Neue Verfassung nur "Kosmetik"

19. Juni 2011, 21:40
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    Anhänger der Monarchie feiern die Ankündigung der neuen Verfassung in Marokko, die für viele dennoch nicht weit genug geht. 

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    Weiter oberste Autorität: Mohammed VI.

Demokratiebewegung mit Ergebnissen unzufrieden

Unter dem Eindruck der Revolutionen in Tunesien und Ägypten gingen Hunderttausende Marokkaner auf die Straße und erreichten damit ein neues Grundgesetz. Die Demokratiebewegung ist mit dem Ergebnis unzufrieden.

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Rabat/Madrid - Mohammed VI. gesteht seinen Untertanen eine neue Verfassung zu. Der marokkanische Monarch stellte am Freitagabend den Text höchstpersönlich in einer Fernseh- und Radioansprache vor. Das Projekt "wird die Säulen einer konstitutionellen, demokratischen und sozialen Monarchie stärken" , verkündete der 47-Jährige. Das Volk soll sie am 1. Juli per Referendum absegnen.

Mohammed VI. hatte die Reform Anfang März angekündigt, nachdem am 20. Februar Zehntausende junge Marokkaner im ganzen Land unter dem Eindruck der Revolutionen in Tunesien und Ägypten für mehr Demokratie und gegen Korruption auf die Straße gegangen waren.

Der Monarch hatte die neue Verfassung bei einem von ihm selbst ernannten "Rat der Weisen" in Auftrag gegeben. Dieser hörte Parteien und Gewerkschaften an, bevor das Projekt endgültig Form annahm. Die Demokratiebewegung 20. Februar weigerte sich, an der Anhörung teilzunehmen.

Der neue Text schreibt die Gleichheit der Geschlechter fest und erhebt die Berbersprache zur offiziellen Sprache neben dem Arabischen. Der König, der bisher "heilig" war, ist künftig nur noch "unantastbar" . Allerdings wird er weiterhin nicht nur Staatschef, sondern auch "Führer aller Gläubigen" - und damit oberste religiöse Autorität - sein.

Die neue Verfassung stärkt die Rolle des Premierministers, der künftig Regierungschef heißt. Er muss aus der stärksten Parlamentsfraktion stammen und wird alle Minister auswählen, der König wird sie dann ernennen. Bisher hatte der König das Recht, die Ministerien allein zu besetzen.

Allerdings wird der König weiterhin die volle Gewalt über die Regierungsgeschäfte haben. Denn er ist der Vorsitzende der wöchentlichen Kabinettssitzungen. Außerdem bestimmt er weiterhin die Außenpolitik, bleibt Chef der Armee und steht dem neu zu gründenden Sicherheitsrat vor. Das Gleiche gilt für den Hohen Richterrat, der bisher dem Justizminister unterstand. Diese Reform sei, so Mohammed VI., ein Schritt in Richtung eines unabhängigen Gerichtswesens. Der König kann auch weiterhin allein den Notstand ausrufen.

"Erstmals in der Geschichte unseres Landes haben wir eine Verfassung, die von allen Marokkanern gemacht wurde" , lobte Mohammed VI. die Kommission.

Die Kritik ließ nicht lang auf sich warten. Als "reine Kosmetik" wertet der Gründer des Magazins Tel Quel, Ahmed Benchemsi, die Reformen. Für ihn bleibe in Wirklichkeit alles beim Alten.

Auch die Demokratiebewegung 20. Februar zeigt sich wenig begeistert. Auf Facebook und in Blogs ruft sie zum Boykott des "lächerlichen" Referendums auf.

Während überall im Lande die Anhänger der Monarchie nach der Ansprache Freudenfeste veranstalteten, gingen in Fès mehrere hundert Studenten auf die Straße, um ihrer Enttäuschung über die spärlichen Reformen zum Ausdruck zu bringen.

