Griechenland-Hilfe: Dauerkniefall

19. Juni 2011, 19:03

Den Banken wird wohl kein nennenswerter Beitrag abverlangt werden

Wie immer die neue Griechenland-Hilfe auch aussehen mag, eines kann man jetzt schon konstatieren: Den Banken wird kein nennenswerter Beitrag abverlangt. Zu groß werden die Gefahren eines Dominoeffekts nach dem Muster des Lehman-Zusammenbruchs eingeschätzt. Es wird somit lediglich zur "freiwilligen" Beteiligung des Finanzsektors kommen. Die europäischen Steuerzahler werden die Hauptlast beim Stopfen des mindestens 90 Milliarden dicken griechischen Lochs tragen.

Blöd gelaufen: Das Finanzsystem ist halt immer noch zu fragil, um für selbst eingegangene Risiken geradezustehen. Das wollen den Banken nicht einmal grundsätzlich marktwirtschaftlich denkende Politiker antun. Die haben das neue Unheil gleich zweifach mitverschuldet. Erstens reden sie seit Lehman - inzwischen sind flugs mehr als zweieinhalb Jahre vergangen - von einem System zur Abwicklung systemrelevanter Finanzinstitute, mit dem Kettenreaktionen verhindert werden sollen, haben aber exakt nichts in die Wege geleitet. Zweitens sind es die (teil)verstaatlichten Banken, die riesige Griechenland-Engagements eingegangen sind: darunter die Bad Banks der deutschen Hypo Real Estate und der österreichischen Kommunalkredit.

Ein Schuldennachlass würde die Kosten der Bankenhilfe, die ja gern als gutes Geschäft vermarktet wird, neuerlich erhöhen. Und die ganze Tragweite des Dauerkniefalls vor den Banken offenbaren. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.6.2011)

Kommentar posten
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Räudiger Straßenköter
00
21.6.2011, 02:01

Es wurde eine Wirtschafts- und Währungsunion mit Ländern wie Griechenland und Portugal geschaffen. In der Folge hängen die Mitgliedsländer so fest zusammen, dass es nicht einmal mehr möglich ist, z.B. Griechenland ohne Kettenreaktion fallen zu lassen. Ausgedacht haben sich dieses kranke System Politiker wie Jean Claude Juncker und nicht die Banken. Die schuldigen Politiker präsentieren aber jetzt die Banken als Sündenböcke vor denen sie uns retten wollen. Die Banken machten genau das, was zu erwarten gewesen ist, nämlich Geschäfte im von der EU vorgegebenen Rahmen.

the comedian
 
00
21.6.2011, 08:16
das cds geschäftsmodell von goldmann-sachs und co

diese gauner schöpfen buchgeld indem sie nur einen bruchteil als sicherheit haben müssen, übertölpeln ein land wie griechenland und lassen sich fette gewinne in form von echten steuergeldern auszahlen, damit das system nicht zusammenbricht. die mussten das geld, das sie verliehen haben, nicht einmal besitzen! der rettungsschirm war bei golmann-sachs und deutsche bank, etc. bereits teil des griechischen geschäftsmodells.

klar ist es ein fehler transferzahlungen zwar innerhalb der mitgliedsstaaten zuzulassen (burgenland = zoneI) aber zwischen den mitgliedsstaaten zu verbieten (stabilitätspakt).

aber primär müssen die gaunerstücke der bankster unterbunden werden, indem ihnen jede möglichkeit der privaten geldschöpfung genommen wird.

Räudiger Straßenköter
00
21.6.2011, 21:44

Banken hin Banken her, Griechenlands Pleite war tatsächlich gleich am Anfang des Euro-Stabilitätspaktes erkennbar. Namhafte EU-Politiker sind für dieses undurchdachte System verantwortlich, dessen wahrscheinlicher Kollaps jetzt eine Weltwirtschaftskrise auslösen und zur Machtergreifung von Rechtsextremisten führen wird.

Trustme
00
22.6.2011, 00:25

Was schimpft eigentlich jeder auf die Credit-Default-Swaps? Macht doch Sinn, dass sich ein Gläubiger gegen den Default eines Schuldners hedgen kann. Wenn irgendwer bereit ist gegen eine Prämie das Risiko zu übernehmen, dann soll er. Es wird immer so dargestellt, als würden Käufer des CDS "hoffen" dass ein Land pleite geht.

the comedian
 
00
21.6.2011, 07:17
geschäfte?

