2. Gratis-Kindergartenjahr

Länder fordern Finanzierung durch den Bund

16. Juni 2011, 15:24

Zustimmung der Länder, aber: Ohne Unterstützung des Bundes "in keinem Fall"

Wien - Die Bundesländer stehen dem Vorschlag von Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP), ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr für jene Kinder, die nicht ausreichend gut Deutsch sprechen, einzuführen, grundsätzlich positiv gegenüber. Dies sollte allerdings nur kommen, wenn der Bund die Kosten übernimmt, lautete der einhellige Tenor am Donnerstag. Kurz hatte am Mittwoch mit der Idee aufhorchen lassen, die Finanzierung ließ er aber offen.

Salzburg

Eine offene Tür hat Kurz bei Salzburgs Landesrätin Tina Wimann (ÖVP) eingerannt, die sowohl für Kinderbetreuung als auch Integration zuständig ist: "Ich habe einen innerlichen Jubelschrei gemacht", sagte sie zur APA, denn in ihrem Integrationspaket, das sie Ende Juni präsentieren wird, sei der Vorschlag ähnlichlautend auch enthalten. Allerdings will sie die intensive Sprachförderung nur an drei Tagen pro Woche kostenlos anbieten und außerdem auch inländische Kinder mit sprachlichen Defiziten inkludieren. Ansonsten wäre es schwer erklärbar und auch ungerecht, wenn nur Kinder mit Migrationshintergrund einen kostenlosen Platz bekämen - möglicherweise wäre das sogar verfassungswidrig, so Widmann. Salzburg habe im kommenden Jahr rund 200.000 Euro für frühkindliche Sprachförderung zur Verfügung, ein Teil davon könnte auch für dieses Kindergarten-Projekt verwendet werden, "aber ohne Unterstützung des Bundes wird es auf keinen Fall gehen".

Kärnten

Ein Vorbereitungsjahr für Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache wäre begrüßenswert, so der Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK). Es könne aber nicht sein, dass für die Kosten die Länder aufkommen müssen. "Dafür muss dann schon der Bund den finanziellen Aufwand zur Gänze tragen", betonte Dörfler in einer Aussendung. Er geht davon aus, dass das Problem sprachliche Integration von Kindern im vorschulischen Alter in erster Linie die Bundeshauptstadt betrifft. In Wien hätten 46 Prozent der Kindergarten-Kinder nichtdeutsche Muttersprache, in Kärnten seien es nur 10,7 Prozent, so Dörfler.

Oberösterreich

Die oberösterreichische Bildungslandesrätin Doris Hummer (ÖVP) begrüßt den Vorschlag. Das bestehende verpflichtende beitragsfreie Kindergarten-Jahr sei ein Meilenstein, Experten würden aber für einen mindestens zweijährigen Besuch plädieren. Bei der Finanzierung will sie den Bund in die Pflicht nehmen. Dieser sei aufgefordert, sich an den Kosten zu beteiligen, so Hummer. Dem pflichtete auch Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) in einer Aussendung bei. Für ihn steht fest, dass es "dazu auch Bundesgeld geben muss".

Wien

Im Büro des zuständigen Wiener Stadtrats Christian Oxonitsch (SPÖ) ist man "diskussionsbereit", wie eine Sprecherin betonte. Neue Bildungsmöglichkeiten für Kinder seien immer zu begrüßen, hieß es. Sinnvoll wäre es jedoch, sich zunächst anzuschauen, wie das bereits eingeführte verpflichtende Jahr gelaufen sei. Und: Die Befristung - derzeit drei Jahre - müsse im Falle eines weiteren verpflichtenden Gratis-Jahres abgeschafft werden: "Wir wollen nicht wieder etwas Neues einführen, das wieder nur befristet ist." In Wien ist der Kindergarten derzeit für alle Altersgruppen gratis, also nicht nur das verpflichtende Jahr. Für dieses erhält die Stadt derzeit jährlich 14 Mio. Euro. Die Jahre davor werden derzeit ausschließlich von der Stadt finanziert. Aus dem Wiener Rathaus kommt jedoch auch die Empfehlung in Richtung Bund, über ein Vorschuljahr nachzudenken - also das letzte Kindergartenjahr in ein solches umzuwandeln. Wien hat sich bereits wiederholt für die Schaffung eines Vorschuljahrs ausgesprochen.

Steiermark

Die Richtig- und Wichtigkeit des Gratis-Kindergartens als Teil des elementares Bildungsangebotes habe die Steiermark mit dem - mittlerweile aus Budgetgründen wieder abgeschafften - Gratiskindergarten für alle demonstriert, so die steirische Finanzreferentin Bettina Vollath (SPÖ). Der Vorschlag von Kurz sei zu begrüßen, jedenfalls aber auf alle Kinder auszuweiten. "Allerdings muss die Finanzierung neu diskutiert werden. Die Maßnahme kann nicht zulasten der Länder und Gemeinden gehen."

