Unabhängige Fachschaftslisten und Aktionsgemeinschaft einigen sich auf Koalition
Graz - In der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH)
der Universität Graz wird die bisherige rot-grüne-Koalition durch
eine neues Bündnis von Fachschaftslisten (FLUG) und
Aktionsgemeinschaft (AG) ausgetauscht. Die Grünen und Alternativen
StudentInnen (GRAS) sehen in der neuen ÖH-Koalition "einen
katastrophalen Schwenk nach Rechts". Empört über die "konservative
Koalition der Verliererinnen" zeigt sich auch der Verband
Sozialistischer Studentinnen (VSStÖ), der bisher mit der GRAS die
ÖH-Spitze der Uni Graz gebildet hatte.
Stimmenmäßig haben die beiden bisher koalierenden Fraktionen
bei
der ÖH-Wahl dazugewonnen: Die GRAS hat von vier auf fünf Mandate
ausgebaut, der VSStÖ von einem auf zwei Mandate. In der
darauffolgenden Koalitionsverhandlung ist es dennoch zu einer neuen
Machtverteilung gekommen: Die FLUG, die rund neun Prozent der Stimmen
und eines ihrer bisherigen sieben Mandate verloren hat, und die AG
mit einem Stimmenverlust von eineinhalb Prozent und gleichbleibender
Mandatzahl (vier Mandate) gehen ein Bündnis ein.
RFS stimmte mit
In der konstituierenden Sitzung der ÖH wurde Stefan Thum (FLUG)
als Vorsitzender, Jan Philipp Schifko (AG) als 1. Stellvertreter und
Bernhard Bitter (FLUG) als 2. Stellvertreter mit Stimmen des Ring
Freiheitlicher Studenten (RFS) gewählt. Damit sind im
Vorsitzendenteam ausschließlich Männer vertreten. "Wenn in allen
Bereichen Beihilfen gekürzt und Studierenden Steine in den Weg gelegt
werden, müssen wir uns für die sozialen, finanziellen und
hochschulpolitischen Bedürfnisse der Studierenden stark machen", ist
Stefan Thum (FLUG) überzeugt. "Die studierendenfreundliche Umsetzung
der Studieneingangsphase ist das erste große Ziel dieser Koalition.
Mit den hochschulpolitischen Entscheidungsträgern und
Entscheidungsträgerinnen an der Universität Graz und in der Politik
werden wir freundlich im Ton, aber hart in der Sache verhandeln",
streicht Frank Schiefersteiner (AG) die Rolle der ÖH in den kommenden
Jahren heraus.
FLUG "politisch
unwillig"
In den Koalitionsverhandlungen habe sich die FLUG "politisch
unwillig" gezeigt, "auf einen progressiven Konsens in der ÖH-Arbeit"
einzusteigen, bedauerte Cengiz Kulac (GRAS), bisheriger Vorsitzender
der ÖH Uni Graz, in einer Aussendung. Er mutmaßt: "Die Zeit
kritischer Interessensvertretung für Studierende ist durch diese
Koalition vorbei."
Insgesamt traten an der Uni Graz acht Fraktionen zu ÖH-Wahl an:
Neben AG und FLUG, GRAS und VSStÖ der Kommunistische
StudentInnenverband (KSV), die Liste Unabhängiger StudentInnen
(LUST), der Ring freiheitlicher Studenten (RFS) und die Liberalen
(VERITAS).
Rot-Grün in Salzburg
An der Uni Salzburg konnten sich am Mittwochabend unterdessen
GRAS
und VSStÖ erneut auf eine Koalition für die kommenden zwei Jahre
einigen. Vorsitzender ist Simon Hofbauer (GRAS), seine Stellvertreter
Tobias Aigner (VSStÖ) und Susanne Karrer (GRAS). Im Mittelpunkt ihrer
Arbeit sollen die soziale Absicherung der Studierenden, die
Verbesserung der Studienbedingungen und der Ausbau der Beratung durch
die ÖH stehen. Die neue "alte" Koalition verfügt über eine Mehrheit
von 8 der insgesamt 13 Mandate (5 GRAS und 3 VSSTÖ). Die AG verfügt
über vier Sitze in der Uni-Vertretung. (APA)