"An unseren Unis brennt der Hut am meisten"

17. Juni 2011, 17:02
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Heinrich Schmidinger, Rektor der Uni Salzburg, will das Ministerium klagen dürfen, den Studienzugang "nicht auf die harte Art" beschränken und - mehr Geld, auch von den Studierenden

STANDARD: Nach dem Vorstoß des Rektors der Wirtschaftsuni (WU) Wien, Christoph Badelt, ein höheres Budget einklagen zu wollen, kündigten Sie an, auch zu klagen, wenn das WU-Urteil positiv ausgeht. Was werden sie einklagen?

Schmidinger: Das Gleiche wie Rektor Badelt. Es gibt immer mehr Studierende, aber wir haben keine Mittel, das zu bewältigen.

STANDARD: Herrscht in Salzburg auch eine Verletzung der Leistungsvereinbarung vor?

Schmidinger: Das ist in der Tat eine rechtliche Frage, die noch geklärt werden muss. Die WU hat in ihrer Leistungsvereinbarung Bestimmungen, die wir in der Form noch nicht haben. Das muss ich ganz offen sagen. Deshalb kann es auch gut sein, dass wir die Frage erst bei der nächsten Leistungsvereinbarung, nächstes Jahr, relevieren.

STANDARD: Das Ministerium sagt, die WU-Klage sei ein Sonderfall und werde keine Auswirkungen auf andere Universitäten haben.

Schmidinger: Das ist mit der Grund, warum wir jetzt nicht mit Rektor Badelt dieselben Schritte gesetzt haben. Aber wir stehen vor der nächsten Leistungsvereinbarungsperiode. Da werde ich auf Punkte drängen, die wir einklagen können, wenn sie nicht eingehalten werden.

STANDARD: Sollten mehr Universitäten eine Klage anstreben?

Schmidinger: Das wäre sicher gut. Immer wenn Solidarität zwischen den Universitäten herrscht, ist mehr Stärke und politische Wirkung gegeben.

STANDARD: Ist die Uni Salzburg ein Sonderfall aufgrund des Studentenzustroms aus Deutschland?

Schmidinger: In der Tat. Unsere Universität, aber sicherlich auch die Universität Innsbruck, sind vom sehr starken Zustrom aus Deutschland besonders betroffen. Deshalb habe ich mich nach Rektor Badelt zu Wort gemeldet. An unseren Universitäten brennt der Hut am meisten.

STANDARD: Sie rechnen kommendes Semester mit 20.000 Studenten, bisher waren es 17.500. Wie werden Sie damit umgehen?

Schmidinger: Wir schöpfen zunächst einmal alle Möglichkeiten aus, die uns gesetzlich zur Verfügung stehen. Dazu gehört erstens die Beschränkung der Studienplätze in der Kommunikationswissenschaft und der Psychologie. Das hat sich sehr bewährt. Hier ist eine Entschärfung der Situation eingetreten. Aber es gibt andere Fächer, wo das noch nicht der Fall ist. Zweitens werden wir die neue Voranmeldung nutzen. Wir geben das überall bekannt, in Medien, übers Internet und wo es sich sonst anbietet, damit nichts übersehen wird. Und dann ist natürlich die Frage der Studieneingangsphase.

STANDARD: Bei der Studieneingangsphase haben Sie eine sehr milde Methode gewählt. An der Uni Wien müssen 15 bis 30 ECTS-Punkte in der Studieneingangsphase bewältigt werden. In Salzburg sind es nur vier bis sechs ECTS. Warum? Das wäre ja eine Möglichkeit, den Zugang zu beschränken.

Schmidinger: Ich glaube, dass wir dadurch trotzdem den Zugang beschränken können. Aber es geschieht nicht auf die harte Art und Weise. Wir haben uns auf den Standpunkt gestellt: Die Studieneingangsphase darf nicht nur dem Hinausprüfen dienen. Es soll schon eine echte Chance für die Studierenden sein, die in diese Studieneingangsphase gehen. Aber wir haben im Unterschied zu anderen Universitäten nur zwei Prüfungsmöglichkeiten. Da sind wir wiederum schärfer als andere Universitäten.

STANDARD: Jede Uni kann die Studieneingangsphase autonom bestimmen. Wäre es nicht besser, sie bundesweit gleich zu gestalten?

Schmidinger: Das wäre sicherlich besser. Es wäre mir viel lieber gewesen, wenn sich hier die Universitäten untereinander mehr abgestimmt hätten.

STANDARD: Wie sollte die Diskrepanz zwischen Uni-Budget und Studentenzahlen gelöst werden?

Schmidinger: Zugangsregelungen sind unausweichlich, und auch Studiengebühren werden notwendig sein. Das würde die Situation wesentlich entschärfen. Die Wirkung der Zugangsbeschränkung zeigt sich schon in jenen Fächern, die bisher den stärksten Zugang hatten. Ich sage nicht, dass damit alle Probleme gelöst sind. Der Staat wird so oder so für die Universitäten zusätzliche Mittel in die Hand nehmen müssen, wenn er sie weiter in einer guten, qualifizierten Form haben will. (Stefanie Ruep, STANDARD-Printausgabe,18./19.6.2011)

HEINRICH SCHMIDINGER (57) ist seit Oktober 2001 Rektor der Universität Salzburg. Er studierte Theologie und Philosophie in Rom und Innsbruck. 1995 wurde er Dekan der Theologischen Fakultät Salzburg und Vorsitzender der Österreichischen Dekanenkonferenz. Von 1999 bis 2001 war Schmidinger Vize-Rektor für Ressourcen und Rektors-Stellvertreter an der Uni Salzburg.

  • Die Paris-Lodron-Universität Salzburg vertrete den Standpunkt: "Die Studieneingangsphase darf nicht nur dem Hinausprüfen dienen", sagt Rektor Heinrich Schmidinger.
    foto: wildbild/max pataly

    Die Paris-Lodron-Universität Salzburg vertrete den Standpunkt: "Die Studieneingangsphase darf nicht nur dem Hinausprüfen dienen", sagt Rektor Heinrich Schmidinger.

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