Hin (mit Ei) in die Geriatrie!

21. Juni 2011, 17:38
  • Artikelbild
    foto: harald fidler

    Man kann ja auch mal vegetarisch einsteigen: Herr Hohensinn grüßt aus der Küche mit Ratatouille in der Gurkenscheibe*, mit Rote-Rüben-Honig-Essig (wenn ich mir das jetzt richtig gemerkt hab).

    Hohensinn
    Fuhrmannsgasse 9
    1080 Wien
    015336464

    Zweimal drei Gänge, Käse, Wein, Wasser, Apfelsaft: 140 Euro.

    * Jetzt ohne ck - wie immer das passieren konnte. Danke für den Hinweis!

  • Artikelbild
    foto: harald fidler

    Lässt man den Saibling weg, geht's auch gut für Fleischverweigerer - dann bleiben Artischocken und Spargel. Mit Saibling naturgemäß feiner

  • Artikelbild
    foto: harald fidler

    Ochsenmaulsalat. Ist, wie es heißt. Eher kein vegetarisches Gericht.

  • Artikelbild
    foto: harald fidler

    Geht wunderbar auch als Hauptspeise (danach geht eh nur noch wenig): pochiertes Hirn mit Ei.

Dem Ochsen aus dem Gesicht geschnitten: Jetzt lobt auch noch der Fidler das Hohensinn - Den IQ dieser Kolumne hebt all das nur unwesentlich

Herrlich war's. Und ganz furchtbar. Schuld ist die Reißerische.

Das wäre jetzt die unverschwurbelte Version der dieswöchigen "Schmeck's"-Reihe für sennowise und andere Freunde der Kürze. Fans des Telegrammstils empfehle ich viele meiner aus dem gedruckten STANDARD stammenden Artikel über die Medienbranche unter derStandard.at/Etat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und jetzt zur gewohnten Form dieser mittelmäßig gepflegten Ess-Ecke. Mit ein bisschen mehr Geschwurbel.

Bloß keine Höflichkeit!

Wer lange fragt, geht lange fehl, behauptet ein pragmatischer Nachbar. Ich ergänze: Und wer dann auch noch versucht, anderer Menschen Erwartungen und Paramenter zu erahnen, irrt gleich noch mehr. Schlimmer wird's noch, wenn das alle Beteiligten versuchen, schon aus Höflichkeit.

Ich höre natürlich weder auf Nachbarn noch auf eigene Lebensweisheiten. Das war mein Problem im tatsächlich sehr, sehr feinen Hof des Hohensinn. Soll mir nur nichts Schlimmeres passieren in meinem Leben.

Also: Herr Glu und die Reißerische haben längst schon aufgegeben, mir das Knieschleifen, die einspurig-sportliche Fortbewegung oder auch das Bootfahren beizubringen. Sie gehen also nur noch mit mir essen. Das, vermuten sie, übe ich zur Genüge und sollte ich also zumindest unfallfrei schaffen. Wären da nicht meine ein, zwei Probleme, siehe oben.

Ein leichter Veltlinertag

Also: Ein heißer Tag, einer für einen leichten Veltliner, fand ich, womöglich einen frischen Riesling geringer Gewichtsklasse, tät schon irgendwie auch zur Kalbskrone meiner Tischgenossen gehen, oder so halt. Bin ja Universaldilettant, also auch beim Wein.

Statt einfach eine Flasche zu bestellen und zu schauen, was passiert, krame ich in meiner Erinnerung und frage: Ihr habt lieber Rotwein, oder? Beide wirken, als würden sie nicht nur aus Höflichkeit bejahen. Dann frage ich noch, ob auch ein Weißwein ginge, und die Reißerische sagt, das könnte auch von der Vegetarierin stammen: einen kräftigen!

Statt jetzt einfach einen der daraufhin empfohlenen Kraftweißen (Lagler und äh - vergessen) bestelle ich (lieber Rotwein) einen Pinot Noir vom Lentsch (weil gut in Erinnerung und relativ wohlfeil, weiß ja nicht, wieviel die Mitesser für eine Flasche investieren wollen). Und davor aber schnell noch ein Glas gemischten Satz - die beiden seltsamerweise auch! Da soll sich einer auskennen.

