Wie Suchmaschinen unser Gedächtnis verändern

16. Juli 2011, 10:30
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Washington - Google und Co haben einen erheblichen Einfluss darauf, wie wir lernen und uns erinnern, behaupten US-Forscher im Fachblatt "Science" (online). Bei Experimenten zeigte sich, dass junge Testpersonen mit viel Internetpraxis als erstes an ihren Computer dachten, wenn sie die Antwort auf eine Frage nicht wussten. Und es blieb ihnen eher im Gedächtnis, wo sie eine bestimmte Information abgespeichert hatten als deren Inhalt. Die Forscher um Betsy Sparrow, Columbia University ist offensichtlich, dass sich unser Umgang mit Informationen rasant verändert, diese an das Internet ausgelagert werden - und sich unser Gehirn schnell darauf eingestellt hat.

Abstract
Science: "Google Effects on Memory: Cognitive Consequences of Having Information at Our Fingertips"

Rekordveränderung eines Bakterien-Genoms

Washington - War es Molekularbiologen bisher bloß gelungen, einzelne Teile des Genoms zu verändern, schafften Harvard-Forscher nun einen Durchbruch bei der DNA-Manipulation, wie sie in "Science" berichten: Sie ersetzten am Darmbakterium Escherichia Coli den genetischen Code an 314 Stellen gleichzeitig - das ein neuer Rekord. Die beteiligten Forscher haben übrigens noch ein anderes Projekt laufen: Sie wollen das Genom eines Elefanten mit der neuen Technik so manipulieren, dass daraus ein Mammut wird. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 16./17. 7. 2011)


Schonender gegen Vorhofflimmern

London - Mehrere leichte Stromstöße sind schonender gegen Herzflimmern als ein starker Stromschlag. Bei dieser neuen Technik erhalte der Patient über einen Katheter eine Abfolge von fünf vergleichsweise schwachen Pulsen, berichten Göttinger Forscher im Journal "Nature". Die Methode sei bei Tieren gegen Vorhofflimmern getestet worden. (DER STANDARD, Printausgabe, 14. 7. 2011)


Insektenart lebt seit 1,5 Millionen Jahren ohne Sex

Eine nordamerikanische Insektenart, die Gespenstschrecke Timema tahoe, dürfte sich in den letzten 1,5 Millionen Jahren allein durch Jungfernzeugung vermehrt haben, behauptet Bernard Crespi von der kanadischen Uni in Burnaby im Fachblatt Current Biology. Crespi hatte die Mutationsrate von zwei Genen untersucht und schloss daraus auf das sexlose Leben der Insekten. Die Tiere könnten ihrer Enthaltsamkeit womöglich langfristig zum Opfer fallen, meint Crespi, weil sie sich dadurch weniger gut anpassen können. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 13.07.2011)


Resistenter Tripperkeim in Japan entdeckt

Stockholm - Dank Antibiotika lässt sich Gonorrhö seit einigen Jahrzehnten gut behandeln. Doch nun droht neue Gefahr durch die Geschlechtskrankheit: In Japan ist ein H041 getaufter Keim aufgetaucht, der besonders widerstandsfähig gegen Antibiotika ist, wie Mediziner im Fachmagazin "Antimicrobial Agents and Chemotherapy" warnen. (tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12. Juli 2011)


Anzahl der Selbstmorde nahm mit Finanzkrise zu

London/Wien - Österreich ist die erfreuliche Ausnahme: Während in so gut wie allen Ländern der Europäischen Union die Zahl der Selbstmorde während der Wirtschaftskrise stieg, ging die Rate in Österreich zurück. Konkret kam es in den Kernländern der EU 2008 zu einer Zunahme um sieben Prozent, die sich 2009 mit plus fünf Prozent fortsetzte, wie ein US-britisches Forscherteam im Fachblatt "The Lancet" (Bd. 378, S. 124) berichtet. In den neuen EU-Ländern fiel die Zuwachsrate flacher aus, am steilsten war sie in Irland und Griechenland mit 13 und 17 Prozent. Gleichzeitig sank übrigens die Zahl der Verkehrstoten und der Organspenden.

