Jahresbericht über "Schwarze Menschen"

Afrikanische SchülerInnen "hinken hinterher"

Rosa Winkler-Hermaden, 16. Juni 2011, 15:03
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    foto: standard/corn

    Im Schuljahr 2009/2010 hatten 1.913 SchülerInnen in Österreich eine afrikanische Staatsbürgerschaft.

"Eine-Welt-Stipendienprogramm" des Afro-Asiatischen Instituts wird im Herbst 2011 eingestellt

"Es gibt kaum Untersuchungen über Schwarze im Bildungssystem", sagte Clara Akinyosoye bei der Präsentation des Jahresberichts über "Schwarze Menschen in Österreich". Sie ist die Chefredakteurin des Berichts, dessen Schwerpunkt heuer - nachdem schon 2010 ein entsprechender Bericht präsentiert wurde - im Bereich Bildung lag. Die Black Community in Österreich stellte sich die Frage, wieviele SchülerInnen und StudentInnen es in Österreich gibt, die afrikanische Wurzeln haben und mit welchen Vorurteilen sie konfrontiert werden. "Wir sind Menschen, die nicht zum öffentlichen Bild Österreichs passen, aber wir sind Teil des Landes", so Akinyosoye.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Im Schuljahr 2009/2010 hatten 1.913 SchülerInnen in Österreich eine afrikanische Staatsbürgerschaft. Die meisten Kinder besuchten eine Volksschule (39 Prozent), gefolgt von Hauptschulen (26 Prozent), AHS (12 Prozent) und Sonderschulen (3 Prozent).
  • Im Vergleich zu österreischischen SchülerInnen "hinken SchülerInnen mit afrikanischer Staatsangehörigkeit hinterher", wie im Bericht angeführt wird. Als Beispiel werden die AHS genannt. Im Vergleich zu den AfrikanerInnen besuchen 18 Prozent der ÖsterreicherInnen ein Gymnasium.
  • Die meisten afrikanischen SchülerInnen kommen aus Ägypten (590), Nigeria (242) und Somalia (192). Gerade bei somalischen SchülerInnen zeigen sich Defizite. So besuchen nur zwei Prozent ein Gymnasium.
  • Im Studienjahr 2009/2010 gab es 699 Studierende mit afrikanischer Staatsbürgerschaft - eine laut Bericht im Vergleich zur ersten Hälfte der 1990er-Jahre sehr geringe Zahl. Die meisten kamen aus Ägypten (156), Nigeria (82) und Äthiopien (61).

Die Autoren des Jahresberichts befürchten einen weiteren Rückgang afrikanischer Studierender. "Für StudentInnen, sie aus afrikanischen Ländern kommen, wird es künftig schwieriger werden in Österreich ein Studium zu absolvieren", sagte Akinyosoye. Das "Eine-Welt-Stipendienprogramm" des Afro-Asiatischen Instituts wird im Herbst 2011 eingestellt. Es ermöglichte bisher vielen AfrikanerInnen, zum Studieren nach Österreich zu kommen. 

Schulbücher neu auflegen

Simon Inou, Herausgeber des Jahresberichts, kritisierte das Afrikabild in den Schulbüchern. Es sei von Einseitigkeit und negativen Stereotypen geprägt. Kriege und wirtschaftliche Probleme würden im Vordergrund stehen. "Was in Schulbüchern zu lesen ist, ist nicht zeitgemäß, ist rassistisch", bezog er sich auch auf eine Studie aus 2005/06 über Geschichte- und Geographiebücher, die noch heute aktuell ist. Inou fordert eine Überarbeitung und Neuauflage der Schulbücher. 

Gefordert werden seitens der InitiatorInnen außerdem mehr Untersuchungen und Studien über AfrikanerInnen im Bildungssystem. Wie ist die Situation von Kindern? Brauchen sie eine spezielle Förderung oder nicht? "Die Politik muss zeigen, dass es Interesse für diese Migrantengruppe gibt", sagte Akinyosoye.

Beatrice Achaleke, ebenfalls Herausgeberin des Berichts, wünscht sich zudem, dass es mehr schwarze LehrerInnen geben soll. Derzeit ist dazu überhaupt kein Zahlenmaterial vorhanden.

