Expertenwarnung

"Wir schlafen immer kürzer und schlechter"

20. Juni 2011, 15:01
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    foto: ap/jens meyer

    Schlafstörungen sollten nicht als Schicksal hingenommen werden

Schon knapp ein Viertel der Schulkinder von "Volkskrankheit Schlafstörungen" betroffen - Auswirkungen meist unterschätzt

Wien - Jeder dritte Österreicher leidet an Schlafstörungen. Erkrankungen wie Depressionen, Angstzustände und Herz-Rhythmusstörungen können die Folge sein. Schon 23 Prozent der Schulkinder schlummern schlecht und zu wenig. "Wir schlafen immer kürzer und immer schlechter - Tendenz stark steigend" warnte der Grazer Mediziner Manfred Walzl bei einer Pressekonferenz in Wien. Fachleute aus unterschiedlichen Disziplinen wollten anlässlich des "Europäischen Schlaftages" am 21. Juni Ursachen und Gegenstrategien aufzeigen.

Beim Nachwuchs wirkt sich Schlafmangel besonders negativ aus, erläuterte Walzl. Drei Viertel sind am nächsten Tag unruhig, überaktiv und neigen zu Wutanfällen. Wer schlecht und wenig schläft, neigt darüber hinaus besonders zum "Schwänzen": 61 Prozent geben als Grund Schlafmangel und Verschlafen an. Gleichzeitig kommt es oft zu psychischen Veränderungen, wie aktuelle Studien zeigen. Gehen Jugendliche statt um 22.00 Uhr erst um Mitternacht ins Bett, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für Depressionen um 24 Prozent, die Tendenz zu Suizidgedanken um ein Fünftel. In der Gruppe jener, die nur fünf Stunden pro Nacht ruhen, verzeichnen die Experten einen Anstieg bei Depressionen um fast zwei Drittel (71 Prozent), bei Selbstmordgedanken um knapp die Hälfte (48 Prozent).

Leistung geht zurück

Ganz grundsätzlich bedeuten Schlafstörungen einen Verlust der Leistungsfähigkeit bis hin zu motorischen Störungen, was die Unfallwahrscheinlichkeit drastisch erhöht. Walzl plädiert dafür, dies nicht als Schicksal hinzunehmen, sondern das Umfeld zu optimieren: durch die Optimierung der Ernährung und des Betts und die Reduzierung von Stress und Spannung beispielsweise.

Der Orthopäde Friedhelm Heber sprach von einem "Riesenproblem", wenn sich motorische Muster nachts nicht mehr festigen können. Seiner Beobachtung nach gehen die motorischen Fähigkeiten der Kinder "massiv zurück" - "Purzelbäume" beispielsweise werden in den Schulen nicht mehr gemacht, weil die Verletzungsgefahr zu groß ist. Bei der nächtlichen Ruhe spiele die "vernünftige Lagerung der Wirbelsäule" eine große Rolle - diese müsse sich "erholen können". Das Bett sei "aus orthopädischer Sicht" sehr wichtig.

Bett ist wichtiges Möbelstück

Auch der Schlafpsychologe Günther W. Amann-Jennson sieht das so: "Das wichtigste Möbel ist eindeutig das Bett. Und das wichtigste Zimmer ist das Schlafzimmer." Um Rückenleiden und Schlafstörungen vorzubeugen setzt er auf Prävention und Optimierung des Umfeldes. Nicht zuletzt deshalb, weil eine aktuelle Untersuchung der University of California nahelegt, dass Schlafstörungen Basis für psychische Erkrankungen sein können. Ein Zusammenhang wurde bereits beobachtet, allerdings vice versa.

Bezüglich der nahenden Feriensaison warnte Walzl davor, "direkt vom Büro ins Auto zu springen". Er legt ein Durchatmen zwischen Reiseantritt und Arbeitsende nahe. Krampfhaft den persönlichen Rhythmus im Urlaub ändern oder beibehalten solle man "Ja nicht!" meinte der Experte. "Der Körper stellt sich in aller Regel ganz von selbst um." (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
1 2
Sallel
 
00
20.9.2011, 14:25
Tipp zum Theam Schlafstörungen

Mit hat das Ratgeberbuch von Jörns Bühner sehr gut helfen können. Es heißt "Endlich wieder richtig gut schlafen". Man kann es bei amazon (kindle) bekommen oder aber auch direkt.

luis trew
03
21.6.2011, 15:59
Die Schulzeit

Dabei wäre Schlafmangel mit all seinen negativen Auswirkungen gerade bei Kindern so leicht zu bekämpfen.

