Flüchtlinge warten vergeblich auf EU-Hilfe

20. Juni 2011, 18:04
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Angespannte Lage an tunesisch-libyscher Grenze - Weltflüchtlingsbericht vorgestellt

Choucha/Wien - Seit Wochen warten die Flüchtlinge von Choucha auf Hilfe - nach wie vor vergebens, schildert Hagen Kopp von der deutschen NGO "Kein Mensch ist illegal". Die Lage der rund 5000 "Männer, Frauen und Kinder aus Subsahara-Afrika und asiatischen Staaten", die sich vor dem Bürgerkrieg in Libyen nach Tunesien gerettet haben und dort jetzt, vom UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR betreut, in Notunterkünften bei Kerzenlicht leben, spitze sich täglich zu.

"Zwar haben EU-Staaten die Aufnahme von 900 Choucha-Flüchtlingen zugesagt. Doch bis Anfang dieser Woche gab es keinen einzigen Transport", erläutert Kopp, der Choucha als Mitglied einer Delegation des NGO-Netzwerks "Afrique Europe Interact" im Mai besucht hat. Ende Mai, so schildert er, habe es in einer derdrei provisorischen Zeltstädte gebrannt. Mehrere Lagerinsassen seien gestorben.

NGOs und die UNHCR fordern EU-Mitgliedstaaten dringend auf, die gemachten Flüchtlingsaufnahmeversprechen einzuhalten - und weitere zu geben. Österreich hat sich bisher nicht bereit erklärt, Flüchtlinge aufzunehmen.

Welflüchtlingsbericht 2010

Seit Beginn des Bürgerkriegs sind laut UNHCR etwa eine Million Menschen über die libysch-tunesische Grenze geflohen. Etwa 8000 von ihnen sind Flüchtlinge aus dem Sudan oder Eritrea, die in Libyen Asyl gesucht hatten. Im Gegensatz zu anderen Vertriebenen wie Gastarbeitern aus Ägypten könnten diese Menschen nun nirgendwo mehr hin und müssten in sicheren Drittstaaten untergebracht werden, fordert die UNHCR.

Die Organisation veröffentlichte am Montag ihren Weltflüchtlingsbericht 2010. 43,7 Millionen Menschen waren 2010 auf der Flucht, die höchste Zahl seit 15 Jahren. 27,5 Millionen davon wurden innerhalb ihres Landes vertrieben, 15,4 musten es verlassen. Der Großteil der Menschen landet in Nachbarländern. Damit nehmen Entwicklungsländer vier Fünftel aller weltweiten Flüchtlinge auf und tragen die größte finanzielle Belastung.

Pakistan voran

Für den Bericht hat UNHCR ausgerechnet, wie viele Flüchtlinge ein Land pro Dollar BIP und Einwohner aufnimmt: Pakistan liegt mit 720 Flüchtlingen pro Dollar deutlich an erster Stelle, gefolgt von der Republik Kongo (475) und Kenia (247). Unter den Industriestaaten liegen die USA mit 5,6 Flüchtlingen pro Dollar an der Spitze der Aufnehmerländer, Österreich nahm einen Flüchtling pro Dollar auf.

Die meisten Flüchtlinge kamen aus Afghanistan und dem Irak - fast die Hälfte aller weltweiten Flüchtlinge, die von der UNHCR betreut werden, stammen aus diesen beiden Ländern. Etwa die Hälfte aller Flüchtlinge sind jünger als 18 Jahre. (bri, tob, DER STANDARD-Printausgabe, 21.6.2011)

  • Hunderte Menschen demonstrierten beim "Umbrella March" am Montag in Wien gegen 
Diskriminierung von Asylsuchenden.
    foto: standard/cremer

    Hunderte Menschen demonstrierten beim "Umbrella March" am Montag in Wien gegen Diskriminierung von Asylsuchenden.

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