Fall Mayländer: Bund restituiert Blätter der Albertina

17. Juni 2011, 12:16

Stiftung Leopold aber verweigert Rückgabe der Schieles

Wien - Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) folgt nun doch der Empfehlung des Kunstrückgabebeirats: Sie veranlasst, dass fünf Blätter von Egon Schiele aus der Albertina an die Erben nach Karl Mayländer übereignet werden.

Gegen die Empfehlung hatte, wie berichtet, Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder mit dem Hinweis auf angeblich neue Quellen interveniert. Diese waren von Diethard Leopold, dem Sohn des verstorbenen Sammlers, ins Spiel gebracht worden. Clemens Jabloner, der Vorsitzende des Rückgabebeirats, stellte aber in einem Brief an Schmied klar, dass diese Quellen bereits in das Dossier zum Fall Mayländer Eingang gefunden hatten. Dieses Dossier bildet die Grundlage für die Empfehlung.

Aber nicht nur die Albertina, auch das Leopold Museum besitzt fünf Schiele-Blätter aus der Sammlung Mayländer. Ausnahmslos alle hatte Etelka Hofmann nach dem Weltkrieg verkauft. Sie war zwar eine enge Vertraute von Mayländer, aber nicht erbberechtigt. Die sogenannte Michalek-Kommission stufte daher die fünf Blätter des Leopold Museums bereits im November 2010 als restitutionswürdig ein: Würde das Rückgabegesetz auch für die Stiftung Leopold gelten, müssten die Blätter restituiert werden.

Für Diethard Leopold kommt eine Restitution aber nicht in Frage: "Wir werden sie sicher nicht zurückgeben. Ich halte die Entscheidung für falsch. Uns leuchtet die Argumentation nicht ein. Der Eigentumsübertrag wird von uns als rechtens angesehen." In einem Brief bittet das Leopold Museum die in den USA lebende Erbin nach Karl Mayländer, zu bestätigen, dass sie keine Ansprüche stellt (siehe Faksimile links oben). Dass die Schiele-Blätter als restitutionswürdig angesehen werden, wird mit keinem Wort erwähnt. (trenk/ DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.6.2011)

Zur Nachlese:
Fall Mayländer: Jabloner will sich nicht fügen
Die Intervention von Schröder bei Schmied sei kein Grund, den Fall neu aufzurollen

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10 Postings
molekühl
02
19.6.2011, 14:25

Das ist halt der Unterschied zwischen politisch motivierten und logisch begründbaren Entscheidungen.

die fliege puck
42
18.6.2011, 13:31

was heißt da jetzt schon wieder: "die bilder wurden an leopold rechtmäßig verkauft?"
jaja für ein paar schillinge in dieser notsituation nach dem krieg. Früher oder später wird dieser zweite leopold auch diese kunstwerke noch zurückgeben und viele andere auch....

Nichtschweiger
 
01
19.6.2011, 17:21
Nach dem Krieg war für alle eine Notsituation!

Kunst hatte damals keinen Wert daher ist ein Verkauf "um ein paar Schilling" nicht so zu sehen wie eine Enteignung bzw Raub während der Nazizeit.

gegen die sattheit
87
17.6.2011, 13:01
tja....

eine Schmach für Schröder, Leopold und wie sie sonst noch heißen.

Wie gesagt: es gibt keine neuen Quellen! Der Fall wurde vollständig und objektiv überprüft. Zum Glück hat das auch die Ministerin eingesehen

linx
65
18.6.2011, 00:01
no, da gibt es ...

... jede menge rotstrichler, die wahrscheinlich der meinung sind, die juden kriegen den kropf NIE voll. da sag noch einer, es gäbe keinen antisemitismus in Ö und
auch die arisierer und ihre nachkommen wehren sich nach wie vor recht "tapfer". irgendwie ziemlich verrottet die bürgerliche gesellschaft hierzulande.

Der Töpfer
47
18.6.2011, 11:24
Den Artikel nicht gelesen/verstanden, aber reden.

Jedes weitere Wort ist überflüssig. Die Bilder wurden an Leopold rechtmäßig verkauft.

Wenn ich bei Ihnen einen Fernseher abkaufe und man hinterher draufkommt, daß Sie den gestohlen haben, muss ich den Fernseher auch nicht ersatzlos "restituieren". Was hier läuft ist ein breit angelegter Diebstahl an dem ein paar Auktionshäuser riesige Summen verdienen.

Das Sie hier Antisemitismus unterstellen, bedeutet einfach nur, daß Sie kognitiv benachteiligt sind. Es ärgert mich nicht weiter. Sie können nichts dafür.

Mo Jito
11
18.6.2011, 20:40
auktionshaeuser verdienen daran nix.....

laengst hat es schule gemacht, dass derlei so ausverhandelt wird, dass man wenigstens 1:1 ausbezahlt bekommt, dh weder fotokosten noch etwaige provisionen abzufuehren sind, - gute verhandler schlagen sogar noch ein paar prozenterl von der kaeuferprovision raus. allenfalls profititieren die auktionshaeuser in sachen marketing ....

artefact
21
19.6.2011, 10:57

ja ja das Geschäft mit der Restitution blüht. Angeblich haben US Anwälte sogar ohne Wissen der Erben Recherchen in Auftrag gegeben...
Ungeachtet dessen glaube ich jetzt doch, daß Jabloner im Recht ist.
Die Verkäuferin war nicht erbberechtigt. Man konnte auch nicht nachweisen, daß sie eine Beschenkte war. Wahrscheinlich hat ihr Freund ihr die Blätter zur Aufbewahrung gegeben.
Jedenfalls hätte sie beim Verkauf der Bilder vor allem die rtechtmäßigen Erben verständigen müssen, daß sie im Besitz der Bilder ist und was damit zu geschehen hat.
Eigenartiges Verhalten der Erben nach Rudolf Leopold. Ich habe geglaubt, daß man nach seinem Tod um Redlichkeit bemüht ist?

Mojito1
12
19.6.2011, 12:17
35 Mio Euro "Redlichkeit" ...

... ja, dem frommen Wunsch nach "Redlichkeit" und "um konsens bemueht" muess(t)en auch Taten folgen - reden wir mal in ein paar tagen ueber das gleiche thema, wenn "Haeuser mit bunter Waesche" in london weit ueber die (garantierten) 25 mio Euro klettern - wenn man beispielsweise 35 mio einnimmt, womit wally-deal samt anwaltskosten locker (re)finanziert waeren und noch ein nettes suemmchen uebrig bleibt .... ich schaetze, dann ist diese hardliner-schiene in dieser form nicht mehr vertretbar ---

artefact
12
19.6.2011, 11:01
Nachtrag

Dieser Leopold Museum Brief an die Erben ist eine unmoralische Frechheit.
Wie ist Herr Leopold übrigens in den Besitz der Blätter gekommen?
Er wußte nämlich immer genau Bescheid über die Provenienz, schon allein um sicher zu gehen, keiner Fälschung aufzusitzen.

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