Erlösen wir Griechenland

Christoph Chorherr, 16. Juni 2011, 12:53

Die Strategie von Christoph Chorherr zur Bewältigung der Schuldenkrise

In der Geschäftswelt ist es ein ganz normaler Vorgang. Kommt ein Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten, haben die Gläubiger zwei Möglichkeiten. Entweder sie stimmen einem "Ausgleich" zu, verzichten also auf einen Teil ihrer Forderungen und hoffen, dass sich durch den Schuldennachlass das Unternehmen wieder erholt. So bekommen sie wenigstens einen Teil ihres Geldes zurück. Oder sie bleiben hart, bis das Unternehmen ganz zusammenbricht, und verlieren so all ihre Kredite. Deswegen wird der erste Weg häufig gegangen.

Übertragen wir diese Strategie auf Griechenland. Und hören wir endlich auf, der Bevölkerung Sand in die Augen zu streuen. Jeder, der sich auch nur ein wenig in der Finanzwelt auskennt weiß: Griechenland wird seine gewaltige Schuldenlast niemals zurückzahlen können. Da helfen die brutalsten Sparprogramme nichts, welche die griechische Bevölkerung jetzt erleiden muss: Drastische Pensions- und Gehaltskürzungen, Steuererhöhungen, Hinaufsetzen des Pensionsantrittsalters, Privatisierungen, ein öffentlicher Investitionsstop.

Diese würgen die Wirtschaftsentwicklung ab, mindern Steuereinnahmen und erhöhen Staatsausgaben durch eine Explosion der Zahl der Arbeitslosen. Denn was sind die sogenannten europäischen Hilfspakete? Sie sind weitere Kredite, für welche weitere Zinsen zu zahlen sind, um bisherige Kredite zurückzuzahlen.

Genauer: Diese Hilfspakete helfen den Griechen gar nichts. Das Geld bleibt ja nicht dort, sondern fließt sofort zurück. Diese Zahlungen sind ausschließlich im Interesse v.a. europäischer Kreditgeber, deutscher, französischer auch österreichischer Banken, welche Griechenland Geld geborgt haben.

Zur Erinnerung: Der Zinssatz für griechische Staatsanleihen liegt schon sehr lange über jenem für Deutschland oder Österreich. Weil eben schon lange erkannt wurde, dass griechische Staatsanleihen ein höheres Risiko bergen.

Und dafür sollen wir, europäische Steuerzahler immer weiter zahlen? Damit Geldanlagen an risikobehaftete Länder ein sicheres Geschäft sein sollen? Warum nicht einfach so (ich weiß, ganz einfach ist es nicht, aber die Grundrichtung wäre notwendig):

Jene Geldgeber, die Griechenland Geld geborgt haben, in Kenntnis der Tatsache, dass es ein höheres Risiko darstellt, verhandeln einen Ausgleich. Einen Schuldennachlass von wahrscheinlich 50%. Jetzt höre ich schon das Geschrei: Ja, aber die armen Banken in Deutschland, in Frankreich in Österreich, die gehen doch dann pleite.

Schauen wir genauer hin und überlegen wir folgende Strategie.

  1. Die Spareinlagen sind staatlich gesichert
  2. Um deutliche Abschreibungen (Verluste) aus griechischen Krediten zu verkraften, dafür muss zuerst das Eigenkapital der Bank "bluten", das sind einmal die Einlagen der Aktionäre dieser Bank.
  3. Reicht das nicht, kommen die Anleihen dran, welche alle Banken ausgegeben haben. Ja das heißt Verluste für jene, die diesen Banken Geld geborgt haben.
  4. Und reicht das zum Abdecken der Verluste auch nicht, dann könnten diese Banken, will man sie nicht pleite gehen lassen vom Staat "aufgefangen", d.h. verstaatlicht werden. Dazu müsste das Eigenkapital aufgestockt werden, der Staat würde Anteile erwerben. So haben es die USA mit GM sowie einigen Banken gemacht. Läuft das Geschäft gut (was ja im Bankbusiness vorkommen soll), können diese Anteile nach ein paar Jahren gewinnbringend wieder verkauft werden. Genau so lief es in den USA.

Was derzeit die Diskussion lähmt und auch unglaublich nervt, ist diese absurde, falsche Lagerbildung. Bist du ein guter Europäer, dann musst Du für weitere "Hilfspakete" sein. Bist Du ein rechter Nationalist, dann skandierst Du "unser Geld für uns're Leut", beschimpfst die Griechen (Arbeitsmoral, etc.) und lehnst "Hilfspakete" ab.

