Vranitzky, Frauen und ein mögliches C

16. Juni 2011, 14:34
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Die Platzkosten belasten den Traditionsklub, der Altkanzler soll helfen - Der Aufstieg ist für die Männer kein konkretes Ziel, für die neue Frauenmannschaft sehr wohl

Der Wiener Sportklub bekommt zehn Jahre nach seiner Gründung eine neue Mannschaft. Ab kommender Saison wird in der vierten Liga eine Frauen-Mannschaft ihre Dienste im Trikot der Dornbacher verrichten. Das Ziel ist der direkte Aufstieg, und der soll nicht so abwegig sein. "Für diese Liga haben wir ganz gute Spielerinnen", sagte Christian Peterka, der das Projekt vorangetrieben hat, bei einer Pressekonferenz des Vereins am Mittwoch.

In einen Wiener Traditionsverein gehöre eine Frauenmannschaft, meinte Peterka. "Die Vienna hatte über einige Jahre eine, das hat sich aber auch wieder aufgehört. Rapid und Austria werden es anscheinend nicht schaffen", nach achtmonatiger Vorbereitungszeit habe er die Sportklub-Führung von seinem Projekt aber überzeugen können.

Auch unter den Fans habe Peterka in persönlichen Gesprächen durchaus schon Unterstützung anklingen hören. Es wird darüber nachgedacht, die Spiele der Frauen-Mannschaft vor den Regionalligaauftritten der Herren anzusetzen. Das könnte den Fans übrigens auch die so beliebten Derbys mit der Vienna einbringen. Wie die Döblinger uns wissen ließen, wird auch bei ihnen eine Damenmannschaft geplant. Finanzieren muss die Sportklub-Frauenmannschaft sich aber selbst. Der Verein zweigt keine Mittel von den Herren ab. Es gebe aber eigene Sponsorengelder und Förderungen.

Vranitzky und die Renovierung

Peterka ist nicht zu verwechseln mit einem gleichnamigen Wiener Landtagsabgeordneten. Der sitzt allerdings neben 14 anderen Persönlichkeiten im neu gegründeten Kuratorium des WSK. Die Dornbacher konnten für die Leitung dieses wirtschaftlichen Beirats den ehemaligen Bundeskanzler Franz Vranitzky gewinnen. Das Gremium soll dem Verein vor allem Zugang zu Netzwerken ermöglichen und in wirtschaftlichen Fragen beraten, die Entscheidungskraft bleibe aber natürlich im Verein.

Hilfe kann dem Traditionsklub nicht schaden. Der dringend renovierungsbedürftige Sportclub-Platz am Dornbacher Friedhof - laut Wikipedia der älteste noch bespielbare Platz des Landes - ist laut Vranitzky wirtschaftlich der "wichtigste Punkt". Der Klub könne dieses Projekt nicht alleine stemmen und brauche dabei Unterstützung von der Stadt, so der rote Elder Statesman, der als Bub selbst für den damaligen WSC gespielt hatte.

Die sportliche Zukunft der Männer und die des Vereins

"Außerhalb von Wien tut man sich ganz einfach leichter", weil etwa die Gemeinden den Sportplatz finanzieren würden, sagte WSK-Präsident Udo Huber im Gespäch mit derStandard.at über die finanzielle Situation. Die Kosten für den Betrieb seien in der Stadt so hoch, dass für "das Wichtigste, die Spieler und den Kader, nicht genug Geld da" sei. Zuletzt wurde bekannt, dass man Spielergehälter deutlich kürzen muss. Der Sparzwang beträfe aber auch nicht nur den Fußball, verwies Huber auf die gegenwärtige Wirtschaftskrise.

Die meisten Spieler hätten trotzdem neue Verträge unterschrieben. "Leistungsträger und Publikumslieblinge sind wieder dabei", so Huber. Der neue Trainer ist der 39-jährige Franz Maresch und war wie sein Co Mario Handl zuletzt beim SC Columbia Floridsdorf. Er muss ohne Kooperationsspieler Thomas Helly planen, der bei Wiener Neustadt einen Vertrag bekam. Der 20-jährige Abwehrspieler Daniel Aichinger kommt hingegen für vier Jahre vom FC Waidhofen, eine weitere Überlegung ist der frühere Vienna-Spieler Markus Rühmkorf (21, Mittelfeld). Die medial teilweise bereits gemeldeten Abgänge von Jürgen Csandl, Christopher Homm, Patrick Wunderbaldinger und Ercan Kayhan bezeichnet Pressesprecher Hannes Auinger als "leicht verfrüht": "Fixe Abgänge gibt es derzeit bei den Spielern gar nicht".

Ob unter den schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen der Aufstieg überhaupt finanzierbar wäre, wird nicht nur in Fanforen bezweifelt. Präsident Huber: "Auch ich hege schwere Zweifel. Aber das muss man auch sich zukommen lassen". Es sei immer das Ziel "so weit oben wie möglich" mitzuspielen. Eine Aufstiegs-Vorgabe ist das ausdrücklich nicht. Wenn die Chance in der Winterpause besteht, wird man sich auf Geldsuche begeben. Vielleicht hilft ja dabei schon das Kuratorium.

Das C rückt näher

Die Teilnahme des Wiener Sportklubs an der zweiten Liga in der Saison 2002/3 könnte aber durchaus noch einige Zeit die einzige in der Vereinsgeschichte bleiben. Trotzdem könnten die Fans sich schon bald über einige Titel freuen dürfen, und das Privileg des Wiener Sport-Clubs, sich dieser zu rühmen, in naher Zukunft hinfällig werden.

Im Bemühen, die beiden Vereine zu vereinen, sieht Huber Fortschritte. Aktuell laufen wieder Gespräche in einem "durchaus angenehmen Verhältnis". "Es sieht aus als kämen wir uns näher und näher", sagte Huber. Es seien allerdings noch einige wirtschaftliche Belange zu klären. In der kommenden Saison steht auf jeden Fall noch das K im Namen des Regionalligaklubs. (tsc, derStandard.at, 17.6. 2011)

  • Franz Vranitzky (m.) wird Sportklub-Präsident Udo Huber (r.) zukünftig wirtschaftlich beraten. Der freut sich über eine neue Frauenmannschaft.
    foto: derstandard.at/schaffer

    Franz Vranitzky (m.) wird Sportklub-Präsident Udo Huber (r.) zukünftig wirtschaftlich beraten. Der freut sich über eine neue Frauenmannschaft.

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