Avantgarde in memoriam

21. Mai 2003, 19:47
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Das Filmmuseum bringt bis 28. Mai eine Retrospektive des US-Regisseurs Stan Brakhage

Wien - Ab 21. Mai zeigt das Österreichische Filmmuseum in memoriam Stan Brakhage eine Retrospektive des am 9. März verstorbenen wichtigen US-Avantgardefilmers. Bis 28. Mai stehen in sieben Programmen Filme aus allen Schaffensperioden auf dem Programm.

Zum Auftakt der Hommage erzählt Peter Kubelka, der mit Brakhage gut bekannte langjährige Dirketor des Filmmuseums, am 21. Mai in einem Gespräch mit Martin Arnold über seine persönliche und künstlerische Beziehung zu Brakhage und analysiert dessen bahnbrechende Rolle in der Filmgeschichte.

Die filmhistorische Bedeutung von Brakhages zutiefst persönlichem und autonomem Werk verhält sich vielerorts fast umgekehrt zu seiner Bekanntheit - in Wien etwas weniger so: Von Brakhage stammte etwa der letztjährige Viennale-Trailer; einzelne Werke und Werkblöcke waren immer wieder zu sehen.

Drei Minuten bis vier Stunden

Der 1933 in Kansas City (US-Bundesstaat Missouri) geborene Filmemacher war einer der wichtigsten US-Experimentalfilmer und führender Vertreter des New American Cinema. Seine Arbeit bewegte sich am Schnittpunkt von Film, Dichtung, Malerei und Musik.

Brakhage hat über 300 Filme, großteils Stummfilme, gedreht - darunter autobiografische Streifen ("Scenes from under Childhood", "The machine of Eden"), semidokumentarische Arbeiten über soziale Zustände, Künstlerbiografien (über Melies, Chaplin, Dreyer oder Vigo) oder Porträts seiner eigenen Familie, aber auch Meditationen über den Krieg oder "Sexuelle Meditationen". Seine Filme reichen von Drei-Minuten-Streifen bis zum viereinhalbstündigen "The Art of Vision". Sein Film "Dog Star Man" (1964) wurde 1999 von der US Library of Congress zum "Nationalen Filmerbe" hinzugefügt.

Handgemalt

1974 stellte Brakhage sein abstraktes Hauptwerk "The Text of Light" fertig. In den letzten zehn Jahren widmete er sich verstärkt abstrakten Arbeiten, den so genannten "handpainted films", freie leuchtende Folgen von Bewegung und Farbe. Einen davon, "SB" (nach seinen Initialen), wählte die Viennale 2002 als ihren Trailer aus. Zu seinen wichtigsten Filmen zählen weiters u.a. "The Act of Seeing with One' s Own Eyes" (1971), "Murder Psalm" (1981), "Night Music" (1986) "Dance", "Love Song" und "Love Song 2" (alle 2001).

Das Filmmuseum würdigt Brakhages Oeuvre vom Durchbruch in den 50er Jahren mit "Anticipation of the Night" (ein Kino wider die Tabus Nacktheit, Sexualität, Geburt und Suizid) über den radikalen "Materialfilm" "Mothlight", das mythische "Epos" "Dog Star Man" bis hin zur Aggression des "Murder Psalm" und zum Lyrismus von "A Child's Garden and the Serious Sea", heißt es in einer Ankündigung. (APA)

"In memoriam Stan Brakhage"

Detailliertes Programm unter
www.filmmuseum.at
  • "Fire of Waters"
 (22.5., 19:00)
    foto: filmmuseum

    "Fire of Waters"
    (22.5., 19:00)

  • Stan Brakhage
    foto: filmmuseum/friedl kubelka-bondy

    Stan Brakhage

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