Ich beziehe eine dritte Position.

Ich möchte die Griechen so rasch als möglich von einer niemals rückzahlbaren Schuldenlast befreien. Ich möchte jene zur (finanziellen) Verantwortung ziehen, welche in Kenntnis des erhöhten Risikos geglaubt haben, höhere Renditen zu erzielen, da sie geglaubt haben, am Ende haftet ohnehin der Steuerzahler.

Die Griechen sollen den Lohn ihrer Konsolidierungbemühungen selbst erhalten. Und ich möchte nicht, dass öffentlich Mittel über den Umweg "Griechenland" wieder auf den Konten spekulativ handelnder Geldgeber landen.

Schuldennachlass ("Ausgleich") ist eine Errungenschaft, die einen Neubeginn ermöglicht. Schuldennachlass zieht jene zur Verantwortung, die "spekuliert" haben.

Meine EU nennt diese Dinge beim Namen, und versucht erstmals etwas, was noch nie da war. (Christoph Chorherr, derStandard.at, 16.06.2011)

Autor

Christoph Chorherr ist Gemeinderat der Grünen in Wien.

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Posting 1 bis 25 von 175
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R@iner
00
25.6.2011, 18:50
Ein Staat ist keine Firma!

Natürlich kann man einen Staat mit einer Firma vergleichen, bloß ein Staat ist keine Firma.
Und kein Staat kann seine Schulden jemals zurückbezahlen.
Und kein Staat denkt daran, seine Schulden jemals zurückzuzahlen. Keiner!
Gläubiger werden am Ende der Laufzeit befriedigt, indem der Staat einen neuen Kredit aufnimmt, um den alten zu tilgen.
Es geht also bloß darum, dass weiter geborgt wird. Und das natürlich zu leistbaren Zinsen.
Denn ein Staat ist erst dann bankrott, wenn er seinen Zinsendienst nicht mehr bedienen kann.
Und der "Markt" (wer immer das ist), ist emsig bemüht, Griechenland dort hin zu bringen.
Denn die Zinsen werden momentan in absurd astronomische Höhen getrieben.

R@iner
00
25.6.2011, 19:09
Und die Reichen werden reicher, und die Armen werden ärmer.

Wohl, weil der Staat von den Armen nimmt, um die Reichen dazu zu bewegen, weiter zu borgen.

Pervers, finde ich. Sie auch?

jesus mohamed von wien
00
17.6.2011, 17:40
angesichts dieser millarden ergaunerten euros, verlange

ich alle anzeigen wegen diebstahl und einbruch wegen geringfügigkeit einzustellen.

jesus mohamed von wien
01
17.6.2011, 17:37
arbeit muss einfach mehr belohnt werden

finanzgewinne sogar kriminalisiert werden.

europa fassen
00
17.6.2011, 15:12
Exakt,

weil wenn die Schulden GR wirklich durch Rettungspakete abgesichert werden, wofür gibt es dann so hohe Zinsen?

"Für zweijährige Anleihen verlangen die Investoren sogar schon über 25 Prozent Zinsen" (Hamburger Abendblatt von heute) Das passt mit sicherer Rückzahlung einfach nicht zusammen.

Alles andere, als ein Haircut führt dazu, dass unsere Banken und sonstige Spekulanten riesige Gewinne ohne Risiko absahnen, die ausnahmslos von uns Steuerzahlern bezahlt werden.

Angeblich gehören auch unsere Pensionsfonds zu den Gewinnern. Das scheint aber nicht zu stimmen, weil dann wären die Renditen der Pensionen viel höher.

Da casht also jemand dazwischen ab, schiebt die Pensionen vor, gibt den Gewinn aber nicht weiter.

witz bold
00
17.6.2011, 13:51
Herr Chorherr

mit dieser Entgegnung lösen sich Ihre linksgrünen Träume bezüglich einer einfachen Rettung Griechenlands in Luft auf:

http://derstandard.at/130818629... iechenland

jesus mohamed von wien
01
17.6.2011, 15:01
lösung: weiterbezahlen bis wir auch nicht mehr können

nachher alle gemeinsam solidarisch bei null wieder anfangen.

so sollte eigentlich die ganze welt in konkurs gehen. alles wird aufgerechnet und viele zinseszins zahlungen hätten sich neutralisiert.

alle rohstoffe, gold silber ect zu gleichen teilen für lebenslange nützung aller erdenbürger aufteilen. nach dem tod wird es wieder der masse zugeführt.

witz bold
00
17.6.2011, 16:20
Und was kommt nach dem Tod?

