Samstag bevor, wenn die neue "profil"-App startet. Diese werde Anpassung in den Schriftgrößen ermöglichen und auch die Verlinkung von Inhalten über das Web erlauben.
Grundsätzlich müsse die Branche gerade im Bereich Tablet immer einen Schritt voraus denken, so Siebert. "Die Technologie-Sprünge sind so rasant, dass man gar nicht weiß, für welche Plattform man eigentlich entwickelt", so Siebert. Apple habe mit dem iPad derzeit aber definitiv die Benchmark gesetzt.
"Oma-sichere" Nachrichten-Apps
Sie plädierte dafür, die Nachrichten-Applikationen auch "Oma-sicher" zu gestalten, denn "am Ende des Tages soll sich nicht nur der Digital Native zurechtfinden". Dass es am iPad keinen Druckschluss gibt, hat man bei "News" übrigens schon zweimal genutzt: Einmal mit einer Sonderausgabe zur britischen Royal Wedding, einmal nach dem Rücktritt von ÖVP-Chef Josef Pröll. Als dieser abtrat, sei das Heft zwar in Druck gewesen, am iPad habe man aber dennoch ein kleines Special mit Fotos und Textstrecken nachschieben können, so Siebert. (APA)