Haushalt

Steuereinnahmen in Spanien brechen ein

Jan Marot aus Granada, 20. Juni 2011, 18:24

Miserable Konsumlaune der Iberer drückt Einnahmen um 32 Prozent

Nicht alle Maßnahmen der spanischen Regierung zur Budgetsanierung zeitigen die gewünschte Wirkung. So schrumpften die Nettosteuereinnahmen in den ersten vier Monaten des Jahres um 32 Prozent auf 16 Milliarden Euro, wie aus dem aktuellen Staatshaushaltsbericht, dem Boletín Parlamentario de Economía y Presupuestos, hervorgeht.

Starke Rückläufe wurden bei Lohn- und Sozialversicherungsabgaben, aber auch aus den "Sondersteuern" - etwa auf Tabak, Alkohol, Mineralöl - verbucht. Durch Letztere wurden demnach 346 Millionen Euro, 76 Prozent weniger im Vorjahresvergleich, lukriert. Dass einer Anhebung der Mehrwertsteuer von 16 auf 18 Prozent zum Trotz nur 6,8 Milliarden Euro am Binnenmarkt eingenommen wurden, rund 48 Prozent weniger als im Vorjahr, belegt die zaghafte Konsumlaune der Iberer. Positiv wirkte sich indes die Erhöhung der Vermögensbesteuerung von Aktiva aus.

Oppositionschef Mariano Rajoy kündigte an, am Mittwoch von Premier José Luis Rodríguez Zapatero im Parlament "eine Klarstellung einzufordern, warum Regierungsprognosen nicht eingehalten werden". Die Volkspartei, der Rajoy vorsteht, will unisono mit der spanischen Nationalbank - die auch auf Steuererhöhungen pocht -, eine Obergrenze für die Regionendefizite fixieren. Jene Haushaltslöcher, allen voran das Kataloniens, waren ins Visier führender Ratingagenturen geraten, die auch die wachsenden Proteste in Spanien mit Argusaugen verfolgen.

Massenproteste gegen Misere

Der aufgestaute Frust über den politisch-wirtschaftlichen Status quo führte am Sonntag zur Mobilisierung von geschätzten 200.000 Demonstranten landesweit. "Ich habe es satt, dass Gewerkschaften, Arbeitgeberbund und Politiker auf uns herumtrampeln", echauffierte sich Josemi Sainiero (43), Spitalsaufseher aus Madrid, der zugleich die Sparmaßnahmen Zapateros "gegen die Bürger" kritisierte.

Sainiero war einer von knapp 40.000 "Indignados" ("Empörten"), die der brütenden Hitze in der spanischen Hauptstadt trotzten, wie das auf Teilnehmerschätzung spezialisierte Unternehmen Lynce errechnete. Das mag gering erscheinen, doch Lynce hatte eine Anti-Abtreibungs-Kundgebung im Herbst 2009, an der laut Organisatoren fast zwei Millionen Menschen teilgenommen hätten, auf 55.000 hinunterkorrigiert.

Während der Ruf nach einem Generalstreik seitens der Organisatoren der Protestbewegung des "15. Mai - Wahre Demokratie, jetzt", die wochenlang Plätze im ganzen Land besetzt gehalten hatte, immer lauter wird, startete aus Valencia ein erster von mehreren Protestmärschen aus den Regionen, die per pedes nach Madrid wollen. (Jan Marot aus Granada, DER STANDARD, Printausgabe, 21.6.2011)

Protestzug in Madrid: Die "Kugel" dient nicht zum Durchbrechen von Absprerrungen, sondern soll eine Finanzblase symbolisieren. F.: EPA

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vallis rosarum
 
00
13.7.2011, 00:10
Glückliches Spanien: Weniger Einnahmen aus Tabak, Alkohol, Mineralöl.

D.h. die Spanier verbrauchen weniger gesundheitlich bzw. sozial schädliche Stoffe.
Ein erfreulicher Fortschritt!

Bushdoctor
00
Fast ein Lehrbuchbeispiel...

...wie die Anhebung von Konsumsteuern wie Mehrwertsteuer und Mineralölsteuer genau den gegenteiligen als den gewünschten Effekt einbringen, nämlich ein Sinken der Steuereinnahmen. Würde mich nicht wundern, dass die Anhebung der Mineralölsteuer in Österreich denselben Effekt hat nur würde das hierzulande sicher vertuscht werden.

Walter Bimini
00
22.6.2011, 23:07
spanien wird bald auch unter den rettungsschirm schlüpfen wollen.

dann drohen juncker und co viele weiter krisensitzungen an wochenenden und in der nacht. mit dem euro wird auch die eudssr fallen. viele traurige eurokraten werden lange brauchen um darüber hinwegzukommen.

ichbinsofrei.net
01
21.6.2011, 19:49

Schon wieder so eine brutale Überraschung. Die Überraschungen nehmen ja gar kein Ende mehr!

Walter Bimini
00
22.6.2011, 23:02
hat sie das wirklich überrascht?

Thyristor
00
21.6.2011, 11:31

Ach, und das Beste zum Schluss: 50 Spitzenmanager aus Deutschland und Frankreich werben mit ganzseitigen Annoncen in Tageszeitungen "für den Euro".

50 und nicht 53 oder 57. Zahlenmagie, ähnlich den 4,99 Eu-Preisschildern, denn das schlucken die Deppen am besten.

"Für den Euro" heißt, liest man zwischen den Zeilen: "Den Staat" zahlungsfähig zu halten für weitere Bailout-Runden. Also: Konsumsteuern rauf und Sozialleistungen runter.

Kleiner Schachzug am Rande: Nicht unterschrieben hat Mr. Fünfundzwanzig Prozent, Ackermanns Josef. Warum nicht?