Sie haben es erraten: Die Rechnungen.

janus666
11
17.6.2011, 13:39
Da könnten wir die Griechen gleich aus dem Euro rausschmeißen, pleite gehen lassen und mit einem ins Bodenlose abgewerteten Drachmen neu durchstarten lassen.

Der Nachteil: Wir bezahlen die Zeche. Der Vorteil: Griechenland richtet in Zukunft keinen Schaden mehr an.
Auf Partner muss man sich verlassen können und das sieht leider in Griechenland überhaupt nicht so aus. Siehst man sich die Parlamentssitzverteilung an, stellt man fest, dass fast 60% von den Linken besetzt sind, die erwiesenermaßen Wirtschaftsfeindlich und vor allem ahnungslos sind. (Davon 12,14% Kommunisten - wobei hier die Grünen noch nicht dazugez. wurden) Wie soll dieses Parl. und diese Reg. das Land jemals aus der Krise führen?

Zum Vorschlag von Chorherr:
Nachteil: Wir bezahlen die Zeche in 50% Raten
Vorteil: Keiner.

der paulek
04
17.6.2011, 18:15
die "linken" regieren griechenland erst seit kurzen

viel mehr gelogen, viel mehr wahnsinn betrieben haben die vorher regierenden konservativen - nur soweit reicht ihr gedächtnis wohl nicht mehr.

ein.leser
00
17.6.2011, 13:09

Herr Chorherr,
Ich schließe mich Ihrer 'dritten Position' an. Allerdings mit einer kleinen Einschränkung.

Meiner Meinung nach muss ein Schludennachlass an einen Reform-Plan gebunden sein (Steuerreform, Gesundheitsreform,... mit rechtlich bindenden Zeitrahmen). Dann hätte auch der Griechische Normalbürger langfristigen Nutzen von dieser Aktion (nicht zu vergessen die Steuerzahler anderer EU-Staaten).

Frodo Der Hobbit
00
17.6.2011, 20:30
welche reform führt denn dazu

dass die grossbesitzer adäquate steuern zahlen, inklusive kirche?
die parken im ausland, in stiftungen, in abschreibeposten..
oder sie haben ohnehin enorme vergünstigungen.

ein.leser
00
17.6.2011, 21:35
sorry, habe einige'versuche' gestartet, eine umfassende Antwort zu liefern ..... aber es ist FR und ich bin jezt auch schon müde.

ohne jetzt ins Detail zu gehen ... JA .. Frodo :-) ,... wer zahlt (?) inklusive Kirche ( DAS ist der eigentliche Skandal in punkto GR-Steuerzahler .... die GR-Ortho's zahlen NIX ...)

Peter T71
00
17.6.2011, 13:40

Stimme zu. Auch das ist eine Analogie zum Ausgleich wo der Schuldner für einen bestimmten Zeitraum strikte Auflagen erfüllen muß bis die Konsolidierung erfolgreich ist

I, _ oder gar °?
00
17.6.2011, 13:09
Bliebt nur ein Unterschied:

Kommt ein Unternehmen oder ein Haushalt in Zahlungsschwierigkeiten erwarten sich die Gläubiger eine Änderung des Umgangs mit Geld.
Was die Demonstranten in Griechenland und diverse Linken in Österreich aber wollen, ist, dass das fleißige Schuldenmachen weitergehen kann, damit es weiterhin Geld für die Leute gibt, das keiner verdient.

Mag sein, dass Kürzungen brutal sind.
Es ist auch brutal, wenn sich einer auf Pump eine Villa kauft, und die dann zurückgeben und in eine Gemeindewohnung ziehen muss. Sollen ihm deshalb die Leute, die anstatt einer Villa auf Pump ein kleines Häuschen aus den Ersparnissen gekauft haben, die Villa weiterfinanzieren, damits nicht brutal ist?

Bioberni31
00
17.6.2011, 13:07
Die Rettung Griechenlands und der Banken sei alternativlos? Tatsächlich?

Haben Chaosstaaen wie Somalia, Irak, Afghanistan und der Sudan nicht ein halbwegs funktionierendes Bankensystem? Trotzdem kann man dort kaum ruhigens Gewissens auf die Straße gehen.

