Android: 100 Millionen User können nicht irren

17. Juni 2011, 09:59
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Google-Gründer Page und Brin trafen 2005 die Kaufentscheidung persönlich - "Beste Übernahme aller Zeiten"

Als Google im Jahr 2005 ein kleines Smartphone-Startup übernahm, konnten wohl selbst bei Google nur wenige etwas mit diesem Deal anfangen, wollte er doch so ganz und gar nicht zu den früheren Einkäufen des Unternehmens passen. Zudem wussten wohl nur wenige, woran dieses kleine Unternehmen namens Android eigentlich wirklich arbeitete, Geheimhaltung war zu diesem Zeitpunkt dort angesagt. Allein die handelnden Personen gaben einen gewissen Hinweis: Der ehemalige Apple-Angestellte und Android-Chef Andy Rubin hatte nämlich 1999 bereits Danger, den Hersteller des in den USA äußerst erfolgreichen "Sidekick" ins Leben gerufen.

Aufstieg

Trotzdem: Den folgenden kometenhaften Aufstieg von Android hatte kaum jemand hervor gesehen, mehr als 100 Millionen Geräte mit dem mobilen Betriebssystem wurden bis dato verkauft,  400.000 kommen täglich hinzu. Doch auch wenn manche bei Google Android mittlerweile die "beste Übernahme aller Zeiten" nennen, die Chance das es erfolgreich sein wird, waren eigentlich denkbar klein, wie CNN Money in einem aktuellen Artikel herausarbeitet.

Übernahme

Große Softwareunternehmen setzen üblicherweise einen bedeutenden Teil ihrer Übernahmen in den Sand, die Gründe hierfür sind mannigfaltig. Oft sind die Konzerne schlicht zu unflexibel, überhäufen die Neulinge mit allerlei bürokratischem Aufwand und behindern die Entwicklung anstatt sie zu fördern - mit dem Ergebnis, dass sich rasch ein guter Teil der ehemaligen Angestellten verabschiedet. Bei Android passierte aber genau das Gegenteil, die Neuzugänge passten bestens zu Googles EntwicklerInnen-fokussierter Unternehmenskultur.

Ablauf

Eine entscheidende Rolle für den Erfolg von Android spielten aber die zwei Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page höchstpersönlich. Der Sidekick-User Page hatte Rubin bei einem Vortrag an der Stanford-Universität kennengelernt, und war von dessen ambitioniertem Plan ein freies mobiles Betriebssystem zu entwickeln sofort begeistert. Dies auch da sie zu diesem Zeitpunkt längst das mobile Web als das nächste "große Ding" ausgemacht hatten, an dem man sich aktiv beteiligen müsste. Brin und Page segneten das Budget für die Übernahme eigenhändig ab, für vergleichsweise läppische 50 Millionen US-Dollar wanderte Android in den Besitz von Google.

Entwicklung

Von einem Marktstart war man damals allerdings noch weit entfernt, dafür sollte es drei weitere Jahre benötigen. Das Android-Team wuchs in dieser Zeit von 8 auf 79 Angestellte, immer mit Bedacht darauf, die Startup-Atmosphäre nicht zu verlieren. Android 1.0 wurde dann Ende 2008 freigegeben - und es hätte eigentlich zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können. Apple hatte mit dem iPhone den Umbruch der Smarpthone-Welt eingeläutet, kein anderer Hersteller hatte aber eine vergleichbare Software zu bieten. Google konnte nicht nur damit dienen, sondern bot diese auch noch zu einem äußerst verlockenden Preis an: Kostenlos.

Nutzen

Für Google selbst hat Android vor allem strategischen Nutzen: Das mobile Betriebssystem ist ein Vehikel um die Popularität der eigenen Services und die allgemeine Nutzung des mobilen Webs weiter voranzutreiben. Aber auch die direkten Einnahmen steigen kontinuierlich, die Marktforscher von Piper Jaffray gehen davon aus, dass Google mit Werbung rund um Android im Jahr 2012 bereits 1,3 Milliarden US-Dollar machen wird. Dazu bieten sich noch weitere künftige Einnahmequellen an, etwa der Verkauf von Musik oder Filmen - letzteres zumindest in den USA ja seit kurzem im Testlauf. (red, derStandard.at, 17.06.11)

  • Das Android-Maskottchen (Grafik: CNN)
    grafik: cnn

    Das Android-Maskottchen (Grafik: CNN)

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