Kupfert Schüssel beim ORF-Chefredakteur?

22. Dezember 2005, 15:44
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Oder doch Mück beim Kanzler? - Heimkehrerprosa, erster Teil

Herrlich, aus dem Urlaub zurückzukommen. Und zehn Tage österreichische Medienberichterstattung - ohne eigenes Zutun - nachzulesen. Erster Höhepunkt: "Die Presse" vom vorvergangenen Wochenende. Ausführlich darf sich ORF-Chefredakteur Werner Mück darüber beschweren, dass die "Gesprächsbereitschaft der Politik sehr stark abgenommen hat". Vom Kanzler abwärts verweigerten sich Vertreter der Regierungsparteien Diskussionen im ORF, die sie nicht führen wollen, sagt er und findet das demokratiepolitisch fragwürdig.

Eigentlich müsste Mück das doch kennen: Nur möglicherweise unangenehmen Anfragen des "Standard" (aber auch durchaus harmlosen) zum Beispiel verweigert er sich seit beinahe einem Jahr sehr konsequent.

Zur Theorie, dass Schüssel den ORF - wie Mück den STANDARD - für das Zentralorgan der "Kaffeehauslinken" hält und deshalb nicht zur Verfügung steht, kann man sich freilich spätestens seit Mücks Engagement zum Chefredakteur nicht mehr versteigen. Und schon gar nicht wollen wir darüber spekulieren, warum "seitens der Politik auch nicht mehr interveniert wird". Man könnte ja glatt auf den Gedanken kommen, dass sie es angesichts des straffen Führungsstils und einschlägiger Vorgaben in der ORF-Information nicht mehr nötig hat. Tun wir aber nicht, schließlich amüsiert man sich auf dem Küniglberg bisweilen über fehlgeleitete Interventionen, wenn sich ein Klubchef beim Tippen der entsprechenden Durchwahl als Legastheniker herausstellt und zu rasch losplaudert. Ist dieses Ondit nicht war, dann zumindest liebevoll erfunden.

Inzwischen hat Mück noch einmal geklagt, diesmal dem "Kurier": "Wie bei Printmedien gab es das Problem der Gesprächsverweigerung durch Politiker während der Sondierungsgespräche zur Regierungsbildung. Es ist so, dass auch jetzt die Regierungsparteien nicht unbedingt den offenen Dialog fördern." Da kennen wir noch jemand. "Ich hoffe, dass sich das ändert, weil man ja erkannt haben muss, dass es außer Nachteilen nichts bringt." Tja, Erkenntnis muss nicht immer gleich zur Besserung führen.

Aber alles kein Thema, erfahren wir von Mück: "Sie können davon ausgehen, dass ich keinen Wünschen aus der Politik nachgebe." Das beruhigt. (fid)

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