Kachexie

Tumor-Patienten vor Auszehrung bewahren

16. Juni 2011, 19:00

Ursache der Kachexie ist nicht die mangelnde Nahrungsaufnahme - Grazer Forscher zeigen Zusammenhang mit fettspaltenden Enzymen

Graz - Krebspatienten verlieren im Laufe ihrer Erkrankung oftmals sehr viel an Gewicht. Diese extreme Auszehrung wird als Kachexie (griech. "schlechter Zustand") bezeichnet und beeinträchtigt sowohl die Lebensqualität der Patienten als auch die Heilungschancen. Grazer Wissenschaftern gelang nun der Nachweis, dass die Kachexieentstehung mit der Aktivität fettspaltender Enzyme in Zusammenhang steht. Publiziert wurde ihre Studie in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsjournals "Science Express".

Die Kachexie - die hochgradige Auszehrung von Patienten, die nicht nur den Körperfettanteil sondern auch die Muskulatur betrifft - ist eine eigenständige Erkrankung, die unter anderem als Komplikation im Verlauf von malignen Erkrankungen auftreten kann. Man schätzt, dass 20 bis 30 Prozent aller Krebspatienten nicht unmittelbar am Tumor, sondern an den Folgen der Auszehrung sterben. "Ursache der Kachexie ist nicht mangelnde Nahrungsaufnahme, und sie kann nicht durch hochkalorische Ernährung verhindert werden", stellte Gerald Höfler, Leiter des Instituts für Pathologie der Medizinischen Universität Graz, der sich in Kooperation mit Rudolf Zechner vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Universität Graz, seit Jahren mit Fragen des Fettstoffwechsels beschäftigt, klar.

Fehlendes Enzym

Das Grazer Forscherteam konnte nunmehr zeigen, dass die Entstehung der krebsassoziierten Kachexie mit der Aktivität fettspaltender Enzyme (Lipasen) in Zusammenhang steht: Während bei kachektischen Krebspatienten die Aktivität der Lipasen gesteigert ist, wurde im Mausmodell festgestellt, dass bei Fehlen bestimmter fettspaltender Enzyme keine Kachexie entsteht. Konkret zeigte sich, dass dass ein vollständiger Schutz gegen krebsassoziierte Kachexie vorhanden ist, wenn "Adipose Triglyceride Lipase" (ATGL) fehlt. "Das heißt, dass trotz unverändertem Wachstum der Tumore der Verlust sowohl an Fett- als auch an Muskelmasse vollständig gestoppt werden kann", so Suman Kumar Das, Autor der Studie und PhD-Student am Institut für Pathologie der Med Uni Graz. Weiters zeigte sich, dass bei Fehlen des fettspaltenden Enzyms "Hormon-sensitive Lipase" (HSL) zumindest ein teilweiser Schutz gegen krebsassoziierte Kachexie gegeben war. In ersten Studien wurde bei kachektischen Krebspatienten eine gesteigerte Aktivität von ATGL und HSL im Fettgewebe nachgewiesen.

Die Ergebnisse könnten ein Ansatz zur Verhinderung von Kachexie bei Krebserkrankungen werden, hieß es vonseiten der Grazer Med-Uni. "Theoretisch könnte man versuchen, Kachexie durch Blockierung einzelner Signalproteine (sogenannte Zytokine) zu verhindern", so Höfler. "Das Verlockende an unserem Modell ist, dass wir durch Hemmung der fettspaltenden Enzyme am zentralen Punkt ansetzen würden." Möglicherweise ließe sich auf diese Weise auch die Auszehrung bei anderen schweren Erkrankungen vermeiden: Einen ähnlichen Abbau von Fett- und Muskelgewebe wie bei Karzinomen findet man z.B. auch bei Tuberkulose, AIDS sowie bestimmten Lungen-, Nieren- und Herzerkrankungen. (APA)

erable
00
29.6.2011, 18:41
science express ist kein eigenes journal

Der Genauigkeithalber darf ich darauf hinweisen, dass diese Publikation im Journal "Science" veröffentlicht wurde.

"science express" ist nur ein service, das einige artikel schon vor der print-ausgabe online zugänglich macht.

Achja: Go Graz! :)

Anyuser
 
20
17.6.2011, 18:36
cannabis soll da helfen

das zauberkraut kann die industrie leider nicht patentieren, darum ist es auch verboten

Schnee von gestern
11
18.6.2011, 15:06

Cannabis steigert den Appetit, aber mehr zu essen löst das Problem nicht!

Urban Fischer
00
17.6.2011, 20:04
falsch

C.-produkte helfen bei Übelkeit und Appetitlosigkeit sowie Schmerzen. Nicht gegen Kachexie.

M P8
10
16.6.2011, 22:28
die Energieweiche

Soviel Ich weis schaltet der Hypothalamus zwischen Fettsoffwechsel ( Lipasenexpression der Leber ) und Kohlenhydratstoffwechsel ( Fettdepot-Aufbau ) hin und her. Bei hoch-adipösen Menschen ist er sehr oft unempfindlich gegenüber dem Hormon Leptin. Was neben einem unaufhörlichen Fettdepotaufbau auch mit ständigem Heißhunger ( u.a. Ghrelin-Expression im Magen ) verbunden ist. Vielleicht findet sich dort die Antwort zum Rätsel Kachexie.

Urban Fischer
11
17.6.2011, 20:08
die Antwort zum Rätsel Kachexie steckt im Artikel - bitte lesener

wenn sie sich aber mit Fettleibigkeit und Sättigungsgefühl beschäftigen liegen sie mit Leptin, Grhelin etc. richtig

M P8
00
17.6.2011, 21:39

Tja vielleicht geht es ja ein bisserl simpler als im Artikel beschrieben wenn es gelingt den Hypothalamus in einen anderen " Betriebszustand " zu versetzen, sodaß die Leber weniger Lipasen abgibt.

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