Umverteilung

70 Prozent der Österreicher sind Nettozahler

Laura Petschnig, 20. Juni 2011, 18:08

Sozialabgaben und vor allem Verbrauchsteuern belasten untere Einkommenschichten stärker

Einkommensteuern und Transferleistungen verteilen um - von Reich zu Arm. Statistisches zu Abgaben und Gerechtigkeit.

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Wien - An Umverteilungspotenzial mangelt es in angesichts einer Abgabenquote von mehr als 40 Prozent nicht. Aber wohin fließt das Geld, und wer finanziert den Sozialstaat? Eine Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) aus dem Jahr 2010 geht diesen Fragen auf den Grund. Die ärmsten zehn Prozent der österreichischen Bevölkerung verfügen demnach über zwei Prozent des gesamten Bruttoeinkommens, die ärmere Hälfte über rund ein Viertel. Dazu zählen neben den Einkommen aus selbstständiger und unselbstständiger Arbeit etwa auch Pensionseinkommen.

Nach bezahlten Steuern und Sozialversicherungsabgaben sowie nach Erhalt der monetären Transferleistungen (ohne Sachbezüge wie etwa Gratiskindergarten) verdoppelt sich das Einkommen des ärmsten Zehntels auf vier Prozent, dem reichsten Zehntel des Landes bleiben von 26 Prozent der Bruttoeinkommen 22 Prozent der verfügbaren Einkommen.

Reiht man die Österreicher nach ihrem Bruttoeinkommen von unten nach oben, so steigen die untersten dreißig Prozent nach den Umverteilungswirkungen von einkommensbezogenen Steuern, Sozialabgaben und Transferleistungen besser aus, die übrigen 70 Prozent zahlen mehr ein, als sie erhalten. Der Durchschnittsösterreicher ist also Nettozahler: sein verfügbares Einkommen ist mit 16.490 Euro pro Jahr geringer als sein Brutto von 18.890 Euro (die niedrigen Werte ergeben sich, weil Haushaltseinkommen nach einem Schlüssel auf Ehepartner und Kinder umgelegt werden).

Die untersten zehn Prozent verdienen im Jahr brutto 3304 Euro. Inklusive staatlicher Zuschüsse kommen sie auf ein verfügbares Einkommen von 7052 Euro. Der Anteil der Transferleistungen macht also mehr als die Hälfte ihres Einkommens aus. Gerade in dieser Gruppe sei der Anreiz zu arbeiten - zumindest der monetäre - oft nicht groß genug, weil sich das Einkommen dadurch nicht wirklich verbessern würde, erklärt Studienautorin Sandra Müllbacher vom IHS. Wie sich das Problem lösen lässt? "Eine gewisse Versorgungssicherheit kann und will sich Österreich leisten. So ist zum Beispiel eine Senkung der Transfers nicht unbedingt zielführend", so Müllbacher.

Das Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) testet in seinem letzten Bericht zur staatlichen Umverteilung gleich mehrere Steuertypen auf ihre Verteilungswirkung. Die Lohnsteuer wirkt demnach stark progressiv. So wurden 2005 fast drei Viertel des gesamten Lohnsteueraufkommens vom reichsten Drittel der Unselbstständigenhaushalte geleistet. Grund sind die ungleiche Einkommensverteilung und der mit dem Einkommen steigende Steuersatz.

Unterschiedliche Belastung

Sozialabgaben hingegen haben laut Wifo eine leicht entgegengesetzte Wirkung, belasten also Haushalte mit geringeren Einkommen verhältnismäßig stärker, da die Beitragssätze zwischen Geringfügigkeitsgrenze und Höchstgrundlage konstant sind und darüber ein Pauschalbetrag anfällt. Für mehr als 80 Prozent der Arbeitnehmer übertreffen die Sozialabgaben die tarifliche Lohnsteuerleistung. Das Wifo berücksichtigt außerdem die Verbrauchssteuern, die im unteren Einkommenssegment anteilsmäßig stärker ins Gewicht fallen - und kommt zu dem Schluss, dass gemessen am Bruttoeinkommen alle Haushalte etwa gleich viel ablegen. (Laura Petschnig, DER STANDARD, Printausgabe, 21.6.2011)

