Es besteht durchaus Grund zur Sorge

Hans Rauscher, 17. Juni 2011, 17:30

Die verantwortungsbewussten Politiker wissen auch nicht genau, was zu tun ist

 Es besteht durchaus Grund zur Sorge. Eine zweite Finanzkrise, diesmal nicht ausgelöst durch kriminelle US-Banken und ihre Giftpapiere, sondern durch Griechenland und seinen möglichen finanziellen Dominoeffekt, ist denkbar.

Dazu in Kürze mehr. Wenn man aber davon ausgeht, dass wir - Europa, die Weltwirtschaft - ein zweites Mal noch einmal davonkommen, dann wird sich in der EU und der Eurozone wohl grundlegend etwas verändern müssen. Griechenland und die anderen Pflegefälle der europäischen Wirtschaft müssen mit Abermilliarden gerettet werden, weil sie eine extrem unverantwortliche Politik betrieben haben (tendenziell betreibt auch Österreich eine solche Politik). Ein logischer Schritt wäre daher eine viel stärker vereinheitlichte und zentralisierte europäische Finanz-, Wirtschafts-und Budgetpolitik, um nicht alle paar Jahre vor dem Abgrund stehen.

Die jetzige Krise der EU, die bei Gott eine extrem gefährdende ist, könnte daher nach ihrem Überstehen nicht in "weniger EU", sondern "mehr EU", in mehr Integration, kurzum in einer Art "politischen Union" enden.

Vorher müssten wir allerdings die jetzige Krise ohne gröbere Katastrophen überstehen. Die Menschen fragen sich, warum man einem Staat wie Griechenland Unsummen geben soll. Dort ist nicht nur die politische Klasse korrupt und verantwortungslos, sondern auch der gesamtgesellschaftliche Konsens beinhaltet zutiefst unseriöse und selbstzerstörerische Praktiken, die sich jetzt bitter rächen. Die Griechen sind nicht "faul" , das ist rechtspopulistischer Mist. Aber sie leben in einer Tradition, die - resultierend aus jahrhundertelanger Fremdherrschaft - sich dem Staat, der Obrigkeit letztlich nicht verpflichtet fühlt(e), sondern höchstens dem eigenen Clan.

Griechenland ist als Ökonomie in Europa nicht besonders wichtig, aber es ist, wie alle anderen, intensiv wirtschaftlich verflochten. Das bedeutet z. B. auch, dass europäische Banken den Griechen viel zu viele Kredite gegeben haben - in der Hoffnung, im Notfall schon vom Staat gerettet zu werden. Sie wurden aber schon einmal gerettet, während der Finanzkrise 2008/09, und die Staaten sind nun selbst extrem verschuldet.

In einer solchen Situation kann der Zusammenbruch des Bankensystems eines kleinen Staates einen europäischen Dominoeffekt haben. 1931 ist genau das mit dem kleinen, armen Österreich und der Pleite der Creditanstalt passiert.

So wird es nicht wieder passieren, aber reihenweise Bankenzusammenbrüche, Rezession und politischen Extremismus kann sich Europa trotzdem nicht leisten. Deswegen versuchen die europäischen Regierungen Griechenland irgendwie über Wasser zu halten. Europäische Rechtspopulisten versuchen das, in einer Mischung aus Zynismus und Idiotie zu torpedieren. Wer in deren Geschrei einstimmt, sollte wissen, dass er damit an der Destabilisierung mitwirkt.

Die tragische Wahrheit ist allerdings, dass die verantwortungsbewussten Politiker auch nicht genau wissen, was zu tun ist. Deshalb besteht echter Grund zur Sorge. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19.6.2011)

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tempa
00
20.6.2011, 18:40
"Ein logischer Schritt wäre daher eine viel stärker vereinheitlichte und zentralisierte europäische Finanz-, Wirtschafts-und Budgetpolitik, um nicht alle paar Jahre vor dem Abgrund stehen."Einige Ökonomen stellen in letzter Zeit die Vermutung an, das

es in Europa,Amerika,Japan und China gleichzeitig zur Schwächephase kommt.Die Situation in China/USA:
http://www.spiegel.de/wirtschaf... 73,00.html
http://derstandard.at/130455440... e-Luft-aus
In China geht ein Teil der Probleme von Provinzen aus,die massive Fehlinvestitionen/Überschuldung zu verantworten haben.
China und die USA sind gewachsene Wirtschaftszonen,deren Zentren vermutlich viele der Möglichkeiten haben,die jetzt für die EU gefordert werden.Anscheinend haben beide ähnliche Probleme wie die EU.
Wer also zwecks besserer Kontrolle lokaler Regierungen eine zentralisierte Wirtschaftspolitik haben will,sollte erkären,warum diese Politik erfolgreicher sein wird als in China/USA

Frodo Der Hobbit
00
20.6.2011, 02:19
Fremdherrschaft

Bei aller Skepsis ein LIKE!
Zum ersten Mal wagt es ein Journalist, das Zauberwort vorsichtig einzustreuen.

