Migränekranke leiden oft im Stillen

Obwohl bis zu 75 Prozent der Erwachsenen an Kopfschmerz leiden, wird das Problem bagatellisiert - Zur Aufklärung soll ein Ausbildungstool beitragen

Der aktuelle Bericht der WHO ergänzt das vom CRP-Santé Luxemburg geleitete europäische Forschungsprojekt "Eurolight", das die Auswirkungen von Kopfschmerzen und Migräne mit 25 Partnern aus 16 europäischen Ländern untersucht hat. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts, die von Mattias Linde vom Norwegian National Headache Centre im Rahmen des 15. Kongresses der International Headache Society (IHC) in Berlin präsentiert werden, zeichnen ein drastisches Bild, wie es in einer Aussendung heißt: 47 Prozent aller Erwachsenen leiden an Migräne oder wiederkehrenden Kopfschmerzen.

Obwohl Kopfschmerzen die am weitesten verbreitete Erkrankung des Gehirns darstellen, werden sie oft nicht ernst genommen und in Folge nicht ausreichend diagnostiziert und behandelt. Für die Betroffenen ist das fatal: 80 Prozent der Migräne-Patienten leiden an starken oder sehr starken Schmerzen, die sie daran hindern, ihren täglichen Verrichtungen nachzugehen. 75 Prozent der Migräniker werden durch ihr Leiden ans Bett gefesselt. Im Schnitt gehen in Europa dadurch jährlich 190 Millionen Arbeitstage verloren.

Arme Patienten, teure Krankheit

Colette Andrée, Forschungsleiterin und Initiatorin des Eurolight Projekt, hält fest: "Kopfschmerzen verursachen einen gewaltigen volkswirtschaftlichen Schaden. Jährlich kosten sie die Bürger Europas rund 160 Milliarden Euro. Es ist auch unter diesem Gesichtspunkt wesentlich, dieses gesundheitliche Problem endlich anzugehen. Neben der Einsicht, dass wir einem ernst zunehmenden Gesundheitsproblem gegenüberstehen, müssen bessere Behandlungen und Gesundheitsdienstleistungen geschaffen werden." Shekhar Saxena, Leiter der WHO-Abteilung für physische Gesundheit ergänzt: "Kopfschmerzen und Migräne werden weitgehend unterschätzt, nicht ausreichend vom Gesundheitssystem erfasst und ziehen leider zu wenig Aufmerksamkeit und Interesse auf sich".

Ärzte stärker gefordert

Die WHO ortet in ihrem Bericht vor allem im Bereich der medizinischen Versorgung Defizite und hebt hervor, dass die Ausbildung der verschiedenen Akteure des Gesundheitswesens wesentlich verbessert werde müsse. Vor allem das medizinische Fachpersonal müsste über größeres Wissen im Bereich der Diagnose und der Behandlung von Migräne und Kopfschmerzen verfügen.

Ausbildungstool E-Teach soll Situation verbessern

Zusammen mit einem internationalen hochrangigen Expertenteam setzt Andrée mit ihrem neuen CRP-Santé Projekt E-Teach an genau dieser Stelle an. Das Online-Tool wendet sich an Ärzte, Apotheker und Patienten, um eine optimales Krankheitsmanagement von Kopfschmerzen zu erreichen. Ziel ist es einerseits, dem medizinischen Fachpersonal das nötige - und zur Zeit nicht durchgängig vorhandene - Wissen zur Verfügung zu stellen und andererseits Patienten durch Information mündig zu machen und zu kompetenten Kommunikationspartnern auszubilden. Diese Maßnahmen sollen die Qualität der Zusammenarbeit und die Therapieergebnisse verbessern. E-Teach wird über drei Komponenten verfügen: eine Informationsplattform, ein Test- und Training System und eine Multimedia-basiertes, interaktives Lernsystem. Es handelt sich hier um ein für drei Jahre angelegtes Pilotprojekt, es ist allerdings geplant, das Ausbildungstool auch in Österreich zu implementieren. (red, derStandard.at)

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