Gewerkschaft wettert

Freifahrt-Plan ist "Loser-Geschäft" für alle

16. Juni 2011, 14:51

Die angekündigte höhere Besteuerung der umstrittenen Freifahrten für ÖBB-Mitarbeiter sorgt für Unmut in der Gewerkschaft

Wien - Der oberste Eisenbahngewerkschafter Wilhelm Haberzettl bebt: Die via Zeitung von ÖBB-Chef Christian Kern angekündigte höhere Besteuerung der umstrittenen Freifahrten für ÖBB-Mitarbeiter, -Pensionisten und -Angehörige sei ein "Loser-Geschäft" für alle Beteiligten. "Da wird niemand Gewinner sein, weder die Finanzministerin noch der Personenverkehr", sagte Haberzettl am Donnerstagnachmittag. Er stößt sich vor allem an der Kommunikation seitens der ÖBB-Holding. Überhaupt ist das Klima zwischen Bahnmanagement und Belegschaftsvertretung derzeit äußerst unterkühlt. Bei den laufenden Gehaltsverhandlungen steuert man laut Haberzettl auf einen veritablen Konflikt zu.

Im April habe der ÖBB-Holding-Vorstand zu den Freifahrten einen "dummen Beschluss in Unkenntnis der Sachlage gefasst", wetterte Haberzettl. Damals habe es geheißen, die kilometerbezogene Abrechnung komme nicht - "jetzt kommt sie doch", aber "leider" erst ab 1. Jänner 2012. Denn, so der Gewerkschafter, "Pauschalierungen sind immer ungerecht für die, die wenig fahren und ein Vorteil für die, die viel fahren."

Der Steuerkonflikt um die Gratisfahrten dauere schon seit dem Jahr 2005 an, der erste Beschluss sei 2006 ausgestellt worden. "Seit 2009 arbeiten wir an der Umsetzung." Von daher sei die nunmehrige Lösung nicht der alleinige Verdienst von Kern, der ja erst seit einem Jahr im Amt ist.

Unerträglich

Generell gehe es im Personalbereich der ÖBB-Holding "drunter und drüber", für Haberzettl ist der Zustand "beinahe unerträglich". Was den Arbeitnehmervertreter besonders stört: "Die Kommunikation der ÖBB ist überhaupt nicht vorhanden."

Erst heute sei er darüber informiert worden, dass die Bahn ein Call Center eingerichtet habe und der Auftrag erteilt worden sei, alle Anrufe, die nicht behandelt werden können, an die Gewerkschaft weiterzuleiten. "Das ist eine Frechheit", befindet Haberzettl. Eigentlich sei ausgemacht gewesen, dass die Neuerungen bezüglich Freifahrten gemeinsam von Betriebsrat und Management kommuniziert werden.

Jetzt herrsche "enorme Unruhe" bei den Betroffenen. Vor allem die "gemurkste Übergangslösung" 2011 "verunsichert die Leute." Ob er damit rechnet, dass tausende ÖBB-Pensionisten ihre Freifahrtkarten zurückgeben werden? "In der jetzigen Stimmungslage ja." Und davon habe niemand etwas, weder der Fiskus noch der ÖBB-Personenverkehr, der derzeit rund 6 Mio. Euro für Pauschalabgeltung bekomme. Wenn viele Freifahrtkarten zurückgegeben werden, werde sich dieser Betrag entsprechend reduzieren. "Und die Eisenbahner werden frustriert sein."

Frostiges Klima

Frustig bzw. frostig ist das Klima zwischen Management und Gewerkschaft auch wegen der vor rund sechs Wochen begonnenen Gehaltsverhandlungen. Nächste Woche steht bereits die fünfte Runde an. Und laut Haberzettl "steuern wir auf einen Konflikt zu." Denn die Gewerkschaft will heuer "sicher nicht" unter der Inflationsrate abschließen und verlangt Gehaltserhöhung für alle Eisenbahner. Das Problem aus Sicht des Betriebsrats: "Kern glaubt, wir kommen ihm so entgegen wie im Vorjahr." Damals hat man sich auf einen moderaten Lohnabschluss mit teilweiser Nulllohnrunde für Besserverdiener geeinigt. Noch einmal kommt dies für Haberzettl nicht infrage: Angesichts der "enormen" Kosten für Managerabfertigungen und Beraterverträge sowie hoher Bonuszahlungen sei man "nicht bereit", erneut derartige Abstriche zu machen.

Haberzettl jedenfalls stellt Kern die Rute ins Fenster: "Nächste Woche wird sich entscheiden, ob der Konflikt eskaliert oder ob es zu einem Abschluss kommt." Für den Fall, dass man sich nicht einigt, würden jetzt schon Betriebsversammlungen terminisiert. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 64
1 2
revisor69
 
01
19.6.2011, 11:07
GRATIS-FAHRT für ALLE!!!

