Christo soll einpacken

19. Juni 2011, 20:08
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Der Verpackungskünstler Christo möchte sieben Kilometer des Arkansas River "überdachen"

Doch das Projekt droht an den Ängsten der Anrainer zu scheitern, die um die Stille in der Prärie fürchten.

Salida - In letzter Zeit, gibt April Prout zu, komme sie mit manchen Mitbürger nicht so gut aus: "Ein weltberühmter Künstlers will der Region ein wundervolles Geschenk machen - aber diese Leute wollen das mit grotesken Argumenten verhindern", ärgert sich die Chefin von "Now this is Colorado", der Tourismusorganisation von Chaffee, einem Verwaltungsbezirk Colorados. Durch Chaffee fließt der Arkansas River - ein pittoresker, malerischer mittelgroßer Fluss. Teils durch Schluchten und Canyons, teils durch Prärielandschaften. Der Fluss ist ein beliebtes Ziel für Fischer, Rafter, Camper und Kanuten - eine wichtige Einnahmequelle der Region.

Auch der Verpackungskünstler Christo ist den Reizen des Flusses erlegen: Schon 1997 skizzierte er, wie er auf insgesamt sieben Kilometern den Fluss "überdachen" will. Silberne, das Sonnenlicht reflektierende Stoffbahnen will Christo an acht besonders markanten Stellen zwischen den Städten Salida und Canon City von Ufer zu Ufer spannen. "Over the River" heißt das vier bis fünf Millionen Dollar teure, vom Künstler finanzierte Projekt, das ab August 2014 zwei Wochen lang den Fluss bedecken soll. Die Vorarbeiten dürften zwei Jahre dauern, die Behördenverfahren sollten eigentlich abgeschlossen sein.

Sollten. Denn niemand hätte mit dem nachhaltigen Widerstand vieler Bewohner der Region gerechnet: Nicht zuletzt ihre Einsprüche sind es, die das endgültige "Environmental Impact Statement" (in etwa eine Umweltverträglichkeitsprüfung) immer wieder hinauszögern.

In erster Linie befürchten die in der Bürgerinitiative "Roar" ("Rags over the Arkansas River", in etwa "Fetzen über dem Fluss") vereinten Anrainer, dass die Auf- und Abbauarbeiten sich verheerend auf Flora und Fauna auswirken dürften. Darüber hinaus gilt die Hauptsorge der Störung der Stille der Prärie. Auf der Roar-Argumentationsliste stehen mögliche Unfälle, verursacht durch abgelenkte, langsame Autofahrer, Müllberge oder Probleme mit Trinkwasser- und Nahrungsmittelversorgung. Touristikerin April Prout bringt das in Rage: "Das ist eine unglaubliche Chance - aber durch den Wunsch nach Abgeschiedenheit einer Minderheit steht sie auf Messers Schneide."

Ob dem tatsächlich so ist, lässt sich schwer sagen: Christos Büro in Colorado beruft sich darauf, dass eine Entscheidung noch diesen Frühling angekündigt sei. Auch die Roar-Homepage berichtete noch Mitte Juni von einer Entscheidung "sometime in May". Seitens der zuständigen Behörde gibt es keine Informationen über den Stand des Verfahrens. (Thomas Rottenberg / DER STANDARD, Printausgabe, 20.6.2011)

  • Das Projekt "Over the River" des Verpackungskünstlers Christo steckt in der Planungsphase fest.
    foto: wolfgang volz / christo

    Das Projekt "Over the River" des Verpackungskünstlers Christo steckt in der Planungsphase fest.

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