Bei Kindern etwa weiß man, dass 8.00 Uhr Schulbeginn (d.h. aufstehen um 6.30 oder 7.00 Uhr) gegen die Natur der kleinen ist.

Was spricht dagegen (außer wahrscheinlich die Lehrergewerkschaft), dass man in einigen Klassen jedes Jahrganges die Schule erst um 9.00 Uhr beginnen läßt?

Vielen Eltern und Kinder wären über diese geschenkte Schlafstunde heilfroh.

Dagmar Rehak Wien
 
00
22.6.2011, 16:48

Nicht nur Schlaf, sondern man muss sich dann auch nicht so hetzen, sondern kann den tag entspannt angehen.
Die Frühaufsteherei ist mMn nur ein ständiger Test, was die Menschen bereit sind, sich und ihren Kindern anzutun.

zellu lloyd
00
22.6.2011, 14:43

und was mach ich mit der geschenkten Schlafstunde meines Kindes, wenn ich selbst um 7 Uhr 30 in der Arbeit sein MUSS?

Dagmar Rehak Wien
 
01
22.6.2011, 16:49

Den willkürlich gesetzten Arbeitsbeginn von 7:30 h ebenso willkürlich auf zB 9:30 h verlegen.
Ich verspreche dir, dass es alle überleben werden.

relatio subsistens
00
21.6.2011, 14:28

Es ist bezeichnend, dass in einer Gesellschaft, in der man glaubt, alles machen zu können, die Schlafprobleme zunehmen.

Denn man kann nicht machen, dass man einschläft (außer man dröhnt sich zu, dann ist es aber kein natürliches Einschlafen).

Um einzuschlafen, muss man (sein Ego) loslassen. Und das gelingt immer weniger. Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem guten Sterben scheint mir da schon zu bestehen.

no way01
00
21.6.2011, 14:26
was soll's

die meisten schlafen eh spätestens um 10:00 bei der arbeit wieder ein und holen verlorenen schlaf nach

AntonUndAntonia
01
21.6.2011, 15:08

Ich weiß das war als Scherz gedacht, aber nur zur Info: Verlorenen Schlaf kann man nie mehr nachholen. Genausowenig wie man "vor-schlafen" kann.

Standardnormalverteilung
01
21.6.2011, 09:47

...und im selben Atemzug muss ich mich bei allen Schichtarbeitern entschuldigen.
Ich hab das eineinhalb Jahre lang gemacht, hätte es aber nicht länger durchgehalten (körperlich und psychisch). Viele vertragen das relativ gut, aber ich konnte überhaupt nicht mehr schlafen, war aggressiv, unkonzentriert und nahm immer mehr ab. Ich konnte dann nur mehr in den Tagschicht-Betrieb wechseln.

Standardnormalverteilung
01
21.6.2011, 09:43

Natürlich werden unser aller Tage immer ausgefüllter, länger und hektischer.
Um so wichtiger ist es, dem bewusst gegenzusteuern. Mit Einführung des elektrischen Lichts hat sich die durschnittl. Schlafmenge schlagartig um eine Stunde verkürzt.
Am besten wäre am Abend kein helles Licht mehr, keine laute Musik, keine hektischen (Fernseh- od. Computer-)Bilder, nicht mehr zu viel essen. Einfach den Körper ein bisschen herunter fahren und zur Ruhe kommen lassen.
Dazu möglichst regelmässig nach dem Arbeiten ein kleines bisschen Sport.
Gelegentlich mal mit einem Gläschen Wein bei Kerzenschein ein bisschen zusammen sitzen (natürlich nur Erwachsene ;-).
Mir hilft das zumindest, und ich hab auch einen sehr empfindlichen Schlaf...

