Immer mehr Väter gehen in Karenz

20. Juni 2011, 12:55
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Einkommensabhängiges Kindergeld: Männer-Anteil stieg auf 31 Prozent - Grüne und BZÖ fordern Papamonat

Wien - Der Anteil der Väter in Karenz ist mit dem einkommensabhängigen Kindergeld deutlich gestiegen. Bei Eltern, die diese - vor eineinhalb Jahren eingeführte - Kindergeld-Variante gewählt haben, geht fast jeder dritte Vater in Karenz, ergab laut "Kurier" eine erste Bilanz des Familienministeriums. Die Grünen nahmen dies zum Anlass, um auf die Umsetzung des "Papamonats" zu drängen.

Angepeilt waren mit dem einkommensabhängigen Kindergeld 20 Prozent, erreicht wurden schon 31 Prozent Väterbeteiligung. Offenbar seien mit der Absicherung des Einkommens die "richtigen Rahmenbedingungen gesetzt" worden, zeigte sich Familienminister Mitterlehner im "Kurier" zufrieden.

Das einkommensabhängige Kindergeld kann maximal 14 Monate bezogen werden, wobei mindestens zwei Monate lang der zweite Elternteil die Kinderbetreuung übernehmen muss. Die Höhe richtet sich nach dem Einkommen, ist aber mit 2.000 Euro limitiert.

Lang-Variante weiterhin am beliebtesten

Wie lange die Väter zu Hause bleiben, wurde nicht erhoben. Die beliebteste Kindergeld-Variante ist weiter die (von 50 Prozent gewählte) Lang-Variante, wo ein Elternteil bis zu 30 Monate je 436 Euro bekommt und der Väteranteil am geringsten ist.

Die Grünen forderten in einer Aussendung nicht nur den Papamonat, sondern auch die Überarbeitung des Kindergeldes. Die Hälfte der Karenz sollte für die Männer vorgesehen sein. Und auch getrenntlebende Väter sollten Recht auf Pflegeurlaub haben, verlangte Familiensprecherin Musiol.

Auch das BZÖ spricht sich für die Einführung eines "Papamonats" aus. Väter sollten diesen in den ersten zwei Monaten nach Geburt des Kindes - unabhängig von der Kindergeld-Variante - in Anspruch nehmen können, wenn sie das wollen, verlangte Familiensprecherin Ursula Haubner. Die FPÖ forderte mehr Unterstützung für Familien, die ihren Nachwuchs bis zum Kindergarteneintrittsalter zu Hause selbst betreuen wollen - etwa volle drei Jahre Kindergeld, auch wenn der Vater nicht sechs Monate zu Hause bleibt.

"Kein Grund zu feiern"

Die FPÖ forderte mehr Unterstützung für Familien, die ihren Nachwuchs bis zum Kindergartenalter zu Hause selbst betreuen wollen - etwa volle drei Jahre Kindergeld, auch wenn der Vater nicht sechs Monate zu Hause bleibt. "Kein Grund zum Feiern" ist es für FPÖ-Familiensprecherin Anneliese Kitzmüller, dass die Väterbeteiligung bei der einkommensabhängigen Variante höher ist - denn bei "gerade zweimonatiger Karenz überhaupt von Väterbeteiligung zu sprechen, ist schon etwas übertrieben".

AK äußert Zweifel

In einer Aussendung teilte die Arbeiterkammer (AK) mit, dass sie an den in der Öffentlichkeit kolportierten Zahlen Zweifel hegt. Die Statistiken zum Kinderbetreuungsgeld sagen laut AK etwas anderes: Laut den letzten verfügbaren Daten von April 2011 beziehen 8.394 Personen das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld. Darunter waren 563 Väter, was einen Anteil von 6,7 Prozent ausmacht. Bei der Kurzvariante mit 1.000 Euro liegt der Väteranteil mit 11,4 Prozent höher. Diese Zahlen sind weitaus geringer als das kolportierte Drittel Väteranteil. Bezogen auf alle Kinderbetreuungsgeldvarianten ist der Väteranteil mit 4,6 Prozent noch sehr gering, so die AK. (APA/red)

  • Fast jeder dritte Vater geht bei Erhalt des einkommensabhängigen 
Kindergeldes in Karenz.
    foto: derstandard/graf

    Fast jeder dritte Vater geht bei Erhalt des einkommensabhängigen Kindergeldes in Karenz.

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