Neue Oberstufe

"Fünfer können abgearbeitet werden"

16. Juni 2011, 18:59
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    foto: standard/andreas fischer

    Schülerinnen und Schüler der 7D des Innsbrucker Reithmanngymnasiums haben gut lachen. Eine Klasse wird erst ab vier Fünfern wiederholt, also quasi nie.

Mehr Stress für Schüler und auch Lehrer bringt die Einführung der Modularen Oberstufe - Am Innsbrucker Reithmanngymnasium wird in einem Schulversuch bereits umorganisiert - Ganze Klassen werden nicht mehr wiederholt

Innsbruck - Läuten, Tratschen, Lachen, Laufen: Es ist große Pause im Reithmanngymnasium. Direktor Max Gnigler macht auch Pause - von der Maturaaufsicht: "Einer ist schon durchgefallen - in Biologie." Heuer wird im Reithmann allerdings noch "klassisch" maturiert. Erst im kommenden Schuljahr 2011/2012 wird der erste Jahrgang des Schulversuchs "Modulare Oberstufe" (Most) zur Reifeprüfung antreten.

"Die Zustimmung zum Schulversuch ist seit der Einführung im Schuljahr 2008/2009 stark gestiegen", sagt Most-Koordinator Ingo Wartusch: "Und es ist eine große Umstellung."

Nach dem Plan von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) soll Sitzenbleiben in der Oberstufe zur Ausnahme werden: Künftig sollen Schüler der AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) nur dann eine Klasse wiederholen, wenn sie in mehr als drei Fächern negativ beurteilt werden. Statt einer "Ehrenrunde" sollen nur noch einzelne Module, in die der Semesterstoff künftig unterteilt wird, wiederholt werden. Sollte trotzdem eine Klasse wiederholt werden müssen, dann bleiben dem Schüler außerdem alle positiven Noten vom vorigen Schuljahr erhalten. Im Schuljahr 2016 sollen alle 800 Schulstandorte österreichweit umgestellt sein.

Nicht nur die Lehrer, auch die Schüler am Reithmanngymnasium mussten sich umstellen. "Bis Ostern gemütlich dahinwursteln war plötzlich nicht mehr", erzählt David aus der siebenten Klasse: "Das stresst am Anfang schon gewaltig." Jedes Fach muss in der Most pro Semester abgeschlossen werden. Das bedeutet nicht nur für die Schüler ein ständiges Mitlernen, sondern für die Lehrer viel mehr Kommunikation. "Die Stoffbereiche müssen halbiert und überschaubarer werden", erklärt Chemielehrer und Koordinator Wartusch. Üblicherweise werde der Lehrplan über zwei Jahre ein bisschen "lockerer" geplant, in der Most muss der Stoff straff unterrichtet werden.

Weitere Neuerungen für die Oberstufe: Droht ein Fünfer, sollen die Schüler per Frühwarnsystem informiert werden und sich einen Lerncoach und Förderkurse suchen. Diese sollen je nach Entscheidung der Schule in Gruppen oder individuell besucht werden.

Dieses Fördermodell zu organisieren sei die meiste Arbeit, sagt Wartusch. Bezahlt würden ihm dafür vier Stunden, manchmal sei er aber 15 Stunden pro Woche am planen: "Es wird sich schon einpendeln." Vom Ministerium wünscht er sich aber zusätzliche Stunden: "Denn erfahrungsgemäß kommen die Schüler immer erst gegen Semesterende drauf, dass sie in einem Fach nichts können."

Ein negatives Modul kann nicht nur im nächsten Semester, sondern auch erst im nächsten Schuljahr ausgebessert werden. Die Prüfung kann auch
öfter als bisher wiederholt werden. Nach drei Prüfungen kann noch ein Prüferwechsel erfolgen. "Fünfer können so über mehrere Semester quasi
abgearbeitet werden", erklärt Wartusch: "Zur Matura kann man aber nur antreten, wenn alle Fünfer weg sind."

Das System scheint zu funktionieren. Im Reithmann hatte seit Einführung der Most noch kein Schüler vier Fünfer. "In Vormodulzeiten hatten wir in
der Oberstufe durchschnittlich 15 Wiederholungsprüfungen bei rund 300 Schülern", rechnet Direktor Gnigler. Er kann sich eine Rückkehr zur
klassischen AHS nicht mehr vorstellen. Das Fördersystem und das Aufsteigen mit bis zu drei Fünfern sei aber für ihn nicht allein ausschlaggebend gewesen, beim Schulversuch mitzumachen.

Gnigler wollte Innovationen für sein Gymnasium, das trotz eines Sprachen- und Sportschwerpunkts neben einem Realgymnasium trotzdem Schüler verlor. In der Most á la Reithmann wurden gleich Wahlfächer miteingeführt. Die Pflichtmodule, also die normalen Fächer, wurden so weit wie gesetzlich möglich gekürzt. Dazu kamen Fächer wie der "Band-Workshop".

