Sinn und Unsinn der "versteckten" Griechenrettung

16. Juni 2011, 18:18

Ökonom Hans-Werner Sinn glaubt, die Rettung durch die Hintertür schädige die EZB

Wien/München/Dublin - Hans-Werner Sinn ist ein streitbarer Ökonom. Der Leiter des renommierten ifo-Instituts in München trommelt seit Wochen gegen eine "versteckte Rettung" Griechenlands durch die Europäische Zentralbank, bzw. das Europäische System der Zentralbanken. Diese Rettung durch die Hintertür schädige die EZB und würde zudem der deutschen Wirtschaft massiv schaden, kritisiert Sinn.

Denn im Zahlungssystem der EZB (Target 2) haben sich in den vergangenen zwei Jahren massive Ungleichgewichte aufgetan. Für Sinn ein Indiz dafür, dass aus dem Verrechnungssystem Target 2 eine Finanzierungsform für periphere Banken geworden ist. So schreibt der Ökonom, dass die Geldinstitute Zusatzgeld erhalten haben, "dass ihre Notenbanken über das Maß hinaus gedruckt haben, das für die eigene, innere Geldversorgung benötigt wurde." Sprich: über Target 2 seien 340 Mrd. Euro zur Stützung des Konsums in die Euro-Peripherie geflossen. Darüber hinaus fürchtet Sinn, dass der deutsche Bankensektor wegen der Target-2-Salden weniger Kredite von der Zentralbank bekommen wird, weil ja das Geld nach Griechenland oder Irland fließt.

Falsche Schlussfolgerungen

Die Zahlen von Sinn stimmen: Doch die Schlussfolgerungen nicht, kritisieren Ökonome und Wirtschaftsmedien wie das Wall Street Journal. Spanien, Portugal, Griechenland und Irland waren per Jahresende 2010 zwar allesamt Target-2-Schuldner, insgesamt im Ausmaß von 340 Mrd. Euro. Doch das bedeute keineswegs, dass die deutsche Wirtschaft darunter zu leiden habe, sagt etwa der Dubliner Ökonomie-Professor Karl Whelan: "Die EZB stellt seit der Krise allen Banken Liquidität zur Verfügung, sofern sie die nötigen Sicherheiten haben. Keiner deutschen Bank wird Geld verweigert, wegen der Liquidität, die griechischen oder anderen Instituten zugewiesen wird."

Zudem sei das Risiko dieser Transaktionen auch gering. Den 340 Milliarden an Defizit in den PIGS-Staaten stehen Sicherheiten gegenüber, die von den Banken geleistet wurden. Gegen diese Sicherheiten (wohl insbesondere die lokalen Staatsanleihen) vergibt die EZB aber jedenfalls nur zu Marktpreisen Liquidität. Notiert eine griechische Anleihe also nur bei 65 Euro, erhält eine griechische Bank auch nur diese Summe als Liquidität, nicht den Nominalwert von 100 Euro.

Whelan geht sogar noch weiter: Der Vorschlag von Sinn, die Möglichkeit von Defiziten und Überschüssen im Zahlungssystem zu verbieten, "würde das Ende der gemeinsamen Währung Euro bedeuten". Denn dann würden Euro-Konten, die in verschiedenen Ländern liegen, ungleich behandelt werden, je nachdem wie hoch der Saldo des jeweiligen Staates in Target 2 ist.

Jürgen Stark, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, hat Sinns Kritik ebenso zurückgewiesen. Einige akademische Autoren würden "ihre Reputation gefährden", schoss der EZB-Ökonom scharf gegen die Kritik. (sulu, DER STANDARD, Printausgabe, 17.6.2011)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 86
1 2 3
irrsinn

der hans-werner würd mit seinen depperten ansichten bei jeder prüfung durchfallen.
diesem neoliberalen wahnsinnigen ist unbedingt das maul zu stopfen.

