Selbstvertrauen zweiter wichtiger Faktor für Schulerfolg - Aber kein Einfluss auf die Gesamtleistung aller Schüler
Wien - Schüler aus armen Familien haben in Österreich
weniger Chancen, zu den Besten ihrer Altersgruppe zu gehören, als in
den meisten anderen OECD-Ländern. Das zeigt die am Freitag
veröffentlichte neueste Ausgabe von "PISA im Fokus". In dieser wurden
auch die Kriterien dafür herausgearbeitet, durch die sozial schwache
Schüler in manchen Ländern keine geringeren Bildungschancen haben:
Mehr Unterrichtsstunden und Selbstvertrauen.
In Österreich schafft es laut dieser Detailauswertung der
Ergebnisse der OECD-Studie aus 2006 und 2009 nur jeder fünfte Schüler
aus sozial schwachen Verhältnissen ins obere Leistungsviertel. Im
OECD-Schnitt ist es immerhin ein Drittel der Schüler aus prekären
Verhältnissen, in China sogar die Mehrheit.
Zeit in der Schule
Die Analyse von PISA 2006 im Bereich der Naturwissenschaften
hat
gezeigt, dass viele sozial schwache Schüler weniger Zeit in der
Schule verbringen als ihre sozial bessergestellten Altersgenossen -
wobei die Gesamtleistung der Schüler eines Landes durch mehr
Unterricht nur geringfügig verbessert wird.
Anders schaut es bei Schülern aus bildungsfernen Familien aus:
Innerhalb dieser sind jene, die Spitzenleistungen in den
Naturwissenschaften erbringen, im Schnitt zwischen einer und zwei
Stunden länger in der Schule als jene mit besonders schwachen
Leistungen. "Bei den benachteiligten Schülern hat die Lernzeit in der
Schule den größten Einfluss darauf, ob sie ihre Altersgenossen
übertreffen", heißt es in der OECD-Publikation.
Selbstvertrauen
der Schüler
Zweiter wesentlicher Erfolgsfaktor ist demnach das
Selbstvertrauen
der Schüler, das bei sozial benachteiligten Jugendlichen laut
PISA-Studie jedoch deutlich weniger ausgeprägt ist als bei ihren
Altersgenossen aus bildungsnahen Familien. Dabei spielt jedoch die
persönliche Motivation eine wesentlich wichtigere Rolle als etwa die
Hoffnung auf einen bestimmten Job oder höheres Gehalt. Die OECD zieht
daraus den Schluss, dass die Schule wesentlichen Einfluss darauf hat,
ob sozial benachteiligte Schüler Spitzenleistungen erbringen und regt
an, deren Selbstbewusstsein und Motivation etwa durch spezielle
Lehrmethoden oder Hochbegabten-Mentoringprogramme zu stärken. (APA)