Ist Israel zu arm für Käse?

20. Juni 2011, 10:39
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In Israel formiert sich Unmut gegen überteuerte Lebensmittelpreise. Ein Facebook-Event ruft ab 1.Juli zum Boykott von Hüttenkäse auf. Über 90.000 nehmen schon daran Teil. Unter dem Titel "Hüttenkäse, ein Basisprodukt das fast 8 Shekel kostet (ca. 1,6 Euro). Kauft es einen Monat lang nicht!", sagt die Gruppe den Lebenserhaltungskosten in Israel den Kampf an. Mehrere Supermarktketten haben schon die ersten Preissenkungen angekündigt.

Man könnte jetzt fragen, ob es in Israel keine größeren Probleme als den Preis von Hüttenkäse gibt. Aber die Aktion wirft auch Licht auf eine Gesellschaft, in der Vieles für Viele nicht mehr wirklich leistbar ist.

Lebensmittel aus israelischer Erzeugung kosten hier oft mehr als in Europa. Die Mietpreise in Jerusalem sind mit denen in Wien vergleichbar. Ein Glas Bier kostet 5 Euro. Dabei liegt der Durchschnittslohn in der Hauptstadt nur bei 1000 Euro. Der Wohlstand ist hier extrem ungleich verteilt, obwohl die israelische Wirtschaft gute Zahlen schreibt und der IT-Bereich boomt. Das kommt aber nur einer Minderheit zu Gute. Zwei Gesellschaftsgruppen sind besonders stark von Armut betroffen:
Die Hälfte aller Araber in Israel lebt unter der Armutsgrenze. Bei den Ultra-Orthodoxen Juden, auf Hebräisch Haredim genannt, sind es fast 60 Prozent. Im Vergleich dazu sind es etwa nur 15 Prozent der nicht-orthodoxen, jüdischen Israelis.

„Ein Grund für die Ungleichverteilung von Armut ist, dass bei beiden betroffenen Gruppen viele Menschen im Arbeitsalter schlichtweg nicht arbeiten", erklärt Willem Adema, OECD-Experte für Familienpolitik. Zwar sind 60 Prozent der arabischen Männer berufstätig, aber nur 20 Prozent der Frauen. Bei den Haredim ist es umgekehrt. Dort arbeitet fast die Hälfte aller Frauen, aber nur einer von vier Männern, die sich traditionsgemäß lieber dem Torah-Studium widmen und von Sozialleistungen leben. „Aber selbst wenn sie arbeiten, verdienen sie maximal 60-70 Prozent des Durchschnittseinkommens."

Hohe Lebensmittelpreise treffen die armen Teile der Bevölkerung am stärksten. Das liegt auch an ihren großen Familien. Eine Haredi-Familie hat im Schnitt 8 Kinder. Da bleibt der Kühlschrank nicht lange voll. Durch Lebensmittelboykott kann Armut natürlich nicht nachhaltig bekämpft werden. Aber vielleicht schafft das ein Vorbild für weitere Aktionen. Laut dem Facebook-Event soll ab Juli jeden Monat ein neues Produkt boykottiert werden. Man wird sehen, ob die Hüttenkäse-Gandhis dann vorm Regal auch wirklich die Finger von ihrem Lieblingskäse lassen. (Andreas Hackl, derStandard.at, 20.6.2011)

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