NS-Aufarbeitung bei Rapid

Wo ein Schatten, da auch ein Licht

19. Juni 2011, 17:17
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    foto: ullstein bild / picturedesk.com

    Die 100.000 im Berliner Olympiastadion nannten ihn "Bimbo". In Gelsenkirchen freilich heißt der St. Pöltner Franz Binder (2. v. li.) als Hattricker bis heute "Herr Binder".

Rapid hat einen Weg gefunden, den "deutschen" Meistertitel in die Vereinsgeschichte zu integrieren: Ehrlichkeit. Am Mittwoch wird über dunkle Seite des Lichts debattiert

Wien - Die Austria feierte am vergangenen Freitag ihren 100. Geburts-, wenn auch nicht Namenstag. Und nichts daran war, wie viele es befürchtet hatten, peinlich. Im Gegenteil. Es war, wie ein Geburtstagsfest sein sollte: eine ordentliche Hetz. Am kommenden Mittwoch stellt sich Rapid der Unausweichlichkeit, der 70. Wiederkehr des deutschen Meistertitels zu gedenken. Und nichts daran wird peinlich gewesen sein. Ganz im Gegenteil. Es wird sein, wie man sich den österreichischen Fußball zuweilen wünscht: ein wenig nachdenklicher, als es der Eindruck ist, den er erweckt.

Geschnallt

Rudolf Edlinger, der rote grünweiße Präsident, darf es sich anrechnen, die Idee der beiden Politikwissenschafter Jakob Rosenberg und Georg Spitaler aufgegriffen zu haben, gemeinsam mit dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes die Rapid während der Jahre 1938 bis 1945 unter die Lupe zu nehmen. Weil nur so nämlich - es ist Rapid hoch anzurechnen, es geschnallt zu haben - der legendäre deutsche Meistertitel in die Vereinsgeschichte integriert werden kann. Und überhaupt. Darüber wird am Mittwoch in St. Hanappi einen ganzen Tag lang geredet werden. Immerhin schwebt über dem sportlichen Highlight - das genau ist es nämlich - ein ungeheures Menetekel. Am 22. Juni 1941 - am Mittwoch vor 70 Jahren also - begann das sogenannte Unternehmen Barbarossa, der "Russlandfeldzug", die ultimative Eskalationsstufe des Krieges, in der es dann nur noch um die physische Vernichtung ging.

Klar also, dass Rapid sich immer schwer getan hat, den am selben Tag errungenen Sieg stolz in die Auslage zu stellen. Verdient hätte er es sich. Immerhin ging es im Berliner Olympiastadion gegen Schalke. Und Schalke war damals jener Kreisel, den die Wiener Schule zum schwindligmachenden Ringelspiel verfeinert hatte. Eppenhof, Kuzorra, Szepan: 3:0 stand es bis zur 61. Minute. So weit also alles im erwartbaren Bereich.

Was dann freilich folgte, eignet sich wahrlich zur Legende, wäre es an einem anderen Tag passiert. 61. Minute: Franz "Bimbo" Binder zu Georg Schors - 3:1. 62. Minute: Freistoß Binder - 3:2. 65. Minute: Foul an Schors, Elfmeter, Binder - 3:3. Und dann die 76. Minute: Freistoß aus 35 Metern, wieder Binder - 3:4. Der Gelsenkirchner Radioreporter Theodor Krein war fassungslos: "In einer Viertelstunde (sic!) ist Schalke vom sicher gewähnten Sieger zum Verlierer geworden, zerriss die geballte Kraft den kunstvollen Organismus der Blauweißen."

Solches Gegnerlob wäre ein Schmuckstück in jeder Vereinsgeschichte. Freilich ist da eben auch dieser Tag, sind diese Umstände, ist vor allem auch dieses Österreich, das so lange nichts wissen wollte von alldem.

Nach Rapids Meistertitel war es aus mit den sportlichen Rücksichten. Auch Kicker rückten nun ein. "Bimbo" Binder, der Hattricker aus Berlin, kam zur 2. Wiener Panzer Division. Die wurde, während Binders Blinddarm sich zu seinem Glück entzündete, ein Teil der 6. Armee, die straks nach Stalingrad zog. Es war der Herbst 1942. Im Februar 1943 hielt dieser Goebbels dann seine berüchtigte Sportpalastrede über den "totalen Krieg", die vor allem eines ankündigte: das Überschreiten auch der letzten Hemmschwellen.

Solche wieder zu errichten ist eine Aufgabe, der sich der Fußball endlich annimmt. Rapid eh schon seit längerem. Und wenn so was getan wird, dann darf man auch mit einigem Recht stolz daran erinnern, einmal "deutscher" Meister gewesen zu sein.

Denn sportlich ist schon auch bis heute klar: Schalke war - gerade damals - keine Nudeltruppe. Sondern ganz im Gegenteil.(Wolfgang Weisgram, DER STANDARD Printausgabe, 20.6.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 135
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Gefährliche Clowns
00
21.6.2011, 19:19

Das "sic!" nach "Viertelstunde" kapier ich einfach nicht. Von der 61. bis zur 76. sind doch genau 15 Minuten vergangen???

Harri
01
21.6.2011, 19:43

RAPIDviertelstunde! Sch*ß Violetter!

