Manche schwarze Landesorganisation befand, dass beim Sitzenbleiben mit drei Fünfern dem Leistungsprinzip nicht Genüge getan wird
Experten haben es ja schon immer gesagt, aber eigentlich reicht auch der Hausverstand, um zu begreifen, dass das Sitzenbleiben mit einem Fünfer (oder zwei oder drei) nicht sinnvoll ist. Es ist mehr eine Strafe für Faulheit und mangelndes Auffassungsvermögen, als eine pädagogisch oder lerntechnisch sinnvolle Maßnahme. Es ist nicht einzusehen, warum man ein Jahr verlieren und den Stoff in allen anderen Fächern wiederkäuen muss, wenn man in bestimmten Fächern auf "Nicht genügend" steht.
Das neue Schulmodell mit einer "modularen Oberstufe" macht die Schule und ihr System zwar nicht einfacher, aber logischer. Der Semesterstoff wird künftig in Module eingeteilt, bei einem negativen Abschneiden müssten nur noch einzelne Module nachgeholt werden. Die positiven Noten vom vorigen Schuljahr blieben erhalten. So weit, so gut, das fanden auch die ÖVP und ihr Bildungssprecher Werner Amon, der dieses System mitverhandelt und mitpräsentiert hat. Bis es Gegenwind aus den eigenen Reihen gab.
Manche schwarze Landesorganisation befand, dass hier dem Leistungsprinzip nicht Genüge getan wird. Aufsteigen mit Fünfer? Dann heiraten wohl auch bald gleichgeschlechtliche Paare! Lieber möge alles beim Alten und Guten bleiben. Dem beugte sich allzu rasch auch Herr Amon. Das Paket, das derzeit in Begutachtung ist, könne ruhig neu verhandelt werden, gab er bekannt. So kann man jede Reform abschießen. Im Modul Fortschritt: Nicht genügend. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 21.6.2011)