Dagmar Rehak Wien
 
310
21.6.2011, 09:23

Und warum kann man die Kinder nicht einfach ausschlafen lassen? Weil sie dann besser lernen können?
Die Antischlaf-Kriegstreiber sagen immer, das "muss" sein, dieses sadistische Aufwecken, wenn der Körper noch im Tiefschlaf ist. In Wirklichkeit ist es das Ungesündeste, was es gibt. Da brauchen wir aber keinen besorgten Doktor, sondern nur ein bisschen guten Willen und ein Bewusstsein dafür, was gesund ist und was Vorbereitungsrituale für Sklaverei sind.

Das Ganze hat übrigens auch was mit der Wirtschaftslage zu tun. Kein Geld, "Leistung" einfordern, hetzen,... das gehört alles zusammen.

Abernein
32
21.6.2011, 12:00

Geh bitte

Got Your Noes!
10
21.6.2011, 09:11

jetzt gehts wieder vor weihnachten hab ich die stunden schlaf pro woche an einer hand abzählen können.

ab woche 2 wirds plötzlich einfacher. keine ahnung warum.

astemp79
72
21.6.2011, 08:39
Konsum - und Angst

Fernsehen, Computerspiele. Fastfood (lässt die Leber nachts rebellieren). Schlechte Betten. Kaum frische Luft.
Es handelt sich um eine Abkehr vom "Leben", von dem, was Leben ausmacht. Und diese Abkehr ist einerseits schlicht Unwissen, andererseits aber auch Angst.
Zudecken, nicht sehen wollen. Nicht das Leben selbst, aber auch die geistige Seite nicht: die Endlichkeit des Lebens. Woher komme ich - wo gehe ich hin. Was ist der Tod?
Schlaf ist "der kleine Bruder des Todes" - und aus verdrängter Angst vor Krankheit, Sterben (Abschieben in Krankenhaus, Abhängigkeit von Medikamenten, Chemo, Dahinsiechen ...) und Tod weigern sich viele Menschen unbewusst, einzuschlafen und tief zu schlafen.

Londo Mollari
 
11
21.6.2011, 11:49

ja, da gehe ich d´accord. es ist auch sehr schön, postinsg wie das Ihre zu lesen, weil das die hoffnung keimen lässt!

keywords
03
21.6.2011, 10:08

esoterish a bisserl angehaucht, dafür naturwissenschaftlich a bisserl blank?

marty fink
00
21.6.2011, 13:10
a bisserl???

Duck of Death
06
21.6.2011, 10:01

Und für nur 333 Euro verkaufe ich ihnen einen biodynamischen Energieregulator, dann können sie wieder beruhigt schlafen!

Got Your Noes!
02
21.6.2011, 12:02

die tripel-drei, das kann nur magisch sein!

Herbert Novak1
11
21.6.2011, 04:48
Die Wirtschaftsleistung und Gesundheit

Es ist sehr interessant zu beobachten, die Wirtschaft hat sehr starke negative Kollelation mit Gesundheit. Höhere Wirtschaftsleistung-> schlechtere Gesundheit. Siehe Griechenland, dort wo nur ein kleines Land fast 8000 über Hunderjährige leben, kein Wunder warum Berlin und Brüssel bereits den Kopf zerbrochen haben für das zweite Hilfs-Packet.

ShaelEth
 
13
21.6.2011, 08:55

schöne zahlen. nur wieviele der 8000 über hundertjährigen leben tatsächlich noch? sie wissen, dass das kassieren von bezügen von verstorbenen angehörigen gängige praxis in griechenland ist?

Lilith Boessse
 
01
20.6.2011, 22:44
ja eh - aber!?

schneller, höher, lauter.

Ibsen
01
20.6.2011, 22:34
Also

ich zum Glück nicht!

/. nerd
 
17
20.6.2011, 20:49
Ein nächtlicher Raser mit Sportauspuff versus tausende schlafende Anrainer

Tja, man muss Prioritäten setzen, man kann arme infantile Tr.tteln in ihrem ach so wichtigen Mobilitätsbedürfnis doch nicht einschränken.

Fritz234
03
21.6.2011, 12:53
oder der dicke SUV vorm Haus...

mit der tollen Alarmanlage, die spät nachts zeigt was sie kann :(

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