Massenflucht nach Stammeskämpfen

23. Mai 2003, 11:32
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UNO hält Völkermord im Nordkongo für möglich - Frankreich, Deutschland und Belgien stellen Eingreiftruppe

Bunia - Das Ausmaß der Kämpfe zwischen den verfeindeten Volksgruppen der Hema und der Lendu im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo ist größer als bisher angenommen. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden seit dem 4. Mai in der Stadt Bunia, dem Zentrum der Kämpfe in der Region Ituri, mehr als 310 Tote geborgen. Wie eine Mitarbeiterin der UNO-Blauhelmmission in Kongo (MONUC) am Donnerstag mitteilte, wurden am Vortag in der Stadt weitere sieben Leichen gefunden. Außerdem sei etwas außerhalb von Bunia ein Massengrab mit vermutlich etwa 30 Leichen entdeckt worden. Bei den Opfern handelt es sich nach UNO-Angaben überwiegend um Zivilisten.

Die meisten der etwa 350.000 EinwohnerInnen von Bunia sind auf der Flucht, nachdem sich verfeindete Milizen dort schwere Kämpfe geliefert hatten. Die Rebellen der von den Hema dominierten Gruppe Union Kongolesischer Patrioten (UPC) hatten die Stadt Bunia am 12. Mai nach heftigen Kämpfen mit den Lendu-Milizen erobert. Unmittelbar nach der Einnahme der Stadt hatten die Kämpfe angehalten.

Pygmäen werfen Kämpfern Kannibalismus vor

Die Pygmäen im kongolesischen Regenwald werfen den Bürgerkriegsparteien des Landes Kannibalismus, Vergewaltigung und die Übertragung von Krankheiten vor. "Wir haben Grausamkeit, Massaker und Völkermord erlebt", sagte Sinafasi Makelo als Vertreter der Mbuti-Pygmäen am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in New York. "Aber wir haben vorher noch niemals erlebt, dass Menschen wie kürzlich geschehen gejagt und wie Wild gegessen werden." Er forderte die Vereinten Nationen auf, ein internationales Tribunal zur Verfolgung der Verbrechen einzusetzen.

Ungeachtet eines im vergangenen Dezember geschlossenen Friedensabkommens gehen die Kämpfe rivalisierender Ethnien und Rebellengruppen im Nordosten des afrikanischen Landes weiter. Das Nachbarland Ruanda soll die größte Rebellenorganisation Kongolesische Sammlungsbewegung für die Demokratie (RCD) und die Hema unterstützen, während Uganda auf der Seite der Lendu steht. Die beiden Länder haben nach jahrelanger Truppenpräsenz in Kongo nach eigenen Angaben in der Folge des Friedensabkommens ihre Soldaten weitgehend zurückgezogen. Die seit sechs Jahren andauernden Kämpfe in der Demokratischen Republik Kongo sind nach Angaben der UNO mit rund 2,5 Millionen Todesopfern die schlimmste kriegerische Auseinandersetzung der Gegenwart. (APA)

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    Bewachte Flüchtlinge am Flughafen von Bunia

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