Schuldirektoren zweifeln an Zentralmatura bis 2014

Lisa Aigner, 20. Juni 2011, 15:50
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    foto: dpa/dpaweb

    Ab 2013/2014 soll die Zetralmatura kommen. Direktoren zweifeln, dass sie ihre Schüler darauf vorbereiten können.

Es gäbe nicht genügend Materialien, um die Schüler auf die neue Matura vorbereiten zu können - "Wir tappen im Dunkeln"

Geht es nach dem Unterrichtsministerium, so sollen bereits in drei Jahren alle Schüler an den Allgemein Bildenden Höheren Schulen (AHS) dieselbe schriftliche Matura zum gleichen Zeitpunkt ablegen. Hört man sich bei den Direktoren jener Schulen um, die bereits jetzt die teilzentrale Matura im Schulversuch testen, kommen Zweifel darüber auf, ob sie bis dahin die Schüler genügend vorbereiten können.

Bei der neuen Reifeprüfung werden in den lebenden Fremdsprachen, in Mathematik, Deutsch, Altgriechisch und Latein die Aufgaben bei der schriftlichen Prüfung zentral vorgegeben. Bis zum Schuljahr 2013/2014 soll dieses System an allen AHS eingeführt werden, ab 2014/2015 folgen die Berufsbildenden Höheren Schulen. Im Fokus liegt die Überprüfung von Kompetenzen. In Englisch und anderen lebenden Fremdsprachen wie Spanisch und Französisch laufen die Schulversuche mit der zentralen Matura schon seit Jahren. In Mathematik und Deutsch ist die Erstellung der Aufgaben noch im Gange.

"Unterricht muss umgestellt werden"

Deshalb macht sich der Direktor des Bundesgymnasiums Frauengasse in Baden, Roderich Magyar, Sorgen. Man sei bei der Vorbereitung der Zentralmatura in Mathematik jetzt soweit, wie man bei der Englischmatura vor Jahren war. "Der Unterricht muss umgestellt werden, die Lehrer bemühen sich sehr, die Schularbeiten schon in diese Richtung durchzuführen", sagt Magyar. Worauf die Schüler tatsächlich vorbereitet werden müssen, ist aber noch nicht klar. Es gebe noch sehr wenige Unterlagen, so der Direktor.

BIFIE entwickelt Aufgaben

Die zentralen Aufgaben für die Matura werden vom Bundesinstitut für Bildung, Forschung und Entwicklung (BIFIE) erstellt. Lehrer, Fachwissenschaftler und Experten würden dabei zusammenarbeiten, erklärt Gabriele Friedl-Lucyshyn vom BIFIE. Die Aufgaben werden später an Schülern getestet und gegebenenfalls angepasst. 

Magyar: Test in Mathematik sehr schlecht

Das Gymnasium von Direktor Magyar hat an einer solchen Überprüfung teilgenommen. Das Ergebnis war nicht berauschend. "Zwei Drittel hatten bei dem Test ein Nicht Genügend und wir waren eine der besseren Schulen", erzählt er. "Das lässt darauf schließen, dass die Art der Überprüfung falsch ist", glaubt der Direktor. An seiner Schule werden schon seit Jahren die Aufgaben für die Englisch- und die Spanischmatura zentral vorgegeben. Im Fach Mathematik haben Eltern und Schüler aber gegen einen Schulversuch gestimmt. "Das hat mich nach den Überprüfungen nicht gewundert", sagt Magyar.

Kompetenzen statt Fachwissen

Die neue Reifeprüfung orientiert sich wie die Bildungsstandards an Kompetenzen. Schüler sollen also nicht Fachwissen wiedergeben, sondern es werden ihre Kompetenzen in den diversen Fächern geprüft. Die Kompetenzorientierung bei der neuen Reifeprüfung erklärt Friedl-Lucyshyn vom BIFIE so: "Bei den lebenden Fremdsprachen geht es nicht um Themen und spezialisierte Vokabel, sondern um Grundkompetenzen". Es werde überprüft, ob der Schüler die richtigen Hör- und Lesestrategien hat und in der Sprache schreiben kann. "In Deutsch geht es nicht um Werkwissen, sondern um die Kompetenz einen literarischen Text analysieren zu können, ohne Details über die Biographie des Autors zu kennen. In Mathematik muss man präzise definieren was Grundkompetenzen sind, also was ich im realen Leben brauche und was ich brauche, um bestimmte Fächer studieren zu können", so Friedl-Lucyshyn. 