"Lehrer und Schüler haben zwar mehr Aufwand, allein durch die Stundenplanerstellung, sie sind aber weit motivierter", erzählt Koordinator Wartusch. David hat das Wahlmodul "Wein- und Edelbrandherstellung in Theorie und Praxis" belegt - es gilt als vertiefender Reifeprüfungsgegenstand im Fach Biologie. (Verena Langegger, STANDARD-Printausgabe, 17.6.2011)

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13 Postings
Lady Prudence of Fairfax
00
20.6.2011, 22:55

wie funktioniert das dann wenn man zur matura antritt? man ist z.b. in allen fächern positiv, hängt aber in mathe und englisch im modul X fest. kann man dann zu matura antreten, obwohl module fehlen? lässt man die fächer einfach bei der matura weg? oder hängt man dann erst recht noch 1-2 jahre dran, um die restlichen module zu erledigen?

mmaja
 
00
21.6.2011, 16:45
Matura

Nein, Module müssen positiv abgeschlossen werden, um zur Matura antreten zu können. Eine andere Möglichkeit besteht darin, sich das negativ abgeschlossene Modul nicht anrechnen zu lassen, sofern die gesetzliche Mindestanzahl an Modulen (abhängig vom Schulzweig) erreicht ist.
Da man allerdings mehrere Versuche, quasi mehrere Wiederholungsprüfungen hat, sollte es keine Schwierigkeit sein bis zur Matura 5er frei zu sein :)

Sao Tomé
00
21.6.2011, 14:21
vermutlich

wie bisher, wenn man die letzte Klasse nicht bestanden hat

Schurli Schorsch
 
30
20.6.2011, 19:44

könnte die bezeichnug "most" darauf hindeuten, dass es sich bei dieser idee um eine bsoffene geschichte handelt. vll gar um eine schnapsidee???

mmaja
 
00
21.6.2011, 16:47
Nein

Da liegen Sie falsch. Das System ist ebenso durchdacht wie ausgereift. Most ist lediglich die Abkürzung für Modulare Oberstufe.

Carla Sociale
00
17.6.2011, 12:52
Das Reithmanngymnasium hat nicht zufällig den Ruf,

die beste Hauptschule Innsbrucks zu sein.

BlackGin
00
20.6.2011, 19:33
Bitte?!

Wer sind sie, dass sie soetwas behaupten können?

der_gote
10
17.6.2011, 12:48
Der Titel klingt wie aus einen P ... Film

.. können abgearbeitet werden, aber nur wennst gut aussiehst und aufgeschlossen bist .....

leo lander alias mont tatont
00
17.6.2011, 09:35
"Wein- und Edelbrandherstellung in Theorie und Praxis"

damit müßten sich doch die Schwarzen im allgemeinen und die Bauern im Speziellen überzeugen lassen !? Hört sich verdammt gut an, vor allem scheint es als würden persönliche Energien frei gesetzt, eigen Grenzen übersprungen und konsequentes Arbeiten gefördert. Alles Dinge die die Leistungsträgerpartei Österreichs offensichtlich nicht so toll findet.

Klugscheisser, der 3.
13
17.6.2011, 08:15
Warum...

müssen sich die Inititoren dieses guten und richtigen Schrittes wieder einmal gegenüber den 49% einer Meinungsumfrage verteidigen?

Dass wir mehr als 49% Volltrottel in diesem Land haben, merkt man täglich in der Öffentlichkeit, der Auflage der Krone-, U-bahn und Österreichzeitung und dass ist auch das Ergebnis jahrzehntelanger, völlig verfehlter Schulpolitik.

Schön zu sehen auch wieder, dass man bei schlechter Bildungssituation im Volk die Demokratie in Sachfragen komplett vergessen kann.

Wenn man für alles das Volk fragen würde, gäbe es wieder Sitzenbleiber, Freibier zum Frühstück, die Todesstrafe, der Liter Sprit würde 10 Cent kosten und keiner müsste zur Arbeit gehen.

Soviel zur "Mehrheit", dem Homo erectus stupidicus.

AlBundyFan
 
11
17.6.2011, 11:04
es ist schon bezeichnend

daß du das sitzenbleiben auf eine stufe mit freibier zum frühstück stellst oder mit nichtarbeiten müssen.

dies ist nichtmal ansatzweise richtige - das eine ist totaler blödsinn(und auch da wirst du nicht mehr als die hälfte finden, die das gutheisst) und das andere wird uns in 15-20 jahren den untergang unseres landes einleiten.

einfach sooft prüfen bis man irgendwann mal positiv ist.....super; genau das wird dazu führen, daß man dann mehr weiß wenn man die matura hat. genau.

Sao Tomé
00
21.6.2011, 14:23
AlBundyFan

...

Carla Sociale
11
17.6.2011, 08:55
Ich halte Sie eher für "Klugscheißer, der 1."

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