Wiener Initiative: Später Stolz

16. Juni 2011, 21:04

Das Krisenmanagement der EU und Österreichs war besser, als es damals schien

Als der Wiener Kongress 1814 eröffnet wurde, waren die Augen ganz Europas dorthin gerichtet. Als die Wiener Konvention über diplomatische Beziehungen 1961 unterschrieben wurde, war sie zumindest einen Festakt wert. Die "Wiener Initiative" , derzeit als mögliches Modell für eine Lösung der griechischen Schuldenkrise in aller Munde, entstand hingegen völlig unbemerkt.

Im Februar 2009 suchte der damalige Finanzminister Josef Pröll auf einer Reise durch Mittel- und Osteuropa verzweifelt einen Ausweg aus der Krise, die Österreichs Banken in den Abgrund zu reißen drohte. Der Vorstoß wurde vor allem in Deutschland geschmäht - auch der Standard kommentierte kritisch.

Aber bald darauf einigten sich Weltbank, Währungsfonds und die EU-Finanzinstitutionen auf ein großzügiges Hilfspaket. Und dann fanden in Wien jene Gespräche über die Rolle der Banken bei der Stabilisierung der Region statt, die nun als Vorbild dienen sollen. Von einer "Vienna Initiative" sprach man erst Monate später.

Zwei Dinge fallen rückblickend auf: Das Krisenmanagement der EU und Österreichs war besser, als es damals schien - vor allem im Vergleich zu heute. Und die Gefahr eines Finanzkollapses in Osteuropa und in weiterer Folge in Österreich war im Frühjahr 2009 real - auch wenn die Bundesregierung und die Banken dies heftig bestritten. Kein Wunder, dass man erst jetzt auf die "Wiener Initiative" stolz ist. (Eric Frey/DER STANDARD, Printausgabe, 17.6.2011)

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Posting 1 bis 25 von 49
1 2
chambao
00
20.6.2011, 19:21
Weltberühmt in Österreich

Wird diese Lösung eigentlich irgendwo sonst, außerhalb unserer kleinen Welt, auch "Wiener" Weg, Modell oder wie auch immer genannt? Zumindest in FT, Handelsblatt und Zeit konnte ich nicht den geringsten Hinweis auf einen österr. Beitrag bzw. Ursprung zur/der Lösung finder - trotz ausführlicher Berichterstattung.

kontrolliert
00
17.6.2011, 18:47
die Wiener Initiative

http://www.essstoerungshotline.at/aktuelles... gress.html

warum sieht dies nicht Viel versprechend aus!

Frey!
treffen sich zwei Schwangere Blondinen. Meint die Eine: "ich hoffe, es ist nicht von mir!"

karl berger
01
17.6.2011, 16:57
Von einer "Wiener Initiative"

habe ich erst im WSJ gelesen. Hierzulande ist die Meinungsmache zu links und zu provinziell, als dass derartige Initiativen zeitnahe verstanden und kommentiert werden.

Da passt dazu, dass ich von der Österreichischen Schule der Nationalökonomie erst nach meinen Volkswirtschaftsprüfungen (im Rahmen BWL) an der WU erfahren habe: im Zuge eines Auslandsaufenthaltes. Dafür haben wir uns bei Prof. Nowotny umso eingehender mit Keynes beschäftigt.

Protagoras v. Abdera
00
17.6.2011, 12:13
Bei der Raiffeisen haben sicher die Sektkorken geknallt

der schwitzbär der schwitzt sehr
00
17.6.2011, 11:30
1814, 1961 und Februar 2009

Heißa.
Dreimal nun schon hat Österreich die Welt gerettet.
Stolz !
Mir san wieder wer!

Ich fordere die Ernennung von Pepi Pröll zum Papst (Josef der II.)

