Den Banken wird wohl kein nennenswerter Beitrag abverlangt werden
Wie immer die neue Griechenland-Hilfe auch aussehen mag, eines kann man jetzt schon konstatieren: Den Banken wird kein nennenswerter Beitrag abverlangt. Zu groß werden die Gefahren eines Dominoeffekts nach dem Muster des Lehman-Zusammenbruchs eingeschätzt. Es wird somit lediglich zur "freiwilligen" Beteiligung des Finanzsektors kommen. Die europäischen Steuerzahler werden die Hauptlast beim Stopfen des mindestens 90 Milliarden dicken griechischen Lochs tragen.
Blöd gelaufen: Das Finanzsystem ist halt immer noch zu fragil, um für selbst eingegangene Risiken geradezustehen. Das wollen den Banken nicht einmal grundsätzlich marktwirtschaftlich denkende Politiker antun. Die haben das neue Unheil gleich zweifach mitverschuldet. Erstens reden sie seit Lehman - inzwischen sind flugs mehr als zweieinhalb Jahre vergangen - von einem System zur Abwicklung systemrelevanter Finanzinstitute, mit dem Kettenreaktionen verhindert werden sollen, haben aber exakt nichts in die Wege geleitet. Zweitens sind es die (teil)verstaatlichten Banken, die riesige Griechenland-Engagements eingegangen sind: darunter die Bad Banks der deutschen Hypo Real Estate und der österreichischen Kommunalkredit.
Ein Schuldennachlass würde die Kosten der Bankenhilfe, die ja gern als gutes Geschäft vermarktet wird, neuerlich erhöhen. Und die ganze Tragweite des Dauerkniefalls vor den Banken offenbaren. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.6.2011)