Afrikanische Schule

Inou geht im Bericht noch einen Schritt weiter. Er kann sich die Gründung einer eigenen afrikanischen Schule vorstellen: "Während es französische, japanische, chinesische, jüdische, muslimische Schulen etc. gibt, existieren keine afrikanischen Schulen." (rwh, derStandard.at, 16.6.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 277
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oida
01
27.6.2011, 00:50

jetzt hab ich g'rad den reality check in einem aktuellen geschichtsbuch gemacht und bin über das ergebnis so erschrocken, wie vielleicht auch die liebe zensi dieses mediums.
tut mir leid, ich hab' den inhalt dieses geschichtsbuches nicht erfunden. man kann nur auf bewusste lehrer hoffen, die - so wie in meinem fall - mich ein referat machen ließen und - wenn schon nicht geschichte - so zumindest aktuelle artikel als grundlage verteilten.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
24
24.6.2011, 08:51
das Afrikabild in den Schulbüchern. Es sei von Einseitigkeit und negativen Stereotypen geprägt. Kriege und wirtschaftliche Probleme würden im Vordergrund stehen

Der Mann benötigt dringends einen reality check.

armin delmenhorst
 
00
22.7.2011, 10:42
"negative Stereotypen" mag sein, kommt aber

darauf an, was man darunter versteht. Zudem überwiegt ja - aus unterschiedlichen Gründen- das Elend auf diesem Kontinent. Ansonsten wären sie ja nicht bei uns, oder?

oida
00
27.6.2011, 00:24
gut, ich hab' den reality check in einem aktuellen geschichtsbuch (rohr/gutschner 2009) für bhs gemacht.

das thema "afrika" kommt hier vor im modul 11: imperialismus und 1. wk. darin gibt es zwei afrika karten: 1843 gebietserwerb und 1900 kolonialaufteilung.
danach cecil rhodes und die lösung des armutsproblems in england
dann noch in den materialien c.4: geschichte afrikas in umrissen, mit erwähnung nubien, interne wanderbewegungen, benin mit wohlstand, einfluss der suaheli und das reich der shona, ebenfalls mit wohlstand.
der sklavenhandel wird als interne gegebenheit vor allem mit arabien lang und breit erklärt. die europäer hätten ihn positiv belebt.

und das war's! nicht einmal der übliche armutssermon ist zu lesen.

ich teile die auffassung: es gibt kein afrikabild und würde mich freuen, wenn es aus afrika selbst kommt.

emma goldman
11
24.6.2011, 16:42

Er meint natürlich historisch.
Man hört in der Schule ja wirklich gar nichts.
Von den Songhais von Timbuktu, den Minnesängern der Griots, den Suahelistadtstaaten, den Amazonen von Dahomey nix hört man.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
04
24.6.2011, 23:26
Von den großen blutigen Kriegen der Vorkolonialzeit

hört man auch nix.

strangerinastrangeland
 
03

Und schon gar nicht von den arabischen Sklavenhändlern und ihren islamifizierten lokalen Schergen, die für den Sklavenhandel auf der Anbieterseite und den Transport an die Küste veranwortlich sind.

Oder gar, dass die angebotenen Sklaven die besiegten Feinde innerafrikanischer Konflikte sind, die von ihren siegreichen Gegner an die Araber verkauft wurden...

zebrafuss
00
26.6.2011, 23:46

ich meine diese jahrhundertelange "eroberung" mit zuerst ausrottung (indios in la) und dann auch verschleppung von großen völkeranteilen in die ganze welt (afrika) hat europa und seiner größten kolonie amerika ein erbe der kultur und intelligenz-zerstörung aufgebürdet, das eine seltsame einheit im tabu und euphemismus produziert hat.

die eroberungen, etwa im königreich mali und auch ständige, und zum teil auch um des heiligen frieden willens ritualisierte stammeskriege, hat es wirklich immer gegeben.

aber sie werden wohl nicht behaupten wollen, die europäer hätten die länder afrikas seit mitte des 19. jahrhunderts "befriedet" oder man hätte ihnen den fortschritt gebracht?

emma goldman
00
25.6.2011, 17:55

wie die schwedengülle

LGM
00
25.6.2011, 18:13

von der hab ich auch noch nie gehört. Was ist/war das?

Dr. Lari and Mr. Fari
 
01
26.6.2011, 11:44
Lies einmal Johann Jakob von Grimmelshausen

"Simplizius Simplizissimus".

