Heimische High-Tech-Firmen expandieren im Ausland

16. Juni 2011, 17:36
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AT&S baut ein weiteres Werk in China, Austriamicrosystems zieht es hingegen nach Amerika

Peking/Wien - Mit ihrem neuen HDI-Leiterplattenwerk in Chongqing wird AT&S zum ersten österreichischen Konzern, der mehr als eine Milliarde Euro in China investieren will. "In Dollar berechnet sind wir schon so weit. In Euro werden wir es in wenigen Jahren sein", sagte AT&S Vorstandsvorsitzender und Hauptaktionär Hannes Androsch zum Standard. Gemeinsam mit seinem Vorstand nahm er am Spatenstich für das neue, zweite chinesische Standbein des Großunternehmens nach Schanghai in der südwestchinesischen Metropole am Jangtse-Strom teil.

Anfang 2013 werde das neue Werk mit Phase eins in Produktion gehen. Die Fabrik soll in drei Phasen entwickelt werden, sagte AT&S-Chef Andreas Gerstenmayer. "Wir werden in der Anfangsphase rund 297 Millionen US-Dollar (210 Mio. Euro) investieren."

In Schanghai, wo der erste Spatenstich vor genau zehn Jahren vorgenommen wurde, "hatte ich damals nicht damit gerechnet, wie stürmisch sich der Markt entwickeln würde", sagte Androsch. Heute habe AT&S mit seiner jetzt abschließenden Ausbaustufe rund 700 Mio. Dollar in Schanghai investiert, alle Kapazitäten erschöpft und beschäftige 4700 Arbeiter. In Chongqing, wo viele Standortfaktoren vom Arbeitsmarkt bis zur Stromversorgung günstig sind, werden die Investitionen von AT&S nach dem Endausbau ebenso hoch wie in Schanghai sein.

AT&S beliefere heute acht der zehn größten Mobilfunkhersteller. Als globaler Player mit drei Werken in Österreich sowie Produktionsstätten in Indien und Südkorea müssen "wir als Zulieferer beim Kunden sein. Dort wo die Musik spielt, muss man tanzen." Das Erreichen der Gewinnschwelle wird in Chongqing bereits in zwei bis drei Jahren erwartet. Mit High-End-Leiterplatten beliefert der Konzern vor allem Hersteller von Mobilgeräten (inzwischen auch Apple) und den Bereich Automotive. Beide chinesischen Boombereiche schwächeln im Zuwachs in den vergangenen Monaten. Androsch befürchtet aber weder einen Wachstumseinbruch noch eine harte Landung. "Das Potenzial des chinesischen Marktes hat sich nicht verändert."

Steirer kaufen US-Werk

In die USA zieht es den Mikroelektronik- und Halbleiterhersteller Austriamicrosystems (AMS). Das steirische Unternehmen übernimmt den US-Lichtsensorhersteller Texas Advanced Optoelectronic Solutions, Inc. zu 100 Prozent. Der Kaufpreis beläuft sich auf 320 Mio. Dollar und werde zu rund 50 Prozent in Cash bezahlt und zu rund 50 Prozent über neugeschaffene AMS-Aktien gegen Sacheinlage von Taos-Anteilen, heißt es. Zu den Kunden von Taos gehören Hersteller von Smartphones. 2010 verdoppelte das US-Unternehmen seinen Umsatz von 40 auf 81 Mio. Euro. (erl, APA, DER STANDARD, Printausgabe, 17.6.2011)

  • Leiterplatten sind gefragt. Der österreichische Hersteller AT&S 
expandiert daher in China und baut dort sein zweites Werk.
    foto: at&s

    Leiterplatten sind gefragt. Der österreichische Hersteller AT&S expandiert daher in China und baut dort sein zweites Werk.

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