"Lehrer kann nicht mehr Lieblingsthema prüfen"

Die Kompetenzorientierung sowie generell die Einführung der Zentralmatura unterstützt Direktor Magyar. Auch sein Kollege aus Oberösterreich, Wilhelm Zillner, Direktor am Bundesrealgymnasium Kirchdorf begrüßt den "Paradigmenwechsel". "Die Aufgaben kommen von jemand anderem als dem Lehrer. Das führt dazu, dass die Lehrer einen Standard erreichen müssen und nicht ihr Lieblingsthema abprüfen", sagt Zillner. Aber auch er hat seine Zweifel, dass sich die Einführung der Zentralmatura in allen Fächern bis 2013/2014 ausgehen wird. "In Deutsch gibt es nichts, keine Materialien, wir wissen überhaupt nicht wie das sein wird", so Zillner. Die Kinder, die bereits an der neuen Reifeprüfung teilnehmen, würden in der fünften Klasse sitzen, die Lehrer aber nicht wissen, wie sie die Schularbeiten korrigieren sollen, erklärt Zillner das Problem. "Wir tappen im Dunkeln", fasst der Direktor zusammen. 

BIFIE versichert: "Keine bösen Überraschungen"

Beim BIFIE ist man sich sicher, dass sich die Einführung der Zentralmatura bis zum vorgegebenen Zeitpunkt ausgehen wird. "Es wird kein bösen Überraschungen geben", sagt Friedl-Lucyshyn. (Lisa Aigner, derStandard.at, 20.6.2011)

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1116er
70
21.6.2011, 18:03
"Der Unterricht muss umgestellt werden"

klar,
denn bisher waren die ersten 10 möglichen fragen stoff der ersten schularbeit, die nächsten 10 möglichen maturafragen stoff der 2. schularbeit usw. usf.

da geht jetzt wohl so manchem lehrer der arsch auf grundeis, wenn nicht mehr auswendiggelerntes abgefragt wird sondern kompetenz.

denn das bedeutet: auch der lehrer muss kompetent sein --> hilfe! neugebauer komm und hilf mit deinem veto!

Zitronenbaum
00
21.6.2011, 14:54
Unterlagen! Unterlagen!

Derzeit zu maturieren ist eh furchtbar. Also, jetzt so konkret als jemand, der Vollzeit arbeitet und das neben dem Beruf macht.
Es gibt kaum Unterlagen mehr. Viele Bücher werden in Vorbereitung auf die Zentralmatura gar nicht mehr gedruckt. Die Bücher, die man jetzt hat, sind oft teilweise bis Großteils inhaltlich unverständlich oder schlecht formatiert. (Manz schafft es in Maturawissen Englisch nichteinmal seine Angabenkasteln auf dieselbe Seite zu setzen wie die Übung, bei der man die Wörter einsetzt.)
Ich mag aber Anfang nächstes Jahr meine ersten Prüfungen machen, nicht erst 2014.

meinrad
00
21.6.2011, 23:09
"seine Angabenkasteln auf dieselbe Seite zu setzen wie die Übung"

ist wohl gleich auch als training fürs kurzzeitgedächtnis gedacht. die kümmern sich halt um einen!

Mr. Cloogshicer
01
21.6.2011, 14:45
Interessanter TED-Talk zum Thema Schule und Kreativität:

http://www.ted.com/talks/lan... ivity.html

Ich muss immer wenn es um Zentralmatura und ähnliche Themen geht an diesen sehr interessanten und unterhaltsamen Vortrag denken.

AlBundyFan
 
02
21.6.2011, 14:17
man braucht also unterlagen - wofür?

um dann auf die zentralmaturaaufgaben hinzulehren?
damit man nicht wissen vermittelt, sondern wie man die zentralmaturafragen beantwortet?

es gibt doch bereits einen lehrplan - und genau dieser sollte gelehrt werden.
zentralmaturafragen kommen dann aus allen gebieten, die laut lehrplan vorgeschrieben sind.

wenn man 4 jahre oberstufe genau auf die zentralmatura hingetrimmt wird, dann könnte man das ganze doch auch gleich auflassen und die maturafragen öffentlich ausgeben....ist dann ja auch schon egal.

Arnold Hau
00
Sind Sie so naiv

Oder tun sie nur so?

Heavyweather
00

Ein Blick über die Grenze reicht.
"Teaching to the test" ist dann auch bei uns ab der Oberstufe angesagt.

marcel81
06
21.6.2011, 13:59
In erster Linie braucht man die Zentralmatura

um anschließend den Numerus Clausus an den Unis einführen zu können. Das ist in Wahrheit der einzige Grund warum die Zentralmatura kommt.

Radio Eriwan
01
21.6.2011, 14:06
Danke, SPÖ!

why_so_puddi?
04
21.6.2011, 13:38
Die Zentralmatura ist ein Scherz...