LGM
00
26.6.2011, 16:45

Ah, der schwedische Trunk. Danke für den Hinweis

janus666
09
22.6.2011, 22:08
Warum stellt man eigentlich immer fest,

Dass afrikanische Schüler/Einwanderer stark hinterherhinken und zückt anschließend ständig die Rassismuskarte? Gleiches müsste ja dann auch für asiatische Kinder gelten, aber die hängen uns schon in deren Heimatländern locker ab.
http://www.spiegel.de/schulspie... 75,00.html
Aber es ist praktisch, die Schuld immer wo anders zu suchen und das Totschlagargument Rassismus kommt immer gut.

emma goldman
00
29.7.2011, 18:47

"Warum stellt man eigentlich immer fest,
Dass afrikanische Schüler/Einwanderer stark hinterherhinken"

Das stellt ja gar keiner fest. Die Studienautoren haben einfach die ganzen jugendlichen die ohne deutschkenntnisse allein nach österreich gekommen sind in die statistik miteinbezogen. Hab dort nachgefragt. Schüler die an der Vhs ihren hauptschulabschluss nachholen werden als reguläre schüler geführt. Auf einige hundert Jugendliche alleinreisende Asylsuchende aus Afrika trifft das zu.

< silence >
00
28.7.2011, 15:48
nicht nur hier

an den amerikanischen Eliteunis sieht man extrem viele Asiaten!!

Dr. Lari and Mr. Fari
 
07
24.6.2011, 10:28
Du wirst uns da doch mit Logik kommen wollen?!

Da wird ZARA gleich wieder die Rassismuskeule auspacken.

janus666
00
22.6.2011, 22:05
Warum stellt man eigentlich immer fest,

strangerinastrangeland
 
17
22.6.2011, 20:09

Von asiatischen SchülerInnen hat nirgendwo auf der Welt jemals behaupten können, dass diese "schulisch hinterherhinken", obwohl diese von denselben behaupteten Benachteiligungen betroffen sein müssten.
Im Gegenteil sind diese eher überproportional erfolgreich und die Gründe dafür dürften kulturell bedingt sein. Man kann vermuten, dass der Mißerfolg der Afrikaner auch kulturell bedingt ist,

palmström
51
19.6.2011, 20:15
ich wünsche mir

dass letzten endes sich jede(r), der in ö lebt auch als österreicher(in) und europäer(in) sehen kann und gerne sieht

ich denke, europäische integration sollte eine gemeinsame basis betonen und nicht ein nebeneinander von unterschieden

carpediem99
 
03
24.6.2011, 14:28

genderschmarrnsprech...

sljudanka
05
20.6.2011, 11:41
Sie wollen die griechische Fakelaki-Kultur

und die spanische Siesta-Kultur annehmen?

Ich glaube kaum dass die bewohner SüdEUropas jetzt unbedingt "deutsche eigenschaften" annehmen wollen, die sind eher unbeliebt dort....

Mirabeau
012
18.6.2011, 18:38
"Beatrice Achaleke ... wünscht sich zudem, dass es mehr schwarze Lehrer geben soll."

Da bin ich sehr dafür.

Allerdings setzt das voraus, daß mehr "Schwarze" - Menschen dieser Hautfarbe gibt es zwar nicht, aber wenn Achaleke unbedingt so bezeichnet werden will, soll es mir recht sein, - also daß mehr "Schwarze" maturieren und statt Politische Wissenschaften, Soziologie, Genderforschung und den vielen anderen, von lustigen "Studien" lebenden Studienrichtungen halt Pädagogik studieren. Dann gibt es auch mehr "schwarze" Lehrer.

Ausser in Niederösterreich. Dort, so hört man, sind alle Lehrer schwarz.

PS.: In den USA gab es vor 50 Jahren jede Menge Schulen für "Schwarze".
Leute wie Rosa Parks und Martin Luther King haben dafür gekämpft, daß das nicht mehr so ist. Seltsam, daß man hierzulande den umgekehrten Weg gehen will.

emma goldman
03
19.6.2011, 04:54

... Wer will das? Diese leute vertreten doch nur sich selbst und entwickeln (zum teil) hirngespinste. Sie mùssen davon ausgehen, dass die meisten afrikanen die wahrscheinlich gar nicht kennen bzw. völlig ignorieren. Das schulbeispiel dürfte sich an forderungen in deutschland anlehnen. wo von türkischer seite ähnliches unternommen. Ihr letzter satz ist irreführend, da sich afrikaner in keiner beziehung zu afro amerikanern sehen. Afrikaner wurden in den usa auch nicht so schlecht behandelt wie afroamerikaner. Berichten ghanesen oder nigerianer die in den 60ern in lokalen nicht nicht bedient wurden. Vor ein paar jahren fuhr mal ne aschantidelegation in die usa um sich offizielll zu entschuldigen

dr. satanas
08
17.6.2011, 17:23
Was in Schulbüchern zu lesen ist, ist nicht zeitgemäß, ist rassistisch

was ist für s. inou eigentlich nicht rassistisch?

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