Natürlich schädigt die Rettung Griechenlands die EZB,

nur wer soll sonst herhalten wenn die Politik versagt
und Griechenland nicht hilft: Um einen Systemzusammenbruch zu vermeiden muß dann die EZB einspringen, notfalls muß Sie sogar Geld drucken und Inflation riskieren, wenn ihr dann der Staat nicht beisteht.

armer sinn, so lässt der schnauder mit ihm umgehen
tz, tz

Der überwiegende Teil der Staatsanleihen wurde von Banken mit Geld gekauft, das nicht durch Einlagen gedeckt ist.
Warum schafft man nicht die einmalige Möglichkeit für die Banken, aus diesem Luftgeschäft auszusteigen, ohne, dass die Verluste eigenkapitalwirksam werden?
Mit einem Schlag wären die Staaten ihre Schulden los und der Schaden für die Banken wäre minimal.

Das Ganze passiert aus einem einzigen Grund nicht: Staatsanleihen sind für Banken die Lizenz zum Gelddrucken. Ohne Risiko werden Zinsen und Risikoaufschläge kassiert. Je instabiler die Situation, desto besser für die Banken. Ein kleines Downgrading beim Rating gefällig? Super, das bringt Cash!

sicher hat er recht

die "sicherheiten" in lokalen staatsanleihen sind doch am ende nichts wert - siehe "ccc" griechenland. das sind die mefo-wechsel unserer tage.

Also...

340 Mrd. Kredite an "periphere" Banken, besichert durch griechische und andere Qualitäts-Staatsanleihen zu vollen - gestützten - Marktpreisen.
Die EZB hat - glaub' ich - 13Mrd. Eigenkapital.
Jetzt ist mir klar, warum die EZB so nervös ist.
Europa ist ein Kartenhaus,
zieh eine Karte 'raus und aus.

Die EZB hat aber die Lizenz zum Gelddrucken

Also, wenn ich die Lizenz zum Gelddrucken hätte, ich würde mit 1 Euro Eigenkapital wie im Paradies leben können. Zahlen tun dann eh alle anderen solidarisch dafür an mich, indem ihr Geld und ihr Vermögen täglich weniger wert wird. Denn ich drucke, und drucke .... ohne Pausen.

Meine einzige Sorge wäre dann, das ich allen Leuten die mein Geld verwenden, ununterbrochen mit Lug und Trug die Sicherheit und den Wert des Papiers vortäuschen müsste, damit sie an den Wert dieses Papiers weiterhin glauben. Für diesen Zweck kaufe ich mir dann alle Politiker und die Medien.

Die Deutschen müssen immer unter irgendetwas oder vielmehr irgendwem leiden.

Scheint eine Volkserkrankung zu sein.

Sinn hat recht

Die gleichrangige Bewertung von Deutschen Anleihen und griechischen Anleihen als Sicherheit für die Banken in den entsprechenden Ländern ist eine eindeutige Verzerrrung.

Da hilft es auch nicht dass die griechischen Anleihen zu Marktpreisen bewertet werden, weil die Markt-Preise wären viel niedriger wenn die EZB nicht eben gerade auch durch T2 eben diese Anleihen und Markpreise stützen würde.

Wenn man von der griechischen Pleite ausgeht

dann sind die so "abgesicherten" Kredite natürlich auch hinfällig. Deshalb ist die EZB ja auch gegen eine Pleite. Und wenn es keine Pleite gibt, dann sind auch diese Kredite völlig in Ordnung und der Sinn redet Unsinn.

Die entscheidene Frage ist, ob wir Griechenland retten können und wollen.

wir sollten uns wohl darauf einstellen, dass es ohne sehr große Schuldenschnitte nicht gehen wird. und dass das für sehr viele Ländern gilt, die hohe Schulden haben. Banken werden fallen und neu aufgebaut. Währungen durch neue ersetzt werden.

Rettung gescheitert, kein Steuergeld für Griechenland!

Wünschenswerte Insolvenz

Wenn Griechenland ab Mitte Juli kein Geld mehr zum Verschwenden und Veruntreuen hat, dann kann das doch nur wünschenswert sein.

Weitere Hilfsgelder sind also unbedingt abzulehnen!
Ebenso alle EU-Subventionen, die in Griechenland traditionell in dunkle Kanäle versickern.