Kann aus eigener Erfahrung (1. Jahrgang der sie in Englisch testen durfte) sagen, dass es nichts als eine Nivellierung nach Unten ist. Unser Lehrer hat es in etwa so formuliert: "Wenn da einer negativ gewesen wäre hätte ich meine Fähigkeiten ernsthaft in Frage gesellt."

War dann auch so, von 20 Leute keiner negativ, wobei man erwähnen muss dass bei den Schularbeiten vorher immer so zw. 30-50% einen 5er hatten.

R. Lexer
00

Ja, das wird sicher nicht an allen Schulen so sein. Das Unterrichtsniveau schwankt halt je nach Unterricht und Vorwissen.

D/E
00
22.6.2011, 08:11
Die Zentralmatura aus Englisch ist wirklich ziemlich einfach.

Allerdings gibt es weiterhin massive Bröseln in Mathematik, weil man sich weder auf eine realistische Festlegung des angestrebten Niveaus einigen konnte noch halbwegs brauchbares Übungsmaterial zustande gebracht hat.

Tipp-Assistent
00
21.6.2011, 14:56
Dann hatten Sie einen guten Lehrer. Herzlichen Glückwunsch

Die Kritik geht aber interessanterweise dahin, dass die Aufgaben für viele Schüler, die es bis zur Achten (AHS) geschafft haben, zu schwer sind.

leftwing
00
21.6.2011, 14:04
Interessant. Welche Schule bzw. Schulform haben Sie besucht?

why_so_puddi?
00
21.6.2011, 14:11
Realgymnasium

im tiefsten Niederösterreich

wer ist wir?
13
21.6.2011, 12:37
die idee der zentralmatura ist ja spitze

aber wenn es das bifie umsetzt, dann kanns nur in die hose gehen. bei dieser "kompetenten" truppe. jeder der halbwegs verstand hat flüchtet dort so schnell es geht. vor allem die führungskräfte sind zum vergessen.

global_citizen
00
21.6.2011, 13:05
warum nicht einfach mit NRW kooperieren

die haben fast dreimal so viele EW wie Österreich, jahrelange Erfahrung mit der Zentralmatura und
außerdem schneiden sie bei PISA relativ gut ab (jedenfalls deutlich besser als Österreich). Weiters
verhindert man die zu erwartenden Mauscheleien,
dass es dann doch Lehrer gibt die ihre Schüler
"spezifischer" vorbereiten können um ihre Reputation
zu retten. Die Beispiele werden am Stichtag per
Internet direkt in die Klassenzimmer übertragen.
Man kann dann immer noch am Notenspiegel drehen, damit man erträgliche Durchfallraten erzielt.
Österreich ist einfach zu klein um hier eine brauchbares Niveau zu erreichen.

Tipp-Assistent
00
21.6.2011, 13:02
Warum?

Mit Sachargumenten scheinen Sie sich ja ungern aufzuhalten.

jane.doe
03
21.6.2011, 11:44
Eine Herausforderung...

Ehrlich gesagt, finde ich die Idee Kompetenzen zu testen anstatt Fakten wirklich toll! Es wird heute viel zu viel auswendig gelernt ohne die Fakten in Kontext zu bringen und das ist meiner Meinung nach auch eine Schwachstelle in anderen Laendern mit zentralisierten Pruefungen wie zB Grossbritannien oder auch den Staaten.
Es ist definitiv eine grosse Herausforderung an alle - Lehrer, Eltern und Schueler, aber hoffentlich ein Gewinn! Wir werden sehen was dabei herauskommt!

R. Lexer
00

Gerade beim (US-amerikanischen) SAT geht es kaum um Faktenwissen. Den würde man hierzulande eher als Intelligenztest verstehen.

Heavyweather
00

Kompetenz bedeutet auf alle Ressourcen zurückgreifen zu können.
Glaube aber kaum dass Telefonjoker und Internet bei der Matura zugelassen werden.

Radio Eriwan
00
21.6.2011, 12:29
Wenn man einen Schimmer davon hat, was Kompetenzen überhaupt sind.

mauna kea
52
21.6.2011, 11:02

über die sinnhaftigkeit einer zentralmatura kann man diskutieren. eines ist für mich aber klar: sie wird sicher bald kommen, und dann auch bald wieder gehn.

Der dicke Jokkl
15
21.6.2011, 11:11

Über die Sinnhaftigkeit ihres Postings kann man diskutieren. Eines ist für mich aber klar: ich habs gelesen, und werds dann bald auch wieder vergessen.

ja aber
07
21.6.2011, 11:00
wir lernen: das fachwissen in z.b. englisch und mathematik ist in oesterreich so unterschiedlich, dass man es nicht zentral pruefen kann?

ich staune. wie sollen solche maturanten im alltagsleben durchkommen?

ist die mathematik in voralberg anders als in wien? ist englisch in voralberg nicht for the small austria geeignet?

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