Davon zu reden wenn die Banken zusammenbrechen das dann das große Chaos auftritt ist vor allem eine Mär von den Bankern selbst. Denn was wäre die Alternative: Natürlich würde es zu einigem Schaden kommen wenn die Banken krachen. Der Untergang des Abendlandes wäre da aber nicht. Nur würde man sich dann, wenn sich der Staub verzieht halt wirklich Maßnahmen ergreifen das sowas nicht mehr passieren kann - und da hätten die Banker - macht- und mittellos - sicher gar nichts mehr mitzureden. Man rettet nicht Griechenland, sondern den Machterhalt der Banken.

janus666
00
17.6.2011, 13:24
Du hast nicht die geringste Ahnung,

wovon du eigentlich sprichst - Bioberni

Bioberni31
00
17.6.2011, 15:18
Na dann bitte ich um Aufklärung

aber nicht mit den platten Argumenten der Bankenvertreter und der Politiker (die oft ein und dieselben Personen sind).

Silvio Lackner
00
17.6.2011, 13:11
Es wäre endlich ein Neubeginn möglich

und die absurde, rastlose Hatz hätte die Chance auf ihr Ende.

Silvio Lackner
00
17.6.2011, 12:50

Die Mitzi hat aber gestern im parlament gsagt, die neune kredite für Grichenland sind ein Bombengschäft für Österreich.

Orjares
12
17.6.2011, 12:35
Chorherr, wie immer ein Lichtblick unter den Grünen

Er argumentiert seine Positionen nachvollziehbar und mit dem Blick auf die Zukunft.

Chorrherr konnte ich bisher immer nur zustimmen, und ich hoffe, dass seine Positionen unter den Grünen Gehör finden (so war er einer der ersten Grünen, die das Thema Immigration kritisch und konstruktiv untersucht haben, leider setzte sich das nicht durch).

Gäbe es mehrere wie ihn bei den Grünen, wäre ein Kreuz bei ihnen nicht das Ergebnis eines Ausschlussverfahrens, sondern tatsächlich die Wahl einer Partei, die meine Punkte vertritt.

Stahl_____666
00
17.6.2011, 13:07
.

Eben nicht - wie schon unten dargestellt werden bei einer Bankenbeteiligung die Kreditausfallsversicherungen schlagend.

Des weiteren würde ein "Haircut" einen Dominoeffekt auslösen - Portugal und Irland würden zu Recht fragen warum sie nicht auch in den Genuß eines tw. Schuldenerlasses kommen.

Drittens würden die Ratings aller Mittelmeerländer um mindestens eine Stufe nach unten gesetzt werden. Ist der Haircut einmal am Tablett werden sich alle Investoren hüten, dort auch nur einen Cent zu lassen.

Dies wiederum hätte viertens zur Folge, daß sich diese Staaten nicht am freien Markt refinanzieren können und auch wieder die EZB um Hilfe bitten müssen.

Der Vorschlag von Chorherr klingt simpel, aber so einfach ist die Sache nicht.

aus man
00
17.6.2011, 12:02
Das Beste im Menschen

Ich finde, Griechenland und die anderen Anwärter sollen pleite gehen, denn eine echte Krise bringt das Beste in den Menschen zum Vorschein, und das wird bald bitter nötig sein. Und es wird billiger sein die Menschen vom Verhungern zu retten, anstatt die Banken bzw den Kapitalismus zu sanieren.
Wir machen uns doch nur vor, dass alles vom Geld abhängt und dadurch lösbar ist. Die Frage ist, wie lange Europa von einer Umweltkatastrophe Ausmass Japan und Australien verschont bleibt.
Damit kalkuliert keiner, und dafür gibts dann auch kein Geld. Meiner Meinung nach ist der Kapitalismus tot, und je länger wir ihn nicht begraben, desto mehr wirds stinken.
Aber: Wurscht, lasst uns feiern solange es geht, weil schlimmer wirds auf jeden Fall. Prost

Stahl_____666
31
17.6.2011, 11:05
.

So stellt sich der kleine Christoph die Welt der Hochfinanz vor.

Der ganze Vorschlag ist schon deswegen nicht gangbar, weil bei einem "Ausgleich" die Anleihen auf "Default" geratet werden - was wiederum die CDSs schlagend werden lässt.

Und da geht es um ein Vielfaches der jetzt im Spiel befindlichen Summen.

Orjares
00
17.6.2011, 12:37
Was ist ihre Lösung?

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