Das Krisenmanagement der EU und Österreichs war besser, als es damals schien
Als der Wiener Kongress 1814 eröffnet wurde, waren die Augen ganz Europas dorthin gerichtet. Als die Wiener Konvention über diplomatische Beziehungen 1961 unterschrieben wurde, war sie zumindest einen Festakt wert. Die "Wiener Initiative" , derzeit als mögliches Modell für eine Lösung der griechischen Schuldenkrise in aller Munde, entstand hingegen völlig unbemerkt.
Im Februar 2009 suchte der damalige Finanzminister Josef Pröll auf einer Reise durch Mittel- und Osteuropa verzweifelt einen Ausweg aus der Krise, die Österreichs Banken in den Abgrund zu reißen drohte. Der Vorstoß wurde vor allem in Deutschland geschmäht - auch der Standard kommentierte kritisch.
Aber bald darauf einigten sich Weltbank, Währungsfonds und die EU-Finanzinstitutionen auf ein großzügiges Hilfspaket. Und dann fanden in Wien jene Gespräche über die Rolle der Banken bei der Stabilisierung der Region statt, die nun als Vorbild dienen sollen. Von einer "Vienna Initiative" sprach man erst Monate später.
Zwei Dinge fallen rückblickend auf: Das Krisenmanagement der EU und Österreichs war besser, als es damals schien - vor allem im Vergleich zu heute. Und die Gefahr eines Finanzkollapses in Osteuropa und in weiterer Folge in Österreich war im Frühjahr 2009 real - auch wenn die Bundesregierung und die Banken dies heftig bestritten. Kein Wunder, dass man erst jetzt auf die "Wiener Initiative" stolz ist. (Eric Frey/DER STANDARD, Printausgabe, 17.6.2011)