Gefährliche Clowns
00
22.6.2011, 14:46

Violett? Mitnichten.
Und in die Rapidviertelstunde fällt ja wohl nur das 3:4...

der echte
00
22.6.2011, 10:01

und schau, der bekommt noch grün??

Harri
00
22.6.2011, 11:22

Ich geb dir glei ein rotes Striherl, Violeter!

der echte
00
22.6.2011, 11:28
bin ka lilana.......

trevor_francis
11
22.6.2011, 00:56

oh, einer aus der grün-weissen Vulgarienfront, wie nett, wie zahlreich.

Harri
00
22.6.2011, 20:12

Tu mich nicht beschimpfen, Violeter!

trevor_francis
00
23.6.2011, 14:05

der Einzige, der hier alle beschimpft, bist Du; abgesehen davon, dass Du sogar Erzgrüne beschimpfst; aber das scheint bei Euch nicht erst seit dem letzten Derby usus zu sein.

Rüdiger_S
01
20.6.2011, 12:15
mutig und richtig

und auch längst überfällig.
Trotzdem muss ich den hut ziehen, dass Rapid diesen Schritt macht. Leider keine Selbstverständlichkeit!

root66 ~~~
01
20.6.2011, 11:42
Danke für deine postings (auch 10:33)!

Geht völlig mit meiner Meinung konform und erspart mir selbst die Arbeit des Schreibens!

root66 ~~~
00
20.6.2011, 12:10
Es gibt Tage, da sollte sich man ...

... gewisse Tätigkeiten, wie etwa Posten, vorher überlegen! War eigentlich als Antwort auf die 2 überzeugenden postings von "WilWil" gedacht!

Na ja, Montag halt ... ;)

Sektionschef Lafite
10
20.6.2011, 12:01
schließe mich vollinhaltlich an!

Feldschwirl
00
20.6.2011, 12:49

da hat wohl jemand den anschluss wortwörtlich genommen

WilWil
120
20.6.2011, 10:55
für alle, die es noch nicht geschnallt haben, es geht in diesem artikel nicht um:

- die rolle rapids unter den nationalsozialisten
- den meistertitel '41 an sich
- ob das spiel geschoben war

sondern es geht in diesem artikel darum, wie das offizielle rapid heute mit der vergangenheit umgeht. zum jahrestag lädt rapid zusammen mit dem DÖW und dem institut für politikwissenschaften zu einer diskussionsrunde, zu der mWn unter anderem verteter der wichtigsten vereine wiens eingeladen wurden (austria, sportklub, vienna).

ich denke, der jetzige umgang mit dieser zeit ist vorbildlich. wenn jemand weiss, wie man es noch besser machen könnte oder sollte, bitte posten.

dass auf den tribünen rapids jedoch auch leute herumrennen, die diesem jahrestag noch ganz andere seiten abgewinnen können, ist leider traurige realität.

trevor_francis
00
20.6.2011, 17:10

gutes Posting.

WilWil
118
20.6.2011, 10:33
ich hatte noch keinen absatz gelesen, als ich schon wusste, dass unter diesem artikel 80% idioten postings stehen werden.

und siehe da, ich hatte recht...

why_so_puddi?
80
20.6.2011, 14:58
Ihres ist keine Ausnahme.

Schabbesgoi
00
23.6.2011, 17:23
Si tacuisses ...

Anyuser
 
03
20.6.2011, 16:46

Wenn man nichts zu sagen hat...

black jack
51
20.6.2011, 10:28

Irgendwie fehlt etwas der Hintergrund zum Sport im NS Regime.

Mit Meisterschaften, wo der beste gewinnen soll, hatten diese "Sportveranstaltungen" nämlich wenig gemein. Es ging vor allem um "rassisch reine" Körperertüchtigung.

Viel schlimmer als den deutschen Meistertitel, den ja alle Vereine im großdeutschen Reich mit "rassisch reinen Kadern" (um die damalige menschenverachtende Diktion plakativ zu verwenden) zu gleichen Bedingungen ausspielten, finde ich die Tatsache, dass der ÖFB sich seiner "Ostmark" Vergangenheit nicht stellt. Meistertitel der "Ostmark", die massiv von rassistischen Verfolgungen beeinflusst waren als "österreichische" Titel zu würdigen, ist eine Verhöhnung aller Opfer der Regimes; zumal es Österreich gar nicht gab.

Schabbesgoi
00
23.6.2011, 17:25
Und was kann der österreichische Sport

für die Gestze der Nazis? Mmn nix, aber Du wirst es schon (besser) wissen.

bayer48
00
22.6.2011, 15:18
Es ist halt auch nicht immer schön

und wahr, wie selbstgefällig wir "Nachkriegsgenerationen" über diese dunkle Zeit urteilen,ohne "dabeigewesen" zu sein !

Igor Gassner
112
20.6.2011, 10:11
Ich schlagevor eine große Tafel am Stadium anzubringen

Wir bedauern jemals Deutscher Meister gewesen zu sein und werden das ganz bestimmt nicht mehr tun

Super Sharp Shooter
18
20.6.2011, 11:15

leute, die STADIUM schreiben und stadion meinen, sollten generell ihren mund halten.

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