Am Sonntag protestierte einmal mehr die Demokratiebewegung. Die Menschen verlangten wie bisher auf ihren allwöchentlichen Demonstrationen, die in mehr als 100 Städten stattfinden, die Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung. "Es gibt immer mehr unter uns, die für eine Republik Marokko eintreten", erklärte einer der Mitbegründer des 20. Februar aus Casablanca. (Reiner Wandler /DER STANDARD, Printausgabe, 20.6.2011)

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15 Postings
jürgen hirsch
 
10
21.6.2011, 16:35
Parallele: Osttimor - Westsahara

Diese "Argumentationslogik" ist bekannt u.a. von der Okkupation, der ehemals portogisischen Kolonie, Osttimors durch Indonesien...
Da haben die USA - mit Frankreich, Spanien und viele mehr - der völkerrechtswidrigen Besetzung und dem Gemetzel, der zerstörrung der Sozialstruktur - ebenfalls, dem indonesischen Diktator Suharto, zugesehen....

Tanja Seidemann
02
21.6.2011, 10:17
Westsahara: vom spanischen Protektorat zur marokkanischen Autonomie-Initiative

Die Westsahara ist bis 1975 eine spanische Kolonie gewesen, die auch aus Sicht der vereinten Nationen als Territorium und nicht als Kolonie anerkannt wurde.

Spanien hat nicht zugelassen, dass die Westsaharawis, wie es gemäß geltendem Völkerrecht in der Resolution 1514 der UNO-Vollversammlung bereits 1960 festgelegt wurde, entsprechend ihrem Willen und ihren frei geäußerten Wünschen die Freiheit genießen und sich Marokko anschließen. Als sich die alte Kolonialmacht zurückzog, berief sich das Königreich Marokko auf die nicht widersprechende Auffassung des Internationalen Gerichtshofs 1975 und legte den grünen Marsch los, um das zu nehmen, was ihm völkerrechtlich zusteht.

Dabei verletzte es nicht die Menschenrechte der westsaharawisch

jürgen hirsch
 
11
21.6.2011, 12:27
Völkerrechtswidrige Okkupation: Nein Danke!

Österreich hat auch historische Erfahrungen mit einen größeren "Nachbarn" die sich nehmen wollte was ihnen zusteht...
Völkerrechtswidrige Okkupation: Nein Danke!

Arbeiter
20
20.6.2011, 21:37
Im Islam sind die Geschlechter vor Gott ohnehin gleich,

nur im irdischen Leben haben sie verschiedene Aufgaben. Der Mann hat alleine für den Unterhalt der Familie zu sorgen, deshalb ist auch sein Erbteil höher. Und im Gegenzug schulden ihm Frauen und Kinder Gehorsam. So ist und bleibt das im islamischen Recht. Überall, auch in Ö und D. In Marokko sowieso.

jürgen hirsch
 
30
20.6.2011, 10:47
Für Marokko mehr Demokratie, für die Westsahara mehr Unterdrückung?

Seit vielen Jahren kommen saharauische Kinder, durch solidarische Unterstützung, nach Österreich und können sich hier von den schwierigen Lebensbedingungen in den Flüchtlingslagern, in denen sie leben und schon geboren wurden, erholen.
Dieses Jahr kommen wieder 10 Kinder aus den Flücht-lingslagern der Sahrauis in der Nähe Tindoufs nach Österreich. Erfahren Sie mehr unter www.ferien-vom-krieg.at
Unterstützt Österreichisch-Saharauische Gesellschaft. BA Konto 00418039103 BLZ:12 000

beliar
01
21.6.2011, 12:19

na also dem vernehmen nach gehts den sahrauis unter der "unterdrückung" besser als ohne. medizinische versorgung........... glauben sie algerien gehts um demokratie? äh glaube kaum, die polisario? nur was ich gehört habe: ziemlich viele sahrauis können sie nicht leiden. der könig hat völlig richtig gehandelt, morocco ist stabil im gegensatz zur nachbarschaft zitat: so all Morocco is in peace now, all was happy and they made feastival in city

kiko007
02
20.6.2011, 18:06
Tindouf ist nicht in Marokko

hören sie auf mit diese lügen wie sie vielleicht nicht wessen ist Tindouf in Algerien und nicht in Marokko ok und ich finde das gut das sie unser Bruder und Schwestern von diese Algerien Hölle Höhlen Marokko hilft jeden der von Tindouf abhaut ok also schreiben sie kein scheiße hier.
und ich als Marokkaner finde es super das der König so regiert hat und nicht wie in Syrien.

