Immer noch ist der Graben-Meinl eine der wenigen Adressen im Land, wo die mild eingesalzenen Fische noch fassweise angeliefert und erst vor Ort gekehlt werden
Jetzt läuft die Matjes-Saison 2011 schon seit zehn Tagen - höchste Zeit für den alle Jahre wieder fälligen Hinweis, wo die fetten, bis oben hin mit Omega-3-Fettsäuren angepackten Herrlichkeiten in ihrer besten Form zu holen sind.
Daran hat sich zwar nichts geändert - immer noch ist der Graben-Meinl eine der ganz wenigen Adressen im Land (Fisch Gruber am Naschmarkt ist die zweite!), wo die mild eingesalzenen Fische noch fassweise angeliefert und erst vor Ort gekehlt werden. Darunter versteht man das Entfernen der Bauchspeicheldrüse, die im Fisch verbleiben muss, um mithilfe der ihr innewohnenden Enzyme jene wunderbare Verwandlung des Fisches zur zartschmelzenden Köstlichkeit überhaupt erst auf den Weg zu bringen.
Bei Meinl wird die Zeit des fetten Fisches diesmal richtig zelebriert: Gleich beim Liftausstieg im ersten Stock wurde eine Kühltheke aufgestellt, Besteck und Teller sind ebenso vorhanden wie ein Fass vom Reininghauspils samt Pfiffgläsern. So soll es sein!
Wobei - eine Kleinigkeit vermisst der Matjes-Enthusiast für sein ultimatives Glückserleben: ordentliches Schwarzbrot statt anämischen Jourgebäcks und, mindestens so wichtig (und ebenso leicht zu bewerkstelligen), Butter! Beides freilich sollte sich vor Ort in erster Qualität und ohne Mühe bewerkstelligen lassen! (Severin Corti, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.06.2011)