Schritt zur umfassenden Grippeimpfung

London/Wien - Ein internationales Wissenschafterteam hat einen Antikörper entdeckt, der es mit einem zweiten, bereits seit zwei Jahren bekannten Antikörper verhindern könnte, dass nahezu alle Arten von Grippeviren ihr genetisches Material in die Zellen eines infizierten Organismus einschleusen. Wie die Forscher aus den USA und den Niederlanden im US-Wissenschaftsmagazin "Science" schreiben, könnten erste klinische Tests der revolutionären Antikörper bereits in Kürze beginnen. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 9./10. 7. 2011)


Wie man unmoralische Männer erkennen könnte

London - Lange war die Kriminalanthropologie eine eher verpönte Angelegenheit. Doch nun behaupten zwei US-Forscher in den durchaus angesehenen Proceedings of the Royal Society B, dass Männern die Skrupellosigkeit ins Gesicht geschrieben steht. Die einfach Formel: Je breiter ein Männergesicht im Verhältnis zur Höhe sei, desto größer sei auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Träger zu unethischem Verhalten neige. Statistisch scheint der Zusammenhang erhärtbar. Die Erklärung mutet etwas dürftig an: Ein im Verhältnis zur Höhe breites Gesicht gehe mit Dominanz und einem ausgeprägten Gefühl der Macht einher. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 08.07.2011)


Rhesusaffen haben eine Art Selbstbewusstsein

London - Am Spiegeltest sind die Vertreter dieser Primatenart im Gegensatz zu einigen klügeren Säugetieren und Vögeln samt und sonders gescheitert. Sprich: Sie konnten sich nicht selbst erkennen. Dennoch verfügen auch Rhesusaffen über eine Art Selbstwahrnehmung: Sie können immerhin begreifen, dass sie es sind, die einen Cursor auf einem Computerbildschirm steuern, wie US-Forscher in den Biology Letters der Royal Society schreiben. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 07.07.2011)


Übergewichtige Männer sind weniger fruchtbar

Das Zeugen von Kindern fällt übergewichtigen Männern um einiges schwerer als ihren Geschlechtsgenossen mit Normalgewicht. Wie eine am Montag bei einer Fachkonferenz in Stockholm vorgestellte Untersuchung zeigt, wird die Spermaqualität mit zunehmendem Körpergewicht schlechter. Die Forscher hatten dafür Spermaproben von fast 2000 Männern ausgewertet - den Angaben zufolge die bislang umfangreichste Studie dieser Art. (APA/DER STANDARD, Printausgabe, 06.07.2011)


Antiraucherpille Champix erhöht Herzinfarktrisiko

Baltimore - Die populäre Antiraucherpille Champix (Wirkstoff Vareniclin) hat einer neuen Metastudie zufolge ungünstige Folgen für das Herz-Kreislauf-System. Wie Sonal Singh (Johns Hopkins University) im Canadian Medical Association Journal nach der Analyse von 14 Studien mit 8200 Patienten herausfand, erhöht Champix das Risiko eines Herzinfarkts oder anderer schwerer Herzerkrankungen um 72 Prozent.

Kastanienminiermotte kam aus dem Balkan

London - Lange nahm man an, dass der Kastanienfeind aus Südostasien nach Europa gekommen ist. Nun konnten Forscher im Fachblatt Frontiers in Ecology and the Environment zeigen, dass die Heimat der Miniermotte in Schluchtwäldern am Balkan liegt. (tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5. Juli 2011)


Kleine Kängurus könnten gegen Klimawandel helfen

Washington - US-Forscher haben entdeckt, warum Wallabys - kleine Kängurus - sehr viel weniger klimaschädigend sind als Rinder. Das liegt nicht nur daran, dass es weniger von ihnen gibt. Sie besitzen in ihrem Gedärm nämlich ein bestimmtes Bakterium, das sie pro Einheit aufgenommener Futterenergie 80 Prozent weniger Methan produzieren lässt als Rinder, wie Forscher in "Science" berichten und darüber spekulieren, das Bakterium künftig Rindern als Probiotikum zu verabreichen. (tasch)