Gar nicht furchtbar

Furchbar, wie in der Telegrammversion, war meine Weinverwirrung natürlich nicht. Ich war zwar nicht traurig mit dem 2008-er vom Lentsch, aber ganz glücklich auch nicht - und Schellmanns Anning 2006 war dann zum Vergleich noch irgendwie zwingend. Wenn schon Noir, dann konsequent. Fand ich. Komme, was wolle. 

Und das war das Wunderbare (abgesehen von der Gesellschaft, natürlich, und da wieder abgesehen von meiner Weinverwirrung, aber Schluss jetzt damit) an dem Abend?

Ochsenmaul

Dass mein marinierter Saibling doch der unmarinierte mit Spargel und Artischocken wurde, hat mich nur bis zur ersten, zweiten Gabel gestört. Feine Sache, leicht, schön. Ganz so leicht ist dann der Ochsenmaulsalat nicht, der vermutlich nur für mich Vegetarophilen so klingt, als würde er aus einer Pflanze gemacht. Nein, das ist genau das, was der Name sagt: Dem Hornvieh aus dem Gesicht geschnitten, jetzt mit Marinade, eine reine Freude.

Der Vegetarierin scheint diese Interpretation des Ochsenmaulsalats bei Spargel und Artischocken nicht zu gefallen. Kann man verstehen, wenn bei der Vorspeise der Saibilng fehlt und zur Hauptspeise ein Liebstöckelrisotto wartet, das Herr Hohensinn für Fleischverweigerer improvisiert. Die Vegetarierin wirkt damit aber sehr zufrieden. Wiewohl auch ihr ein kräftiger Weißwein bestimmt lieber gewesen wäre.

Schwammerl? Ich!

Die Glus wirken - nach Saibling und geeister Tomaten-Ingwersuppe mit Wels beziehungsweise gerösteten Eierschwammerl auf Rucola (sehr schön, die hab ich gekostet - bei ihrer Kalbskrone sehr, sehr zufrieden. So zufrieden, dass ich nicht einmal dazu komme, nach einem kleinen Kostfaserchen zu fragen, schon isse weg.

Hirn

Ich habe aber ohnehin kein Auge für die anderen Speisen: pochiertes Hirn mit Ei. Ich kann sagen: das beste meines Lebens. Ein bisschen mehr IQ kann Schmeck's ja nicht schaden. Und auf Hin- und Rücksicht wird jetzt auch bei Tischgenossen gepfiffen - gegen über den Userinnen und Usern klappt das ja schon länger.

PS: So ignoriere ich jetzt auch einfach, dass Kollege Nowak offenbar einen Rhythmus für seine Lokalaugenscheine gefunden hat: ein paar Monate nach Severin Corti, aber zwei, drei Tage vor mir.

PPS: Geriatrie bezieht sich nicht auf die Josefstadt, sondern alleine auf den vieltausendfach schon beschriebenen Umstand, dass Herr Hohensinn lange als Souschef bei Reinhard Gerer kochte.

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 35
1 2
sennowise
00
30.6.2011, 12:35
Sehr kurz. sehr gut.

Sehr, schön Herr Fidler.

Aber ich trag zur Abwechslung mal was konstruktives bei:

Falls es sie mal in den Westen verschlägt, gehen sie doch mal in das Restaurant s'Schulhus nach Krumbach. Dort gibt es zur Nachspeise hausgemachte Eissorten, da komme sogar ich ins schwärmen. Sauerklee ist z.B. fantastisch.
Die restlichen Speisen zu kommentieren übberlasse ich ihnen. In aller Kürze. Würd mich grad interessieren.

whose ass to kick?
00
27.6.2011, 17:20
ich sag's, wie's ist:

hirn bitte rösten - und nicht pochieren.
am besten schmeckt's übrigens mit lardo-grammeln.

Schnabeltierfresser
00
22.6.2011, 14:01
Warum Hirn

pochiert statt geröstet? Soll das 'feiner' sein?

Christ Kind
00
22.6.2011, 15:30
ich bezweifel

die Sinnhaftigkeit auch, besonders da roesten dem Hirn eine angenehmere Konsistenz verleiht als pochieren....