Bitte um Konsequenz. Denn die Nachfolger derer, die die Fremdherrschaft ausübten und das Gefüge zerstörten, sind im grössten Teil Europas noch unbegriffen am Wirken und Werken. Fremdherrschaft definiert sich durch einen Unterschied der Identität zwischen denen die Verantwortung tragen, und denen die in den "Genuss" der Massnahmen kommen. Und wir haben ein weit verbreitetes Ständewesen samt Standesdünkel, besonders im Titel besoffenen A. Das Clanwesen dominiert besonders die politische Kaste.
Die Leut werdens schon fressen...
Ja, aber sie haun nicht rein und ihre Ideen für die Katz. Länder mit weniger Sozialem Krebs überholen rasant.

ninedevils
00
19.6.2011, 19:10
...und wie lange sollenwir uns das noch gefallen lassen?

China, USA und Europa befinden sich im (Wirtschafts)Krieg (s. FAZ, etc.).

Frage: Und wie sind da die EU und Österreich "aufgestellt"? (Tägliches Schönreden der gekauften Medien nützt nichts mehr!)

Vorschlag: Notprogramm mit allen "Köpfen" aus der Tischlade und los (es wird sehr bitter werden). Die korrupten politischen Handlanger, Totengräber und Lobbyisten brauchen wir nicht mehr, hier ist mehr gefragt!

Tunis, Kairo, Sanaa, etc. sind da schon weiter, nur hier wird blöd gefaselt.

Viper001
00
19.6.2011, 18:19
wie kommen Sie auf den

"Ausdruck" "verantwortungsbewusste Politiker", RAU?

Sie sehen doch was wir für populistische Vollkoffer, z.B. in Person des amtierenden Bundeskanzler Faymann hier bei uns haben..

Glauben's, das wär anders im Rest Europas..?

Was Griechenland betrifft, ist die Sache relativ einfach..

Schuldenerlass und Griechenland temporär aus dem Euro raus..

So, obwohl das das wahrscheinlichste Szenario sein wird, und übrigens auch das Einzige, bei dem Griechenland, falls sie doch Reformen gegen den Widerstand der griechischen Sozialisten und Gewerkschafter machen, überhaupt ne Chance hat wieder auf die Beine zu kommen..

Den notwendigen Schuldenerlass, traut sich doch keiner von unseren Populisten beim Namen zu nennen..

Frodo Der Hobbit
00
20.6.2011, 02:25

Mitterlehner hat doch Recht. Man soll nicht dem Patienten das zweite Bein auch noch abschneiden, sondern ihn mobil machen, und vor allem, dass er zu klarem Bewusstsein kommt.
Aber nein, Aderlass Aderlass, wie im Mittelalter. Und schön predigen, vom Sparen und davon, was ihm alles nicht zusteht, und was er alles nicht Wert ist.
Da wird er sicher seine Leistungsfähigkeit entdecken und rein hauen.

schwejk
00
19.6.2011, 18:04
es wir den endgültigen, fatalen unfall brauchen

um diese form von finanzkapitalismus zur vernunft zu bringen.

Wernael Spindelmann
00
19.6.2011, 17:52
Die Grenzen der Demokratie

Wenn verantwortungslose PolitikerInnen auf korrupte WählerInnen treffen, dann werden eben Schulden anstatt in langfristige Investitionen für konsumatorische Sozialleistungen und Beamtenapparate "angelegt".

Österreich ist nur einen Schritt davon entfernt, das Triple-AAA zu verlieren, denn die Tendenz der Verschuldung zeigt trotz gutem Wirtschaftswachstum mangels reformen steil nach oben. Und mit der wohlverdienten Abstufung der Bonität läuft dann der Prozess von selbst: höhere Zinsen, noch mehr Verschuldung, etc. etc. bis am Ende, wenn nicht ernsthaft reformiert wird, der Bankrott steht.

Nur zur Ergänzung: auch ohne Ratingagenturen und Abstufung kommt was kommen muss, nur eben ein Jahr später.

(°)(°)
00
19.6.2011, 17:41
Shice auf Griechenland!