1116er
00
20.6.2011, 17:04
ob der steuerzahler direkt

oder ob der steuerzahler indirekt in seiner eigenschaft als sparbuchinhaber, fondsbeteiligter, pensionskontoinhaber... beteiligt, ist eigentlich eh egal.

und über all die klagen "wieviel uns das wohl kosten wird" muss ich mitleidig lächeln.
"Die europäischen Steuerzahler werden die Hauptlast beim Stopfen des mindestens 90 Milliarden dicken griechischen Lochs tragen. " --> bei 500 mio eu-bürgern fällt pro kopf ein betrag von heissen 180 euro an.
wahnsinn? unleistbar?.... nein: lächerlich!

noexist
 
00
20.6.2011, 20:13

Ok, die Kinder werden sich etwas schwerer tun, die 180€ aufzutreiben, aber alles kein Problem!
Nächster Posten: Portugal, ok. Spanien, Italien, Frankreich werden vielleicht etwas teurer kommen, aber wir wollen ja nicht kleinlich sein. Und am Schluß gibts noch eine Kollekte für die Boni der Banker.
Wozu also das Gesudere?

rggre rewqfew
10
20.6.2011, 16:45
weniger polemik

die greichenland hilfen sind der versuch der gläubigerländer, einen möglichst großen teil ihrer ausstände wieder zurück zu bekommen.

die kredite an GL sind ja das geld einfacher sparer in nordeuropa. wenn jetzt gl nicht mehr zahlt, ist das geld weg und die folgeschäden durch bankenzusammenbrüche sind noch um ein vielfaches größer.

wenn jetzt die n-europäischen staaten einspringen, dann besteht die chance, das gl sein budget über 2-3 jahre in ordnung bringt und dann zumindest teilweise wieder zurück zahlt. an die banken, die dann an die sparer auszahlen können.

so einfach und rational ist das. schade, dass wir immer so polemisieren müssen.

radioxenon
00
20.6.2011, 23:10
Geld der Sparer

Schon wieder Einspruch! Kredite bestehen in aller Regel nur zu einem geringen Teil aus Spareinlagen. Auch muss kein "Nordeuropäer" wegen GL um seine Einlagen fürchten.

Ich glaube, Sie und ich haben sehr unterschiedliche Ansichten wie Finanzwirtschaft funktioniert.

rggre rewqfew
10
20.6.2011, 16:31
der hauptgrund wird verschwiegen

das problem ist, dass GL und die anderen staaten gleichzeitig am finanzmarkt geld ausleihen wollen.

man kann nicht gleichzeitig alte schulden nicht zurück zahlen und glauben, dass man neue kredite günstig aufnehemen kann.

würde gl seine schulden nicht bezahlen, würden die zinsen für die anderen piigs explodieren, weil man ja davon ausgehen kann, dass man das geld auch nicht zurück bekommmt. das ist der hauptgrund für die gl hilfe.

daneben erscheint es schleierhaft, warum es moralisch sein soll, dass GL seine kredite an die banken nicht zurück zahlt. besitz wäre ja genug vorhanden. und die banken - die stehen natürlich für all die kleinen sparer. ist ja nicht so, dass banken ihr eigenes geld verleihen.

the comedian
 
00
20.6.2011, 18:43
der echte verschwiegene hauptgrund:

die bankster schöpfen buchgeld indem sie nur einen bruchteil als sicherheit haben müssen, übertölpeln ein land wie griechenland und lassen sich fette gewinne in form von echten steuergeldern auszahlen, damit das system nicht zusammenbricht. die mussten das geld, das sie verliehen haben, nicht einmal besitzen!

und sie heulen uns hier was vom kleinen sparer vor? schämen sie sich!

tatsache ist, dass die bankster das ungeheuerliche privileg der privaten geldschöpfung an sich gerissen haben. solange dieses privileg nicht endlich demokratischen regeln unterworfen wird, ist den bankstern der kleine sparer sch...egal. und der steuerzahler löffelt jedesmal die suppe aus.

naihoit
02
20.6.2011, 14:05
Den Banken wird wohl kein nennenswerter Beitrag abverlangt werden

aber die Zinsen, die sie für das Risiko, das nun auf Grund des Rettungspakets ja nicht existiert und de facto niemals existierte lukriert haben, sollten sie gerne und mit Handkuss abliefern.
Wir sind ja mittlerweile daran gewöhnt, daß von unten nach oben umgeschichtet wird, aber an die Boni von Supergutverdienern, die so lange cashen, so lange das irgend wie geht und sich dann -sobald sie den Bogen überspannt haben- auf ihre "Systemrelevanz" berufen, sollten wir uns nie gewöhnen.
Wer Risiko nimmt, um zu lukrieren, soll Risiko tragen.
Und Eigner, die Manager bestellen, sollen an deren Geschäftsergebnis Teil haben.
Im Guten wie im Bösen.

rggre rewqfew
00
20.6.2011, 16:35

nicht so viel polemik. wenn banken "gerettet" werden, dann zahlen sie entweder hohe zinsen (wenns nicht so schlimm ist) oder die bank wird vom staat übernommen. die "bank" ist dann zwar gerettet, die früheren eigentümer haben aber ihren wert verloren.

die einzigen, die tatsächlich "gerettet" werden, sind die fremdkapitalgeber. das ist vielleicht wirklich eine lücke. und die mitarbeiter natürlich.

docNukem
11
20.6.2011, 13:38
Wenn Korruption unter dem Schutz der Verfassung steht

wie in Griechenland, ist es egal wie viel Geld dorthin überwiesen wird, es macht nur einen der beiden Familienclans noch Reicher.
Es ist überhaupt Spaßig zu sehen, dass das Korruptionsproblem des Griechischen Staates, welches die eigentliche Ursache des Haushaltsproblems darstellt, nirgends auch nur erwähnt wird.
Da alleine der letzte Konservative Handelsminister, in nur einer Aktion den Staat um 11-20 MILLIARDEN€ Betrogen hatte und dafür zum Finanzminister gemacht wurde, ist noch mehr Geld für eine zu 100% Korrupte Bande Politiker das falscheste überhaupt, eine "Schöne" Zelle und Billigstes Futter für einige Jahrzehnte würden eher wirken.