Der Bund zahlt die wenigen Mio. Mehrkosten und wir alle können die Bundesbahn benützen. Das wäre betriebswirtschaftlich und volkswirtschaftlich viel sinnvoller und würde einen echten Nutzen für die Bevölkerung bringen!

PS: Kern darf dann auch seinen Mercedes E abgeben! Er soll auch mit dem Zug fahren, damit er merkt, wie schlecht der Service ist.

Wolfi Krawattl
04
17.6.2011, 11:34
ÖBB neu!

Die Konsentration der ÖBB liegt an der Autovermietung, Geschäftszentren statt Bahnhöfen und Strecken zusperren! So und jetzt werden ÖBB-Pensionisten die derzeit 60 Euro im Jahr für den öffentlichen Verkehr bezahlen ob sie ihn in Anspruch nehmen oder nicht noch gesagt das sie dieses Zuckerl in Zukunft zu 100% versteuern müssen aber nicht die 60 Euro sondern die einer Österreich Card die sich kein normaler Österreicher leistet(ca.2000 Euro). Danke ans Finanzministerium ihr werdet durch eure Milchmädchenrechnungen keine Steuern bekommen denn die ÖBB Pensionisten werden sich in Zukunft sogar die 60Euro sparen!

Wolfi Krawattl
00
17.6.2011, 11:55
Bei 70000 Pensionisten ...

sind das 4.200.000,- Euro jährlich.

123456802
22
16.6.2011, 18:43
trotz sinnlosem öbbashing hier

nochmal ein versuch:

was stören mich als nicht-eisenbahner pensionisten, die ein ressourcensparsames öffentliches verkehrsmittel kostengünstig verwenden möchten?

JETZT wird fast der geschlossenen pensionierten belegschaft ein bestimmter betrag der pension einbehalten - man könnte sagen ein SOLIDARBEITRAG
BALD hat es sich damit, weil ein gewisser Kuckacka aus welcher infantilität auch immer das abschaffen ließ. dh muss nun für die verschlechterung schriftlich informiert & (gezielt) angesucht werden, womit sich weniger dafür entscheiden & im endeffekt weniger Geld beim Finanzministerium bleibt!

seh schwarz für die zukunft dieses landes - bei soviel ungustln bleiben wir letztlich alle auf der strecke!

(gäbe viele wichtigere öbb-probleme!)

Gemma Preciosa Balanzoni di Palermo
00
17.6.2011, 10:16

"gäbe viele wichtigere öbb-probleme!"

Ja.

Dennoch glaube ich nicht, dass es vernünftige Gründe gibt, das EStG für ÖBB-MA zu beugen.
Und ich glaube auch nicht, dass es sich die ÖBB leisten *darf*, diese Steuerschuld für ihre MA zu übernehmen.

Die anderen Baustellen der ÖBB kann man ja dennoch/auch/trotzdem bearbeiten...

why_so_puddi?
41
16.6.2011, 23:23

30 Jahre auf meinem A... sitzen, mit 51 in Pension gehen und dafür darf ich (und meine Familie) auch noch auf Kosten der Steuerzahler gratis in der Weltgeschichte rumgondeln.

Wo ist da nur das Problem?

Schimmelwange
13
17.6.2011, 10:51

Wurde ihnen ihr Gehirn amputiert, oder plappern sie einfach was nach?
Warum zum Kuckuck glauben sie, dass alle ÖBBler auf ihren Hintern hocken?
Ich würde sie Hirnederl gern mal zum Verschub einladen, da würde das Gesicht bald einschlafen!

why_so_puddi?
10
17.6.2011, 14:34
Wurde ihnen ihr Gehirn amputiert?

Taschenkalender
12
17.6.2011, 00:15
das Problem

liegt in ihrer beschränkten Sichtweise der Dinge..aber dazu müsste man mal was anderes als die Krone lesen..

why_so_puddi?
20
17.6.2011, 14:35
Das einzig Beschränkte hier

ist die Leistung der ÖBB'ler

amPunkt
20
17.6.2011, 07:14
42.000 Aktiven stehen über 70.000 Pensionisten gegenüber!

kaum 2 Mrd Umsatz, aber über 6 Mrd Zuschuss, jährlich, seit Kaisers Zeiten!

Seht auch in der Krone, manchmal.

Viele Eisenbahner sind länger in Pensi als sie aktiv waren.

Wolfi Krawattl
01
17.6.2011, 11:40
Zuschuss?

Wenn wir alle die Dinge so sehen würden wie sie dann wären alle Strassen die reinsten Schuldenmacher (ein zig mal höherer Zuschuss als bei der Bahn jährlich)und müssten alle geschlossen werden oder noch besser wir privatisieren die Strasse damit das Werkerl läuft! Wir stellen in Aussicht bessere Strassen durch Privatisierung und besseren Ausbau! Na was ist los machen wir das !

amPunkt
20
17.6.2011, 12:13
Es geht hier aber um die Privilegien der Eisenbahner

und das Missverhältnis zwischen Aufwand und Ergebnis!

