Österreich "lässt die Krise hinter sich"

17. Juni 2011, 18:31
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Österreich soll 2011 mit 3,2 Prozent deutlich schneller als die Eurozone wachsen - Nun muss das Budget konsolidiert werden, mahnt OeNB-Chef Nowotny ein

Wien/Washington - Die heimische Konjunktur brummt. Österreichs Wirtschaft soll 2011 mit 3,2 Prozent wachsen, schätzt die Oesterreichische Nationalbank (OeNB), so schnell wie seit der Krise nicht mehr. Die Nationalbank hat die Prognose insbesondere aufgrund der anhaltend starken Exportzahlen um über einen Prozentpunkt angehoben. Damit kommt die heimische Volkswirtschaft deutlich rascher aus der Krise als viele andere Staaten der Eurozone.

Die aktuelle OeNB-Prognose trägt daher den optimistischen Titel "Österreichs Wirtschaft lässt die Krise hinter sich". OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny: "Österreich zählt derzeit zu den Wachstumszentren innerhalb des Euroraums." 2011 dürfte die Weltwirtschaft um 4,4 Prozent wachsen, die Eurozone um zwei Prozent.

Die anhaltend starke globale und deutsche Konjunktur ziehen damit Österreich weiter an. Eine Abkühlung in der Eurozone und auch in Deutschland werde es 2012 geben, rechnet die OeNB. Österreichs Wirtschaft dürfte dann nur 2,3 (2012) und 2,4 Prozent (2013) wachsen.

Hohe Inflationsrate

Dazu kommt, dass der private Konsum dieses Jahr schwächer wachsen wird als im Vorjahr (0,9 Prozent, nach 1,1 Prozent). Gerade die hohe Inflationsrate würde die Haushalte belasten, so die OeNB-Ökonomen. Daher finanzieren die Haushalte einen Teil des Konsums, indem sie weniger auf die Seite legen. Die Österreicher werden 2011 so wenig sparen wie seit 2002 nicht mehr, die Sparquote soll auf 8,6 Prozent sinken (2010 noch 9, 2 Prozent).

Doch die OeNB ist optimistisch, dass es hier eine Trendwende geben wird. Die Inflation soll sich wieder abkühlen, hoffen die Notenbanker. 2011 wird die Teuerung angesichts von stark gestiegenen Energie- und Lebensmittelkosten 3,2 Prozent betragen. 2012 sollen es nur noch 2,1 Prozent sein. Wenn die Inflation derart stark zurückgeht, soll für die Haushalte wieder real mehr im Börsel landen. Denn trotz des starken Wachstums 2011 wird das verfügbare Haushaltseinkommen nur mit 0,5 Prozent wachsen, erst im nächsten Jahr soll ein Zweier vor dem Komma stehen.

Angesichts der guten Konjunktur mahnt OeNB-Chef Nowotny ein, dass Österreichs Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) die Konsolidierung vorantreibt. Sie solle den "Rückenwind" des starken Wachstums besser nutzen. Das Defizit werde sich auch konjunkturbedingt 2011 auf -3,0 Prozent verbessern, schätzt die OeNB.

IWF stuft USA herab

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seinen Wirtschaftsausblick präsentiert. Doch auf der globalen Ebene trüben sich viele Indikatoren ein. Die Ökonomen des IWF haben neben Japan, das im März von einem Erdbeben und dem Tsunami getroffen wurde, auch die USA und Brasilien deutlich heruntergestuft. Die USA sollen 2011 und 2012 um insgesamt ein halbes Prozent weniger wachsen als bislang erwartet. "Das Wachstum in den USA enttäuscht derzeit, zum Teil aufgrund von temporären Faktoren, etwa höheren Rohstoffpreisen, schlechtem Wetter und Problemen in der Lieferkette nach dem japanischen Erdbeben", schreiben die IWF-Ökonomen.

Zudem fordert die Institution ein, dass insbesondere die USA und Japan ihre Konsolidierungsbemühungen verstärken: "Es ist wichtig, dass die USA so rasch wie möglich das Problem der Schuldenobergrenze angehen." Zudem müsse die Geldpolitik angesichts noch immer unterdurchschnittlichen Wachstums in Japan, der Eurozone und den USA weiterhin locker bleiben und die Realwirtschaft unterstützen.

Der IWF hat zudem die Wachstumsaussichten für Osteuropa deutlich erhöht. Die Region soll 5,3 Prozent in diesem Jahr wachsen. Die Prognose wurde damit um 1,6 Prozentpunkte gesteigert. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19.6.2011)

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