Alles Gute für 2111

17. Juni 2011, 17:55
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Choreograf Michikazu Matsune und seine Performance und Installation "Hello 2111"

Wien - Die Zukunft liegt in einem undurchdringlichen Nebel verborgen. Wie zum Trost für dieses in mancher Hinsicht auch fatale Faktum hat der aus Japan stammende österreichische Choreograf Michikazu Matsune für die Wiener Festwochen seine Performance und Installation Hello 2111 geschaffen. Die Aufführung versetzt das Publikum in die Zukunft, auf den T-Shirts des Personals ist zu lesen: "Wiener Festwochen 2111". Eine fiktive Zeitkapsel wird geöffnet. Aus dem Off ertönen Matsunes konservierte Stimme und ein wenig Musik. Ein Gruß, gute Wünsche, einige Fakten von 2011 und viele Fragen.

Gibt es Wikipedia, Google oder überhaupt das Internet noch? Oder die Wurstsemmel? Und, bitte, Achtung vor dem nuklearen Abfall, der zur Erbmasse von 2011 gehört! Auf einem langen Tisch präsentiert Matsune in Geschenkpapier eingewickelte Packerln mit Botschaften von jetzt für dann: 2111 zu öffnen. Und da wird das Publikum aus der Zukunft zurückgeholt. Nein, aufmachen wirklich erst in 100 Jahren. Schade. Die Gegenwart hat uns fest im Griff.

Es ist ein Spiel über die Unsicherheit der heutigen Gesellschaften gegenüber den eigenen Zukunftsaussichten. Und im Rückblick auf das Jahr 1911 - auf den Matsune verzichtet - kann gesagt werden: Wer hätte damals gedacht, dass zwei Weltkriege, Atomwaffen und die digitale Revolution warten?

Nach der Performance im Project Space am Karlsplatz stürzt ein kleines Mädchen. Tränen und Trost. Welche schlimmeren Erfahrungen wird es noch machen, wenn so weitergewirtschaftet wird wie bisher? (ploe/ DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.6.2011)

  • Michikazu Matsune
    foto: peter mayr

    Michikazu Matsune

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