Auch wenn die eine oder andere Bank um ihre Forderungen gegenüber dem griech. Pleitestaat umfällt, ist das nur wünschenswert. Schmälert das doch lediglich die Gewinne, die sie in irgendwelche Steueroasen verschieben.

Und schlussendlich haben wir dann einen Grund, den einen oder anderen verantwortungslosen Politiker zum Teufel zu jagen. Wegen seines grob fahrlässigen Umgangs mit Steuergeldern. Wer den Griechen jetzt noch Geld leiht, gehört hinterfragt.

Village-Magazin berichtete mein Treffen mit irischen Zentralbank

Dies würde die gleiche irischen Zentralbank, deren Ex-Gouverneur, Maurice O'Connell, war ein Mitglied des Vorstands der DEPFA (Deutsche Pfandbriefbank) werden. Auf über 120 Milliarden Euro, die Kosten für die Rettung der HRE / DEPF Abereits die Rechnung für alle irischen Banken zusammen übertroffen:
http://www.irishtimes.com/newspaper... 27333.html

Bitte lesen Sie mein Blog für eine Übersetzung in die Schlagzeilen vom letzten Wochenende überUniCredit Ireland:
http://whistleblower-de.blogspot.com/

Zweifellos wird dies nicht gut zu lesen für Führungskräfte UniCredit/HypoVereinsbank/Bank-Austria sein.

Mit freundlichen Grüßen,
WhistleblowerIRL - UniCredit Bank Irland EX Risikomanager

Es ist eine Sinnkriese!

Grichenland glaubt nicht mehr an die Demokratie.
Das LAnd ist aufgeteilt unter den Parteien und Gewerkschaften. Gleichheit herrscht auch hier nicht. Eine abgehobene Kaste von Politikern, Beamten und Gewerkschaftern steht der Masse der Verlierer hier vor allem der Jugend gegenüber. Seit Ender Diktatur hat das Land von Versprechungen gelebt und nach Einführung des Euro gabs fürs gleiche Geld noch billigere = mehr Kredite. Nutznieser sind ? Erraten...
Und in Österr. siehts ähnlich aus. Eines der reichsten Länder der Erde. Wie heißen den die Profiteure in Österr. "Pensionisten, Alleinerziehende, Kleinunternehemer, Kleinbauern, Arbeiter bei Leasingfirmen !!???. Das Schaudern läuft einem über den Rücken. Einige wenige leben in Österreich ausgespr

In der guten alten Zeit

war alles besser, da bin ich mir ganz sicher!

es ist wohl in fast allen Ländern dieser Erde gleich.
Eine Kaste von Politikern und Wirtschaftstreibenden teilt das Land unter sich auf. Die restliche Bevölkerung wird nur soweit an den Futtertröge gelassen, wie es den eigenen Absichten zuträglich ist.
Wer im Volk nicht mitspielt, wird arbeitslos und dann hat man z.b. in Österreich fast alle Recht verspielt, weil sich die Menschen mit Arbeit gegen die Arbeitslosen stellen.

Auch wenn ich die Kritik nicht vollständig teile, halte auch ich die Politik der EZB in Bezug auf Griechenland für höchst riskant.

Wir brauchen eben eine offene Griechenland-Rettung.

"GR Rettung" -> das klingt so pervers

Professor Un-Sinn

dieser neoliberale Schwätzer, muss zu allem seine Meinung öffentlich kundtun.

Hartz IV, Mindestlohn, Rente mit 69, Erwerbslose, Bankenkrise, Kernkraftwerke, EU, Wirtschaft, Wachstum, Konjunktur, Politiker und nun auch wieder zu Griechenland und dem Euro.

Professor Un-Sinn, eine treffende Karikatur:
http://www.cesifo-group.de/portal/pa... -karik.jpg

Ich finde seine Aussagen schlüssiger als die der Sandsträuer

Trichet, Nowotny, Junker, etc. die allesamt bereits der Falschaussagen und massivsten Fehleinschätzungen überführt wurden.

RICHTIG.

Die Eule der Minerva auf der griechischen Euro Münze ist ein Hohn gegenüber allen freien Bürgern Europas !!

The owls are not what they seem.

Posting 1 bis 25 von 86
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.