Burgenland

Im Burgenland ist ein verpflichtender zweijähriger Kindergartenbesuch "de facto nicht relevant", da die Betreuungsquote bei den Drei- bis Fünfjährigen bei 99,5 Prozent liege, erklärte Landesrätin und Kindergartenreferentin Michaela Resetar (ÖVP). "Derzeit werden über 280 Kinder, die aufgrund einer Sprachstandsfeststellung im Mai Sprachdefizite aufweisen und im Schuljahr 2012/13 in die Volksschule eintreten, in den Kinderbetreuungseinrichtung sprachlich in der Unterrichtssprache Deutsch gefördert, um ihnen einen erfolgreichen Schulstart zu ermöglichen", so Resetar.

Vorarlberg

In Vorarlberg ist die Kindergartenpflicht für Vierjährige mit Sprachdefiziten nach Angaben des zuständigen Landesrats Siegi Stemer (ÖVP) bereits Realität. Bei einer Kindergartenbesuchsquote der Vierjährigen von etwa 99 Prozent müssen jene, die bei keinem Kindergarten angemeldet sind, einen Sprachtest absolvieren. Wird Förderbedarf festgestellt, werden die betroffenen Kinder zum Besuch des Halbtages-Kindergartens verpflichtet. Die Kosten dafür - laut Stemer liegt die Kindergartengebühr in Vorarlberg im Durchschnitt bei 25 Euro pro Monat - tragen die Eltern. Das zweite verpflichtende Gratis-Kindergartenjahr kann sich Stemer deshalb sehr gut vorstellen, klar sei aber auch: "Wenn der Bund eine Verpflichtung ausspricht, dann muss er auch die entsprechenden Mittel zur Verfügung stellen". Und eine solche Finanzierung solle "bitte nicht nur für zwei, drei Jahre" gesichert sein, sondern langfristig. Zur Umsetzung der Kindergartenpflicht für Fünfjährige erhält Vorarlberg laut Stemer etwa 770.000 Euro pro Jahr.

Tirol

Tirols Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) begrüßt den Vorstoß. In Tirol sei diese Forderung aber ohnedies bereits vor zwei Jahren umgesetzt worden. Derzeit besuchten 97,6 Prozent der Fünfjährigen und 97,1 Prozent der Vierjährigen einen Kindergarten. "Eine finanzielle Unterstützung durch den Bund wäre selbstverständlich willkommen". Gleichzeitig beklagt die Bildungslandesrätin die Einstellung der Bundesunterstützung für die Sprachförderung in den Kindergärten ab 2011. Tirol müsse aus diesem Grund ab heuer jährlich 400.000 Euro dafür aufwenden. "Hier spart der Bund am falschen Platz", argumentierte Palfrader.

Niederösterreich

Kurz' Vorschlag für ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr für Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen sei in Niederösterreich "momentan eigentlich kein Thema, weil wir die Kinder in diesem Alter bereits zu 100 Prozent im Kindergarten haben wegen des Gratis-Vormittagsbesuchs", hieß es aus dem Büro von Landesrätin Barbara Schwarz (ÖVP). Allerdings sei natürlich jede Initiative zur Sprachförderung zu begrüßen. Ob auch Bereitschaft zur Finanzierung vorhanden ist, wurde offengelassen: Die Idee sei auf Bundesebene "noch sehr unausgegoren" und man müsse sich das genauer anschauen, wenn Finanzierungsmodelle vorgelegt würden, hieß es. (APA)

ente52
 
10
17.6.2011, 21:13
denk grad nach

bund = 9 länder...9 länder = bund..wer ist der bund? ....wer sind die 9 länder???
wer zahlt in wirklichkeit?...wir sind nicht ihr...und ihr seid nicht wir... identitätsprobleme? ja, zu allem aber zahlen soll wer anderer? wer sind die anderen? sind die eh net wir? ... vielleicht zahlt eh die EU.... aber sind wir die net auch...irgendwie?.... uiii hauptsach wir können uns vor allem schrauben ...oder besser schraufen?... simma net alle die welt?... griechenland amputier ma halt... uii dann kömma nimmer grad gehen... wurscht!! wir san wir!!!

didi111
10
17.6.2011, 08:57
Die Länder fordern...

WAS sonst?

Und denkende Menschen fordern:

WEG mit den Ländern, die braucht kein Schwein...

Denker9
03
16.6.2011, 15:50

Schön und gut, was sich die Politiker ausschnapsen! Aber woher nimmt man die KindergartenpädagogInnen, die für eine ordentliche Betreuung notwenig wären?

Bildung Zukunft
01
16.6.2011, 23:29

Und wer denkt daran, die Dipl. KindergartenpädagogInnen für ihre Arbeit ordentlich zu entlohnen?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.