Choreograf Michikazu Matsune und seine Performance und Installation "Hello 2111"
Wien - Die Zukunft liegt in einem undurchdringlichen Nebel verborgen.
Wie zum Trost für dieses in mancher Hinsicht auch fatale Faktum hat der
aus Japan stammende österreichische Choreograf Michikazu Matsune für die
Wiener Festwochen seine Performance und Installation Hello 2111
geschaffen. Die Aufführung versetzt das Publikum in die Zukunft, auf den
T-Shirts des Personals ist zu lesen: "Wiener Festwochen 2111". Eine
fiktive Zeitkapsel wird geöffnet. Aus dem Off ertönen Matsunes
konservierte Stimme und ein wenig Musik. Ein Gruß, gute Wünsche, einige
Fakten von 2011 und viele Fragen.
Gibt es Wikipedia, Google oder überhaupt das Internet noch? Oder die
Wurstsemmel? Und, bitte, Achtung vor dem nuklearen Abfall, der zur
Erbmasse von 2011 gehört! Auf einem langen Tisch präsentiert Matsune in
Geschenkpapier eingewickelte Packerln mit Botschaften von jetzt für
dann: 2111 zu öffnen. Und da wird das Publikum aus der Zukunft
zurückgeholt. Nein, aufmachen wirklich erst in 100 Jahren. Schade. Die
Gegenwart hat uns fest im Griff.
Es ist ein Spiel über die Unsicherheit der heutigen Gesellschaften
gegenüber den eigenen Zukunftsaussichten. Und im Rückblick auf das Jahr
1911 - auf den Matsune verzichtet - kann gesagt werden: Wer hätte damals
gedacht, dass zwei Weltkriege, Atomwaffen und die digitale Revolution
warten?
Nach der Performance im Project Space am Karlsplatz stürzt ein kleines
Mädchen. Tränen und Trost. Welche schlimmeren Erfahrungen wird es noch
machen, wenn so weitergewirtschaftet wird wie bisher? (ploe/ DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.6.2011)