Neue Impfstrategie gegen Durchfallkeime

Hannovert - Deutsche Forscher zeigten in Versuchsreihen mit Mäusen, dass durch die Zugabe von Retinsäure Impfstoffe etwa gegen Cholera oder Salmonellen deutlich verbessert werden können, wie sie im "Journal of Clinical Investigation" berichten. (DER STANDARD, Printausgabe, 2. 7. 2011)


Warum sich Pinguine vor der Dunkelheit fürchten

Washington - US-Biologen haben herausgefunden, dass bestimmte Pinguinarten nur tagsüber jagen gehen. Das ist insofern erklärungsbedürftig, weil die Tiere bei ihren Exkursionen bis zu 500 Meter tief tauchen. Und dort herrscht absolute Dunkelheit. Wie die Meeresbiologen nun im Fachblatt Polar Biology schreiben, dürften die Tiere einfach Angst haben, nächtens von Seeleoparden oder Orcas gefressen zu werden. (tasch)

US-Gremium gegen Avastin bei Brustkrebs

Washington - Der Beratungsausschuss der US-Arzneimittelagentur FDA hat empfohlen, ihre Zulassung von Avastin für HER2-negativen, metastasierenden Brustkrebs in den USA zu widerrufen. In Europa hingegen wurde die Zulassung erweitert. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 01.07.2011)


Außerirdisches Leben wird bis 2030 entdeckt werden

Moskau/London - Der russische Topastronom Andrej Finkelstein, Chef des Instituts für angewandte Astronomie der russischen Akademie der Wissenschaften, sagte am Montag voraus, dass wir in den nächsten 20 Jahren auf außerirdische Zivilisationen stoßen werden, wie die Agentur Interfax berichtet.

ERC Starting Grants für Tiroler Quantenphysiker

Innsbruck - Nachdem Quantenphysiker drei von acht Start-Preisen gewonnen haben, gibt es nun noch zwei ERC Starting Grants für die Innsbrucker Fachkollegen Roland Wester und Hanns-Christoph Nägerl. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 30. 6. 2011)


Fleischfresserschwämme tief im Mittelmeer

Ein internationales Forscherteam ortete fleischfressende Schwämme auf den Unterseebergen vor Mallorca und in den Tiefen des Mittelmeers vor Spanien und Italien, wie sie in der aktuellen Ausgabe des Onlinejournals Zootaxa berichten. Bisher war deren Existenz lediglich in Unterwasserhöhlen in einer Tiefe von bis zu 26 Meter nachgewiesen worden. In der Straße von Sizilien entdeckte man die Schwämme gar bis in 700 Meter Tiefe. (jam/DER STANDARD, Printausgabe, 29.06.2011)


Diabeteskranke seit 1980 mehr als verdoppelt

London - Derzeit sind etwa 350 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Jahr 1980. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie in der britischen Fachzeitschrift The Lancet. Internationaler Forscher hatten dafür die Gesundheitsdaten von 2,7 Millionen Menschen weltweit ausgewertet. Demnach gab es fast in jeder Region der Welt eine Zunahme von Diabetes-Erkrankungen.

Ozean unter der Eiskruste von Saturnmond bestätigt

London - Unter der Eiskruste des Saturnmonds Enceladus existiert ein Ozean aus flüssigem Salzwasser. Das bestätigen jetzt Analysedaten der Nasa-Sonde Cassini, die diese beim Durchfliegen der aus Eisspalten aufschießenden Eisfontänen sammelte. (tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. Juni 2011)


Stadttauben merken sich Freund und Feind genau

Paris/Wien - Allein in Europa gibt es rund 28 Millionen Stadttauben, die, wie ihr Name schon sagt, vor allem in urbanen Gebieten zu finden sind. Dass die Tiere dort so gut überleben, hängst zum einen mit dem Fehlen natürlicher Feinde zusammen, zum anderen aber auch mit der Anpassung der Tiere an die vom Menschen geprägte Umgebung. Wie nun französische Forscher im Fachblatt "Animal Behaviour" experimentell bestätigten, lernen die Vögel außerdem verblüffend schnell, Menschen danach zu unterscheiden, ob sie von ihnen gefüttert und also gemocht oder eher doch gehasst werden.