1816/55
00
22.6.2011, 10:59
Glitschig

Ich bin an sich ein Allesfresser, aber von den Fotos her schaut mir das alles etwas zu glitschig und glibberig aus. Brrr!! Ist mir auch in Japan aufgefallen - die dort übliche Vorliebe für Glitschiges und Schwabbeliges.

Martin Hiltmann
00
22.6.2011, 14:34
Finden Sie wirklich?

Ich habe das ein paar Wochen lang dort nicht so erlebt.

1816/55
00
26.6.2011, 18:13

Einige japanische Sachen haben mir ja auch gut geschmeckt, aber diverse Tofus, Natto (fermentierte Bohnen) oder Konnjaku (wabbelige Nudeln aus einer speziellen Stärke) fand ich dann eher befremdlich.

tramezzino
00
22.6.2011, 11:50

stimmt, sumo ringer zum beispiel.

Lappe ohne Rentier
01
22.6.2011, 10:23
Was zum Novak zu sagen wäre:

Ich möchte Austern mit der Schale essen
Ich möchte mit einem Walfisch mich vergessen
Ich hab mir das schon alles vorgenommen
Aber der Novak läßt mich nicht verkommen *)

Herzelichst
Ihr Lappe

*) Text von Sarah Wiener????

hawkwind
00
22.6.2011, 13:09
Da ist Ihnen wohl Ihr Gedächtnis durch die Lappen gegangen ;)

Sarah Wiener als Komponistin bzw. Autorin von Liedtexten?? Eher nicht, der Hugo wars, fragen Sie mal die Cissy, die lebt schließlich noch.

Lappe ohne Rentier
00
22.6.2011, 13:30
Hätte aber in dieses Forum ganz gut gepasst, odrrr?

;-)))
Ihr Lappe

Mastermix
00
22.6.2011, 10:16
Herr Fidler

ohne dies jetzt werten zu wollen aber fühlen Sie eigentlich ein klein wenig Scham, wenn Sie Ihr Essen ablichten?

bumsti .
00
22.6.2011, 11:40
essen ist

mitunter das hinterfotzigste model dass es gibt.
so ist es mir allemal lieber als vom "foodfotografen" mit haarspray und formaldehyd angerichtete essenslügen.

Martin Hiltmann
00
22.6.2011, 14:37
ein simpler Weißabgleich würde schon helfen

sogar nachträglich. Sie könnens ja ausprobieren mit diesen blaustichigen und unterbelichteten Meisterwerken.

schmecks
00
24.6.2011, 00:16

Dilettant, aber konsequent.
Besten Gruß,
fid

Anton Hammerschmidt
00
22.6.2011, 11:21
warum sollte er ?

Mastermix
00
22.6.2011, 14:42
Weil er sich vielleicht ein bisschen

wie ein deutscher Tourist vorkommt, der im all-inclusive Club das Buffet fotografiert?

Quasis Herr Karl
01
22.6.2011, 11:34
Weil's zum Teil so aussieht als wäre es bereits verdaut worden?

Anton Hammerschmidt
00
22.6.2011, 11:52
Na also so schlimm

ist es auch wieder nicht..
Außerdem versuchen Sie mal, Hirn mit Ei ästhetisch abzubilden..

sir osis of liver
 
00
22.6.2011, 16:41

oder hammelhoden garniert mit schaufäuglein.
schmeckt aber ausgezeichnet.
vor allem wenns im schmalz aus den schwänzen der fettschwanzschafe des wunderbaren orient herausgebacken sind!

Quasis Herr Karl
01
22.6.2011, 16:46
Dann doch lieber a Trockenscheiberl Brot.

sir osis of liver
 
00
22.6.2011, 16:53

den knofl schick ich ihnen vom bauernladen, herr karl.
allerdings als alter pensionär darf man seine liebe zum ebenso alten orient doch ausleben?

Quasis Herr Karl
00
22.6.2011, 17:05
Mehr als nur gegönnt sei das Mahl.

Nur, Augen und Eier, ne Danke :-)) Ist ja der Knofl schon a Zumutung. Owa guat.

sir osis of liver
 
00
22.6.2011, 17:42

verdünnt mit ana bratlfettn passt auch der knofl!

Quasis Herr Karl
00
22.6.2011, 20:05
Wie wahr.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 35
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.