jürgen hirsch
 
10
21.6.2011, 12:20
Anständige Diskussion ohne Fäkalworte

Richtig: Tindouf ist in Algerien! Ich gestehe Ihnen demokratische Umgangsnormen und eine andere Meinung als der meinigen Meinung zu, nur bitte halten Sie sich auch in der Diskussion mit mir und anderen an europäische Umgangsnormen einer demokratischen Diskussion. Ohne Fäkalworte. Danke! Ich lasse Ihnen ihren feudalistischen König und Sie lassen mir die in der Aufklärung entstandene Demokratievorstellungen mit Menschen- und Völkerrechte ohne Folter und Unterdrückung....
Oder muss ich Ihnen den ai-Menschenrechtsbericht zukommen lassen?

kiko007
02
21.6.2011, 20:35
Freiheit

AI Bericht ist nicht nur Marokko oder Plisario oder Österreich oder USA Oder Deutschland oder oder ok also kommen sie mir nicht so an ok wir in Marokko haben Freiheit jeder kann das machen was der will ok ob in Moschee gehen ob in Disco oder Bar oder in Bordelf wir können das machen was wir wollen dann gehen sie mal zu Polisario und machen sie das was sie wollen dann werden sie sehen was passiert.

beliar
01
21.6.2011, 15:53

hirsch eisst der mann alt aber gut lol

Monti80
01
20.6.2011, 21:20
Demokratiebewegung?

Es sind Linksextreme und salafistischen die sich gegen den König stellen. Diese haben mit einer Demokratiebewegung wie wir sie kennen nichts zutuen. Wenn der König so schlecht ist warum lässt er diese Demos gegen seiner Person Überhaupt zu?

jürgen hirsch
 
00
21.6.2011, 12:01
Ist Demokratie "Linksextrem"?

Würde sich für die EU und die massive finanzielle EU-Unterstützung für Marokko nicht so gut machen eine Demokratiebewegung gewalttätig niederzuringen...
Marokko ist demokratiepolitisch nicht zu vergleichen mit der schwedischen oder spanischen Monarchie...

jürgen hirsch
 
30
20.6.2011, 10:28
Westsahara von Marokko völkerrechtswidrig okkupiert

Seit 36 Jahren ist die Westsahara von Marokko besetzt, die Saharauis vertrieben und unterdrückt, die Küste von EU-Schiffen lehrgefischt, die Phosphatvorkommen ausgebeutet, das Land militarisiert, die Grundrechte werden verweigert. Und trotzdem wird Marokko massiv von der EU unterstützt. Seit 36 Jahren leben mehr als 160.000 Saharauis in Flüchtlingslagern in der Wüste Algeriens. 1975 war die ehemals spanische Kolonie Westsahara von Marokko völkerrechtswidrig besetzt
worden. Bis heute wartet das saharauische Volk auf sein Recht in einem freien und fairen Referendum über seine Zukunft zu entscheiden, da Marokko entsprechende Bemühungen der UNO blockiert.
Mit feudalismus in Marokko mehr Demokratie wagen? Und die Westsahara? > www.oesg.ws

beliar
00
20.6.2011, 13:21

ja, dann überlasst nur die sahrauis der polisario, und ihrem eigenen schicksal

carl guggelhupf
31
19.6.2011, 23:18
Marokko muss gesteuert werden!

So oder so ähnlich wird die Direktive sein. Denn immerhin ist Marokko neben Libyen/Tunis der Kabelübergabepunkt den die EU brauch. Und da muss das Land schon sicher sein, also "demokratisch" nach westlichem Vorbild.

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