Al-Zawahiri ist neuer Anführer der Al-Kaida

16. Juni 2011, 12:19
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"Generalkommando" Al-Kaidas soll Ayman al-Zawahiri zum neuen Anführer der Al-Kaida und Nachfolger Osama Bin Ladens bestimmt haben

Von den Medien wurde er schon etliche Male für tot erklärt, nun soll er der Nachfolger Bin Ladens als politische Integrationsfigur des losen Terrornetzwerkes Al-Kaida sein: Ayman al-Zawahiri, das "Hirn der Al Kaida", "Bin Ladens Terrorvordenker". Am Donnerstag wurde ein Video auf einer einschlägigen Islamisten-Website eine dementsprechende Botschaft lanciert. Eine Echtheit der Botschaft konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Es hieß, das "Generalkommando" der Al-Kaida habe nach ausführlichen Debatten beschlossen, dass Zawahiri der Nachfolger von Osama bin Laden werden solle.

Der Weg Al-Zawaharis schien schon von Anfang an vorgezeichnet. Aus bestem Hause - sein Vater war Medizinprofessor in Kairo, sein Großvater Scheich einer bedeutenden Moschee - war der Junge ein exzellenter Schüler und schloss 1974 sein Medizinstudium mit Bravour ab. Allein, Al-Zawahiri interessierte sich weniger für eine klassische Karriere, sondern hatte früh islamische Allmachtsgedanken. Mit 15 soll er seine erste konspirative Gruppe zum Sturz der ägyptischen Regierung gegründet haben, die die Herrschaft des Islam zum Ziel hatte. Nach seinem Studium nimmt er Kontakt auf zur Islamistengruppe Dschihad Islami (Islamischer Dschihad).

Gehirn der Al-Kaida

Als 1981 der ägyptische Präsident Anwar al-Sadat durch diese Gruppe ermordet wird, wird auch Al-Zawahiri verhaftet. Nachweisen kann man dem Ägypter eine Beteiligung nicht, allerdings wird Al-Zawahiri wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, wo er schwer gefoltert wurde. Wieder entlassen, verfolgt er sein islamistisches Engagement mit nachhaltiger Vehemenz. In Afghanistan schließt er sich den Mudschahedin an, um gegen die sowjetische Besatzung zu kämpfen. Dort trifft er auch seinen späteren Wegbegleiter Osama Bin Laden zum ersten Mal. Anfangs unterscheiden sich die Philosophien der beiden Männer deutlich, Al-Zawahiris Einfluss auf Bin Laden wächst allerdings mit der Zeit. 1989 sollen die beiden dann Al-Kaida als losen Verband "gegründet" haben. Die Struktur und das ideologisches Gerüst stammt von beiden.

In den kommenden Jahren machen die brutalen Terroranschläge Al-Kaidas die Organisation weltweit bekannt. Das "Werk" der Brüder im Geiste gipfelt in dem Anschlag auf die Twin Towers in New York am 11. September 2001. Anfang Oktober treten die beiden gemeinsam in einer Videobotschaft auf, und bekennen sich zu den Anschlägen. 

Al-Zawahari galt immer schon als Gehirn der Al-Kaida, als Mann, der die Fäden zieht. Mit seiner aktuellen "Beförderung" soll vor allem der Weltöffentlichkeit eine auch nach dem Tod Bin Ladens starke Al Kaida demonstrieren. Fraglich ist, wie die Entscheidung innerhalb des weit verzweigten Netzwerk der Al Kaida aufgenommen wird, in dem Al-Zawahiri nicht unumstritten ist.

Keine Zweifel ließ Al-Zawahiri an der Tatsache, dass er weiterhin die USA als Generalfeind sieht. Auch nach Bin Ladens Tod, warnt er in einer Videobotschaft im Mai, müsse die USA vor Al-Kaida zittern. In der aktuellen Botschaft heißt es: "Wir loben die arabischen Revolutionen" und "Wir werden alles tun, um die muslimischen Gefangenen zu befreien." Das Terrornetzwerk kündigte an, auch unter der neuen Führung den "Heiligen Krieg" gegen die USA und Israel fortzusetzen. Zawahiris gegenwärtiger Aufenthaltsort ist unbekannt. Die USA haben für seine Ergreifung 25 Millionen US-Dollar ausgesetzt. (mhe, derStandard.at, 16. Juni 2011)

  • Al-Zawahiri auf einem Video aus dem Juni dieses Jahres. 
    foto: epa/al arabiya television/handout

    Al-Zawahiri auf einem Video aus dem Juni dieses Jahres. 

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  • Al-Zawahiris Videobotschaft nach dem Tod von Bin Laden:

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