Nun, ganz einfach: Das wäre im Interesse eines hohen Wirkungsgrades besagter Annoncenkampagne eine momentan etwas suboptimale Variante, da das Image unseres verehrten Kollegen in jüngster Ze

Thyristor
00
21.6.2011, 11:31

(Ze)it.

Thyristor
00
21.6.2011, 11:33

(Ze)it doch etwas gelitten hat bei der verwirrten Plebs, nicht wahr.

Thyristor
00
21.6.2011, 11:55

Stattdessen hat für die Deutsche Bank eine wenig bekannte Knallcharge aus der zweiten Reihe unterschrieben. Einer "von uns" sozusagen, das schafft ja Vertrauen.

parapente
01
21.6.2011, 10:25
Steuern rauf

wird nichts nützen - wenn man die spanische Buchführung kennt!

Walter Bimini
00
22.6.2011, 23:01
das nützt am ende in keinem land mehr etwas

weder in griechenland, noch in portugal, noch in irland und es wird auch bei uns nach dem staatsbankrott nicht viel bringen.

CEEIT
03
21.6.2011, 09:07
Welch Überaschung!!

Logik der Politiker: neue Steuern und Abgaben her!

Thyristor
03
21.6.2011, 09:16

Unbedingt! Vor allem auf Konsum, Löhne und Gehälter.

Thyristor
02
21.6.2011, 12:00

Und nicht zu vergessen: Der nicht mehr bezahlbare Sozialklimbim muss jetzt einmal aufhören! Das können wir uns nicht mehr leisten!

Thyristor
00
21.6.2011, 12:34

Und damit das auch funktioniert, wollen wir die Menschen mitnehmen. Das muss jetzt einmal richtig kommuniziert werden.

Weil: Krisen sind dazu da, die verunsicherten Heloten weich zu klopfen für weitere "Reformen". Denn geht denen erst der Arsch auf Grundeis vorm Abstieg, kann man ihnen alles verkaufen. Alles!

Thyristor
00
21.6.2011, 12:40

Zum Beispiel die Geschicht vom faulen Südländer. Man kennt das ja: Dolce vita, den ganzen Tag in der Sonne hängen, Lalala Bacardi Rum saufen und unsere Töchter ficken!

Thyristor
00
21.6.2011, 13:06

Während wir tugendhaften Nordmänner uns die Renten kürzen lassen, die Löhne kürzen lassen, die Gesundheitsfürsorge streichen lassen, die Schulen ruinieren lassen und hackeln für einen nicht vorhandenen Mindestlohn, bis uns der Pimmel nicht mehr steht.

Ist das vielleicht gerecht? Also klarer Fall: Noch viel mehr Abstriche bei den braunen Gigolos! Und zwar subito!

Thyristor
00
21.6.2011, 13:37

Denn während uns der Televisor triumphierend die neusten Erfolgsmeldungen von der Produktionsfront serviert, kommt auf dem anderen Kanal schon die Nachricht, dass der Kürzungen leider, leider längst noch nicht genug sei. Da geht noch was, meine Lieben!

Thyristor
00
21.6.2011, 13:45

Das macht natürlich wütend und muss irgendwo hin qua Blitzableiterprinzip.

Da kommen uns die bösen braunen Kanacker gerade recht! Wie die schon rumlaufen, nicht wahr!

Thyristor
06
21.6.2011, 09:06

Iss nicht wahr, die wollen nicht mehr konsumieren? Na, sowas aber auch. Das kann ja nur an der bekannten Konsum-Faulheit der Südländer liegen!

Da hilft nur noch eines: Konsum- und Lohnsteuern rauf und Steuern auf Kapitalerträge und Vermögenswerte runter. Denn das wird's ganz bestimmt spielen.

Thyristor
00
21.6.2011, 09:15

Denn dann werden dena ihre Konsumverweigerer schon noch merken, dass sich solche Sabotage an unserer freien Marktwirtschaft nicht auszahlt, nicht wahr?!

Thyristor
00
21.6.2011, 10:01

Anstatt mal in die Hände zu spucken! Wie Deutschland! Auch Exportweltmeister werden!

Denn wenn alle ihre Löhne und Gehälter nach unten drücken, dann fluppt der Laden! Weil: Dann können ja alle verkaufen, was das Zeug hält. Oder so ähnlich, nicht wahr?!

Thyristor
00
21.6.2011, 09:29

Und überhaupt: "Waldheinis", sagte mein Großonkel Herbert, der Ostlandfahrer, immer, "alles Waldheinis!"

Sind schon beim ersten Schuss vom Russ in die Büsche gelaufen. Alles unzuverlässige Kunden, diese Südländer!

ma48a
00
21.6.2011, 07:24
logisch

wenn man menschen das geld weg nehmen tu,
können diese dies nicht ausgeben.
Politiker sind aber auch ziehmlich einfache menschen.
Geld denen wegnehmen , die daran verdient haben.
Ah, sind das etwa auch die politiker?

Friedman Tobin
12
21.6.2011, 00:48

Wie bei GR, Argentinien und jedem anderen Land: Das ist ja eine "riesige" Überraschung. Bei fallenden Staatsausgaben (G) fällt das Y und damit auch die Steuereinnahmen... Wer hätte das bloß gedacht, das kommt völlig unerwartet, der Staat stört ja nur im System (crowding-out usw.), in Wirklichkeit gehört das G eliminiert und ansonsten passieren ja eh Wunder, alles wird sich schon richten, man muss sich auf die Angebotsseite konzentrieren, alles gleicht sich aus und Gold wird uns retten...weiter so, da sind ein Paar Genies am Werk

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