(der erste Josef hat ja vor 2.000 Jahren die 11-jährige Maria geschwängert, aber das war kein Österreicher ... der schaffte das auch ohne Keller in Amstetten)

sowie die Ergänzung des offiziellen Staatstitels "Republik Österreich" durch den Zusatz "Retterin Europas, Nabel der Welt"

Mika Eskimo
 
04
17.6.2011, 10:35

Rückblickend sollten wir vor allem ein wenig mehr Demut einbringen, bevor wir über die Griechen schimpfen.

Das erste Land das sich die Spekulanten vorknöpfen wollten war immerhin Österreich. Mit mehr Glück als Verstand hat man sich dann von Österreich abgewendet und sich Irland und Griechenland zur Brust genommen.

Mit weniger Glück hätte Österreich die europäische Arschkarte gezogen und genauso viel/wenig Schuld daran gehabt wie jetzt Griechenland bzw. Irland.

stefan1981
10
17.6.2011, 11:17

ganz ehrlich, vielleicht wäre so ein wachrüttler bei uns eh mal nicht schlecht.

dann würden die leute mal sehen wie gut es ihnen in ihrer vollkasko-hängematte des sozialstaats gegangen ist.

man weiß die dinge erst zu schätzen, wenn es sie nichtmehr gibt!

Franzerle
00
17.6.2011, 09:22
too big to fail

schlimm finde ich, daß wegen ein paar hundert mio steuerleistung durch erste/raiffeisen fast ganz österreich pleite gegangen wäre-> mmn völlig irrwitziges risiko!

warum wird jedoch aktuell in der schweiz über "too big to fail" banken diskutiert und in österreich nicht?

her wig
01
17.6.2011, 08:48
Eine österreichische Lösung halt

Wenn wir alle gemeinsam so tun als wäre nichts gewesen, dann glauben es die anderen vllt. und entziehen uns nicht die Kreditwürdigkeit.

santa fe
 
212
16.6.2011, 23:57

die banken retten nicht, die banken haben die krise verursacht und verdienen an ihr, spezifisch an den "rettungsschirmen", "finanzspritzen" und sonstigen abenteuerlichsten umschuldungen und produktionen von luftgeld, das zu realen gewinnen zu machen sie in fast schon magischen ausmassen erlernt haben.

das geld für griechenland z.b. geht nicht an griechenland, sondern an die griechischen banken, und das ist die ursache für den beginnenden aufstand. die banken haben die bevölkerungen weltweit in ihre schuldenfalle gelockt, um an ihnen bzw. den staatshaushalten verdienen zu können.

das BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN für alle

bedeutet die allmähliche rückerstattung der raubgelder an jedes einzelne raubopfer

Schwarz Grün
01
17.6.2011, 17:40
super ...

die banken sind schuld, wenn jemand schulden macht
die zigaretten industrie ist schuld, wenn jemand raucht
die weinbauern und wirte sind schuld am alkoholismus

und das arbeitslose grundeinkommen löst alle probleme

schon mal darüber nachgedacht, dass leute wie du das problem sein könnten?

santa fe
 
02
17.6.2011, 17:55

sie haben insofern recht, als wir selbst dafür verantwortlich sind, dass die finanzindustrie widerstandslos mit uns machen kann, was sie will.

was das BGE betrifft, so ist es keine heilslehre sondern ein weg des gewaltlosen widerstands gegen den machtmissbrauch der finanzindustrie, die ja nicht enteignet sondern organisch sozialisiert und demokratisiert zu werden hat, wenn wir uns von ihr nicht weiter süchtig machen und in ihren überdosierungstod mitnehmen lassen wollen.

sie haben aber wieder insofern recht, als unsere eigene suchtneigung es ermöglicht, dass die süchtigsten herrschen. das ist unsere verantwortung, und deshalb sind es wir, die das ändern müssen.

Kontra
42
17.6.2011, 09:19
Die Banken haben die Krise verursacht...

