"Die Leute sollen auf der Straße schnattern"

19. Juni 2011, 18:30
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Mehr Kommunikation in den Vorgärten und weniger Durchzugsstraßen - das will die grüne Spitzenkandidatin Sonja Pitscheider für die Innsbrucker Gemeinderatswahl 2012 für die Bevölkerung durchsetzen

STANDARD: Was wünschen sich die Innsbrucker Grünen für die Wahl kommendes Frühjahr?

Pitscheider: Der erste Platz ist möglich.

STANDARD: Wie viel Prozent wollen Sie erreichen?

Pitscheider: Schön wären natürlich 51 Prozent. Nein. Es gibt vier starke Blöcke in der Stadt. Realistisch sind 20 Prozent und mehr. Rein mathematisch wünsche ich mir um die 22 Prozent.

STANDARD: Absolut regieren wird also nichts. Mit wem wollen Sie koalieren?

Pitscheider:Wenn ich eine Kristallkugel hätte ... Das entscheiden dann die Innsbrucker.

STANDARD: Gibt es von grüner Seite ideologische Präferenzen für eine Koalitionsbildung?

Pitscheider: Mit den Rechten wird sicher nicht zusammengearbeitet.

STANDARD: Ihre Aussage, dass sie eher mit der Bürgermeisterliste "Für Innsbruck" und der VP koalieren würden als mit der SP, ist also hinfällig?

Pitscheider: Diese Aussage bezieht sich auf die "Jetztzeit". Derzeit herrscht in der SP Stillstand. Aber für die Wahl wird sicher ein neues Team aufgestellt werden. Und ein neues Team hat andere Player.

STANDARD: Welche Probleme müssen in Innsbruck gelöst werden?

Pitscheider: Die Wohnkosten sind zu hoch, vor allem wegen der Betriebskosten. Öl ist viel zu teuer. Gas und Strom werden nachziehen. Da wären wir auf einem guten Weg mit dem Energieentwicklungsplan. Diesen haben die Grünen auf den Weg gebracht. Momentan wird er aber in der Koalition blockiert.

STANDARD: Kann man mit dem Schlagwort "Energieentwicklungsplan" wirklich Wahlen gewinnen?

Pitscheider: Es geht um ein Förderprogramm. Privatpersonen und Betriebe müssen Energie sparen. Als erstes müssen die Uralt-Häuser umgestellt werden. Dann müssen die Betriebe mitgenommen werden. Und die Verwaltungsgebäude.

STANDARD: Klingt nach einem klassischen grünen Thema.

Pitscheider: Wir brauchen auch saubere Mobilität. In der Stadt heißt das zu Fuß gehen oder öffentlichen Verkehr nutzen. Bei einem Dorf im hinteren Gschnitztal wird das schwieriger werden.

STANDARD: Was sollen die Einwohner des hinteren Gschnitztals mit den Autos machen, wenn sie in die Landeshauptstadt fahren?

Pitscheider: Man müsste schauen, dass die Leute vom Gschnitztal ins Wipptal fahren. Und dann parken. Und von dort mit den Öffis in die Stadt reinkommen.

STANDARD: In Wien wird mit den Anrainerparkzonen nun eingeführt, was in Innsbruck seit 1992 funktioniert. Ist Innsbruck also schon recht grün?

Pitscheider: Die Parkzonenregelung hat sich aufgrund des Anrainerdrucks ergeben. Die Anrainer mussten zahlen und fanden keinen Parkplatz. Wien hat sehr lange gekämpft. Blockiert wurde immer von der SPÖ. Man sieht, dass grüne Regierungsbeteiligung funktioniert.

STANDARD: Was würden Sie als Bürgermeisterin verändern?

Pitscheider: Die Vorgärten müssen zurückgewonnen werden. Die Leute sollen wieder auf der Straße schnattern. Manche Stadtviertel sind zu sehr von Straßen durchschnitten. Das zerstört die Kommunikation.

STANDARD: Sie kommen aus einem sozialdemokratischen Elternhaus. Wieso sind Sie bei den Grünen gelandet?

Pitscheider: Ich bin in alter klassischer sozialdemokratischer Tradition erzogen: Solidarität. Die SPÖ hat diesen Weg schon lange verlassen. (Verena Langegger, STANDARD-Printausgabe, 20.6.2011)

SONJA PITSCHEIDER (46) ist Pädagogin und Grafikerin und tritt bei den Innsbrucker Gemeinderatswahlen 2012 als grüne Spitzenkandidatin an.

  • Sonja
 Pitscheider will Innsbrucker Bürgermeisterin werden.
    foto: standard/dave bullock

    Sonja Pitscheider will Innsbrucker Bürgermeisterin werden.

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