Und was ist nun mit dem Zuschuss? Ein Unternehmen, dass jährlich derartige Summen Zuschuss braucht und dabei kaum einen operativen Umsatz zusammenbringt gehört längst privatisiert oder eliminiert. Zusätzlich noch ca. 22 Mrd € Schulden anhäufen ist die größte Chuzpe!

Dei AUA haben wir ja nur mit einer Abfindung (Morgengabe) von 500 Mio € verkaufen können, die ÖBB würden wir nicht mal mit 30 Mrd € anbringen können.

Das Werkerl ÖBB läuft nicht, es wird in der Intensivstation am Leben erhalten, Haberzettel und SPÖ sei Dank!

revisor69
 
02
19.6.2011, 11:14
ÖBB-Schulden

Wer hat diese beschlossen und in Kauf genommen?

Antwort: Die Bundesregierung.

Wieso sind es (indirekte) ÖBB- und (direkten) keine Staatsschulden?

Antwort: Es wollte ein blütenweißer Finanzminister ein scheinbares 0-Defizit produzieren, welches nach Eurostat keines ist. Diese Schulden sind eindeutig Staatsschulden.

fredi 1990
01
17.6.2011, 16:59
da hatte aber schon wer seine schwarzen finger drinnen!

amPunkt
00
17.6.2011, 17:57
... und wos woar jetzt dei Leischtung?

Briefträger
23
16.6.2011, 18:43

Zitat: "......Was den Arbeitnehmervertreter besonders stört: "Die Kommunikation der ÖBB ist überhaupt nicht vorhanden......"

Naj Herr Haberzettel, früher war es halt so, dass die Arbeitnehmervertretung vorher gefragt wurde: "dürfen wir das machen?". Heute ist, für mich der richtige Weg, es einfach so, dass gemacht wird und die Arbeitnehmervertretung muss halt darauf regagieren.

Die Zeiten in denen die Unternehmen von den Arbeitnehmervertretungen geführt wurden gehen jetzt hoffentlich, endlich zu ende.

Es gibt auch viele nicht ÖBB-Pensionisten, die keine Sozialleistungen erhalten und auch Steuern zahlen müssen.

angelo6
02
16.6.2011, 21:53
gilt das auch für die Beamten im öffentlichen Bereich?

Bei den Lehrern gibt nach wie vor Oberlehrer Neugebauer den Ton an. Die Politik tanzt danach und eine vernünftige Bildungspoltik bleibt auf der Strecke.

Der junge Jim Kirk
44
16.6.2011, 17:56

"Und die Eisenbahner werden frustriert sein."
na geh die armen sind frustiert wenns steuer bezahlen müssen, hallo haberzettel, die zahl ich auch und frustriert sein ist beim FA kein argument ob ich die zu bezahlen hab oder nicht.

123456802
31
16.6.2011, 18:27
sry

unabsichtl. "brill". gegeben.
es ist nämlich so, dass iM fast jeder pens. eisenbahn 7,-/ Monat einzahlt - dieser betrag wurde bereits wegen dem beschluß von 2006 erhöht.
die jetzige änderung wird mit sicherheit dazu führen, dass viele eisenbahner in zukunft auf dieses "angebot" verzichten werden und damit netto wengier übrigbleibt.
bin selber keiner, aber finde das nur mehr eine frechheit, wie destruktiv hier vorgegangen wird. um was geht es denn bitteschön bei den paar pensionisten?
übrigens wurden durch einführung der freifahrt" (wie gesagt wird monatl. dafür gezahlt) an den kassen etliche kassiere eingespart, was damals ein paar mill. ATS gespart hat - in zukunft werden vermutl. die automaten durch hilflose senioren blockiert. spitze!

Gemma Preciosa Balanzoni di Palermo
05
16.6.2011, 17:56

Gleiches Steuerrecht für Alle ist schon ein Gewinn, selbst wenn nicht mehr Steuern fließen.

Pro Freistaat Kärnten!
 
23
16.6.2011, 17:37
Oho! Was für eine Drohung!

Tausende Pensionisten werden ihre Freifahrtkarten zurückgeben!

Dilbert
11
16.6.2011, 18:19

Dann fehlen dem Personenverkehr 6 Mio Euro Einnahmen im Jahr.

^gutmensch
52
16.6.2011, 17:26
DURCHSCHNITTS-Pensionsantrittsalter ÖBB 51 Jahre

^gutmensch
02
16.6.2011, 17:23
Freifahrt-Plan ist "Loser-Geschäft" für alle!

Na dann, weg damit!

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