Die Familie Krupp präsentiert sich selbst

17. Juni 2011, 13:19
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Ausstellung zeigt die deutsche Industriellen-Dynastie im Kamerafokus ihrer Werksfotografen

Essen - Krupp-Kanonen bei der Weltausstellung und Familienbilder des Clans auf der Terrasse der Essener Villa Hügel: Krupp, Deutschlands lange Zeit größtes und tief mit der Geschichte des Landes verwobenes Unternehmen, zeigt zu seinem 200. Jubiläum rund 400 Fotografien aus dem Firmenarchiv, die meist noch nie öffentlich ausgestellt wurden - Ort der Ausstellung ist besagte Villa Hügel.

Es ist die offizielle Eigensicht des deutschen Stahlriesen - Fotografieren auf dem Gelände war nur den Werksfotografen erlaubt. Ohne Auftrag oder heimlich aufgenommene Bilder kommen in der Schau nicht vor. Dennoch zeigt die Ausstellung von diesem Samstag an bis zum 11. Dezember ein faszinierendes Abbild der Krupp-Geschichte - und zugleich der Geschichte der Fotografie. So nutzte Alfred Krupp bereits 1849 für ein Porträt das sogenannte Daguerreotypie-Verfahren, bei dem Fotos unter Verwendung einer Metallplatte hergestellt wurden.

PR-bewusst

Von Anfang an überließen die Krupps bei offiziellen Familienfotos wie Produktionsaufnahmen kaum etwas dem Zufall. Viele Bilder sind mit klarer Wirkungsabsicht entstanden, wie Archivleiter Ralf Stremmel bei der Präsentation sagte.

Das gilt für die Arbeitswelt mit Krupp-Kanonen, Lokomotiven und Stahlproduktion und das soziale Netzwerk der "Kruppianer" mit eigenen Siedlungen, Krankenhaus und der "Krupp-Konsumanstalt". Auch die Familienporträts dienten maßgeblich der Repräsentation des Unternehmens und wurden etwa an Geschäftsfreunde und Verwandte verschenkt, wie es im Katalog heißt.

Um unternehmerische Kraft ins Bild zu setzen, ließ Alfred Krupp schon 1867 ein 360-Grad-Panorama der Werksanlagen anfertigen. 240 Mitarbeiter mussten dafür an einem Sonntag eigens vor den Produktionsanlagen posieren - wegen der langen Belichtung 30 bis 40 Sekunden lang möglichst regungslos. Das insgesamt fast acht Meter lange Panorama - ein einmaliges Zeugnis - ist bei der Schau zu sehen. (APA/red)

  • Alfried Krupp von Bohlen und Halbach mit Lehrlingen, Bild aus dem Jahr 1961 . Der ehemalige "Wehrwirtschaftsführer" unter dem NS-Regime wurde nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem wegen Sklavenarbeit zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, jedoch vorzeitig begnadigt. Von 1953 an leitete er erneut das Familienunternehmen.
    foto: ausstellung "krupp. fotografien aus zwei jahrhunderten"

    Alfried Krupp von Bohlen und Halbach mit Lehrlingen, Bild aus dem Jahr 1961 . Der ehemalige "Wehrwirtschaftsführer" unter dem NS-Regime wurde nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem wegen Sklavenarbeit zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, jedoch vorzeitig begnadigt. Von 1953 an leitete er erneut das Familienunternehmen.

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