Kommentar posten
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21.6.2011, 15:28
hat einer 100 der andere null

-> helle empörung
-> dem der 100 hat, werden 50 genommen
-> beide haben 50
-> der 100 hatte, arbeitet und ist fleißig
-> der null hatte, verprasst sein geld
-> hat einer 100 der andere null
-> helle empörung

Milchleber
23
21.6.2011, 15:47

jaja zwetschken und birnen.

Es gibt Jobs, da reissen sich Menschen täglich den A. auf und bekommen einen Apfel und ein Ei dafür.

Andere kassieren Millionengagen für einen volkswirtschaftlichen Mehrwert von 0.

Diese Mähr von der Leistung und dem Neid dient nur dazu, um vom wahren Problem abzulenken:

unser ganzes System dient zur Erhaltung von Machtstrukturen in denen die Reichen immer reicher, und die Armen immer ärmer werden.

Aufwachen!

ich schau nur
00
22.6.2011, 22:14

das liegt daran, weil sich viele unter wert verkaufen. dh bei den "armen" sollte man mal ansetzen.

märchenonkel
00
21.6.2011, 15:18
"Traue keiner Statistik, ausser du hast sie selbst gefälscht." ... Als "Nettozahler" gilt jeder, der auch nur einen Cent abführt. Da stellt sich dann die Fragem wie drechig geht's den 30%? Wieviele führen weniger als 100€ ab? Da wird's dann traurig .

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10
21.6.2011, 15:27
Die Armut ist äußerst relativ. Da es bei uns keine absolute Armut mehr gibt (wie sie aber etwa in der Statistik der Weltbank mit einer bestimmten „Dollar-pro-Tag-Grenze“ erfasst wird), misst die "Armut" in unserer Sozialstatistik etwas ganz anderes:

Armutsgefährdet ist in unserer Statistik, wer um 40% weniger verdient als das Medianeinkommen. Das ist jener Betrag, den jeweils die Hälfte der Österreicher mit ihrem Einkommen über- und unterschreiten. Wenn es uns gelänge, die Realeinkommen aller Österreicher in den nächsten 3 Jahren zu verzehnfachen, würden wir uns wohl subjektiv reicher fühlen. Allerdings nur, bis wir einen Blick in die Sozialstatistik werfen: Sie würde zeigen, dass es genauso viel Armut gäbe wie heute. Andererseits: Würden alle Österreicher so viel Geld verlieren, dass keiner mehr als 60% des heutigen Medianeinkommens hätte, wäre der Großteil der Bevölkerung ziemlich sauer. Statistisch hätten wir dafür die Armut drastisch reduziert. Also alles äußerst relativ

66666
20
21.6.2011, 15:07
Eine noch höhere Umverteilung als zurzeit von "reich" zu "arm" ist praktisch und rechtlich nicht möglich

(vgl. VfGH-Rsp. zu "Enteignung").
Unsere Sozial- und Abgabenquote sind praktisch Weltrekord und waren noch nie so hoch.

http://diepresse.com/home/wirt... t/index.do

http://diepresse.com/home/wirt... 8/index.do

Vordringlich ist eine Entlastung derjenigen, die das alles bezahlen.

sheik watchdog
10
21.6.2011, 16:50

Sie haben wohl den letzten Satz überlesen: Das Wifo berücksichtigt außerdem die Verbrauchssteuern, die im unteren Einkommenssegment anteilsmäßig stärker ins Gewicht fallen - und kommt zu dem Schluss, dass gemessen am Bruttoeinkommen alle Haushalte etwa gleich viel ablegen.

Das nennt man Flat-Tax und bedeutet, dass es de facto keine Umverteilung gibt

RS69
 
00
21.6.2011, 17:30

Nette Aussage, die so nicht stimmt.