Das ist eine Legende. Verursacht haben die Krise ausschließlich korrupte Politiker, die die Bevölkerung mit Geld bestechen um wiedergewählt zu werden, mit Geld, dass der Staat nicht hat, sondern nur über Schulden darstellbar waren (und noch immmer sind). Die Bankenkrise hat lediglich als Katalysator gewirkt, da damit die schiefen Staatshaushalte früher sichtbar wurden. Aber diese Krise mit Griechenland etc. käme jedenfalls auf uns zu.

Schwarz Grün
00
17.6.2011, 17:41
und die leute, die jene politiker wählen, ...

die ihnen alles möglich auf pump versprechen ...???

haben die nicht auch ein bisserl schuld?

Kontra
00
18.6.2011, 09:21

Absolut! Ich gehe noch weiter: Wer seine Gewerkschaften zu Lohnabaschlüssen zwingt, die ein Land aus der Wettbewerbsfähigkeit werfen, wie es in Griechenland nachweislich passiert ist, sollte auch verstehen, dass er jetzt zu Recht die Korrektur schmerzlich spürt.

Orjares
00
17.6.2011, 12:18

Das Problem ist doch "too big to fail". Banken sind zu groß und können nicht mehr Pleite gehen, wenn sie Mist bauen.

Natürlich hier sind auch die Politiker gefragt, ordentliche Kartellgesetzgebung zu gestalten. Aber wenn man sich die reale Politik ansieht, sieht man, dass Banken die meiste halblegale Korruption betreiben und Politiker kaufen.

guesman curd
00
17.6.2011, 11:12

es waren wohl eher die banken, die da locker private kredite zu hier nicht vorstellbaren konditionen an die griechische bevölkerung verteilt haben.
vergessens die politik, um geld zu machen gibts viel bessere positionen, und zwar ohne rampenlicht!

santa fe
 
05
17.6.2011, 09:22

sie verwechseln ursache mit wirkung. wer hat die "korrupten politiker" korrumpiert? die finanzindustrie.

Kontra
00
17.6.2011, 10:25

nein, die Wähler!

santa fe
 
00
17.6.2011, 11:33

das ist unrealistisch, tut mir leid.

Kontra
10
17.6.2011, 12:51

Das ist nicht unrealistisch sondern Tatsache: wenn die Wähler Politiker in die Wüste jagen würden, die ihnen auf Pump mehr dies und das versprechen, dann wäre das nicht so. Es es ist aber im Gegenteil so, dass noch immer die gewählt werden, die allen alles versprechen, für die Einlösung werden dann nicht die Steuern sondern die Finanzmärkte bedient, auch wenn die Zinsen bereits nicht mehr zu bezahlen sind.
Daher sind es im Endeffekt die Wähler die die Politiker korrumpieren.

santa fe
 
02
17.6.2011, 15:17

dann verwechseln sie korruption mit populistischem opportunismus.

echte korruption ist das massive sponsern von parteien zum zwecke des lobbyismus durch die finanzindustrie.

Kontra
00
17.6.2011, 16:28

wer sich mit fremden Geld , unberechtigter Weise Vorteile verschafft, handelt in meinen Augen korrupt. Sie mögen Recht haben, es ist ein weiterer Begriff von Korruption. Aber wir streiten hier ja nicht über Worte, sondern über Inhalte. Sie meinen die Banken sind schul ich sage aber es sind nicht die Banken, die machen nur ihr Geschäft, sondern die Politiker, die sich auf Kosten der Zukunft bereichern.
Sicher, auch Banken sollten Pleite gehen können und sicher ist auch, die Zinsen waren bis vor kurzem viel zu niedrig. Dsas hat eine Verlockung dargestellt zuzugreifen.
Aber wer pleite ist, sollte sich auch bei Sonderangeboten zurückhalten können.....

santa fe
 
00
17.6.2011, 16:45

die vormacht der finanzindustrie über die politik wird heute kaum noch bezweifelt. danke für ihre einwände.

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