Am Besten die Türkei kommt in die EU und zahlt die Schulden der Griechen...

Standard Leser4
 
00
19.6.2011, 19:34
Da kommt die EU aber von Regen in die Traufe, Sie Spassvogel!

erbsenzähler8
02
19.6.2011, 15:36

Griechenlands Wirtschaftsleistung stellt eine Prozent des BIP der EU da, die können uns nicht vollkommen ruinieren. Da ist Kärnten auf Österreich umgerechnet sogar viel gefährlicher. Ich stimme nur zu, dass die EU nicht genau weiß, was zu tun ist. Die aktuelle Diskussion führt aber nicht zu mehr EU sondern mehr nationaler Gesinnung. Die politische Gemeinschaft betreibt Länderbashing par excellence. Die Ideenlosigkeit zeigt sich ja eher Form der ökonomischer Sackgasse in der wir uns befinden. Es kann sich niemand eine andere Finanzwirtschaft vorstellen, das ist das Problem. Wir müssen es wieder schaffen dass, Banken zu Systemdienern werden und nicht Systemzocker und selbstgefällige Profiteure bleiben.

Standard Leser4
 
00
19.6.2011, 19:32
Genauso sehe ich es auch !

sljudanka
10
19.6.2011, 17:49
Dei Lösung der EURO-Probleme wird eine nationale sein

alle führenden Wissenschaftler (die damals gegen die Euro-Einführung waren), sehen nur eine nationale Lösung.

Eine Lösung gemeinsam mit Griechenland sieht keiner.

Die Lösung des Euro-problems kann nur ohne Euro sein, oder ohne Griechenland;
jedenfalls mit dem jetzigen Zustand iwrd es so nicht gehen, denn gerade die Disparitäten führten ja zu den jetzigen Zuständen, nicht eine schlechte nationale Politik der Nettozahler!!

Dass Polen, Schweden oder Tschechien noch immer existieren - ohne Euro - beweist dass die Alternativlosigkeit vorgeschützt wird...

Standard Leser4
 
01
19.6.2011, 19:36
Das Polen, Tschechien oder Schweden dafuer jaehrlich Mrd Euro Betraege an Mehrkosten erwaehnen Sie aber nicht Sie Schlaumeier!

gue galie
01
19.6.2011, 15:47

zu den banken gebe ich ihnen absolut recht.
vorschlag:
verstaatlichung aller banken für 3 jahre (muss absolut in
verfassung aller euro-mitglieder verankert sein) in der euro-zone.
restrukturierung der banken grossbanken zerschlangen aufbau einer guten sparkassen-infrastruktur in der gesamten eurozone.
einführung eines vollgeldsystemes sprich banken dürfen durch kredit kein geld mehr generieren (im sinne von rolf gocht)

Peter_23
01
19.6.2011, 17:40
"einführung eines vollgeldsystemes sprich banken dürfen durch kredit kein geld mehr generieren"

Jeder Politiker der das Abschaffen von Schuldgeld und das Ende vom Zinszines ernsthaft (öffentlich) fordert, ist am nächsten Tag ganz plötzlich und völlig unerwartet in der Badewanne ausgerutscht und tödlich gestürtzt oder hat einen tödlichen Herzanfall erlitten. Zufälle gibt's, die gibt's doch gar nicht.

gue galie
01
19.6.2011, 15:29

griechenland hat daher mittels euro enormens kaptial für geringe zinsen (zeitweise geringer als in deutschland und in österreich) aufgenommen. für dieses geld gibt es keine dementsprechenden waren, d.h. griechenland hat enorm infaltioniert. wir merken das, wenn wir jeden tag einkaufen gehen, denn die inflation ist natürlich viel höher als offiziell angeben, da erzähle ich nichts neues und ist empirisch mehrfach bestätigt. diese inflationierung der weichwährungsländer zahlen wir auch noch mit, dass ist schlichtweg ein wahnsinn und ended mit einem brügerkrieg im inneren aller eu-länder. der weg über die währung europa zusammen-zu-führen geht so nicht, denn die länder bekämpfen sich nicht gegenseitig (würden sie überhaupt?) sonder von innen