Wenn der eine 5000 EUr Steuern oder weniger beiträgt, und der andere 50.000 oder mehr - dann kann die Nutzung der Sozialleistungenn beim zweiteren nicht so viel höher sein, dass das noch ausgeglichen ausgeht.

Ob er jetzt bereinigt 20 oder 40 Tausend im Jahr allein an Steuern mehr beiträgt, ist dann schon Nebensache.

Milchleber
10
21.6.2011, 15:20

denken Sie mal drüber nach, wie wenig jemand verdient, den man gar nicht mehr entlasten kann.

Die Löhne sind zu niedrig!

66666
11
21.6.2011, 15:25
Steuern runter, damit mehr über bleibt! Bereits bei einem Bruttogehalt von € 2.500 beträgt die Gesamtabgabenquote (Lohnabgaben Arbeitgeber und Arbeitnehmer) deutlich ÜBER 50%!

Und von Gesamtkosten von ca. € 3.300 (!) 14x pro Jahr bleiben dann nur ca. € 1.650 netto. Bei den Gesamtkosten sind übrigens Urlaube, Krankheit, Feiertrage usw. noch gar nicht mitgerechnet.
Diese Kosten von € 3.300 (!) 14x pro Jahr muss der Dienstnehmer dem Dienstgeber also erst einmal einbringen, damit der Dienstnehmer sich überhaupt erst zu rechnen beginnt (noch ohne Gewinn!).
Es wäre interessant einmal die Bruttogehälter auszuzahlen und die Arbeiternehmer überweisen selber an das Finanzamt bzw. an die Soz.Vers. damit endlich allen klar wird, was hier wirklich gespielt wird. Da brennen bald Parlament und Kanzleramt.

Milchleber
10
21.6.2011, 15:45

die, die die Gesetze mitbestimmen (Unternehmer in einflussreichen Positionen) scheint das allerdings nicht zu stören? warum wohl? Cui Bono?

Und es ist zwischen KMUs und Konzernen deutlich zu unterscheiden, da KMUs tendenziell zur belasteten Schicht gehören, während Konzerne auf Kosten ihrer Mitarbeiter Millionengewinne erwirtschaften und ihren Managern Millionenboni auszahlen, die aber von den Arbeitern und Angestellten erarbeitet wurden.

Milchleber
11
21.6.2011, 15:15

Träumer

ein Zinseszinssystem führt AUTOMATISCH zu einer Umverteilung von "arm" zu "reich". Da kann der Staat besteuern was er will, solange Vermögen und Kapitalertrag nicht annähernd wie Arbeit besteuert wird, hat es keinen Effekt.

66666
21
21.6.2011, 15:26

Wenn stets Politiker gewählt werden, die mit neuen sozialpopulistischen Versprechungen
die Abgabenquote in noch nie da gewesene Höhen treiben und den Bürgern so ihr letztes Geld abknöpfen (um es dann evtl. zum Teil wieder "großzügig" zu verteilen), wird sich nichts ändern.
Hohe Sozial- und Abgabenquote gelten in Ö. als schick, denn „man hat es ja". Vorgeblich. Woanders ist das zu recht verpönt und wird als Systemfehler erkannt.

Milchleber
11
21.6.2011, 15:42

als systemfehler erkannt?

So wie in Dänemark und Schweden?

Sie haben auch verschlafen, dass uns der Neoliberalismus stärker in die Schuldenmisere gefahren hat als es Kreisky je können hätte?

venere nera
00
21.6.2011, 15:03

völlig überflüssige studie: wurde miteinberechnet, was unternehmen jährlich an "staatsausgaben" unabhängi von subventionen kassieren? ich meine damit die "investitionen der öffentlichen hand", diese sind nämlich auch nci hts anderes als transferleistungen.....

wurde bei der studie der effektive oder der nominale steuersatz berücksichtigt?

fragen über fragen.....

ich schau nur
00
21.6.2011, 12:01
kleiner Rechtschreibfehler in der Überschrift

es muss natürlich heißen: "70 Prozent der Österreicher sind net dazahbar"

Milchleber
11
21.6.2011, 10:51
Empfehlung

dazu auch http://www.steuermythen.at/

66666
01
21.6.2011, 15:08
FAKTEN:

2,7 Mio der 6,4 Mio Steuerpflichtigen zahlen gar keine Lohnsteuer oder ESt!

