"Angriff auf Pride-TeilnehmerInnen war geplant"

20. Juni 2011, 15:33
4 Postings

Die Parade in Budapest hat für einige ÖsterreicherInnen ein Nachspiel - Nach Gefängnisaufenthalt wird ihnen nun Misshandlung vorgeworfen

Budapest/Wien - Die Budapester Homosexuellen Parade, bei der zwei Österreicher vorübergehend festgenommen worden sind (dieStandard.at berichtete), ist am Montag Thema in den ungarischen Medien. Laut der Onlineausgabe der Tageszeitung "Nepszabadsag" gebe es "unterschiedliche Interpretationen" der Polizeimaßnahmen gegen die Österreicher. Während die Österreichische Hochschülerschaft von "Neonazis" und "unschuldigen festgenommenen österreichischen Aktivisten" sprach, hätte die ungarische Polizei das nicht bestätigt und "Nepszsva" gegenüber erklärt, die Österreicher stehen unter dem Verdacht, ungarische Staatsbürger "misshandelt zu haben".

Laut der Onlinezeitung "Pester Lloyd" verlief die Parade "ruhig und nach den üblichen traurigen Ritualen ab". Auf der einen Seite "ein bunter Haufen DemonstrantInnen", auf der anderen die "uniformierte Aggression von Neonazis und anderen Homophoben". Das Blatt erinnert zugleich an die "wahrlich sensationelle Meldung" der sich auf Polizeiberichte stützenden Ungarischen Nachrichtenagentur MTI, nach der "ausländische Schwule auf Budapester Einwohner losgingen".

ÖsterreicherInnen "zufällig" getroffen

Rund 50 TeilnehmerInnen aus Österreich hatten am Samstag, dem 18. Juni, am Marsch von etwa 1500 Schwulen, Lesben und Transsexuellen für gesellschaftliche Gleichberechtigung teilgenommen und waren nach Abschluss auf dem Wege zu ihrem Bus attackiert worden. "Dieser Angriff war eine gut geplante und vorbereitete Aktion", heißt es in einer Aussendung des Bündnisses radicalqueer vom Montag. Dabei sollen Mitglieder der rechtsextremen Jugendbewegung "64 Burgbezirke" sowie Parlamentsabgeordnete der rechtsradikalen Jobbik-Partei, Gyula György Zagyva und Andrea Borbely, involviert gewesen sein. Pressesprecherin Rosa Stern verweist hier auf ein Foto im Blog ihres Bündnisses, auf dem diese Personen zu sehen sind.

Laut Stern hätte es die Pride-Teilnehmer aus Wien "zufällig" getroffen. Sie seien mit Reizspray angegriffen und seitens Vertretern von "64 Burgkomitate" bedroht worden. Trotz dieser Angriffe hätten sich "die Rechtsextremen als Opfer stilisiert", wobei die Polizei die Gruppe aus Wien als "Verdächtigte" behandelte. Das Bündnis radicalqueer fordert die sofortige Einstellung der Ermittlungen gegen die beiden Beschuldigten. Die zwei Österreicher, die am Samstag wegen des Verdachts des Rowdytums festgenommen worden waren, wurden am Sonntag wieder freigelassen.

Von "Frust" der rund 300-400 TeilnehmerInnen angemeldeter Gegendemonstrationen während der Parade, berichteten ungarische Medien. Die Internetzeitung "Index" erinnert daran, dass die Polizei den Marsch umleitete, während die Mitglieder von "64 Burgkomitate", weiter Anhänger der Oppositionspartei "Jobbik" am Platz Oktogon auf die Parade warteten. Dabei hatte der Chef der Jugendbewegung, Laszlo Toroczkai seine Anhänger zum Oktogon gerufen, um "gegen die satanischen Kräfte" zu kämpfen. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Für einige ÖsterreicherInnen hat die Homosexuellen-Parade am vergangenen Samstag in Budapest ein Nachspiel.

Share if you care.