Flüchtlingstag: Das freie Wort ist unersetzlich

20. Juni 2011, 14:05
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Ausgrenzung und Flüchtlinge "im Regen stehen zu lassen" ist eine Politik, die die eigene Gesellschaft abwertet

Das freie Wort ist unersetzlich. Allein im vergangenen Jahr mussten laut Reporter ohne Grenzen rund 130 JournalistInnen und BloggerInnen, die wegen ihrer Recherchen und Berichte in Lebensgefahr geraten waren, ins Exil flüchten, also um Asyl ansuchen. Allesamt sind diese hoch qualifizierte Medienmenschen, vornehmlich aus dem Iran und aus den ostafrikanischen Staaten Eritrea und Somalia. Sie suchten Schutz in Europa.

Auch in Österreich ist der 20. Juni den Flüchtlingen in und aus aller Welt gewidmet. International finden deshalb heute "Umbrella Marches" statt - zu deutsch Regenschirm-Märsche -, um angesichts zunehmender Ignoranz gegenüber Flüchtlingen diesen einen schützenden Schirm zu bieten.
Jeder, jede ist dazu aufgefordert, einen Flüchtlingsschirm zu erwerben und damit zumindest symbolisch allen Flüchtlingen zu helfen.

Ausgrenzung und Flüchtlinge "im Regen stehen zu lassen" ist eine Politik, die die eigene Gesellschaft abwertet. Dies nicht nur aus humanitären sondern auch aus rein praktischen, gesellschaftspolitischen Gründen.

Flüchtlinge sind auch ein Gewinn. Sie bringen ihr Wissen, ihre Erfahrungen mit und ihre Bereitschaft, sich zu integrieren. Bewusst wird ihnen sehr bald, dass nicht sie selbst sondern allenfalls erst ihre Kinder gesellschaftliche Akzeptanz werden erreichen können. Akademisch ausgebildete Eltern werden so oft ihr Leben lang bestenfalls Bauarbeiter und Putzfrauen. Flucht ist weder ein Gesellschaftsspiel, noch ein Sonntagsspaziergang.

Flucht bedeutet: Eine konzise, logistische Planung und ein bewußter, radikaler Schnitt im eigenen Leben: Der Verlust der bisherigen Identität, sprich ein Nimmerwiedersehen, Nimmerwiederhören in Sachen Muttersprache, vertrauter eigener vier Wände, des Berufes, von Freunden, von Familienfotos, von getrockneten Blumen der eigenen Hochzeit oder von dem Begräbnis des Großvaters, des Küchenhandtuches der Mutter, des Freundschafts-Amulettes der Cousine, oft sogar selbst der eigenen persönlichen Papiere.

All dies wird eingetauscht für eine unsichere Zukunft irgendwo in irgendeinem fremden Land mit einer völlig anderen Kultur. In Österreich endet diese Schutzsuche per Gesetz in Schubhaft und damit in genereller Kriminalisierung integrer, schutzbedürftiger Menschen.

Die Genfer Flüchtlingskonvention ist eine Basis für den Schutz von Flüchtlingen. Keine Veränderungen sondern Ergänzungen sind angesagt, auch die Anerkennung von sogenannten Wirtschafts- und Klimaflüchtlingen. Auch diese wollen und müssen ihr Leben retten, brauchen Schutz und Hilfe. Notwendig ist in der Europäischen Union eine einheitliche Asylgesetzgebung. Das wäre nicht schwer, wenn sich nicht wie bisher die einzelnen EU-Mitgliedsstaaten dagegen wehrten. Dies weniger aus Vernunft als aus Ressentiments. Die Unterscheidung zwischen Flüchtlingen erster und zweiter Klasse ist unwürdig. Der Begriff "Wirtschaftsflüchtling" ein Unwort.

Je mehr Menschen schützende Schirme aufspannen, umso leichter sind die Probleme aller Flüchtlinge zu lösen.

  • "Umbrella March" in Wien.
    foto: cremer

    "Umbrella March" in Wien.

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