Daher zahlen bloß 3,7 Mio Österreicher für den Rest der 8 Mio Österreicher mit.

Nur 3% der Steuerpflichtigen zahlen 33% des Gesamtaufkommens an Lohnsteuer oder ESt.

Nur 0,25% der Steuerpflichtigen (nur 16.000 Personen – „Spitzenverdiener“) zahlen 10% des Gesamtaufkommens an Lohnsteuer oder ESt.

Milchleber
00
21.6.2011, 15:49

und wieviele von denen, die keine Lohnsteuer zahlen, verdienen für eine VOLLE Stelle so wenig, dass sie eben keine Lohnsteuer mehr zahlen müssen, weil sie für 40 Stunden/Woche zu wenig zum Leben verdienen???

DAS wird dabei schön ausgeklammert.

Aber mit statistischen Zahlen kann man ja so schön alles in die richtige Richtung biegen.

RS69
 
00
21.6.2011, 17:32

Gut wäre natürlich, diese Leute mitqualifizierungsmassnahmen zu erreichen. Dass es nicht ganz einfach ist, ist auch klar.

Marilynn E.
00
21.6.2011, 16:45

über 90% all jener, die keine lohnsteuer zahlen, haben einen teilzeitjob. das nur nicht aus dem auge verlieren. DAS wird von leuten wie Ihnen ausgeklammert.

Milchleber
01
21.6.2011, 16:59

ja, aber macht das die Situation der Menschen mit Teilzeitjob besser?

Ich kriegs nur nicht in den Hals, wenn immer wieder so getan würde, als ob sich die Niedrigverdiener an der Gesellschaft bereichern würden. Dabei scheint es mir genau anders herum zu sein und vor allem die Oberschicht bedient sich schamlos, hackt dann aber über die Medien auf den sozial Schwachen herum.

Und dabei ist mit vollen Hosen leicht stinken.

Und diese künstlich geschürten Grabenkämpfe sollen verschleiern, dass es wirkliche Schmarotzer in unserer Gesellschaft gibt, aber die findet man nicht bei den unteren Einkommensschichten, Sozialhilfeempfängern oder Studenten.

petrarca
14
21.6.2011, 01:59
Es ist sehr einfach ..

die reichsten 10% haben 2/3 des Vermögens in Österreich. Das reichtse 1 (EIN) Prozent verfügt über 1/3 des Vermögens in Ö. Die Frage ist nun, wen würde eine Vermögenssteuer betreffen? Wohl nicht die restlichen 90% der Bevölkerung. U d es geht da nicht um die "Leistungsträger" sondern ausschließlich um die 10%, die von ihren "Finanz- und Veranlagungsvermögen" leben.

Wir reden nur über das restliche 1/3, das zu kritisieren wäre, anstatt um die 2/3 des zu verteilenden Ganzen.

goldschmied van halen
16
20.6.2011, 23:29
grafiken sind toll...

...und mit achsenbeschriftung und eventueller vertauschung der achsen käme eine schöne kurve raus, die man auch ohne uniabschluss verstehen kann...

Otto Ottinger
 
23
20.6.2011, 22:39
Nettozahler sind bestenfalls 30% der arbeitsfähigen Bevölkerung!

Beamte, Bauern, Sozialhilfeempfänger, Kammerangestellte, Pensionisten, Studenten, Eisenbahner, ORF Angestellte und andere Monopolrentner aus staatsnahen Unternehmen ... alle erhalten de facto mehr transferleistungen aus Steuergeldern als sie einzahlen.

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