Große Städte machen leichter depressiv

London - Ein deutsch-kanadisches Forscherteam will aufgrund von Gehirnuntersuchungen mittels Kernspintomografen ermittelt haben, dass Städter ein fast 40 Prozent höheres Risiko haben, an Depressionen zu erkranken als Landbewohner, die zudem weniger empfänglich für Angststörungen sind. Bei Kindern, die in Großstädten aufwachsen, ist zudem das Schizophrenie-Risiko zwei- bis dreimal so groß. Die Forscher hatten nach Untersuchungen an 160 freiwilligen Studienteilnehmern entdeckt, dass zwei für die Regulierung von Stress und Emotionen zuständige Hirnregionen - die Amygdala und der mit ihr verbundene cinguläre Cortex - bei Städtern verändert sind. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 25./26. 6. 2011)


Wie sich Luftballons und Haare wirklich anziehen

Washington - Haare bleiben an einem Luftballon kleben, wenn man den Ballon auf dem Kopf hin und her reibt. Diesen Effekt haben US-Forscher nun im Fachblatt Science genauer unter die Lupe genommen. Dabei entdeckten sie, dass nicht ganz richtig ist, was in einigen Schulbüchern steht: dass nämlich beim Reiben negativ geladene Elektronen von den Haaren zum Ballon wandern. Man nahm daher an, dass sich Ballon und Haar dadurch unterschiedlich aufladen - der Ballon negativ, das Haar positiv. Die neuen Untersuchungen zeigten aber, dass die Sache nicht so eindeutig ist: Auf den Materialien war immer ein Mix aus verschiedenen Ladungen erkennbar, genauer gesagt Flecken aus positiver und negativer Ladung wie in einem Mosaik. Nach Angaben der Forscher überwiegt ein Teil dieser Ladung jeweils. Eine Fläche hat demnach etwas mehr positive Ladung, die andere etwas mehr negative. (APA, red)

Warum Männer bei Partys besser zuhören können

Tübingen/Wien - Männer hören - zumindest unter bestimmten Umständen - besser zu als Frauen. Wie deutsche Forscher nun experimentell bestätigen, können sich Männer sich besser auf eine einzelne Schallquelle konzentrieren und diese auch besser eruieren, wie die Forscher in der Fachzeitschrift Cortex berichten. (apa, red/DER STANDARD, Printausgabe, 24.06.2011)


Rätselraten um exotisches Elementarteilchen

Neue Experimente am deutschen Teilchenbeschleuniger Cosy in Jülich weisen darauf hin, dass ein bisher unbekanntes, exotisches Teilchen existieren könnte - eine Art Teilchen-Komplex aus gleich sechs Quarks, wie ein internationales Forscherteam im Fachblatt Physical Review Letters berichtet. Ein solches "Multiquark"-Teilchen wurde zwar noch nie nachgewiesen, ist aber nach dem Standardmodell der Teilchenphysik theoretisch möglich. Sollte es tatsächlich existieren, könnte es auch den bisher rätselhaften sogenannten "ABC-Effekt" bei der Kernfusion erklären. Damit wird eine bis jetzt unerklärliche Abweichung bei Fusionsexperimenten mit leichten Atomkernen bezeichnet. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 22./23. 6. 2011)


Meeresspiegel steigt schneller als je zuvor

Washington - Seit dem Beginn der Industrialisierung ist der Meeresspiegel schneller gestiegen als je zuvor in den vergangenen 2.000 Jahren. Das berichten Forscher um Stefan Rahmstorf nach Analysen von fossilen Ablagerungen an der nordamerikanischen Atlantikküste im Fachblatt PNAS.

Knochenverlängerung um 26 Zentimeter gelungen

Wien - Mediziner des AHK Wien konnten den Oberschenkelknochen eines 15-Jährigen, der sich bei einem Unfall das Bein schwerstens verletzt hatte, in acht Monaten um 26 Zentimeter verlängern. Das Bein des Jugendlichen wird aufgrund des zerstörten Knies aber steif bleiben. (tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. Juni 2011)

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