W. Müller
 
08
20.6.2011, 12:30
Daß ich das noch erleben darf, ...

... daß's sogar dem Schnauder z'viel wird, ...

;-)

Alfredo di Stefano
44
20.6.2011, 11:17

die banken haben die schulden nicht gemacht. schuld sind die politiker und die kleinen leute, die diese gewählt haben.

noexist
 
00
20.6.2011, 20:04

Naja wenn das so ist, dann zahlen wir natürlich!

naihoit
01
20.6.2011, 14:29
ersetzen Sie "die Kleinen" durch "die Vielen"

und Sie haben sich mein "Grünes" verdient.

Misoskop
01
20.6.2011, 12:58
Genau!

Schuld sind immer die kleinen Leute. An allem.

stoiker
03
20.6.2011, 11:47

zu behaupten dass"die kleinen leute"schuld haben ist grenzwertig.
sie sind nicht schuld daran dass ihre gewählten vertreter die diversen möglichkeiten sich zu bereichern ausnützen.

dem kleinen mann kann man nur einen vorwurf machen:das er hinnimmt wie mit seinem vertrauen umgegangen wird.

radioxenon
03
20.6.2011, 11:40

Die Banken haben sehr wohl die Schulden gemacht indem sie einem maroden Staat irrwitzige Kredite vergeben haben. Geld, dass sie selbst nicht besitzten, das sie aber brauchen um nicht selbst zusammenzuklappen.

Bekka
 
02
20.6.2011, 10:51
schon an der nichtdurchsetzung der finanztransaktionssteuer

erkennt man, wer die wahre macht in europa inne hat.

Reich sein muss sich lohnen!
213
20.6.2011, 10:30
Die Staaten haben doch alle längst kapituliert und sich dem Kapital unterworfen

Souveräne Staaten gibt es nicht mehr.

Wenn man Österreich heute Angreifen will, dann müssen die (US)Rating-Agenturen nur verkünden, dass sie der Meinung sind, dass Österreich wohl doch kein so sicherer Hafen sei.

Schon gehen die Zinsen rauf die Österreich bezahlen muss wodurch sich das Defizit erhöht.
Das erhöhte Defizit ist dann natürlich wieder ein Grund zum abwerten.
Österreich wird dann Anfangen zu sparen wodurch das BIP sinkt = Anstieg der (relativen) Staatsschulden.
Und schon wieder wird Abgewertet...

Das Ergebnis von 20 Jahren Deregulierung, Globalisierung, Privatisierung und Neoliberalismus (also dem EU-Programm).

1116er
10
20.6.2011, 17:12
kurz innehalten und besinnen!

sie kritisieren die globalisierung?
doch sie schreiben ihre kritik auf einem pc, der ohne gloablisierung vermutlich 3x so teuer gewesen wäre. sie haben sich diesen pc mit jenem gehalt gekauft, das sie ohne globalisierung vermutlich gar nicht oder nicht in dieser höhe bekommen würden!

sie kritisieren die eu?
doch genau die mitgliedschaft in der eu verhindert, dass eine derartige lohnenswerte spekulation gegen ein kleines land wie österreich überhaupt in angriff genommen wird. ohne eu/€ wäre schon vor 3 jahren der schilling angegangen worden, weil er ein sehr lohnens- und etragwertes ziel gewesen wären.

ps.: ein souveränes ö gibt es seit ca 90 jahren nicht mehr. die 2.republik könnte man auch 'wurmfortsatz deutschlands' nennen!

naihoit
00
20.6.2011, 14:44
Selber Schuld !!!

Früher einmal hatten wir den Erbadel, der zwar um nichts besser war als der Geldadel, aber doch zumindest in der Region lebte, die er beherrschte und somit an einem Mindestmaß an Wohbefinden der Untertanen interessiert war.
Den Adel mußten wir akzeptieren, und das auch dann, wenn er extrem blöd war (sonst gäb´s Neu Schwanstein nicht), unsere aktuellen Herrscher wählen wir selbst.
Sind wir sicher, daß wir damit besser fahren?
u/o.: wer schafft unseren InteressensvertreterInnen die Möglichkeit, für sich zu werben und dann am Trog Platz zu nehmen?
Wem sind sie ergo verpflichtet?
Den WählerInnen?
LOL !!!

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