Walter Höllerer 1922-2003

21. Mai 2003, 19:27
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Der Wissenschaftler war durch seine Arbeit mit der "Gruppe 47" eine der Zentralfiguren der deutschen Literatur der Nachkriegsjahre

Berlin - Der Autor und Literaturwissenschaftler Walter Höllerer ist am Dienstagabend in Berlin im Alter von 80 Jahren gestorben. Das teilte das Literarische Colloquium am Mittwoch mit, das Höllerer vor 40 Jahren gegründet hatte. Höllerer gehörte zu den bedeutendsten Literaturanregern der Nachkriegszeit in Deutschland in Verbindung der "Gruppe 47" um Günter Grass und Uwe Johnson. Als Autor veröffentlichte er unter anderem den Roman "Die Elephantenuhr".

Eng mit der "Gruppe 47" verbunden

Höllerer war einer der engagiertesten Organisatoren der deutschen Schriftstellerszene. Sein Name ist eng mit der legendären Literatenvereinigung "Gruppe 47" verbunden und der ebenso avantgardistischen wie auch gesellschaftspolitisch engagierten Literaten-Szene im Nachkriegsdeutschland. Höllerer war als Anreger und Förderer junger Talente ein umtriebiger Organisator und jahrzehntelang einer der bekanntesten Protagonisten des deutschen Literatur-Betriebs.

Der langjährige Herausgeber der Zeitschriften "Akzente" und "Sprache im technischen Zeitalter" wurde vor allem als "spiritus rector" des 1963 mit Hilfe der amerikanischen Ford Foundation gegründeten "Literarischen Colloquiums" am Berliner Wannsee bekannt. Das Autorenhaus, dessen Ehrenvorsitzender Höllerer inzwischen ist, entwickelte sich bald zu einer international beachteten Begegnungsstätte und förderte auch die Zusammenarbeit der Literaten mit den Bereichen Theater, Film und Fernsehen. Auch die "Gruppe 47" um Hans Werner Richter, bei der sich etliche bis dahin unbekannte Autoren von Ingeborg Bachmann über Uwe Johnson bis Günter Grass "hochgelesen" haben, tagte am Wannsee.

"Weltei-Erkundungen"

"Wie viele Schlachten wurden hier geschlagen", meinte Höllerer einmal rückblickend auf die 1947 gegründete Autorenvereinigung, zu der er 1954 gestoßen ist. Dort saßen die Autoren, um aus ihren neuen Texten zu lesen und wurden von ihren Kollegen und von Kritikern, von Hans Mayer über Walter Jens bis Marcel Reich-Ranicki, unter die kritische Lupe genommen.

Höllerer wurde am 19. Dezember 1922 im oberpfälzischen Sulzbach-Rosenberg geboren, dem er 1987 auch seine wertvolle Sammlung deutscher Nachkriegsliteratur mit über 20.000 Briefen und zahlreichen Originaldokumenten für das dortige Literaturarchiv überlassen hat. Sein schriftstellerisches Werk umfasst lyrische, erzählerische und essayistisch-wissenschaftliche Arbeiten sowie den Roman "Die Elephantenuhr" (1973) und die Komödie "Alle Vögel alle" (1978). Eine Sammlung von Reden, Essays, Aufsätzen und Geschichten erschien 1987 unter dem Titel "Walter Höllerers Oberpfälzische Weltei-Erkundungen".

Immer wieder ergriff Höllerer auch Partei in gesellschaftspolitischen Streitfragen wie der Stationierung von Atomraketen in der Oberpfalz und der Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf. Höllerer war Mitglied des PEN-Clubs, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Berliner Akademie der Künste. Er erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter 1966 den Berliner Fontanepreis und 1975 den Johann-Heinrich-Merck-Preis. (APA/dpa)

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    Walter Höllerer

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