gue galie
00
19.6.2011, 15:24

3. teil zum thema gue galie
natürlich liegen die problemen auch bei griechenland selbst und sie werden um reformen nicht umherkommen, aber hat das einen österreicher zu interessieren? auf keinen fall. griechenland braucht einen haircut und der euro muss aufgegeben werden. begründen möchte ich das wie folgt. deutschland österreich usw. (hartwährungsländer) hat immer eine hartwährung und konnten damit am kapitalmarkt zu günstigen zinsen geld aufnehmen (für investitionen) um im handel erfolgreich zu bestehen. griechenland ist und war kein harwährungsland daher konnte es um am markt zu bestehen die währung abwerten (musste aber höher zinsen für kapital bezahlen). gr. hat durch den euro geringen zinsen für viel kapital aufgenommen

gue galie
01
19.6.2011, 15:18

2. teil zum thema gue galie
der zweite irrtum: herr rauscher vergleich österreich mit griechenland so-zu-sagen wir sind auf den gleichen weg wie griechenland? wir leben zu sehr über unsere verhältnisse ein dümmeres wirtschaftliches argument in letzter zeit kann es nicht geben (sollte den dummheitspreis 2011 gewinnen), denn ein land das wie österreich die letzten 15 jahre (die krisenjahre ausgenommen) immer überschuß aufweisst, kann nicht über ihre verhältnisse gelebt haben, denn wir haben zig milliarden an die eu gegeben (das ist auch richtig). was wir haben ist ein verteilungsproblem, d.h. immer weniger sammeln unglaubliche kapitalmengen an und zocken damit staaten in den ruin (absolut demokratiegefährtend). damit meine ich nicht die main

- rau -
00
20.6.2011, 06:59
Mit unserem "Überschuss" meinen Sie den Budget-

überschuss. oder dass wir laufende Ausgaben (Staatszuschuss zu Pensionen) auf Kredit finanzieren ?

didi111
00
19.6.2011, 15:13
Eine weiter Option wäre (TEil 1):

Bei genauem Überlegen gäbe es noch eine weitere Möglichkeit, die bislang nicht diskutiert wird, da sie politisch mit Sicherheit sehr unkorrekt ist. Aber wahrscheinlich wäre sie nicht unpopulär: der Austritt der alten D-Mark-Zone (zzgl. Finnland) Deutschland, Niederlande, Finnland und Österreichs aus dem Euro!

Diese Lösung wäre gegenüber eines Austritts Griechenlands weniger problembehaftet:

als Umrechnungskurse könnte man problemlos die damaligen Eintrittskurse verwenden
alle Inlands-Verträge würden zu diesem Kurs in den NEuro (man beachte das Wortspiel: NEuro = Neuer Euro oder Nord-Euro) umgestellt
bei Auslandsverträgen ist der Sitz des Schuldners massgebend.

gue galie
00
19.6.2011, 15:12

ich bin eigentlich ein rauscher fan und werde es auch noch bleiben, wenn auch dieser artikel einer der schlechtesten sein drüfte, die er je geschrieben hat, sorry aber jeder darf irren. aber davon zu sprechen, dass diesmal nicht die finanzindustrie schuld hätte, ist einfach nur noch naiv (und mach mir sorgen), denn wir haben den finanzcrash überhaupt noch nicht überwunden, oder gibt es irgend eine änderung für hedgfonds, gorssbanken rating agenturen usw., ganz im gegenteil die politik wollte zurück zu einer zeit die ich blasenzeit bezeichnen möchte und was ist passiert? es wird mit naked cd's gehandelt auf teufel komm raus, der doppelpass rating hinunter cd's hinauf ist nur noch peinlich, aber die politiker schauen zu und zerstören die de

Austrialix
11
19.6.2011, 14:22
gibt wohl nur eine lösung...

und die heisst: euro-anleihen. sprich: alle staatsanleihen werden in einer euroanleihe konsolidiert. damit ist auch klar, wer denn dafür haftet: die Euro-EU als solche...

nomad13
12
19.6.2011, 14:38

Wenn Griechenland fällt - zahlt nun alles der Steuerzahler - da die Banker schon alles in die EZB gedroschen haben. Tatsache ist -ES hätte von Anfang an nur einen Euro Topf gebraucht mit niedrigen Zinsen ohne dem Umweg über die Big Banks. Daneben ein paar Investitionshilfen.
Warum hat man das nicht getan? Weil ihr so wie mikromalist (siehe unten) an ein System glaubt - dass ihr weder kennt noch versteht. U somit kann man mit euch alles machen.

Austrialix
00
19.6.2011, 18:34
na, da bin ich aber froh dass es dich gibt

nomad13 erklärt die welt...

Sarah L.
 
00
19.6.2011, 19:38

na, immerhin bringt er argumente, *lix. bei ihnen kann ich keins erkennen. und: warum der umweg über die banken notwendig war/ist, das müssen sie mir einmal erklären.

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